Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Gadgets & Lifestyle

IFA-Fazit: Android-Tablets – Wirklich schon ausgereift genug?

    IFA-Fazit: Android-Tablets - Wirklich schon ausgereift genug?

Auf der Internationalen Funkausstellung waren t3n-Chefredakteur Jan Christe und ich einen Tag in Sachen Tablets unterwegs und immerhin sechs neue Geräte haben wir zu Gesicht bekommen. Alle liefen unter Android, nur eines hatte wahlweise auch Windows 7 an Bord. Viele Tablet-Interessierte erhoffen sich von Android eine offene Alternative zum geschlossenen und kontrollierten iPad-Ökosystem von Apple. Aber können die Android-Tablets wirklich schon überzeugen? Oder sehen nur ihre Featurelisten gut aus?

Um es gleich vorweg zu sagen: Eine endgültige Antwort auf diese Frage kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht geben, weil viele Geräte noch gar nicht final waren, die man uns gezeigt hat. Trotzdem gibt es einige grundsätzliche Vor- und Nachteile bei Android-Tablets, die bei aller Begeisterung für eine iPad-Alternative benannt werden müssen. Nach meinem Gefühl bekommen viele Android-Tablets Vorschusslorbeeren, weil viele sich wünschen, dass es würdige iPad-Konkurrenten gibt. Die technischen Daten sehen dann auch oft gut aus - was ja keine Schwierigkeit ist, denn die Komponenten braucht der Hersteller ja fast nur noch aus dem Regal zu greifen und in China zusammenbauen zu lassen. Die erste Nutzung kann dann schon etwas ernüchternd sein. Zudem stellt sich Google in Sachen Android-Tablets quer. Aber schauen wir uns die aktuelle Situation doch einmal an.

Eingang „Messe Süd“ in Berlin, am Vortag der IFA-Eröffnung. Foto: Tißler

Warum Alternativen zum iPad gebraucht werden

Zwar bin ich selbst iPad-Besitzer und mir gefällt das Gerät ausgesprochen gut. Es wird zu meinem eigenen Erstaunen von mir sehr viel mehr genutzt als ich jemals gedacht hätte. Kurz gesagt hat es mein Laptop nahezu komplett ins Arbeitszimmer verdrängt. Im Wohnzimmer, auf Veranstaltungen und unterwegs ist das iPad die erste Wahl. Trotzdem sehe ich mich nicht als Apple- oder iPad-Fanboy. Ich wäre froh, gute Alternativen zu sehen. Denn Konkurrenten würden Apple antreiben, sein Tablet weiterzuentwickeln. Und es ist noch gar nicht ausgemacht, dass mein iPad irgendwann einmal durch ein neues iPad ersetzt wird oder nicht doch durch ein anderes Tablet.

Das iPad ist in vielerlei Hinsicht typisch für Apple. Es ist eine sehr gute Kombination aus Hardware und Software. Dabei fehlen an vielen Stellen Funktionen und Eigenschaften, die vor allem Poweruser wollen oder die sich eben in Featurelisten gut machen. So gibt es allein den Dock-Connector als Anschluss - kein USB, keine SD-Card. Und ich würde einiges wetten, dass das auch sobald nicht kommen wird, wahrscheinlich nie.

Zugleich läuft alles über iTunes und den App Store, sofern man sein iPad nicht entsprechend von diesen Beschränkungen befreit und sich dafür andere Probleme und Unsicherheiten einhandelt.

Warum so viele jetzt auf Android setzen

Dass Android jetzt so eine wichtige Rolle bei Tablets spielt, hat einen recht einfachen Grund: Es gibt für die Hersteller gar keine vernünftige Alternative. Es ist der beste Kompromiss, den die Toshibas und Samsungs dieser Welt derzeit eingehen können. Android ist für Performance-schwache Geräte, kleine Bildschirme und Fingerbedienung optimiert - was man beispielsweise von Windows 7 alles nicht behaupten kann. Dadurch, dass Android offen ist, kann man es zudem individuell anpassen und erweitern. Auf diese Weise kann man sich als Hersteller mit seinem Tablet von der technisch oft vergleichbaren Konkurrenz abheben.

Geräte wie das „Galaxy Tab“ werden natürlich immer mit dem iPad verglichen. Foto: Tißler

Nachteile von Android auf Tablets

Das Problem von Android ist derzeit, dass es nicht für Tablets gedacht ist und Google diese Entwicklung auch nicht unterstützt. So haben die meisten Tablets offiziell keinen Zugang zum Android Market. Google hat hier sehr genau festgelegt, welche Eigenschaften ein Gerät haben muss, um teilnehmen zu können und die drehen sich eindeutig um Smartphones. Das geht aus dem Compatibility Definition Document (PDF) für Android 2.2 unter Punkt 8 hervor. Problematisch für Tablets sind vor allem diese Bedingungen:

  • Einige besonders große und kleine Display-Auflösungen gelten als „grundsätzlich inkompatibel“. Im Dokument finden sich „verbreitete“ Auflösungen, die nur bis zu 480 x 854 Pixel reichen. Für 10-Zoll-Tablets ist das zu wenig und die Pixel werden selbst bei 7 Zoll knapp. Ausnahmen müssen mit dem „Android Compatibility Team“ abgesprochen werden.
  • Eine Kamera auf der Rückseite mit mindestens 2 Megapixel Auflösung ist Pflicht.
  • Unbedingt muss auch ein GPS-Empfänger vorhanden sein.

Google umgeht diese Probleme mit seinem kommenden Tablet angeblich sehr elegant: das „gPad“ setzt laut Gerüchten auf Chrome OS.

Wie man auch auf der IFA hören konnte, sind die Tablet-Hersteller natürlich in Gesprächen mit Google, um die Situation für Android auf Tablets zu verbessern, aber offiziell ist nicht verlautbart, inwiefern der Internetriese von seinem bisherigen Kurs abweicht. Es heißt, dass mit Android 3.0 „Gingerbread“ entsprechende Änderungen kommen. Das könnte dem ganzen Markt einen erheblichen Schub geben.

Insofern muss jeder Tablet-Hersteller momentan selbst zusehen, wie er dieses Problem umschifft. Oft sieht man eigene App Stores und mitgelieferte Apps, die den entsprechend größeren Screen des Tablets ausnutzen. Denn jeder iPad-Besitzer weiß: Apples Tablet kann zwar auch iPhone-Apps ausführen, aber es trumpft erst richtig mit angepassten Apps auf. Ansonsten hat man wirklich nur ein riesiges Smartphone in der Hand.

Das wiederum führt dazu, dass die Android-Plattform noch unübersichtlicher wird. Eigene App Stores sind da nur ein Punkt, eigene Startbildschirme und Benutzeroberflächen sind fast immer dabei und führen dazu, dass sich das Android auf dem Tablet nicht so einfach updaten lässt. Kann man das dem berühmten „Lieschen Müller“ empfehlen? Für mich klingt das bislang eher nach einem Gadget für Geeks und die ebenso berühmten „early adopter“.

Die Geräte, die Jan und ich auf der IFA gesehen haben, ließen sich zudem oftmals nur sehr hakelig bedienen und haben irritierend geruckelt, selbst mit den neuesten Prozessoren im Gehäuse. Da war keine Spur von der Leichtigkeit, mit der das iPad alle Aufgaben erledigt. Vielleicht ist es aber wirklich so wie von den Herstellern jeweils eilig versprochen, dass die Geräte hier noch optimiert werden müssen. Wie oben erwähnt: Die meisten waren noch gar nicht final.

Tablet oder Riesen-Smartphone? Manchmal gar nicht so leicht zu beurteilen, wie hier beim ViewSonic ViewPad 7. Foto: Christe

Kaufen oder warten?

Insofern lohnt es sich, bis Weihnachten zu warten, denn bis dahin wollen schließlich alle Hersteller ihre Geräte marktreif haben, um vom erwarteten Boom zu profitieren. Bis dahin wird es außerdem noch viele Testberichte zu lesen geben. Die sollte man auf jeden Fall konsultieren, denn im Moment frage ich mich, ob man bei den Android-Tablets nicht lieber noch ein, zwei Generationen abwarten sollte. Für mich war spontan jedenfalls kein Gerät dabei, das mein iPad ersetzen würde, so sehr mir manches Software- und Hardware-Feature auch gefallen hat.

Videos: 6 neue Tablets vorgestellt

Freitag und Montag haben wir sechs kleine Videos zu Tablets veröffentlicht, die wir auf der IFA gesehen haben. Erwartet bitte keine Testberichte ;-)

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Android

4 Reaktionen
nur mal so
nur mal so

"1Password gibt's übrigens auch für Android "

Das ist jetzt wohl an mir vorbei gegangen, auf gut Deutsch: Schlechtes Beispiel also von mir :D Die Kernaussage bleibt allerdings.

"Das Problem bei dem Vergleich ist aber, dass das iPad schon eine Weile auf dem Markt ist und es daher schon deutlich mehr Programme gibt, als bei einem vergleichbaren Android-Tablet - wo noch keins zu kaufen ist."

Durchaus richtig, allerdings ist jetzt schon eine Fragmentierung des Marktes absehbar und genau das sehe ich als echtes Problem, gerade bei Anwendungsentwicklern. Da dürfte die Frage öfter auftauchen "Wohin mit meinem App" im Falle des Entwicklers und im falle des Anwenders "Woher bekomme ich das nun" oder "Wie binde ich dies und jenes ein".

"Bei den Anwendungen kann dann aber Android eine Stärke ausspielen: Man kann dann durchaus auch einfach Programme von Webseiten installieren, wenn es keine vernünftige Market-App auf dem Gerät gibt. Außerdem gibt's noch APKtor bzw. Aptoide - damit kann man jegliche Repositories einbinden und bequem Anwendungen per Fingertip installieren."

Gerade auf einem solchen Gerät würde ich das aber als sehr lästig empfinden. Ich habe wenig Lust, mir erst noch die Repos zusammensuchen zu müssen. Das ist nicht mein Server, oder meine Arbeitsmaschine. Das Ding will ich einschalten und benutzen.

"Für mich ist das iPad eben deswegen ein No-Go, weil ich für alles iTunes brauche und alles aus einer Hand kommt."

Das ist ein wirklicher Schwachpunkt. Auf meinem MacBook finde ich das nicht weiter schlimm, da es einfach zu handhaben ist und wirklich klasse funktioniert. Auf dem Windows-Laptop meiner Freundin....naja, die Umsetzung ist nicht das Gelbe vom Ei und hier empfinde ich die Alternativlosigkeit doch als echten Minuspunkt. Wie Du richtig geschrieben hast, brauchen wir uns über Linux da gar nicht erst unterhalten. Finde ich persönlich schade, da ich großer Fan von Archlinux bin.

" Und wenn Apple nicht will, dass ich eine bestimmte Software nutze, habe ich keine Möglichkeit, diese dennoch auf MEIN(!) Gerät zu bekommen."

Allerdings habe ich festgestellt, dass es meist auch beim WENN bleibt, da es für so ziemlich jeden Verwendungszweck das Passende gibt. Abgesehen davon, sehe ich gerade für unbedarfte Benutzer durchaus den Vorteil von so einem System. Mal wieder das Beispiel mit meiner Freundin: Ich kann Ihr das Gerät in die Hand drücken und das Einzige was passieren kann, ist das sie mir die Kreditkarte weg zieht. Für die paar Leute die dann wirklich etwas anderes installieren wollen, dürfte ein Entwickleraccount(soweit ich das weiß) das Problem lösen.
Ein weiterer Vorteil für Entwickler ist, das 90 Prozent der Leute, die das App benutzen, auch dafür zahlen und man so wenigstens die Taler rein bekommt, für die man gearbeitet hat, was auf lange Sicht auch ein gutes Argument sein wird professionelle Apps für iOS zu schreiben. Gerade bei Spielen usw. ist der Apple-Markt weit vorn.

"Aber das ist auch so eine Anwender-Frage: Die, die es gern bequem haben wollen, nehmen ein iPad und lassen Apple und iTunes alles für sich machen. Ich bin da eher der Bastler-Typ und freue mich schon auf die breite Auswahl an Android-Tablets."

Reicht es nicht das Unsereins auf Arbeit dauernd basteln muss? Zuhause will ich nur benutzen :D

Alles in allem, sollte man bedenken, das diese Geräteklasse zum Konsum von Medien da ist(auch wenn ich per iSSH meine Server warten kann, aber nicht will ;-) ). Diese Geräte sind für Leute da, die sich keine Gedanken darum machen wollen. Ich sehe es schon kommen, das ich hier in der Familie mit dem ersten Android-Tablet die Suppe wieder auslöffeln darf, weil Schwiegervater den 100er gespart hat, nen Android-Tablet geholt hat und irgend nen Schnulli-Dulli machen will, den man sich extern besorgen muss. :D Schon allein die Anzahl an Tablets die kommen sollen und wenn ich dann sehe, das es nicht nur bei Android bleibt(WeTab), dann sollte ich wohl schon mal mein Telefon abschalten und die Wohnungstür zunageln.

Antworten
marlan
marlan

Die genannten Nachteile (kein Zugriff auf den Android Market, hakelige Bedienung) treffen aber auf das Galaxy Tab nicht zu.
Mich hat bei meinem Ipad immer das hohe Gewicht und das pixelige Display genervt, von daher finde ich das Galaxy Tab auch vom Formfaktor viel interessanter.
Wenn das Galaxy Tab erscheint landet mein Ipad auf Ebay.
Es reicht ja wenn es ein besseres Android Tablet gibt...

Antworten
mbirth

Also ich bin mit KeePass auf meinem Nexus One und S-Banking sehr zufrieden. 1Password gibt's übrigens auch für Android (http://www.cyrket.com/p/android/com.onepassword.passwordmanager/).

Das Problem bei dem Vergleich ist aber, dass das iPad schon eine Weile auf dem Markt ist und es daher schon deutlich mehr Programme gibt, als bei einem vergleichbaren Android-Tablet - wo noch keins zu kaufen ist.

Bei den Anwendungen kann dann aber Android eine Stärke ausspielen: Man kann dann durchaus auch einfach Programme von Webseiten installieren, wenn es keine vernünftige Market-App auf dem Gerät gibt. Außerdem gibt's noch APKtor bzw. Aptoide - damit kann man jegliche Repositories einbinden und bequem Anwendungen per Fingertip installieren.

Für mich ist das iPad eben deswegen ein No-Go, weil ich für alles iTunes brauche und alles aus einer Hand kommt. Und wenn Apple nicht will, dass ich eine bestimmte Software nutze, habe ich keine Möglichkeit, diese dennoch auf MEIN(!) Gerät zu bekommen. Außerdem läuft iTunes nicht unter Linux, was ich daheim wie auch auf Arbeit einsetze.

Aber das ist auch so eine Anwender-Frage: Die, die es gern bequem haben wollen, nehmen ein iPad und lassen Apple und iTunes alles für sich machen. Ich bin da eher der Bastler-Typ und freue mich schon auf die breite Auswahl an Android-Tablets.

Antworten
nur mal so
nur mal so

Sehr guter Artikel und sehr guter Einwand.

Für mich persönlich wären die "Apps" momentan auch der Grund auf keinen Fall zu Android-Geräten zu greifen. Kann man Apple vorwerfen was man will, aber der App-Store ist einfach das Hauptargument für Apple. Es fällt schon auf einem Smartphone auf, dass es viele sinnvolle Dinge für Android schlicht und ergreifend nicht gibt. Besonders Apps wie 1password(gerade in der Bedienung ist es keepass überlegen, zumindest auf einem Touchpad) und ioutbank seien hier genannt. Vernünftige Alternativen im Google-Store? Fehlanzeige. Im Apple-App-Store kann man viel Schrott runterladen, im Google-Android-Store noch viel mehr. Das wäre auch gar nicht das Problem, aber im Apple-App-Store finde ich einige sinnvolle Sachen mehr, als im Shop der Konkurrenz.

Soweit auf einem Smartphone. Jetzt kommen X Hersteller und klatschen Android auf ein Pad/Tabblet(lassen wir die Tatsache mal weg, in wie weit die Hersteller im System rum pfuschen und so eventuell einiges an Software eh nicht läuft). Die Android-Apps sind kaum zu benutzen, da ausschließlich für Smartphones gedacht(wird im Artikel ja auch schön beschrieben, wie suboptimal iPhone-Apps auf dem iPad sind) und so entstehen X Stores mit unterschiedlichen Anwendungen für jeden unterschiedlichen Hersteller. Ob man dann Stores von anderen Herstellern einbinden kann...keine Ahnung, Ich vermute mal eher nicht. Für welchen Hersteller soll dann programmiert werden? Für welchen Hersteller stelle ich meine App zur Verfügung? In wie weit kümmert sich zum Beispiel Samsung und fügt hunderte/tausende Apps in seinen Shop ein? Muss ich mir jedes App zum Schluss wieder mühsam, wie zu Windows-Zeiten aus den unendlichen Weitend des Netzes zusammen suchen?

Sorry, aber solange da keine wirklich einheitliche Plattform entsteht und jeder Hersteller macht was er will, bleibt Android für mich außen vor und Apple bleibt damit erst einmal mit dem iPad Konkurrenzlos.
Über MS brauchen wir kein Wort verlieren. Spätestens der letzte Test in der CT über ein Tabblet mit Celeron Prozzi(also etwas deutlich schnellerem als Atom), zeigt das Win 7 auf einem Tablet nichts zu suchen hat. Ansonsten ist meines Wissens momentan ja keine Alternative von MS in Sicht, die nicht noch in den Kinderschuhe steckt.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen