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Horse-Analytics: Dieses Wearable-Startup aus Hannover will das Pferd digitalisieren

    Horse-Analytics: Dieses Wearable-Startup aus Hannover will das Pferd digitalisieren
Enri Strobel. (Foto: Hamburg Startups/Stefan Groenveld)

1,2 Millionen Pferde gibt es in Deutschland, und ihre Besitzer sind bereit, viel Geld für sie auszugeben. Horse-Analytics will das Pferd digitalisieren – und sorgt für Aufmerksamkeit bei der SXSW.

Die Lust aufs Gründen kam Enri Strobel bei Lars Hinrichs

Dressur, Springen, Western: Seit Enri Chantal Strobel sechs Jahre alt ist, reitet sie und hat fast alles als Reiterin ausprobiert, was es gibt. Nun versucht die 25-Jährige mit ihrem Hobby auch noch Geld zu verdienen und hat Horse-Analytics, ein Startup mit Sitz in Hannover für Pferde-Wearables, gegründet.

„Man ist immer zwei bis drei Stunden beim Pferd und dann hast du die Sorge, was in der Zwischenzeit passiert“

Die Idee ist in Zeiten des Fitness-Booms einleuchtend: Das Prinzip von Fitbit, Jawbone und anderen Fitness-Trackern, die den Körper des Menschen messen und überwachen, lässt sich auch auf Pferde übertragen.

Als einzige Deutsche ist es Enri Strobel auf Initiative von Hamburg Startups gelungen, in die Endauswahl beim Startup-Wettbewerb des hippen Tech-, Film- und Musikfestivals South by Southwest (SXSW) in texanischen Austin zu kommen – auch wenn sie den Sieg nicht nach Hause tragen durfte.

(Foto: Horse-Analytics)

Strobel hat Wirtschaftswissenschaften studiert – die Lust und den Mut aufs Gründen hat sie aber bei Xing-Gründer Lars Hinrichs bekommen, im Hamburger Haus Apartimentum, das die Süddeutsche Zeitung mal als eine „Baustelle als Intelligenztest“ bezeichnete.

Weil Strobel selbst reitet, kennt sie Anforderungen und Probleme ihrer Kunden: „Du willst das Pferd optimal trainieren, weißt aber nicht, was du noch verbessern kannst“, sagt sie. „Wie fit ist das Pferd? Was kann ich in meinem Training verbessern? Trainiere ich beide Seiten gleichermaßen?“ Die App von Horse-Analytics bietet eine 24-Stunden-Ansicht über die Aktivitäten des Pferdes: Weidezeiten, Training und Stallzeiten – alles wird erfasst.

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Horse-Analytics soll Koliken erkennen

„Man ist immer zwei bis drei Stunden beim Pferd und dann hast du die Sorge, was in der Zwischenzeit passiert. Du willst sichergehen, dass es dem Pferd gut geht“, sagt die Gründerin. „Kolik ist beispielsweise ein großes Problem bei Pferden. Das ist wie Bauchschmerzen bei Menschen und kann leicht behandelt werden, wenn es erkannt wird. Aber wenn es nicht erkannt wird, kann Kolik im schlimmsten Fall zum Tod des Pferdes führen.“

Deshalb misst das Gerät – befestigt an Halfter oder Trense – die Bewegungen des Pferdes und wertet sie aus. So können auch jene Bewegungen erkannt werden, die auf eine Kolik schließen lassen, wie beispielsweise Unruhe und häufiges Wälzen. Das Wearable ist für eine 24-Stundenüberwachung des Pferdes gedacht. Alternativ lässt sich auch das Smartphone für eine Überwachung ausschließlich zum Training des Pferdes verwenden. Dazu wird es in einer Satteldecke mit Tasche eingesetzt – zur Analyse werden dann die Bewegungssensoren des Smartphones genutzt. Aktuell steht die visuelle aufbereitete Auswertung der Daten im Vordergrund, später sollen auch Tipps und Tricks für Pferdebesitzer in der App dazukommen.

Das Gerät will Enri Strobel zum Einführungspreis von 150 Euro anbieten – der reguläre Preis soll später bei 300 Euro liegen. Aktuell ist die Software des Geräts nur für so genannte englische Reiterei und Großpferde geeignet. „Alles ab Endmaß-Pony mit 1,50 Meter Höhe und aufwärts“, sagt Strobel. „Wichtig ist es aktuell, einen großen Pool an Bewegungsdaten zu erhalten, dann können wir unsere Lösung hoffentlich auch für den Spitzensport weiterentwickeln.“ Bald soll eine Beta-Phase beginnen, derzeit wird das Gerät nur von einem kleinen Kreis von Testern aus dem Umfeld der Gründerin eingesetzt.

Pferdebesitzer sind attraktive und schwierige Zielgruppe zugleich

Pferdebesitzer sind eine attraktive und schwierige Zielgruppe zugleich: Viele von ihnen haben eine Menge Geld und sind auch bereit, viel Geld für ihr geliebtes Tier auszugeben. Andererseits handelt es sich aber auch um eine konservative Klientel, besonders in Deutschland. „Technologieaffin ist die Zielgruppe an sich nicht“, sagt Strobel. Sie will sich für den Anfang trotzdem auf den deutschen Markt konzentrieren und am liebsten mit Reitsportmarken zusammenarbeiten. Aktuell besteht das Team aus vier Mitarbeitern.

Horse-Analytics ist das erste Startup aus Deutschland mit einer entsprechenden Lösung – größte Konkurrenz ist das französische Unternehmen Equisens, das bereits ein Wearable für Pferde anbietet. In einer aktuellen Kickstarter-Kampagne für ein weiteres Pferde-Wearable, das im September 2017 erscheinen soll, hat Equisens mehr als 85.000 Euro von nur 285 Unterstützern eingesammelt, was die große Zahlungsbereitschaft der Klientel verdeutlicht.

Beim Pitch in Austin konnte Strobel viele gute Argumente für ihr Startup nennen – zum Beispiel, dass es in Deutschland 1,2 Millionen Pferde gibt, deren Besitzer im Schnitt 550 Euro im Monat für ihr Tier ausgeben. In den USA seien es sogar 9,2 Millionen Pferde. Für den Sieg in Austin hat das am Ende nicht gereicht, ein Erfolg war die Einladung zur SXSW dennoch: Um einen Platz bei dem begehrten Startup-Pitch in den USA hatten sich rund 500 Startups beworben, Strobel gehört zu den besten 50.

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