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Analyse

Digitalisierung: Kann das „Android der Industrie 4.0“ aus Deutschland kommen?

    Digitalisierung: Kann das „Android der Industrie 4.0“ aus Deutschland kommen?

Digitale Transformation in der Industrie: Roboter in der Modellfabrik der Uni Kassel. (Foto: dpa)

In der von Konsumenten geprägten ersten Phase der IT-Revolution gaben Amerikaner den Ton an. Ändert sich das nun mit der Digitalisierung der Industrie?

Bei der IT-Revolution kamen die Innovationen in den vergangenen Jahrzehnten fast immer aus den USA. Asien wurde ab den 1980er Jahren zur Werkbank der IT-Branche – Europa blieb Nachzügler.

Doch Europa bekommt eine zweite Chance, denn die zweite große Welle der Digitalisierung und Vernetzung hat gerade erst begonnen: Produktionsanlagen und Logistik sollen untereinander kommunizieren – von Windrädern über Lokomotiven bis zu Verpackungsmaschinen. Wird in dieser zweiten Phase der Digitalisierung der Einfluss der Europäer größer? Immerhin gilt insbesondere die deutsche Industrie als technisch in vielen Bereichen als führend.

Könnte also das „Android“ der Industrie diesmal von Europäern kommen – von Siemens, Schneider Electric oder SAP? Derzeit spricht mehr dagegen als dafür. Wieder scheinen die Amerikaner etwas weiter – in diesem Fall der amerikanische Siemens-Konkurrent General Electric (GE).

„Ähnlich wie wir es beim Konsumenten gesehen haben, wird das Unternehmen, dem die Plattform gehört, gewinnen – das ist ein ‚Winner takes it all’-Spiel“

Das ist umso tragischer für Europa, weil der Consumer-Zug der Digitalisierung bereits abgefahren scheint: In den politischen Kreisen der Europäischen Union wird die geballte Plattform-Power von Google, Apple, Facebook und Amazon oft GAFA abgekürzt – halb verächtlich, halb anerkennend. Den Dax 30, die größten börsennotierten Unternehmen aus Deutschland, steckten die IT-Giganten bereits 2014 in ihrer Marktkapitalisierung in die Tasche.

Schlägt die Plattform-Ökonomie auch bei der Industrie 4.0 zu?

Grund dafür ist die Macht der Plattform-Ökonomie: Wer seine Lösung als den Branchenstandard durchsetzt, profitiert in der Folge von allen Umsätzen, die auf der eigenen Plattform stattfinden. Sogenannte Netzwerkeffekte sorgen dafür, dass es Konkurrenten gegen einmal etablierte Plattformen schwer haben. Ein gutes Beispiel dafür ist Facebook: Weil die meisten Freunde ohnehin auf dem sozialen Netzwerk sind, melden sich die meisten neuen Nutzer auch dort an – andere soziale Netzwerke ohne Alleinstellungsmerkmal haben es schwer.

Der US-Industriegigant General Electric (GE) geht davon aus, dass sich auch für das industrielle Internet – die Industrie 4.0 – eine solches Plattform-Modell durchsetzt. „Ähnlich wie wir es beim Konsumenten gesehen haben, wird das Unternehmen, dem die Plattform gehört, gewinnen – das ist ein ‚Winner takes it all’-Spiel“, sagt ein Unternehmenssprecher. Die Plattform-Lösung von GE heißt Predix. „Kein anderes Unternehmen hat wie GE in Plattform und Applikationen speziell für die industrielle Welt investiert“, so der Sprecher.

Vernetzte Fertigung: Industrie 4.0 bei Bosch. (Foto: Bosch)

Der Anspruch von Predix ist damit nicht weniger, als das „Android“ der industriellen Welt zu werden. Über die Plattform sollen industrielle Geräte aller Art untereinander auf standardisierte Weise vernetzt werden, von Windrädern über Lokomotiven bis zu Verpackungsmaschinen. Ähnlich wie Google setzt bei Predix dabei auf einen „offenen“ Ansatz: Die Plattform soll nicht nur mit den eigenen Maschinen und Software kompatibel sein – eine Voraussetzung dafür, einen Standard zu schaffen.

Technische Revolutionen auf Seiten der produzierenden Industrie vollziehen sich aber langsamer als in den Händen von Verbrauchern. Maschinen werden auf viele Jahre, manchmal Jahrzehnte, angeschafft und haben lange Entwicklungszyklen.

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2 Reaktionen
Hans-Georg Torkel

Wenn wir führend werden wollen ist ein modulares Paket (Software, Hardware, soziale Innovationen) Industrie 4.0 notwendig. Wenn Deutschland sich auch gleich um neue Arbeitsmärkte für die durch Industrie 4.0 freiwerdenden Arbeitskräfte kümmert. Letzteres könnten besondere Alleinstellungsmerkmale für Deutschland werden.

Alles ist in Deutschland, sogar aus einer Hand vorhanden. Deutschland will wieder das Land der Dichter, Denker und Erfinder werden.
Eine Story, die sich lohnt.
http://www.innovationshaus.eu

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speedr4cr
speedr4cr

Bei Android und iOS hat sich das "Software is eating the world" Mantra ja in Perfektion erfüllt. Falls das auch bei der industriellen Vernetzung gewinnt, sehe ich GE deutlich vorne, denn dort hat man anscheinend schon den nötigen Kulturwandel geschafft. Anders Siemens: Wer 2017 eine Entwicklerplattform herausbringt, die weder unter http://www.mindsphere.com noch bei https://github.com/mindsphere zu finden ist, sollte sich fragen, ob er die Sache ernst genug nimmt. (Immerhin mindsphere.io hat man mit einer Weiterleitung versehen...)
GEs https://www.predix.com/ bzw https://www.predix.io und https://github.com/predix sehen da schon ganz anders aus.

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