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Darum hat Facebook die Sichtbarkeit von Unternehmensseiten verringert

Seit Ende August ist die Sichtbarkeit von Unternehmensseiten bei stark zurückgegangen, wie eine von We Are Social klar aufzeigt. Vermutlich handelt es sich dabei aber nicht um den Versuch, Promoted Posts zu erzwingen, wie vielfach befürchtet wurde.

Darum hat Facebook die Sichtbarkeit von Unternehmensseiten verringert
Ein Like-Button darf auch in Facebooks Rechenzentrum nicht fehlen. Quelle: GigaOm

Will Facebook Promoted Posts pushen?

In den vergangenen Wochen entbrannte eine Diskussion darüber, ob und warum bei Facebook die Reichweite von Unternehmens-Postings stark zurückgegangen ist. Eine Website namens Dangerous Minds vertrat die Überzeugung, dass Facebook Seitenbetreiber dazu zwingen wolle, mehr in Promoted Posts zu investieren, da die Werbemöglichkeit etwa zeitgleich ausgerollt wurde. Josh Constine von Techcrunch widersprach dem scharf und vertrat die Überzeugung, dass es sich um eine weitgehend natürliche Entwicklung handelt und Facebook seinen Spamfilter verschärft habe.

Nun hat sich auch die Social Media Agentur We Are Social vertieft mit der Materie auseinander gesetzt und kommt zu dem Schluss, dass Facebook seinen Newsfeed Ranking Algorithmus (EdgeRank) tatsächlich verändert hat - aber nicht unbedingt deshalb, um Promoted Posts zu pushen (den gesamten Artikel gibt es ebenfalls bei Techcrunch zu lesen).

Die Reichweite der Postings von Unternehmensseiten hat seit Ende August kontinuierlich abgenommen, ein Ende ist nicht in Sicht (Quelle: Techcrunch.com).

Aus den von We Are Social erhobenen Statistiken geht hervor, dass die Reichweite von Unternehmens-Meldungen seit Ende August tatsächlich um durchschnittlich 40 Prozent gesunken ist – unabhängig davon, wie viele Menschen die entsprechende Seite geliked haben. Allerdings betrifft dies vor allem Foto-, Video- und Link-Updates; Statusmeldungen sind davon interessanterweise nicht so stark betroffen. Auf Anfrage erklärte Facebook gegenüber Robin Grant von We Are Social, dass man daran arbeite, die Anzeige von Meldungen im Newsfeed ständig zu verbessern. Mit der wachsenden Anzahl von Unternehmensseiten sei es wichtig, dass Menschen genau die Inhalte zu sehen bekommen, die auch wirklich interessieren.

Dies passt zu der Statistik von We Are Social, derzufolge die Beteiligung der Fans (Engagement Rate) gleich geblieben ist, obwohl die Reichweite der Meldungen zurückgegangen ist. Wenn aber das Engagement der Nutzer nicht abgenommen hat, obwohl die Postings von weniger Menschen gelesen werden, bedeute dies, dass sich die User insgesamt stärker beteiligen als zuvor. Was wiederum aufzeigt, dass die Relevanz der sichtbaren Meldungen aus Nutzersicht gestiegen ist.

Trotz abnehmender Sichtbarkeit von Facebook-Unternehmensseiten ist die Engagement Rate weitestgehend stabil geblieben. (Quelle: Techcrunch.com)

Es scheint also, als ob Facebook seinen EdgeRank Algorithmus tatsächlich geändert hat, allerdings nicht unbedingt um Sponsored Posts zu erzwingen, sondern um die Qualität des Newsfeed zu erhöhen. Wie Grant feststellt, haben Unternehmens-Postings auch zuvor niemals 100 Prozent der Fangemeinde erreicht, da Facebooks EdgeRank schon immer festgelegt hat, welche Meldungen die Fans wohl sehen wollen und welche nicht. Dass angesichts der wachsenden Anzahl von Unternehmensseiten und ihrer Fans nun stärker ausgesiebt wird, ist eine notwendige Entwicklung, die weder für Nutzer noch Seitenbetreiber ungesund ist. Allerdings bedeute es, so Grant, dass Seitenbetreiber noch mehr darauf achten müssen, ihre Postings so zu optimieren, dass sie eine starke Beteiligung erfahren:

Tipps um die Engagement Rate zu erhöhen

  • Nur qualitativ hochwertige Inhalte posten
  • Nicht zu oft posten und nicht zu viel Markeing-Krams hineinlegen
  • unterhaltsam und informativ sein
  • Statistiken beobachten und auswerten, Experten zu Rate ziehen, Strategie verfeinern
  • Und dann auch tatsächlich Geld für Promoted Posts in die Hand nehmen

Aber auch Nutzer selbst könnten viel dafür tun, nur noch solche Unternehmensmeldungen zu erhalten, die wirklich interessieren und also den Facebook-Algorithmus zu trainieren:

  • Postings, die gefallen, liken, kommentieren oder teilen
  • Postings, die nerven, verstecken oder als Spam melden (mit dem Pfeil rechts)

Weiterführende Links

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13 Antworten
  1. von Dennis am 19.11.2012 (17:35 Uhr)

    Naja, nichts desto trotz wollen die damit sicher auch dass man mehr zahlt für postings. Haben da aber meiner Meinung nach finanziell eh den Rahmen gesprengt.

    Die Tipps am Ende galten vorher doch auch schon, also auch nix neues. Bleibt die Frage ob FB sich weiter so nutzen lässt.

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  2. von Christian Buggisch am 19.11.2012 (17:51 Uhr)

    Sorry, aber irgendwie finde ich im Artikel das Argument nicht, warum das alles zum Wohle des Nutzers ist und nicht dazu dient, Platz für Sponsored Posts zu schaffen. FB hat den Edgerank angepasst, ja, und Interaktion ist ein Relevanzkriterium, auch ja ... Aber warum verleitet euch das zur Aussage "Vermutlich handelt es sich dabei aber nicht um den Versuch, Promoted Posts zu erzwingen, wie vielfach befürchtet wurde"?

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  3. von wolfgang am 19.11.2012 (18:11 Uhr)

    netter artikel. NUR DASS facebook den link https://www.facebook.com/?sk=nf_all nicht mehr anbietet, weist auf, daß facebook gar nicht WILL,, daß wir alles sehen, auch wenn WIR DAS WOLLEN. Hier sieht man wieder worum's dan doch geht... um's liebe Geld. Wieso sollte man mir sonst den link genommen haben, mit dem ich ALLES sehen kann und selbst urteilen, ob's mich interessiert oder nicht.

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  4. von Yvonne Ortmann am 19.11.2012 (18:25 Uhr)

    @Dennis: Es geht einfach darum, dass es eine notwendige Entwicklung ist - unabhängig von Promoted Posts. Die zunehmende Menge an Unternehmens-Postings muss eine Anpassung erfahren, damit Nutzer sich nicht zunehmend zugespamt fühlen. Genau das ist passiert und ich begrüße das.

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  5. von Peer am 19.11.2012 (19:34 Uhr)

    Und wenn sich FB 10x auf den Kopf stellt und Agenturen anheuert, um scheinbar objektiv zu erklären dass man am Ende '..Und dann auch tatsächlich Geld für Promoted Posts in die Hand nehmen' solle:

    Ich finde promoted Post schlicht ungeeignet, aufdringlich, Spam. Punkt. Ich will mit meiner Marke niemenden zuspammen. Punkt.

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  6. von Wolfgang am 19.11.2012 (21:13 Uhr)

    Ich möchte lieber selbst entscheiden, was ich bei Facebook in den Statusmeldungen sehen möchte und was nicht. Weil Facebook meint, für mich entscheiden zu können, was für mich relevant ist oder nicht, wird die Plattform für mich immer unattraktiver.

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  7. von Martin / Dimido.de am 20.11.2012 (06:24 Uhr)

    Eines muss jedem Nutzer und Unternehmen klar sein: Facebook ist der Boss im eigenem Universum ... so wie es Google auch ist!

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  8. von Kay am 20.11.2012 (11:05 Uhr)

    Machen wir uns doch nichts vor, Facebook will Geld verdienen.

    Und das geht am besten, wenn die Firmen für ihre Posts zahlen. So eine Änderung als "natürliche Entwicklung" zu beschreiben ist wirklich naiv.

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  9. von Steffen am 21.11.2012 (11:55 Uhr)

    Ich bin ja echt kein Experte, und auch kein besonders großer Freund von Facebook. Wenn man Facebook aber vorwirft, dass sie den Edgerank dazu nutzen, um bezahlte Anzeigen zu pushen, müsste man dann nicht auch Google vorwerfen, dass sie den Page Rank nutzten (nutzen), um AdWords zu pushen.

    Das Problem ist doch, dass die meisten Unternehmen (Seitenbetreiber) ihr sinnloses Marketingsprech ohne Sinn und Verstand in die Welt hinausposaunen. Google hat darauf reagiert, und durch wiederkehrende Algo-Anpassungen qualitative höherwertige Webpages bevorzugt. Die, die SEO beziehungsweise "Content" immer noch nicht verstanden haben, mussten dann halt Adwords kaufen, oder haben sich irgendwelcher Black-Hat Methoden bedient. Facebook macht im Prinzip jetzt das gleiche!

    Das Grundproblem ist meiner Meinung, dass beide ihre Algorithmen nicht dokumentieren oder zumindest transparent gestalten (Filter Bubble).

    Zu fordern: "Ich möchte selbst entscheiden was erscheint" ist nachvollziehbar (und wünschenswert), wird aber bei der Masse der Nutzer nicht funktionieren (90-9-1 Regel). Google hat eine zeitlang in den SERPs etwas ähnliches verfolgt, und es dann wieder aufgegeben.

    Von daher sind die Hinweise am Ende gut, aber wie das schreien in einen leeren Wald. Unternehmen haben noch einen langen Weg vor sich.

    Den Vorwurf an Facebook finde ich im Prinzip lächerlich. Die ganzen Marketingfuzzis beschweren sich doch nur, weil langsam transparent wird, wie lächerlich ihre Social Media Ansätze bis dato waren.

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  10. von Kay am 21.11.2012 (13:40 Uhr)

    Also wenn ich bei einem Produkt, Webseite oder Firma auf ein Like klicke, bedeutet das doch ich möchte in Zukunft auch Nachrichten von dieser Seite erhalten.

    Wenn dann die Seite eine Nachricht schreibt, es aber nu 5 % der Leute bekommen, die die Seite gelikt haben, ist doch da etwas falsch.


    Das kann man mit Google nicht vergleichen

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  11. von Din am 23.11.2012 (19:53 Uhr)

    Vorsicht Tunnelblick:
    "Wenn aber das Engagement der Nutzer nicht abgenommen hat, obwohl die Postings von weniger Menschen gelesen werden, bedeute dies, dass sich die User insgesamt stärker beteiligen als zuvor. Was wiederum aufzeigt, dass die Relevanz der sichtbaren Meldungen aus Nutzersicht gestiegen ist."
    --> oder dass eben die Nutzer, die nie interagieren, weniger Posts sehen, während die, die vorher interagiert haben weitermachen (können) wie bisher. Also genau das, was die Kurve zeigt: Gleichbleibende Beteiligung.

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  12. von Ray am 25.11.2012 (01:01 Uhr)

    Warum sollten "normale" User Unternehmens-Postings empfehlen? Ich bin doch froh, wenn ich so wenig wie möglich davon bekomme in meiner Freizeit, wo ich meine Ruhe haben möchte.

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  13. von ChristianBuggisch am 28.11.2012 (14:32 Uhr)

    Zum Thema Facebook, Edgerank, Sichtbarkeit und Kommerzialisierung habe ich inzwischen mal ein Interview mit Philipp Roth von AllFacebook geführt, da geht er ziemlich differenziert, wie ich finde, auf die einzelnen Punkte nochmal ein: http://buggisch.wordpress.com/2012/11/28/jetzt-mal-klartext-facebook-edgerank-und-das-liebe-geld/

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