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Huffington Post Deutschland – Das denken Journalisten und Blogger über die Plattform [Teil 3]

Huffington Post Deutschland – Das denken Journalisten und Blogger über die Plattform [Teil 3]

Wie stehen deutsche Medienprotagonisten zu der Deutschland? Wir haben bei Journalisten und Bloggern in einer drei-teiligen Serie nachgefragt.

Huffington Post Deutschland – Das denken Journalisten und Blogger über die Plattform [Teil 3]
Auch die deutsche Huffington Post finanziert sich über Werbung. (Bild…

Huffington Post Deutschland: Zukunftsweisend oder Anti-Geschäftsmodell des digitalen Journalismus?

Die Debatte zum Deutschlandstart der Huffington Post nimmt an Fahrt auf. Zuerst hat Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner die Plattform als das „Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ beschrieben, dann entgegnete Herausgeberin Arianna Huffington erhaben: „Kritiker verstehen unser Geschäftsmodell in der Regel nicht richtig“, und die Deutschlandpartner der Tommorrow Focus AG blicken der Aufregung gelassen und mit breiter Brust entgegen. So konträr diese Positionen sind, so unterschiedlich denken auch andere Medienprotagonisten über die Huffington Post Deutschland. In einer drei-teiligen Serie haben wir Herausgeber, Journalisten und Blogger zu ihrer Meinung gefragt.

Tobias Schwarz – Blogger/Projektleiter 

Tobias Schwarz: „Die Blogszene hätte selber etwas Vergleichbares aufziehen müssen.“
Tobias Schwarz: „Die Blogszene hätte selber etwas Vergleichbares aufziehen müssen.“

Die Huffington Post wird sich hierzulande durchsetzen, aber das wird nichts mit dem Geschäftsmodell zu tun haben, sondern mit zwei Punkten: zum einen ist die Zeit reif für ein großes Blogmedium und zum anderen steht mit Burda Media einer der größten Verlage Deutschlands hinter dem Projekt. Letzteres wird für den langen Atem sorgen, um sich zu etablieren, was aufgrund des ersten Punktes ganz einfach passieren wird. Zeitungen werden einen Anteil am Kuchen der öffentlichen Meinung verlieren, der ihnen aber sowieso nicht gehört und auf dem sie sich jeden Tag neu beweisen müssen. Mathias Döpfner von Axel Springer fürchtet sich nämlich nicht um die Zukunft der Journalismus-betreibenden Menschen, sondern um seine, um die Zukunft von vom Journalismus-lebenden Menschen.

Für Journalisten wird sich nichts ändern, viel mehr wird die Huffington Post bald eine Möglichkeit sein, sich einen über die Kürzel in Artikeln hinausgehenden Namen zu machen. Vielleicht sollten die Autoren der Huffington Post einfach nicht als klassische Autoren betrachtet werden, auch wenn manche sich selber in bestimmten Traditionen sehen. Dann erscheint einem die als Vergütung angebotene Reichweite viel attraktiver und könnte Ausmaße erreichen, in denen es sich sogar wieder lohnt, vom ins „Digitale-Geschriebene“ zu leben – wie es bei manchen Bloggern ja schon der Fall ist.

Der Untergang des Journalismus jedenfalls wird die Huffington Post nicht sein, viel mehr eine von den etablierten Medien gegründete Plattform für die Blogszene. Und so etabliert und unkreativ wird sie sicher auch geführt werden. Ich, der gerne auch unbezahlt schreibt und Reichweite zu schätzen weiß, würde trotzdem nie für die Huffington Post schreiben. Unbezahlt für die deutsche Huffington Post zu schreiben, wird nichts mit dem Ideal des „citizen journalism” zu tun haben oder mit Demokratisierung und Meinungsvielfalt, sondern ein hierzulande die Presse- und Meinungsfreiheit schindendes Unternehmen – nämlich Burda – finanziell zu begünstigen. Es gibt andere Medien, die einem besser helfen, unbezahlt und bezahlt, sich durch Reichweite und Qualität einen Namen als journalistisch bloggende Marke aufzubauen. Die Blogszene hätte selber etwas Vergleichbares aufziehen müssen.

Tobias Schwarz ist Projektleiter bei dem Online-Magazin Netzpiloten.de. Zudem schreibt er auch auf seinem Blog und hat Beiträge auf den Online-Medien Politik-Digital.deCarta.info und Netzpolitik.org veröffentlicht. Tobias Schwarz ist als Isarmatrose auf TwitterApp.net und Facebook sowie Google+ zu finden.

Jürgen Vielmeier – Tech-Blogger 

Jürgen Vielmeier: „Würde ich für die HuffPo schreiben? Ja, ich würde ihr einen Beitrag schenken zu einem Thema, für das ich Redebedarf habe.“
Jürgen Vielmeier: „Würde ich für die HuffPo schreiben? Ja, ich würde ihr einen Beitrag schenken zu einem Thema, für das ich Redebedarf habe.“

Eine deutsche Huffington Post wird den Journalismus in Deutschland verändern. Sie hat eine gute Chance, Bürgerjournalismus in Deutschland zum Durchbruch zu verhelfen und mittlerweile bin ich sogar so weit, dass ich mir das wünschen würde. Alle bisherigen Versuche in diese Richtung, ob Leserreporter oder Readers Edition, haben bisher wenig Spaß gemacht. Eine deutsche HuffPo hat die Chance, so aufgebaut zu sein, dass ich das sogar lesen mag. Dass Burda dahinter steht, ist insofern ein gutes Zeichen für das Projekt, dass der Verlag sich nicht die Blöße geben wird, es im Falle eines frühen Misserfolgs gleich wieder einzustampfen. Den Journalismus würde eine HuffPo in Deutschland ebenso wenig zu Grabe tragen, wie sie das in den USA getan hat. Sie wird wunderbar daneben existieren können. Für sie ist hier Platz, gut gemachter professioneller Online-Journalismus wird aber ebenso wichtig bleiben. Und vielleicht haben andere Medien – haben wir alle hier sogar die Chance zu zeigen, was guter Journalismus kann und wie er sich von Bürgerjournalismus abheben kann.

Würde ich für die HuffPo schreiben? Ja, ich würde ihr einen Beitrag schenken zu einem Thema, für das ich Redebedarf habe. Und dann würde ich mich wieder um die Projekte kümmern, mit denen ich Geld verdiene. Ich lebe vom Schreiben und ich bin mir sicher, dass ich das in zehn Jahren immer noch kann, egal, ob eine deutsche Huffington Post ein Erfolg wird oder nicht.

Jürgen Vielmeier ist Diplom-Journalist und seit 2001 als Blogger unterwegs, seit vielen Jahren beruflich. Er ist derzeit freiberuflich und schreibt unter anderem für neuerdings.com und netzwertig.com.

Romy Mlinzk – Bloggerin

Romy Mlinzk: „Die Huffington Post hat sich mit dem deutschen Kooperationspartner Tomorrow Focus große Ziele für den Start der deutschen Ausgabe gesetzt.“ (Foto: INDEED Photography)
Romy Mlinzk: „Die Huffington Post hat sich mit dem deutschen Kooperationspartner Tomorrow Focus große Ziele für den Start der deutschen Ausgabe gesetzt.“ (Foto: INDEED Photography)

Die Huffington Post hat sich mit dem deutschen Kooperationspartner Tomorrow Focus (Burda) große Ziele für den Start der deutschen Ausgabe gesetzt. So wie ich Arianna Huffington kennengelernt habe, wird die deutsche Ausgabe ähnlich erfolgreich wie die anderen Länderausgaben. Was ich mir auch wünschen würde, denn die Huffington Post rüttelt die deutsche Medienlandschaft schon jetzt gut durch. Doch die Social-Media-Filterbubble empört sich über ein Format, welches nun seit acht Jahren erfolgreich besteht, während klassische Medien kaum Lösungen für sich im digitalen Zeitalter finden. Es ist daher nicht der Untergang des Abendlandes, aber vielleicht dessen Revolution!

Neben den festangestellten Redakteuren gibt es das Angebot, als Blogger ohne journalistische Ausbildung und Kenntnisse unentgeltlich für ein weltweit erfolgreiches und angesehenes Medium zu schreiben. Die Häufigkeit bestimmt der Blogger selbst (!= Vollzeit). Mit dem reichweiten- und rankingstarken Focus im Hintergrund ist darüber hinaus eine Struktur gegeben, die auch bei HuffPo starke Reichweite, mehr Bekanntheit und Reputation für den Blogger versprechen.

Warum nicht etwas Neues wagen? Denn ohne diese moderne Währung Reichweite hat ein Blogger selten Chancen, bezahlte Kooperationen und Postings zu bekommen, die im Rahmen des ethisch-moralischen sind. Bei vor allem ausländischen Kooperationspartnern kennt keiner die Person Romy Mlinzk, dort geht es um nackte Zahlen. Dort pitche ich mit Page Impressions, Unique Visitors, Likes, Shares, Followern uvm. – schließlich möchte ich eine Kooperation für mein Blog und wenn ich eingeladen werde, dann erhofft sich der Partner für sein Invest in mich Berichterstattung, die auch ein gewisses Zielpublikum erreicht. Ohne starken Blogpartner im Rücken ist es aber für ein kleines Blog schwierig, eine gewisse Bekanntheit zu erreichen. Darum nutze ich das Angebot der Huffington Post für mich und habe zugesagt, ab und zu für sie zu schreiben. Der Content bleibt übrigens bei mir und steht mir zur weiteren Nutzung zur Verfügung – ein Luxuszustand, den wenige Journalisten haben. Darüber hinaus verdienen aber die wenigsten der deutschen Blogger hauptberuflich ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben. Sie veröffentlichen also jetzt schon unbezahlten Content – ein Umstand, den sich ein Journalist nicht erlauben kann, der nur vom Schreiben lebt. Doch: wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

Romy Mlinzk ist zur Zeit als Social-Media-Expertin bei der Generali Deutschland Informatik Services GmbH in Hamburg angestellt. Nebenbei bloggt sie, fotografiert, hört sich gelegentlich gute Musik an und ist ständig auf Achse. Bald wird sie Hamburg in Richtung Ruhrgebiet verlassen. Was dann kommen wird, steht noch in den Sternen, denen sie auch zugeneigt ist. Folgen könnt ihr Romy Mlinzk auf ihren Blog, Twitter, Facebook, Google+ und Flickr.

Falk Hedemann – Social-Media-Berater/-Blogger 

Falk Hedemann: „Für mich macht die Huffington Post Deutschland nur das, was viele Medien schon seit Jahren in einem kleineren Rahmen machen.“
Falk Hedemann: „Für mich macht die Huffington Post Deutschland nur das, was viele Medien schon seit Jahren in einem kleineren Rahmen machen.“

Mit der Huffington Post startet in Deutschland ein neues Medienmodell, das zunächst in den USA und dann in weiteren Ländern erfolgreich umgesetzt wurde. Das wird vermutlich kaum ein Journalist oder Medienbeobachter anders sehen. Die Frage wie nun das hinter der HuffPo stehende Medienmodell zu beurteilen ist, wird dagegen schnell zur abendfüllenden Diskussion. Derzeit scheint mir der Tenor in diese Richtung zu gehen: Kostenloser Content von Bloggern, mit dem die HuffPo Geld verdient, ist der Abgesang auf den digitalen Journalismus!

Ja? Wirklich? Ich sehe das anders. Für mich macht die Huffington Post Deutschland nur das, was viele Medien schon seit Jahren in einem kleineren Rahmen machen: schreiben für Reputation, Ruhm und Reichweite. Ich sehe darin auch kein Problem, sondern einen ernsthaften Versuch ein erfolgreiches Medienmodell auf Deutschland zu transformieren. Dieses Statement hier ist ein schönes Beispiel für das was ich meine. Ich schreibe es, weil ich als langjähriger t3n-Redakteur um die Reichweite von t3n weiß und ich mir natürlich von dieser Meinungsäußerung auch Reputation erwarte, Ruhm eher weniger. Geld bekomme ich dafür natürlich nicht, aber eben eine Bühne auf der ich mich darstellen kann.

Statements dieser Art habe ich auch schon anderen Medien gegeben, für Online, Print, Bücher oder Radio-Sendungen. Nie habe ich dafür ein Honorar bekommen oder eines gewollt, denn die drei „Rs“ reichten mir. Natürlich haben die Medien mit diesen Inhalten dann auch Geld verdient, denn das ist letztlich für ihr Überleben essentiell. Warum sollte das bei der HuffPo anders sein? Es wird niemand gezwungen, dort zu schreiben. Und wichtig: das Angebot richtet sich an Blogger und nicht an Journalisten. Hier muss man gut unterscheiden, denn wer mit dem Bloggen gar nicht das Ziel verfolgt, Geld zu verdienen, der könnte mit den drei „Rs“ genau das bekommen, was er mit einem eigenen Blog mitunter nur sehr schwer erreichen kann.

Es ist natürlich absolut legitim, mit dem Schreiben Geld verdienen zu wollen, ich mache das schließlich auch, aber es ist genauso legitim, dies gar nicht anzustreben und nur aus Leidenschaft zu einem Thema zu schreiben. Wer zu den Bloggern aus Leidenschaft gehört, möchte aber sicher auch gelesen werden – bei der angestrebten Reichweite der HuffPo wird genau das möglich. Ich gebe der HuffPo Deutschland jedenfalls eine Chance, auch wenn ich selbst dort nicht schreiben werde.

Falk Hedemann ist Freier Journalist und Blogger und berät zudem Unternehmen bei ihrer digitalen Kommunikation, der Content-Strategie und der Distribution von Inhalten im Social Web. Online zu finden ist er auf seinem privaten Blog, bei Twitter und Google+.

Eure Meinung zur Huffington Post Deutschland?

Wie findet ihr das Konzept der Huffington Post? Ist das Geschäftsmodell kritikwürdig und untergräbt es die Interessen der bezahlten Autoren? Oder ist die Strategie der Plattform richtungsweisend und zeigt wie man mit neuen Herangehensweisen für wertige Inhalte sorgt? Wir sind gespannt auf eure Meinung – in der Umfrage, wie auch im Kommentarbereich.

Hier geht es zum 1. Teil und 2. Teil der Huffington-Post-Deutschland-Serie.

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2 Antworten
  1. von Thompsen am 26.09.2013 (10:58 Uhr)

    Jaja, die HuffPo wird kommen, ein neues, großes Medium im deutschsprachigem WWW werden und den Bürgern eine Stimme verleihen. Einige werden sich daran erfreuen, andere bleiben auf der Strecke. Langsam haben wir es begriffen...

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