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Huffington Post Deutschland – Das denken Journalisten und Blogger über die Plattform [Teil 1]

    Huffington Post Deutschland - Das denken Journalisten und Blogger über die Plattform [Teil 1]
(Bild: placeit.breezi.com/huffingtonpost.de)

Wie stehen deutsche Medienprotagonisten zu der Huffington Post Deutschland? Wir haben bei Journalisten und Bloggern in einer drei-teiligen Serie nachgefragt.

Huffington Post Deutschland: Zukunftsweisend oder Anti-Geschäftsmodell des digitalen Journalismus?

Die Debatte zum Deutschlandstart der Huffington Post nimmt an Fahrt auf. Zuerst hat Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner die Plattform als das „Anti-Geschäftsmodell für Journalismus“ beschrieben, dann entgegnete Herausgeberin Arianna Huffington erhaben: „Kritiker verstehen unser Geschäftsmodell in der Regel nicht richtig“, und die Deutschlandpartner der Tommorrow Focus AG, blicken der Aufregung gelassen und mit breiter Brust entgegen. So konträr diese Positionen sind, so unterschiedlich denken auch andere Medienprotagonisten über die Huffington Post Deutschland. In einer drei-teiligen Serie haben wir Herausgeber, Journalisten und Blogger zu ihrer Meinung gefragt.

Stefan Plöchinger – SZ.de-Chefredakteur

Stefan Plöchinger: „Ich wünsche mir als Journalist natürlich dringend publizistische Ideen, die über die leider üblichen Reichweitenzaubereien hinausgehen.“
Stefan Plöchinger: „Selbst dort schreiben? Die SZ und mein eigenes Blog sind für mich die besseren Plattformen.“

Ich wünsche Kollegen, die originär und originell journalistisch arbeiten und ordentlich Geld damit verdienen können, immer Glück und Erfolg und freue mich außerdem auf klugen Wettbewerb. Ich wünsche der deutschen HuffPost, dass sie im Gegensatz zu den allfälligen Befürchtungen diese Kriterien erfüllt, dass sie – gerade im LSR-Vorkämpfer-Verlag Burda – nicht das Aggregatorenportal wie in den USA wird und dass sie – gerade in einem so umsatzstarken Unternehmen wie TomorrowFocus – keine Gratiskultur im Sinne von Minimalbezahlung für Autoren etabliert. Ich wünsche mir als Journalist natürlich dringend publizistische Ideen, die über die leider üblichen Reichweitenzaubereien hinausgehen. Selbst dort schreiben? Die SZ und mein eigenes Blog sind für mich die besseren Plattformen.

Stefan Plöchinger ist Chefredakteur von Süddeutsche.de. Er war bereits in führenden Positionen bei Financial Times Deutschland und Spiegel Online tätig, bevor es ihn zurück zur Süddeutschen Zeitung zog. Plöchinger lehrt unter anderem an der Henri-Nannen-Schule und der Deutschen Journalistenschule in München.

Stefanie Bamberg – Food-Bloggerin

Stefanie Bamberg: „Ob ich selber für die Huffington Post Deutschland schreiben würde? Ja, man hat mich angefragt, und ich habe zugesagt.“
Stefanie Bamberg: „Ob ich selber für die Huffington Post Deutschland schreiben würde? Ja, man hat mich angefragt, und ich habe zugesagt.“

Wirklich einschätzen kann ich die Chancen der HuffPo in Deutschland nicht, da es ein Modell ist, was hier so noch nicht existiert. Andererseits gibt es viele Portale, die ebenfalls durch User Generated Content in verschiedenen Ausprägungen existieren, wenn auch oftmals auf eine Weise, die mich nicht ganz so anspricht. Man darf also gespannt sein, wie das in Deutschland angenommen wird. Dieser Vorwurf, dass sie ihren Erfolg zu Lasten der Berufsjournalisten erwirtschaftet ist mir in den letzten Tagen sehr häufig untergekommen, allerdings ist der für mich nicht nachvollziehbar. Es werden keine bestehenden Medien ersetzt. Es kommt schlicht und einfach noch eine Plattform dazu. So stupide verallgemeinert wie in dem Vorwurf müsste man von Facebook, über Blogger.com bis zu Plattformen wie chefkoch.de und Co. alles anprangern, wo Nicht-Journalisten ins Netz schreiben können. Wenn Journalisten diese Angst entwickeln, ist irgendwas branchen-intern verkehrt und nicht der Umstand, dass ein weiteres Infrastrukturangebot für Blogger gestellt wird. Ich persönlich stehe den großen Medienhäusern grundsätzlich skeptisch gegenüber, allerdings muss man auch sagen, dass Burda es nun durchaus schafft, auch mal neue Strömungen nach Deutschland zu schieben.

Auf die Frage hin, ob es grundsätzlich legitim ist, Autoren mit Reichweite zu bezahlen, meine ich: "Es kommt drauf an!". Es soll sich keiner ausbeuten lassen und ich vertrete natürlich gerade als Selbständige auch den Standpunkt, dass Arbeit bezahlt werden soll. Man muss das jedoch bei solchen Angeboten für sich abwägen. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich sehr viel online netzwerke und dadurch auch viele Kunden generiere. Mehr Reichweite kann also nur vorteilhaft sein. Was mich allerdings sehr stört: an allen Ecken und Enden bekommt man den Eindruck, als wäre das eine Erfindung der HuffPo. Aber das ist es nicht. Auch bei allen anderen Medien ist das schon seit Jahren Usus - egal, ob Blogs oder Gebauchtmedien. Bei der HuffPo ist es sogar so, dass man NICHT die Exklusivrechte abgibt, sondern nur die Erstveröffentlichung. Das macht für mich auch durchaus einen Unterschied. Ob ich selber für die Huffington Post Deutschland schreiben würde? Ja, man hat mich angefragt, und ich habe zugesagt. Warum? Weil ich wissen will, ob das Modell hier in Deutschland funktioniert, und weil ich für mich keine Nachteile entdecken konnte. Zunächst werde ich im Food-Bereich einsteigen und zwei-wöchentlich dort schreiben. Je nachdem, wie sich das entwickelt, wird das vielleicht sogar öfter passieren beziehungsweise werde ich den Themenbereich auf meine Jobthemen ausweiten.

Stefanie Bamberg ist seit 2008 als freie Grafikerin und PR-Beraterin mit dem Schwerpunkt Online PR deutschlandweit tätig. Außerdem betreibt sie das Foodblog Schön und fein. Dort finden sich neben Rezepten für Cupcakes, Cake Pops, Cookies & Co. auch Ideen für DIY-Projekte.

Jens Ihlenfeld – Golem.de-Herausgeber

Jens Ihlenfeld: „Es ist zu hoffen, dass der Deutschlandstart der Huffington Post für Bewegung sorgt.“
Jens Ihlenfeld: „Ganz grundsätzlich finde ich es falsch, etwas schon im Vorfeld zu verdammen.“

Ganz grundsätzlich finde ich es falsch, etwas schon im Vorfeld zu verdammen, und bin daher sehr gespannt, wie das Konzept der Huffington Post in Deutschland funktionieren wird. Die Idee, guten Bloggern eine Plattform zu bieten finde ich an sich sympathisch. Das tun wir bei Golem.de auch, und zwar mit Erfolg; allerdings bezahlen wir unsere Autoren und Blogger, beteiligen sie finanziell auch am Erfolg ihrer Inhalte und unterstützen sie. Denn es geht uns um Klasse statt Masse. Bei dem Modell der Huffington Post scheint dagegen Masse im Vordergrund zu stehen, die nichts kosten darf und deshalb auch zu kleinen Preisen vermarktet wird. Am Ende verdienen dann einige wenige auf Kosten der Autoren. Würden sich die etablierten Medien dem Modell von Golem.de anschließen und sich stärker für Autoren öffnen und ihnen dabei auf Augenhöhe begegnen, hätte eine Huffington Post in Deutschland wohl keine Chance. Es ist zu hoffen, dass der Deutschlandstart der Huffington Post für Bewegung sorgt.

Jens Ihlenfeld gründete während des Abiturs 1997 mit Christian Klaß Golem.de. Er ist heute Geschäftsführer der Klaß & Ihlenfeld Verlag GmbH, die Golem.de herausgibt. Journalistisch widmet er sich den Themen Webentwicklung, Open Source und Netzwerkökonomie.

Jörg Wittkewitz – Freier Autor und Publizist

Jörg Wittkewitz: „HuffPo ist daher die schlimmste Form der Content-Farm.“
Jörg Wittkewitz: „HuffPo ist daher die schlimmste Form der Content-Farm.“

Die allseits bekannten Online-Marktplätze ermöglichen kleinen Händlern den Verkauf ihrer Waren über das Internet ohne den Aufwand eines eigenen Webshops. So verdienen im besten Fall beide Seiten. Auf lange Sicht verlieren dabei leider immer die kleinen Händler. HuffPo bietet diese Dienstleistung auch Bloggern an. Nur waren diese schon vorher im Web. Wo liegt also der Nutzen für Sie? Sie bekommen kein Honorar, profitieren also nicht von den Werbeeinnahmen. Sie arbeiten umsonst beziehungsweise nur für die Reichweite. Zumindest bieten die Redakteure der HuffPo diese virtuelle Reichweite für reale Text an? Und nur bei Erstveröffentlichung. Es werden meist Blogger aus der zweiten und dritten Riege angeschrieben, die sich schon eine kleine oder größere Community an Lesern erarbeitet haben. Sie bringen ihre eigene Reichweite mit. Es kann sein, dass ihre Texte mehr Leser finden als zuvor. Es ist aber wahrscheinlicher, dass sie zunächst ihre eigenen Leser auf die HuffPo rüberziehen, weil sie ihre Text nun zuerst dort publizieren müssen und dann erst zuhause im eigenen Blog. Das eigene digitale Wohnzimmer als Nest für die Zweitverwertung?

Google mag so etwas übrigens gar nicht: Duplicate Content. Die Blogger verlieren also auch noch Relevanz beim Suchgiganten. Und was noch schlimmer ist als der Verlust der eigenen Leser auf dem Blog und das Herabstufen des lang gepflegten eigenen Webgewächses: Der Betreiber von HuffPo kann genauso wie Amazon kontrollieren, welche Themenbereiche mit welchen Angeboten am besten funktionieren. Was gut läuft kann man dann lukrativ ausgliedern. Das heißt, sie betreiben nicht nur den Reichweitenaufbau auf Kosten der Blogger sondern erlangen auch noch Informationen, die sie an Agenturen, Marken und Verlage weiterverkaufen können. Denn die Firmenlenker lieben Exceltabellen. Anders als die Banner und Advertorials, die die Transaktionskosten der HuffPo decken werden, sind diese Echtzeitdaten über die Nutzung und Interaktion mit Inhalten als echte Leserbeteiligung das Gold, das Burda schürfen wird. Denn die HuffPo soll Tausende engagierter Leser von Hunderten spezialisierter Blogs anlocken. Die Autoren sind dabei nur der Speck, der Mäuse fängt. HuffPo ist daher die schlimmste Form der Content-Farm. Dass, was Springer an Verleumdung, demagogischer Zuspitzung und Appell an die niedrigsten Triebe verkauft, ist kein Journalismus, es ist Manipulation. Und das was die HuffPo plant, ist keine verlegerische Tätigkeit, sondern schlichte Marktforschung. Es gibt also noch viel Platz für jemanden, der im Stil der Washington Post echten Journalismus für echte Leser produzieren könnte. Nur müsste der ein freiwilliges, eigenes Flattr-Modell implantieren. Denn gute Inhalte werden gern bezahlt, aber erst nach dem Lesen! Das trauen sich Verlage noch nicht, weil sie wissen, dass sie genau dort sparen, wo die Leser es als Erster merken: am Produkt.

Jörg Wittkewitz ist seit 1999 als Freier Autor und Publizist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. Zudem bloggt er auf multiasking.net.

Eure Meinung zur Huffington Post Deutschland?

Wie findet ihr das Konzept der Huffington Post? Ist das Geschäftsmodell kritikwürdig und untergräbt es die Interessen der bezahlten Autoren? Oder ist die Strategie der Plattform richtungsweisend und zeigt wie man mit neuen Herangehensweisen für wertige Inhalte sorgt? Wir sind gespannt auf eure Meinung – in der Umfrage, wie auch im Kommentarbereich.

Hier geht es zum 2. Teil und 3. Teil der Huffington-Post-Deutschland-Serie.

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5 Reaktionen
Andreas Weck
Andreas Weck

Wir wollen dem Jens ja kein Unrecht tun ;)

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Stefanie Bamberg
Stefanie Bamberg

Ja, Andreas, das Vierte, sorry. Erzwungenes Multitasking ist nicht so meins um diese Uhrzeit. :)

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Daniel B
Daniel B

Hier muss jeder selber sehen was er daraus macht und ob er es für sich nutzen kann. Ich werde als Energieblogger dort ab und an Beiträge abliefern und entsprechend wichtige Themen aufbereiten. Gerade in dem Sektor ist eine möglichst breite Verteilung und Aufbereitung des Themas wichtig und nur im eigenen Blog kaum machbar.

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Andreas Weck
Andreas Weck

Du meinst das Vierte, oder?

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Stefanie Bamberg
Stefanie Bamberg

Ich kann vor allem das dritte Statement nicht unterstützen. Zum einen werden meine jetzigen Stammleser nicht mitwandern, zum anderen zwingt mich niemand, alle Texte, die ich sonst verbloggt hätte, dort zu publizieren.

Es wird ein Zusatzding, kein Ersatz. Und von "müssen" redet auch niemand. Es steht jedem frei dort mit zu machen. Und da mir die deutsche Schwarzmaler-Mentalität ziemlich auf den Keks geht, werde ich es schon alleine deswegen tun.

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