Hintergründe und Reaktionen: Welche Folgen hat die Übernahme von Sun durch Oracle?

Die Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle hat zu unterschiedlichen Reaktionen in der IT-Branche geführt, denn der Zusammenschluss dieser sehr verschiedenen Unternehmen lässt viel Raum für Spekulationen. Die einen sehen Sun als gerettet an, die anderen machen sich Gedanken zur Zukunft der zahlreichen Open-Source-Projekte von Sun, die Teil des Deals sind. Wird Oracle-Chef Larry Ellison sie im alten Geist weiterführen? Immerhin geht es hier um Schwergewichte wie MySQL.

Die Ausgangssituation: Oracle als Retter

Ein Blick auf die wichtigsten Betätigungsfelder von Sun Microsystems macht schnell deutlich, warum sich Sun selbst um einen Investor gekümmert hat: Sun gehört zu den Top 5 der weltweiten Server-Hersteller und musste in diesem rückläufigen Markt im Vergleich zu den Wettbewerbern IBM, HP, Dell und Fujitsu Siemens die größten Umsatzrückgänge hinnehmen. Kein Wunder also, dass zunächst neben HP vor allem IBM als mögliche Käufer von Sun galten.

Jetzt aber soll mit ein Softwarekonzern das Überleben von Sun sichern, der in den letzten Jahren durch diverse Zukäufe, wie hier von Bloomberg belegt, zum zweitgrößten Softwareanbieter aufgestiegen ist. Dabei dürfte die lange Freundschaft zwischen dem Sun-Vorsitzenden Scott McNealy und dem Oracle-Chef Larry Ellison neben rein pragmatischen Überlegungen auch eine Rolle gespielt haben. Sun brauchte einen Investor und Oracle stand nach dem Scheitern der Verhandlungen mit IBM bereit, dem langjährigen Verbündeten zu helfen.

Larry Ellison erwartet sofortige Gewinne

Eine Übernahme von Sun durch IBM hätte schon durch den gemeinsamen Servermarkt schnell für Synergieeffekte beispielsweise bei der Entwicklung von Serverkomponenten sorgen können. Doch gilt das auch für Oracle?

Oracle-Chef Larry Ellison verspricht sich von der Übernahme schon im ersten Jahr nach der Übernahme einen Beitrag zum Gewinn von Oracle. Ein ehrgeiziges Ziel, bedenkt man das Fehlen von kurzfristig nutzbaren Synergien. Schon im zweiten Jahr soll Sun dann stolze 1,5 Milliarden US-Dollar zum operativen Gewinn betragen, berichtet die WirtschaftsWoche. Wie Ellison das allerdings erreichen will, ließ er bisher offen.

Welche Zukunft haben Suns Open-Source-Projekte?

Mit Sun hat Oracle auch die Open-Source-Projekte Java, Solaris und MySQL übernommen. Zudem ist Sun einer der wichtigsten Unterstützer bei der Entwicklung von OpenOffice.org. „Die Übernahme macht Oracle zu einem der größten, wenn nicht dem größten Open-Source-Software-Player“, sagt Canonical-Gründer Mark Shuttleworth. Er glaubt nicht an ein Sterben der Open-Source-Technologien wie Java, OpenSolaris oder MySQL. Die Entwicklung von Open Source sei „eine Einwegstraße“ erklärt Shuttleworth weiter. Seiner Meinung nach sei der Sun-Kauf von Oracle ein Zeichen für die Stärken von Open Source, da Oracle zu den fünf Unternehmen gehöre, die 80 Prozent der Einnahmen für sich beanspruchen, die weltweit mit propriotärer Software erzielt werden. Die anderen Big-Player wie SAP oder Microsoft könnten diese Entwicklung nicht ignorieren, denn Open Source sei der Innovations-Motor in der Software-Entwicklung.

Weitere Stimmen

Matt Mullenweg, WordPress-Entwickler und Chef von Automattic macht sich keine Sorgen zur Zukunft von WordPress, auch wenn mehrere Millionen Blogs auf der Datenbank MySQL basieren, die nun zusammen mit Sun an Oracle verkauft wurde. Das gilt auch dann, wenn die Entwicklung nicht wie bisher fortgeführt würde: „Die meisten nützlichen Updates von MySQL kamen von außerhalb”. Auch sei es durchaus möglich, WordPress künftig auf anderen Datenbank-Applikationen laufen zu lassen.

Microsoft-CEO Steve Ballmer fand dagegen kaum Worte, so überrascht war er von der Neuigkeit. Zu den Verhandlungen mit IBM hatte er noch vor einer großen Aufgabe gewarnt: „Ein solches Geschäft braucht ein oder zwei Jahre bis alles verdaut ist”, erklärte Ballmer und freute sich schon auf ein Jahr, in dem er dem Konkurrenten IBM Marktanteile streitig machen könnte.

Florian Effenberger, Marketing Project Co-Lead von OpenOffice.org, sieht in einem ersten Statement der Übernahme „sehr optimistisch entgegen.“ Er schreibt: „Sun ist seit fast zehn Jahren unser Hauptsponsor und hat gemeinsam mit der Community viel erreicht. Mittlerweile arbeiten Tausende von größtenteils ehrenamtlichen Projektmitgliedern Tag für Tag daran, OpenOffice.org zu entwickeln und zu verbessern. Da OpenOffice.org quelloffene Software unter einer freien Lizenz ist, sind diese Ehrenamtlichen von einer Übernahme zunächst nur indirekt betroffen.“

Eure Meinung?

Noch ist völlig unklar, welche Auswirkungen die Übernahme für Sun und die beteiligten Open-Source-Projekten haben wird. Wie schätzt Ihr die Lage ein? Seht Ihr die Projekte in ernsthafter Gefahr oder sind die jeweiligen Communitys stark genug, um auch negative Auswirkungen wegzustecken?

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4 Answers

  1. von Gregor Streng 22.04.2009 (10:59Uhr) 1.

    Naja, ich kann Matt Mullenweg nicht so recht zustimmen.
    WordPress mal schnell auf eine andere Datenbank zu portieren geht nicht mal so nebenbei.
    Auch seine Glaube Oracle würde sich außer für seinen Profit für etwas anderes stark machen überrascht mich.

  2. von MySQL: Europäische Kommission befragt M… 04.08.2009 (14:17Uhr) 2.

    [...] Europäische Kommission untersucht derzeit die Übernahme von Sun durch Oracle und interessiert sich dabei anscheinend vor allem für MySQL. Die Kommission sucht gezielt nach [...]

  3. von Twitter Trackbacks for Hintergründe und… 31.08.2009 (00:53Uhr) 3.

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    [...] Höhenflügen verhelfen. Entstanden ist die Idee eines alternativen Support-Unternehmens durch die Übernahme von Sun durch Oracle, mit der auch MySQL den Besitzer wechselte. Statt darauf zu warten, was die ungewisse Zukunft [...]

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