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Softwareentwickler Dennis Wilson erklärt, warum JavaScript nicht mehr böse ist

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Im Oktober starten die JavaScript Days in Berlin. Im Interview mit dem Journalisten Thomas Wießeckel spricht der selbstständige Softwareentwickler Dennis Wilson über idiomatisches JavaScript, das er auch als Trainer auf den JavaScript Days umfassend beleuchtet.

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Zusammen mit den AngularJS Days und den HTML5 Days bieten die JavaScript Days 30 Workshops für Entwickler und Softwarearchitekten zu wichtigen JavaScript- und HTML5-Themen. Thomas Wießeckel hat im Vorfeld mit Dennis Wilson darüber gesprochen, warum JavaScript nicht mehr „böse“ ist und was eigentlich „idiomatisch“ bedeutet.

Thomas Wießeckel: Dennis, wir erinnern uns an die Zeiten, als JavaScript als furchtbar böse angesehen wurde. Heute wird allerdings fast alles per JavaScript realisiert. Was hat sich in der Wahrnehmung geändert?

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Der selbstständige Softwareentwickler Dennis Wilson wird idiomatisches JavaScript auf den JavaScript Days umfassend beleuchten. (Foto: Software & Support Media GmbH)

Dennis Wilson: Die Frage ist ja, in wessen Wahrnehmung. Auf User-Seite ist es so, dass die einfach nicht mehr so sehr kommuniziert bekommen „das ist doof“, „mach das aus“. Früher sind User vor allem durch Adblocker mit JavaScript in Berührung gekommen, weil sich irgendwelche Popups geöffnet haben. Wenn wir uns mal überlegen, was JavaScript damals so konnte – besonders viel war das nicht, aber das konnte es gut. Das dürfte die einzige Schnittstelle gewesen sein, an der der Endbenutzer überhaupt wahrgenommen hat, dass JavaScript stört und er es lieber ausschalten sollte.

Ich glaube, die Wahrnehmung hat sich mit der Zeit dahingehend geändert, dass die Softwarehersteller JavaScript immer gewinnbringender einsetzen konnten und dadurch spannendere Anwendungen gebaut haben. Das fiel natürlich zu Gunsten der User aus. Besonders aufgefallen ist das in der Usability. Das hat auf die Dauer einfach überzeugt. Insgesamt ist JavaScript nützlicher geworden und die Leute haben sich nach und nach an die Convenience, also die Schönheit von Usability in Browsern gewöhnt.

Wießeckel: Auf den JavaScript Days hältst du einen Workshop zum Thema idiomatisches JavaScript. Was verstehst du darunter?

Wilson: Das Wort „idiomatisch“ beschreibt grundsätzlich den Umstand, dass man eine Sprache so spricht, wie es ein Muttersprachler tun würde. Gerade im JavaScript-Umfeld haben wir aber eher wenig native Entwickler, die zur Stunde Null mit JavaScript angefangen und das dann durchgezogen haben. Es gibt stattdessen viele Entwickler, die JavaScript als zweite oder dritte Sprache adaptiert haben, weil es die Sprache der Browser ist. Für die ist JavaScript oft ein notwendiges Übel.

Das führt dazu, dass diese Entwickler mit verschiedensten Idiomen anderer Sprachen, wie zum Beispiel Java, PHP oder Ruby, im Hintergrund an JavaScript gehen. Ein Java-Idiom ist anders als ein Ruby-Idiom – die eine Sprache ist vielleicht sehr stark kommentiert, die andere setzt mehr auf Metaprogrammierung und so weiter. Diese Sprachen unterscheiden sich alle stark in ihrem Stil. Diese Entwickler kommen jetzt einheitlich in eine Community oder ein Projekt, wo sie viel oder sogar hauptsächlich mit JavaScript arbeiten. Das sind Quereinsteiger oder Wechsler. Die bringen dann natürlich ihre alte Handschrift mit, den Stil ihrer alten Fachsprachen.

Das führt dazu, dass das Team oder die Einzelperson JavaScript nicht so angeht, wie es gedacht ist. Ein klassischer Fehler von Entwicklern, die aus einer statischen Sprache kommen, ist, Vererbungshierachien zu bauen, wie man es in Java tut. Mit Interfaces, Abstracts, Classes und so – das funktioniert in JS so nicht. Oft erkennt man in Open-Source- und Kundenprojekten an der Handschrift des Entwicklers, was er vorher gemacht hat. Idiomatisches JavaScript beschäftigt sich demnach damit, JavaScript so einzusetzen, wie es gedacht ist, wie das Idiom JavaScript entworfen ist.

Wießeckel: Und JavaScript an sich ermöglicht also spannendere Architektur?

Speaker-Panel auf den JavaScript Days 2015 Spring
Speaker-Panel auf den JavaScript Days 2015 Spring (Foto: Software & Support Media GmbH)

Wilson: Spannender ist immer so eine Frage. Mag ich lieber Schokoladeneis oder Vanilleeis? Da kann man jetzt keinen Glaubenskrieg drüber führen. JavaScript ist auf jeden Fall spannend. Das liegt vor allem an den sehr unüblichen Konzepten in JavaScript im Vergleich zu den Sprachen, die in den letzten zehn Jahren aktuell waren. Da haben wir eben sehr stark auf statisch gelinkte Sprachen gesetzt, was natürlich auch an der verfügbaren Performance lag.

Die dynamischen Sprachen haben erst in den letzten fünf bis zehn Jahren an Bedeutung gewonnen und werden jetzt erst stärker ernst genommen – und zwar, weil sie besser performen als damals. Mit dynamischen Sprachen stehen einfach ganz andere Konzepte zur Verfügung wie beispielsweise Mixins oder Monkey-Patching. Gerade bei JavaScript geht es auch darum, dass die Sprache sehr funktional orientiert ist, also nicht objektorientiert. Wenn man mit dem funktionalen Idiom entwickelt, ergeben sich ganz andere Wege. Die Formulierungsweisen und Architekturweise sind anders und man verbaut sich meiner Meinung nach eine ganze Menge, wenn man sehr stark den Stil, den man in einer alten Sprache gelernt hat, mit in JavaScript reinzieht.

Hast du auch Fragen an Dennis Wilson?

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