HP im Umbruch: Apothekers geplantes Chaos

HP im April 2010: Der damalige Chef Mark Hurd übernimmt Palm für 1,2 Milliarden Dollar und stolpert ein paar Monate später über gefälschte Spesenabrechnungen. HP im September 2010: Ex-SAP-Manager Leo Apotheker übernimmt den Chefposten bei HP. Apotheker kommt aus dem Software-Business. Hardware ist für ihn nur etwas, auf dem Software läuft, ein Mittel zum Zweck, etwas, um das sich andere kümmern sollen…

HPs Abkehr von physikalischen Produkten

John Gruber hat es kommen sehen. Ein Software- und Beratungsmann kann in einer Hardware-Company im Grunde kaum etwas anderes tun, als sie in eine Software- und Beratungs-Company umzubauen. Genau das scheint auch Apothekers Vision von HP zu sein.

Anders ist es kaum zu verstehen, dass das PC-Geschäft, wie auch das webOS-Hardware-Geschäft gekappt werden soll. Gruber glaubt, Apotheker habe nur deshalb nicht früher das Stop-Schild einbetoniert, weil er den laufenden Prozess nicht radikal beenden wollte. Er habe dem webOS-Team eine Chance geben wollen, aber eben nur eine einzige. Nachdem sich das HP TouchPad als Ladenhüter erwies, immerhin wurden nur knappe 25.000 von einer Viertelmillion ausgelieferter Geräte auch an den Mann bzw. die Frau gebracht, machte Apotheker kurzen Prozess und erschoss das ungeliebte PC-Hardware-Geschäft gleich mit.

HP-Vice President Todd Bradley sucht einen neuen Job

Im Zuge der Ereignisse soll auch Vice President Todd Bradley einen neuen Job suchen. Das berichtet Boy Genius Report. Danach befindet sich Bradley in intensiven Gesprächen mit so ziemlich jeder IT-Firma, die einen neuen CEO sucht.

todd bradley
HP Vice President Todd Bradley

Bradley gilt neben Hurd als Wegbereiter des Palm-Deals. Zudem hatte Bradley maßgeblich die Strategie vertreten, HP zu einer Consumer-Firma umzubauen. Apotheker hingegen will komplett weg vom Konsumentenmarkt. Klar, dass die beiden nicht harmonieren können.

Dass Bradley nicht längst einen neuen Posten hat, schreibt BGR Bradleys ausgeprägtem Hang zu markigen Gehaltsforderungen zu. Eventuell sollte er sich hier etwas bescheiden, denn es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis er von Apotheker ernsthaft auf´s Korn genommen wird.

HP bringt neuen All-In-One-PC

Erstaunlich! Vier Tage nach der Ankündigung, man werde sich aus dem Geschäft mit PC-Hardware zurückziehen, brachte Hp einen neuen PC an den Markt, den HP Compaq 8200 Elite All-in-One Business Desktop. Der 8200 soll sich an Geschäftskunden genauso richten wie an Privatkunden.

Auffälligstes Merkmal des neuen Gerätes: Es sieht dem iMac verdammt ähnlich. Im Grunde sieht es ziemlich exakt wie ein iMac aus, wenn man mal von der komplett schwarzen Farbgebung absieht. Wie stets, setzt HP auf Windows als Betriebssystem und liefert Office als Arbeitslösung mit aus.

hp 8200 all in one
HP 8200: Der iMac in schwarz

Preislich bewegt sich der 8200 mit 999 Dollar in etwa auf iMac-Niveau, wobei dem HP-Kunden für sein Geld bereits ein, allerdings maßlich unüblicher, 23”-Monitor geboten wird. Ansonsten verfügt der 8200 über Technik nach Hausmannskost. Innovationen, wie etwa Thunderbolt, sucht man trotz brandneuer Produktentwicklung vergeblich.

Mag schon sein, dass Apotheker mit seiner Entscheidung, sich komplett aus dem Hardwarebusiness im PC-Bereich zurück zu ziehen, völlig richtig liegt. Das gilt jedenfalls so lange, wie man sich weiterhin der Innovation verweigert.

Das, was HP macht, habe ich Anfang der Neunziger als kleiner Gewerbetreibender auch getan: Optimale Komponenten einkaufen, Geräte schrauben und verkaufen. Das hat eine lange Weile gereicht. Heutzutage muss man mehr bieten…

Weiterführende Links:

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5 Answers

  1. von Severin Tatarczyk via facebook 23.08.2011 (00:14Uhr) 1.

    Leos resterampe... http://www.severint.net/2011/08/22/hp-touchpad-fuer-99-eur-hp-server-ueberlastet/

  2. von HP im Umbruch: Apothekers geplantes Chao… 23.08.2011 (00:53Uhr) 2.

    [...] Weiterlesen bei t3n >> [...]

  3. von Stefan 24.08.2011 (17:51Uhr) 3.

    Das Grundproblem ist die magelnde Differenzierungsmöglichkeit vom Wettbewerb. Alle die einen Rechner wegen Design oder Oberfläche kaufen sind bei Apple, die anderen kaufen wollen einen x-beliebigen Rechner auf dem Windows läuft.

    Also was tun?

    Auf die Hardwarekomponenten können alle anderen Hersteller auch zugreifen. Wegen eines schicken Gehäuses bezahlen eben die wenigsten mehr. Auch einen Apple kauft man nicht wegen der verbauten CPU sondern der Software/dem Bedienkonzept.

    Die Software (Windows, vielleicht noch Office) kommt aus Redmond, hier kann man noch (mehr oder weniger nutzlose) Zusatzprogramme und schicke Einrichtungsassistenten drauf packen (wie es HP aktuell tut) und ein paar Euro extra mit eBay-Link oder Aboverkauf von Virenscanner einnehmen.
    Aber die Kaufentscheidung beeinflusst das nicht, es will auch keiner eine spezielle HP-Windows-Oberfläche als Alleinstellungsmerkmal. Somit auch hier keine Differenzierung möglich.

    Thunderbolt kann man als Innovation darstellen, aktuell ist mangels passender Geräte und folgedessen fehlender Kundennachfrage damit kaum etwas zu gewinnen. Und USB 3.0 und eSATA hat auch wieder jeder Rechner mit dabei.

    Folglich ist bei Windows-Rechner bei der Kaufentscheidung nur Leistungsdaten und Preis wichtig.

    Solange man nicht wie Apple ein exklusives (Einsperr-) bundle aus Betriebssystem, Oberfläche, Stores und Hardware schnüren kann ist man eben nur ein Hardwarehersteller unter vielen. Aus Kundensicht ist das auch gut so, aus Anbietersicht nicht. Der harte Preiskampf führt zwangsläufig zu Fusionen und Verkäufen der PC-Sparte, siehe IBM/Lenovo und Medion, vielleicht bald Acer, warum nicht auch HP?

  4. von webOS wird Open Source – HP hofft auf… 10.12.2011 (15:12Uhr) 4.

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