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„Ich brauche den zwischenmenschlichen Kontakt“ – Über die Nachteile des Home-Office [Debatte]

    „Ich brauche den zwischenmenschlichen Kontakt“ – Über die Nachteile des Home-Office [Debatte]

Unsere Redakteure Lea Weitekamp und Andreas Weck vertreten unterschiedliche Ansichten zur Heim- und Büroarbeit. In einem Debattenbeitrag skizzieren sie ihre Ansichten zu den Vor- und Nachteilen des Home-Office. Ihr seid herzlich eingeladen, mit uns zu diskutieren.

In der Regel fahre ich morgens ganz normal ins Büro. Im Zuge meines Jobwechsels zu t3n habe ich allerdings mehrere Monate lang anteilig von Zuhause aus gearbeitet – meistens zwei bis drei Tage in der Woche. Ich bin ziemlich froh, dass diese Zeit jetzt vorbei ist.

t3n-Debatte: Lea Weitekamp beschreibt die Nachteile der Arbeit im Home-Office. (Foto: Lea Weitekamp)
t3n-Debatte: Lea Weitekamp beschreibt die Nachteile der Arbeit im Home-Office. (Foto: Lea Weitekamp)

Die Abhängigkeit von Tools und Technik ist tückisch

Ihr fragt, warum? Gegenfrage: Wo soll ich anfangen? Vielleicht beim Informations-Leck. Klar, für alles gibt es heutzutage Tools und Helfer. Auch bei t3n haben wir firmeninterne Kommunikationskanäle und einen Redaktions-Chat, über die man im Prinzip konstant mit dem Headquarter verdrahtet ist. Und trotzdem: Wie oft habe ich den Satz „Ach stimmt, da warste ja gar nicht da…“ gehört – egal, ob ich einfach etwas Lustiges oder etwas wirklich Wichtiges verpasst hatte. Blöd, wenn damit Gelegenheiten zur Zusammenarbeit oder bestimmte Synergien verpasst werden. Auch wenn sich alle bemühen – irgendwas rutscht einfach immer durchs Gitter.

Ich werde hibbelig allein beim Gedanken an die Momente, in denen ich eine dringende Frage hatte und der Kollege im Chat nicht sofort geantwortet hat. Ist ja klar – man meldet sich nicht jedes Mal offiziell ab, nur weil man mal eben den Platz verlässt. Doch wie lang können zehn Minuten am anderen Ende der Leitung werden, wenn man ganz dringend auf diese eine kleine Info wartet, die einem fehlt, um weiterzuarbeiten! Im Office genügt ein kurzer Blick durchs Büro, um die Lage zu checken und sich einfach kurz etwas anderem zuzuwenden. Man kann seine Aufmerksamkeit viel selbstbestimmter verteilen und das spart Energie.

Zuhause brauche ich mehr Selbstdisziplin als im Büro

„Das einzige Wesen, mit dem ich nicht nur virtuell kommuniziert hatte, war die Katze.“

Apropos Aufmerksamkeit. Die leidet natürlich, wenn mehrere Leute in einem Raum zusammenarbeiten. Irgendwer quatscht ja eigentlich immer. Aber wenn es mir zu bunt wird, kann ich Kopfhörer aufsetzen oder mich in einen Nebenraum zurückziehen.

Und manchmal ist es auch ganz gut, nicht den ganzen Tag im eigenen Saft zu schmoren. Zum Beispiel wenn man aufgefordert wird, mit in die Mittagspause zu gehen. Im Home-Office habe ich mir oft gesagt: „Jetzt machst du nur noch diese eine Sache fertig, und dann ist erst mal Mittag.“ Und ehe ich mich versah, war es fünf Uhr, ich saß im Schlafanzug vor dem Rechner, Kaffeetasse und Müslischüssel vom Frühstück immer noch neben mir auf dem Tisch – und das einzige Wesen, mit dem ich nicht nur virtuell kommuniziert hatte, war die Katze. Auf Dauer sicherlich keine gute Lösung.

OK, so ist es nicht jeden Tag abgelaufen, und wahrscheinlich kann man diesem Zustand sozialer Verwahrlosung auch gut entgegenwirken. Für mich erfordert das aber mehr Selbstdisziplin, als im Großraumbüro wegzuhören, wenn andere quatschen. Denn wer nicht direkt in der Stadt wohnt und „mal eben“ auf ein Mittagessen oder einen Kaffee vor die Tür gehen kann, der überlegt sich zwei Mal, ob er sich tatsächlich zwischendurch mit Freunden verabredet. Oder ob er wirklich nebenbei noch den überfälligen Wohnungsputz erledigt – um nur mal zwei von den möglichen Ablenkungen zu nennen. Egal, was man zwischendurch so alles erledigen könnte: Meiner Erfahrung nach entscheidet man sich doch dagegen oder hängt die Zeit abends wieder dran. Das Home-Office lockt mit Effizienz und Zeitersparnis – ich habe unterm Strich aber oft länger gearbeitet als geplant.

Work-Life-Balance erfordert eine räumliche Trennung

Nicht selten bis in die Nacht, sozusagen. Ich habe nämlich nie richtig Feierabend gemacht. Wenn der Laptop ohnehin noch neben mir auf der Couch liegt, warum nicht kurz checken, wie die Abrufzahlen und Shares für den letzten Artikel sich entwickeln? Oder ob diese eine E-Mail vielleicht noch angekommen ist? Home-Office-Tage waren immer die Tage, an denen ich noch vor dem Schlafengehen sämtliche digitalen Kanäle gecheckt habe – langfristig auf Kosten meiner Ausgeglichenheit.

Deswegen brauche ich eine Trennung zwischen Arbeitsplatz und dem Bereich, in dem ich mich in meiner Freizeit aufhalte. Auf dem Weg nach Hause kann ich mir frischen Wind um die Nase wehen lassen, meine Gedanken sortieren und den Fokus dann bewusst auf etwas anderes lenken. Den Laptop klappe ich Zuhause oft gar nicht mehr auf – ohne, dass mir etwas fehlen würde.

Im Home-Office gibt es keine Situationskomik

Der wichtigste Grund aber, warum ich – vor die Wahl gestellt – jederzeit wieder die Office-Präsenz vor die Heimarbeit stellen würde: Ich brauche den zwischenmenschlichen Kontakt. Die fünf Minuten Rumalbern an der Kaffeemaschine, das Gedränge vor dem Bildschirm des Kollegen, weil der wieder was total Witziges im Netz gefunden hat, den Moment, wenn der Teller mit den geschälten Kohlrabi herumgereicht wird: All das brauche ich, und zwar in real-life. Mit Augen, Lächeln, Stimmen. Oft entstehen daraus auch neue Ideen, von denen die Arbeit schlussendlich profitiert. Im Home-Office dagegen gibt es keine Situationskomik. Man kriegt kein Gemüse ab – und nicht mit, wenn es mal jemandem nicht so gut geht. Das will ich aber. Denn ich will Teil eines Teams sein.

„Augen, Stimmen, Lächeln – ich brauche das ganze Programm, nicht nur ein Emoticon.“

In meinen Augen funktioniert gerade dieser letzte Punkt vom Home-Office aus nur bedingt. Die zwischenmenschlichen Vibes schnappt man über digitale Kanäle einfach nicht in derselben Form auf. Man kann nicht kurz bei etwas aushelfen oder eine Frage stellen – und ja, man kann alles googeln, aber manchmal will ich nicht googeln! – oder den Kollegen beim Käffchen fragen, wie er eigentlich gerade so vorankommt. Und dabei führen genau diese Dinge dazu, dass ich zufrieden mit meinem Job bin. Dass ich morgens aufstehe, mich anziehe und „bis heute Abend!“ zur Katze sage. Und dann, wenn ich den Schlüssel in der Bürotür umdrehe, ein kleines bisschen Vorfreude spüre.

Home-Office? Nichts für mich.

Schon gelesen? Im ersten Teil der Debatte beschreibt Andreas Weck die Vorteile des Home-Office aus seiner Sicht.

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9 Reaktionen
ferdikrams
ferdikrams

Ich habe mehrere Monate totales Homeoffice ausprobiert, das ging überhaupt nicht. Irgendwann hab ich nur noch Selbstgespräche geführt. Hab allerdings auch keine Familie usw. Freunde haben ja auch nicht ständig Zeit. Hab dann mein Glück im Coworking versucht. Allerdings bin ich dort mit den Leuten nicht richtig warm geworden. Meine Lösung war ein Teilzeit-Nebenjob im Büro. So hab ich Kollegen, soziale Kontakte usw. und gehe dann Nachmittags ins Homeoffice. Bis jetzt scheints ne gute Lösung zu sein.

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Elv
Elv

Nachdem die Firma weiter weg gezogen war, wurde ich mit Home-Office zum "mitkommen" geködert. Das war sehr gut und ich war um Längen effizienter.

Aber leider
- der neue Geschäftsführer holt nicht mehr so viel davon, er lässt es vereinzelt zu, aber nur ungerne
- die Produkte änderten sich und ich will die passende Infrastruktur (Windows) zu Hause nicht haben

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Paul
Paul

Ich bin auch hin und hergerissen.
Ich denke in den nächsten Jahren wird sich sowieso einiges in der Bürowelt verändern. Es wird dann nicht mehr wichtig sein WIE du zu einem Ergebnis gekommen bist, sondern DAS du zu einem gekommen bist. Die Firmen werden (wie heute schon z.B. Google) dir auch im Büro deine Freiräume geben. Du wirst die Möglichkeit haben dich auch mal Mittags in die Chill-Ecke zurückzuziehen und dort dein Schläfchen zu halten. Oder dir eine Einzelbürozelle suchen, damit du gerade einmal nicht von deinen Kollegen abgelenkt wirst. Trotzdem wirst du jederzeit die Möglichkeit haben zu deinen Kollegen zu gehen um dich mit ihnen auszutauschen. Und wenn du wirklich mal keine Lust auf Büro hast, wird die technische Entwicklung es dir möglich machen auch mal zwei Wochen von den Malediwen deine Arbeit zu erledigen (ist ja heute theoretisch auch schon möglich).

Ich freue mich auf den Umbruch, da er alles mitbringen wird was die Vorteile von beiden Seiten zusammenbringt.

Viele Grüße

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Paul Mengel
Paul Mengel

Ich habe 3 Jahre im Home Office gearbeitet. Nach einem Jobwechsel arbeite ich nun seit 8 Monaten im Betrieb und muss sagen das Home Office vermisse ich überhaupt nicht.

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Tymon Dabrowski
Tymon Dabrowski

Zwar habe ich keine Erfahrungen im Home-Office bis dato sammeln können, jedoch kann ich mir gut vorstellen, im Fall einer WG, ein geteiltes Bürozimmer einzurichten.

Es gibt eine durchaus schlüssige Abhandlung des Themas in "Kreativität aushalten" von Frank Berzbach (schönes und sehr empfehlenswertes Buch). Neben diesen sozialen Problemen kommt hinzu, dass man eine deutliche, räumliche und psychologische Schleuse benötigt um Privatsphäre von Arbeitsplatz zu trennen: Etwa ein morgendlicher Spaziergang um den Block oder der Besuch im Café. Ausserdem schreibt Berzbach, dass der Mensch eine gewisse Menge an Tageslicht – dabei reichen Fenster nicht aus – benötigt, um überhaupt in einen leistungsfähigen Modus zu gelangen.

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Astrid Radtke
Astrid Radtke

Der geistige Austausch ist notwendig. Deshalb leiden auch viele Selbstständige unter der Arbeit im Home-Office. Der Mensch ist im Grunde ein soziales Wesen und er lebt auch mit der Ausstrahlung eines Gegenüber. Dieser kollegiale Kontakt fördert das Denken im rein beruflich Bereich. Das kann die Familie nicht ersetzen. Ganz abgesehen davon, dass so ziemlich jeder auch mal Abstand zu allem braucht. Das Zuhause arbeiten, wird zudem oft als Anlaufstelle für Wünsche gesehen: "Du bist doch eh zu Hause, Du kannst doch ..." Eine Alternative kann ein Co-Working-Space sein.
http://www.buerodienste-in.de/2012/04/co-working-auf-dem-land/http://www.buerodienste-in.de/2012/04/co-working-auf-dem-land/

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Steppo
Steppo

Ich arbeite mittlerweile auch seit fast 4 Jahren im Home Office. Einmal die woche wird allerdings ins Headquarter gefahren zwecks Abstimmung und eben wegen dem Zwischenmenschlichen.

Kalr, Home Office erfordert mehr Eigendisziplin aber da gewöhnt man sich dran. Und wenn man eine Familie oder Freundin hat, erübrigt sich das mit dem zuvielen Arbeiten eh von selbst .. ;-)

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Vlad
Vlad

Ich arbeite mittlerweile seit fast 11 Jahren von zu Hause aus und kann keinen der genannten Kritikpunkte wirklich nachvollziehen. Aber hier gilt wie so oft: "Jede Jeck eß anderß."

"Ich brauche den zwischenmenschlichen Kontakt"

Dafür gibt es u.a. eine recht alte Erfindung mit dem Namen "Familie". Hat man einen Ehepartner und spätestens wenn Kinder hinzukommen, dann gibt es nicht nur zwischenmenschlichen Kontakt sondern man wird strukturierter ... ach ja und Situationskomik gibt es dabei auch massig. ;-)

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Florian Elischer
Florian Elischer

Ab nächstem Monat werde ich auch nur noch im Home-Office arbeiten. Und wie so alles im Leben hat alles seine 2 Seiten. Ich habe beide Artikel durchgelesen. Jeder hat schlüssige Argumente für und wider. Ich finde mich bei beiden Autoren wieder. Daheim kann einem schon mal die Decke auf den Kopf fallen, dafür braucht man einen Ausgleich. Andererseits kann man von dort aus konzentriert arbeiten und spart sich eben den Weg zur Arbeit.
Letztlich muss man sich selber kennen, ob man dafür die notwendige Selbstdisziplin hat oder nicht und man sollte sich überlegen, wie man sein soziales Umfeld neu gestaltet. Ich könnte mir z.B. auch Coworking Spaces vorstellen oder mal im Cafe arbeiten...

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