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Karriere

Überall und doch nicht sichtbar: Schwule und Lesben in der Tech-Branche

    Überall und doch nicht sichtbar: Schwule und Lesben in der Tech-Branche

Homosexualität als Karrierefaktor?

In vielen Unternehmen ist es noch immer ein Tabuthema, über seine Homosexualität zu sprechen, andere Firmen sprechen Schwule und Lesben mit Netzwerken oder auf Karrieremessen gezielt an. Sind Homosexuelle also besondere Arbeitnehmer oder Chef? Und welche Rolle spielen sie in der Tech-Branche? Eine Bestandsaufnahme.

„Viele der ersten Internet-Pioniere waren homosexuell und haben die Welt maßgeblich beeinflusst.“

Homosexualität spielt beim Netzwerk Unicorns in Tech keine Rolle: Stuart B. Cameron (hinter der Pferdemaske) ist sein Gründer.
Homosexualität spielt beim Netzwerk Unicorns in Tech keine Rolle: Stuart B. Cameron (hinter der Pferdemaske) ist sein Gründer.

„Diversität ist für uns eine Business-Strategie“, sagt Janina Cußmann, „Head of People Operations“ beim deutschen  Spielesoftwareunternehmen Wooga. „Uns ist es einfach wichtig zu unterstreichen, dass es keinerlei Rolle für den Job spielt, welche sexuelle Orientierung jemand hat – genauso wenig wie die Nationalität, die Hautfarbe oder das Geschlecht Vor- oder Nachteile mit sich bringen sollten.“

Quelle: Pressebild
Janina Cußmann von Wooga. (Foto: Wooga)

Deshalb ist das Unternehmen auch auf der Sticks & Stones vertreten, einer Karriere-Messe, die sich anfangs vor allem an Lesben und Schwule, an Bi- und Transsexuelle gerichtet hat, mittlerweile aber auch immer mehr heterosexuelle Menschen adressiert. Arbeitgeber, die sich auf dieser Messe präsentieren, zeichnen sich durch Toleranz und Offenheit aus. Es sind auch solche Unternehmen, die eher auf die Persönlichkeit des Menschen schauen als auf einen gradlinigen Lebenslauf.

Aus der Karrieremesse ist mittlerweile mit Unicorns in Tech ein Netzwerk entstanden, „dass tech-begeisterte Schwule, Lesben und Heteros vernetzt, mit Unternehmen und Investoren zusammenbringt, sich über zukunftsweisende Tech-Innovationen austauscht und selbst Themen vorantreibt“, sagt Stuart B. Cameron, der auch Gründer der Sticks & Stones ist. Seine Motivation beschreibt er wie folgt: „Unter denjenigen, die Tech-Themen vorantreiben und revolutionieren, gibt es weltweit sehr viele Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender, zum Beispiel Megan Smith (VP Google X), Dana McCallum (Senior Engineer Twitter), Jon Hall (Executive Director of Linux) oder Tim Cook (CEO von Apple). Viele der ersten Internet-Pioniere wie Alan Turing waren homosexuell und haben die Welt maßgeblich beeinflusst.“

Homosexualität:  Seit dem Gleichstellungsgesetz wird diskreter gemobbt

„Schwule Führungskräfte gibt es in allen Branchen und Berufen, aber sie sind oft nicht sichtbar.“

Deshalb wurde das Netzwerk im Juni auf der Sticks & Stones gegründet, unter anderem im Kooperation mit Wooga, in deren Räumen am 25.September das nächste Treffen stattfinden wird. Andere Netzwerke wie die Berlin Geekettes oder die Digital Media Women sind begeistert und neugierig, wie es jetzt weitergeht. In Zukunft soll es auch Kooperationen mit anderen Verbänden geben. Es ist allerdings bislang das erste und einzige Tech-Netzwerk Deutschlands, das speziell Schwule und Lesben, aber eben auch Heteros anspricht. Trotz positiver Entwicklungen in deutschen Unternehmen kann es noch immer Probleme geben – oder ein Versteckspiel, in dem die eigene Sexualität verschwiegen wird. Seit es das Allgemeine Gleichstellungsgesetz (AGG) gibt, wird allerdings diskreter gemobbt. „Unsere Mitglieder sind Führungskräfte, da bleibt dann vielleicht mal eine Beförderung aus. Gerade bei Top-Positionen schauen viele auf das private Umfeld, Frau und Kind gelten als solide. Trotzdem ist ganz wichtig: Die Angst vor Mobbing oder Diskriminierung ist meist größer als das, was dann eintritt“, sagte Bernd Schachtsiek in einem Interview mit „Spiegel Online“ im vergangenen Jahr.

Bernd Schachtsiek, Quelle: Völklinger Kreis
Bernd Schachtsiek. (Foto: Völklinger Kreis)

Er ist Vorsitzender des Völklinger Kreis e. V., dem Bundesverband schwuler Führungskräfte, einem weiteren Netzwerk, das sich speziell an schwule Mitarbeiter richtet. Er sieht Probleme mit der Homosexualität vor allem in den oberen Ebenen des Managements: „Schwule Führungskräfte gibt es in allen Branchen und Berufen, aber sie sind oft nicht sichtbar. Auf dieser Ebene gibt es auch noch viel Verstecken, weil Führungskräfte bisher nicht geoutet waren, weil sie anders aufgewachsen sind und geoutet oft ihre Position nicht erreicht hätten. Sie fürchten ihre Glaubwürdigkeit und Autorität zu verlieren, wenn sie sich outen und die Mitarbeiter erfahren, dass ihnen jahrelang etwas vorgespielt oder zumindest verheimlicht wurde.“

Karriere: Homosexualität ist kein Qualitätsmerkmal

Und noch eine andere Rolle kann die Homosexualität spielen, sagt Bernd Schachtsiek: „Homosexuell zu sein ist kein Qualitätsmerkmal, aber Menschen, die den Prozess durchlaufen haben, sich selbst als anders als die Mehrheit zu akzeptieren, entwickeln eher Empathie und Toleranz für andere in Problemsituationen. Das kann Vorteil bei der Personalführung und bei der Teambildung sein. Wir hören von Arbeitgebern auch, dass es ein Vorteil bei wechselnden Einsatzorten und bei arbeitszeitintensiven Arbeitsplätzen sein kann, weil die familiäre Situation oft flexibler ist und viele Homosexuelle eine hohe Leistungsbereitschaft zeigen. Das hängt natürlich stark von der individuellen Lebenssituation und Einstellung des jeweiligen Mitarbeiters ab.“

Ein Karrierefaktor muss all das deshalb allerdings noch nicht sein. Eine größere Toleranz am Arbeitsplatz führt allerdings auch dazu, dass sich homosexuelle Menschen nicht verstecken müssen und ihre Kraft, die sie ansonsten für das Verstecken ihrer sexuellen Identität aufbringen, in Kreativität und damit auch in eine bessere Arbeitsleistung stecken könnten. Für Wooga spielt es beispielsweise einfach keine Rolle: „Wir diskriminieren auch nicht ‚positiv‘. Insgesamt denke ich, dass man als Unternehmen weiterkommt, wenn man Mitarbeiter auf Basis von Qualifikationen einstellt und nicht auf Basis der Tatsache, mit wem sie ins Bett gehen.“

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