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28 Quadratmeter Zukunft: Zu Besuch bei einer der ersten Nachbarschafts-3D-Druckereien der Welt [Video]

28 Quadratmeter Zukunft: Zu Besuch bei einer der ersten Nachbarschafts-3D-Druckereien der Welt [Video]

In einem abgelegenen Stadtteil von Oakland gibt es eine der ersten Nachbarschafts-3D-Druckereien der Welt. Der Inhaber möchte Designern, Künstlern, Schülern und allen anderen Interessierten die weitreichenden Möglichkeiten des 3D-Druck zeigen. Wir waren vor Ort.

28 Quadratmeter Zukunft: Zu Besuch bei einer der ersten Nachbarschafts-3D-Druckereien der Welt [Video]

Der Honeybee3D-Laden. (Foto: t3n)

3D-Druck: Zukunft und Innovation auf 28 Quadratmetern

28 Quadratmeter – dass ein Student in dem kleinen Raum mit den hohen Decken wohnen könnte, kann ich mir gut vorstellen. Dass man darin aber futuristische Technologie und die Zukunft von Designern, Architekten und Heimwerkern begutachten kann, würde keiner glauben. Aber genau das ermöglicht Nick Kloski in seinem kleinen Laden in Montclair, einem etwas entlegenen und reichen Ortsteil in den Hügeln von Oakland, knapp 30 Minuten von Downtown San Francisco entfernt.

Die 3D-Druckerei „HoneyBee3D“ liegt in Montclair, einem wohlhabenden und ruhigen Stadtteil von Oakland. (Foto: t3n)
Die 3D-Druckerei „HoneyBee3D“ liegt in Montclair, einem wohlhabenden und ruhigen Stadtteil von Oakland. (Foto: t3n)

Von außen fällt der Laden nicht weiter auf. Ein kleines Plastikbanner über der Tür verrät zwar den Namen – „HoneyBee3D –, aber auch damit können die meisten Passanten nichts anfangen. Die Schaufenster sind leer, etwas verkauft wird hier wohl also nicht. Im Inneren gibt es eine handvoll Ikea-Stühle, an den Wänden des Ladens stehen Schreibtische. Darauf: Laptops, und daneben jeweils ein großes Rahmen-Gestell aus Sperrholz – etwa in der Größe von zwei aufeinander gestapelten Bierkästen. In zwei der sechs Kästen bewegt sich etwas. Und obwohl der Laden von außen so unspektakulär aussieht, zieht er doch einiges an Laufkundschaft an. Vor vier Monaten wurde eröffnet, und trotzdem kommen an diesem Nachmittag innerhalb von zwei Stunden vier Kunden spontan durch die Tür.

Eine Frau von vielleicht 40 Jahren bleibt kurz vor der Tür stehen, mustert einen kurzen Moment lang das Innere durch die großen Schaufenster und entscheidet sich dann schnellen Schrittes, den Laden zu betreten – da ist sie wieder, diese Art von amerikanischer Neugier und Offenheit, die man in Deutschland selten spürt. Sie erkundigt sich frech bei Nick, was er denn hier mache, und er gibt Auskunft: „Wir sind ein Dienstleister und Berater für 3D-Druck und 3D-Scanning.“ – „Ah, das habe ich schonmal gehört.“ Die Dame ist Innengestalterin. „Mit welchen Programmen wird denn hier gearbeitet? Illustrator? Photoshop?“ – „Nein, wir arbeiten mit CAD-Programmen, aber wir können eine Illustrator-Datei ganz schnell in ein 3D-Modell verwandeln.“

Nick Kloski begeistert die Menschen für die neue Technologie 3D-Druck

Nach einem sehr angeregten Gespräch über gut zehn Minuten hat Nick es geschafft, die Frau voll und ganz für 3D-Druck zu begeistern, indem er ihr erklärt, wie sie Prototypen für Möbel-Panele aus ihren Vektorzeichnungen machen könnte. Wie praktisch, dass Nick ihr auch gleich den passenden Einsteigerkurs anbieten kann: Er richtet sich explizit an Designer und Künstler, die erste Schritte im Bereich 3D-Druck machen wollen. Auch für Schulklassen bietet er solche Kurse an. Später kommt sogar eine Frau vorbei und vereinbart einen „Investoren-Kurs“ für sich und ihren privaten Investoren-Club, der ausschließlich aus Frauen besteht. Die zweistündigen Lektionen kosten 80 US-Dollar.

Nick Kloski hilft einem Kunden dabei, einen metergroßen Adapter für ein Feuerwehrschiff zu gestalten. (Foto: t3n)
Nick Kloski hilft einem Kunden dabei, einen metergroßen Adapter für ein Feuerwehrschiff zu gestalten. (Foto: t3n)

Vorher hat Nick zwanzig Jahre im Silicon Valley bei Oracle und Sun gearbeitet. In seinem neuen Laden hat er gleich mehrere Berufe: Er ist Lehrer, Designer und Berater. Einem älteren Feuerwehrmann hilft er beim Design eines Bauteils, um ein neues Rettungsboot auf einem alten Feuerwehrschiff montieren zu können. Das Teil ist etwa einen Meter breit.

Kurz darauf betritt ein Mann mit asiatischem Aussehen um die 50 Jahre den Laden und holt bei Nick etwas ab, das aussieht wie eine Haarbürste – nur ohne Borsten. Auf Nachfrage erklärt er, dass es sich um den Prototypen eines Werkzeugs für die Filmindustrie handelt. Damit lassen sich Flügelmuttern aller Art an Scheinwerfer-Stativen leicht und schmerzlos festziehen und lösen.

Mit diesem „Werkzeug“ können Flügelmuttern für Scheinwerfer leicht angezogen und gelöst werden. (Foto: t3n)
3D-Druck: Mit diesem „Werkzeug“ können Flügelmuttern für Scheinwerfer leicht angezogen und gelöst werden. (Foto: t3n)

Vom Gedanken zum fertigen Produkt – Nick Kloski hilft an jeder Stelle

Nick Kloski ist wohl für viele seiner Kunden auch eine Art Zauberer. Er hilft Menschen dabei, ihre Gedanken zu realisieren – im wahrsten Sinne des Wortes. Und auch wenn viele der Kundenwünsche auch schon vor zehn Jahren realisierbar gewesen wären, braucht es trotzdem Leute wie Nick, die aufklären und zeigen, dass es dafür keine mannshohen Maschinen und auch kein Studium mehr braucht. Zwischen Bäckerei und Frisör in einem verschlafenen kalifornischen Dorf passt in der heutigen Zeit auch ein Laden für 3D-Druck, wenn es nach Nick Kloski geht. Er ist auf einer Höhe mit den Kunden und redet nicht in Fachbegriffen. Worte wie „Schichten“, „Filament“, „Extruder“ oder „CAD-Modell“ verwendet er nur, wenn es wirklich sein muss.

Noch sind Nick und seine Nachbarschafts-3D-Druckerei ein seltener Anblick. Nur sieben Läden dieser Art gibt es laut Nick in den USA. Der Großteil davon sind allerdings hauptsächlich Druck-Dienstleister, die weder Kurse anbieten, noch ihren Kunden beim Realisieren und Verbessern der Projekte helfen. Es bleibt also zu hoffen, dass sich Läden wie der von Nick Kloski in Zukunft in immer mehr Städten finden werden. Der Anfang ist gemacht.

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2 Antworten
  1. von Fabian am 09.02.2014 (17:39 Uhr)

    Sowas hat sogar schon Deutschland erreicht :)

    Hier direkt in meiner kleinen 65.000 Einwohner-Stadt Herford gibt es seit etwa einem halben Jahr einen ähnlichen Laden:

    http://www.vividesign.de

    Vielleicht auch mal einen Besuch für euch wert?

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  2. von Druckereien und Pläne am 10.02.2014 (13:26 Uhr)

    Es gibt zig Dinge die ich gerne von den Discountern hätte aber leider keiner baut und oft nur Plastikteile wären. Die 1-2-EuroBoxen in den Supermärkten zeigen, das vieles (oft auch aus Metall) problemlos günstig gebaut werden kann.

    Für Kopierer muss man wohl an die Verwertungsgesellschaft bezahlen. In grenznahen Gebieten daher u.u. eine Idee.
    Als City-Shops ist sowas schon lange eine Idee. Da gibts dann Werkzeug usw. und man kann kaputte Metallteile nachbauen, lackieren, fräsen, sägen und dabei mitmachen oder zuschauen. Das 3D-Druck und Abwandlungen wie Laser-Cutten dazugehören sollte klar sein. Man kann dann z.B. Holz bringen und die Hundehüttenbretter werden mit Laser oder Plotter bezeichnet und der 3D-Cutter oder Wasserstrahler sägt es dann aus. Gleiches für Teile aus Blech usw. und natürlich Schnittmuster also Stoff um coole Kostüme oder übergrößen-Mode oder Aufnäh-Taschen fürs Phablet oder 7"-Handy auszuschneiden.
    Man kann natürlich auch Thermografie-Kameras usw. ausleihen um zu sehen wo die Wärme am Haus abhaut. Im Prinzip eine Genossenschaft der Bürger. Einen Rasenmäher braucht man ständig. Aber eine Heckenschere nicht so sehr. Einen Dönerspiess leiht man sich oft ja auch nur für Feiern.

    Das man in den Einkaufszentren 3D-Drucker stehen hat und (wie bei den Drogerieketten mit den Foto-Printern) die SD-Karte oder USB-Stick reinschiebt und drucken lässt, ist eine triviale Idee. Die Lizenz-Bezahlung wäre wichtig. Ich hab nichts dagegen wenn der wahre Urheber 5-10% der Kosten (Drucken, Plastik, ...) bekäme. Bei Radio gibts wohl einheitliche Abrechnung. Das könnte man als Vorbild nehmen.
    Man will die Simpsons-Gartenzwerge oder Plastik-Puppen ja genau so das die über den Gartenzaun ragen oder auf den Schrank unter der Decke reinpassen und wird daher häufig (wie bei Möbeln) vom Kunden verändert werden wollen.

    Regularien machen sowas schnell unrentabel.

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