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Hardware: Apple Tablet – Fakten und Gerüchte

Entwürfe eines Apple Tablet aus einem Designwettbewerb von Gizmodo.com

Das Tablet von ist der Yeti der Computerindustrie: Gerüchte darüber halten sich hartnäckig, er taucht immer mal wieder verschwommen auf, Menschen glauben Spuren gefunden zu haben - aber wirklich gesehen hat ihn niemand. Nun gibt es in der nächsten Version des Betriebssystems Mac OS X mit dem Codename „Snow Leopard“ einige Anzeichen, die ein Tablet wahrscheinlicher machen. Zudem hat Apple viele Trümpfe in der Hand, um ein solches Produkt erfolgreich auf den Markt zu bringen. t3n begibt sich auf die Suche nach dem „iPhone Pro“. Oder ist es ein „MacBook touch“?

Zuerst war das iPhone ein Tablet-PC

So ziemlich alles, was man Apple an potenziellen Produkten andichtet, dürfte irgendwo in den Design- und Technologielabors der Firma zu finden sein. Sicher ist, das dazu auch ein Apple Tablet gehört, denn das iPhone ging aus einem solchen Projekt hervor: Ein Team arbeitete an einem Tablet-PC mit Touchscreen, als die Idee aufkam, ein Smartphone zu bauen - das ist in diesem Artikel der „Wired“ über die Entstehung des iPhones nachzulesen.

Inzwischen hat Apple von iPhone und iPod touch rund 40 Millionen Stück verkauft. Zeit, sich nach einer weiteren Produktlinie umzuschauen? Einiges spricht dafür.

Schon kurz nach Vorstellung des iPhones wurde darüber spekuliert, wann die Produktlinie wie beim iPod um größere und kleinere Modelle erweitert wird. Apples vehemente Ablehnung eines Netbooks als Gerät zwischen iPhone und MacBook treibt die Phantasie weiter an. Werden uns die Kalifornier mit einem ganz anderen Produkt überraschen?

Spurensuche mit dem „Snow Leopard“

Cnet hat in diesem Beitrag einmal einige neue Features und Verbesserungen in Mac OS X 10.6 „Snow Leopard“ zusammengetragen, die zumindest auf ein Tablet hindeuten könnten. Ihre Begründung: Manche Neuerungen würden besonders die Bedienung per Finger vereinfachen. Beispiele:

  • Exposé im Dock: Hält man den Mauszeiger auf ein Symbol im Dock am unteren Bildschirmrand gedrückt, werden alle Fenster des Programms angezeigt. Das ginge natürlich auch per Fingerdruck und würde den Weg zu einem Dokument verkürzen.
  • Stacks: Die „Datei-Stapel“ im Dock zeigen nun alle Inhalte an und man kann auch hier in der Verzeichnisstruktur navigieren. Bislang wechselt man dazu in den Finder.
  • Handschrifterkennung: Sie ist eine Hinterlassenschaft aus dem PDA-Urahn Newton und schon heute in Mac OS X zu finden - sobald man ein Grafiktablett anschließt. In „Snow Leopard“ kann man nun beispielsweise chinesische Schriftzeichen auch auf dem Touchpad eines Laptops eingeben.
  • Safari 4: In der aktuellen Version von Safari finden sich Features, die sich mit ihren großen Symbolen besonders für die Fingerbedienung eignen - wie beispielsweise die meistbesuchten Seiten oder die History in der aus iTunes bekannten „Coverflow“-Ansicht.

Eindeutig ist: Apple hätte sowohl die Erfahrung in Sachen , um einen Tablet-PC zu bauen, als auch die notwendige Software. Denn das Betriebssystem auf iPhone und iPod touch basiert auf Mac OS X. Es wurde um alle nicht benötigten Elemente erleichtert und mit einer neuen Benutzeroberfläche sowie neuen Programmierschnittstellen für Entwickler versehen. Es spricht nichts dagegen, das Teile daraus in eine Tablet-Variante wandern.

Eine andere Möglichkeit wäre, das auf dem Tablet dieselbe Oberfläche wie bei iPhone und iPod touch läuft. Dazu müsste es natürlich idealerweise unabhängig von der Auflösung des jeweiligen Geräts sein. Entsprechende Hinweise darauf haben Entwickler bereits entdeckt. Ein Tablet mit iPhone OS hätte den Vorteil, sofort auf den prall gefüllten AppStore zurückgreifen zu können.

Oder wird es am Ende eine Kombination aus beidem?

Technische Daten und Erscheinungstermin

Konkrete Gerüchte zu den Spezifikationen des Apple Tablet gibt es kaum. Eine Bildschirmdiagonale von 10 Zoll hat sich als sehr wahrscheinlich durchgesetzt. Unklar ist der Erscheinungstermin. Mac OS X 10.6 „Snow Leopard“ soll im September herauskommen. Wenn, dann wird das Tablet vermutlich erst danach auf den Markt kommen. Gerüchte sprechen gar von 2010.

Preislich müsste das Tablet deutlich unter dem kleinsten MacBook angesiedelt sein. Trotzdem müsste es eine ausgezeichnete Akkulaufzeit haben und genug Rechenpower mitbringen.

Die größte Frage, die ich mir bei einem solchen Apple Tablet stelle: Wozu sollte ich es brauchen? Viele finden die Idee eines interessant. Aber was ist der Anwendungsfall für ein Device, das ich nicht in die Hosentasche stecken kann, das aber dennoch kein Laptop ist? Kann es tatsächlich die Rolle eines Netbooks übernehmen? Was meint Ihr?

Vielleicht hilft ein Blick auf die potenzielle Konkurrenz.

Konkurrent 1: Amazon Kindle und Kindle DX

amazon-kindle-dxMit dem Kindle und dem größeren Kindle DX geht es Amazon vor allem um die Zukunft der Bücher. Aber auch Zeitungen und Zeitschriften sowie Webseiten kann man mit dem Kindle lesen. Praktischerweise kann er sich neue Inhalte per Mobilfunk holen. Die Kosten dafür sind im Preis des jeweiligen Inhalts bereits enthalten.

Dank E-Ink-Display ist der Kindle vor allem fürs Lesen geeignet. Dieses „elektronische Papier“ hat ähnliche Eigenschaften wie bedrucktes Papier. Nachteile: Die Displays reagieren sehr langsam und bieten derzeit keine Farben. Für Multimedia-Anwendungen ist ein Kindle so also nicht geeignet.

Wer viel liest oder viele Inhalte bei sich tragen muss (wie bspw. Studenten) könnte aber den Kindle wegen seines Displays bevorzugen. Weiterer Vorteil von E-Ink: Es verbraucht deutlich weniger Strom als ein normaler Bildschirm.

Konkurrent 2: CrunchPad

crunchpadMichael Arrington von TechCrunch vermisst ein preisgünstiges, einfaches Tablet auf dem Markt. Und da es niemand baut, lässt er es nun selbst bauen. Es gibt erste Prototypen und einen Ausblick auf das finale Design. Das „CrunchPad“ setzt auf ein normales Display mit 12 Zoll Diagonale, läuft unter einem angepassten Linux und soll nur 300 Dollar kosten. Hier haben wir es genauer vorgestellt. Im Juli soll das Gerät auf einer Presseveranstaltung genauer vorgestellt werden.

Konkurrent 3: Laptops und Tablets mit Windows 7

dell-latitude-xt2In das nächste Windows integriert Microsoft auch diverse Multitouch-Fähigkeiten, die wir heute bereits vom iPhone und von Microsofts Computer-Tisch-Monstrum „Surface“ kennen. Damit könnten die Tablet-PCs und die Laptops mit Touchscreen eine Renaissance erleben (links das Dell Latitude XT2). Bislang waren sie kein Verkaufsschlager. Sie sind allerdings in der Regel auch sehr teuer und bieten kaum einen Mehrwert. Hauptproblem ist hier, dass die Software-Entwickler entsprechende Touch-Funktionalitäten vorsehen müssten, damit es gut funktioniert. Die werden das aber erst tun, wenn es genügend Hardware und Anwender gibt. Die aber gibt es vor allem dann, wenn die Software gut funktioniert...

Fazit

Wie Patentschriften von Apple zeigen, gibt es schon seit vielen Jahren Überlegungen zu einem Tablet-PC. Das iPhone ist aus einem solchen Projekt hervorgegangen. Und die Kalifornier haben heute sowohl die Erfahrung mit passender Hardware als auch das notwendige Betriebssystem. Insofern scheint es hochgradig wahrscheinlich, dass wir ein solches Gerät sehen.

Möglich aber, dass das Projekt noch gestoppt wird. Apple-CEO Steve Jobs hatte schließlich schon vor einigen Jahren in einem Interview gemeint, dass er nicht nur auf die Produkte stolz sei, die sie auf den Markt bringen, sondern auch auf die, die sie in ihren Labors belassen. So gab er damals zu, dass sie einen PDA fertig entwickelt hatten und ihn dann doch nicht herausgebracht haben.

Weiterführende Links zum Thema Apple:

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3 Antworten
  1. von Matthias Schwenk am 17.06.2009 (15:55 Uhr)

    Ich vermute auch stark, dass Apple an einem Tablet arbeitet. Allerdings werden sie keinen Coup wie mit dem iPhone landen können: Michael Arrington wird schneller sein. Das Crunchpad dürfte denn auch für Apple der Signalgeber dafür sein, ob ein entsprechender Markt existiert oder nicht. Schlägt das Crunchpad am Markt gut ein, könnte Apple vielleicht schon im Herbst nachziehen.

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  2. von open claus am 17.06.2009 (16:07 Uhr)

    arnold schafft doch jetzt in kalifornien, die schulbücher ab.
    da könnte sich ein riesenmarkt für tablets ergeben.

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  3. von Uwe am 17.06.2009 (16:12 Uhr)

    Ich denke ein Markt für Tabelts ist auf jeden Fall da und wird noch größer sobald diese auch ordentlich per Touch bedienbar sind und die Tastatur man sich sparen kann.
    Als reines Surf-Tablet oder Web-Tablet wie es der CrunchPad werden soll ist eine solche Gattung von mobilen Endgeräten doch schon lange überfällig.

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