Die ewige Anfrage nach der Legitimität von Copycats
„Die Diskussion über Klone gibt es so in den USA nicht. Darüber, dass ein Startup Twitter nachgeahmt hat, redet dort keiner!“ Butchers Anfrage wirft ein ganz neues Licht auf die in allen deutschen Tech- und Startup-Blogs vertretene Anfrage nach der Legitimität von Copycats. Warum ist die Frage, ob etwas kopiert wurde, hierzulande eigentlich so entscheidend?
„Ich will, dass das nächste Apple aus Deutschland kommt!“
Keiner ereiferte sich so herrlich wie Isaac Wolkerstorfer, Mitgründer von 6wunderkinder. Er habe zwar nicht generell etwas dagegen, sich woanders Inspiration zu holen. Die Frage sei aber doch, ob man hierzulande ausschließlich kopieren könne? „Es gibt so viele verschwendete Talente, die ihre Kreativität an Copycats verkaufen. Ich will aber, dass das nächste Apple aus Deutschland kommt!“
In der Tat: Die Erreichung dieses Ziels ist bei der Fokussierung auf Copycats eher unwahrscheinlich. Lars Hinrichs brachte einen weiteren Aspekt mit hinein: „Klonen macht ganz einfach keinen Spaß.“ Wer hätte gedacht, solche Worte von einem deutschen Inkubator zu hören? Die Anfrage, ob Xing ein Klon von LinkedIn sei, wies er zurück: „Dahinter stecken zwei völlig unterschiedliche Konzepte.“
„Auch das Steigern von Effizienz erfordert Innovation“
Patrick Meisberger von T-Venture sieht das Thema weniger problematisch. Die Adaption von US-Modellen auf den europäischen Markt erfordere sehr viel Gründergeist, betonte er. Für T-Venture sei nicht entscheidend, ob ein Modell geklont sei oder nicht, sondern ob es erfolgsversprechend ist. „Und wie erfahrt ihr davon, ob etwas erfolgsversprechend ist?“, wollte Butcher wissen: „Habt ihr einen Spion im Silicon Valley sitzen, der euch immer anruft, wenn es was zu klonen gibt?“
Auch Markus Fuhrmann von Team Europe machte deutlich, dass man das Thema in Europa etwas differenzierter angehen könne: Es gebe doch auch Bereiche wie den E-Commerce („Beispiel Schuhe verkaufen“), in denen es weniger um Innovation als vielmehr um das Steigern von Effizienz ginge. Dinge weiterzuentwickeln erfordere auch Innovation.
Braucht das Startup-Ökosystem Klone?
Abseits der emotionalen Frage nach Innovation versus langweiligem Kopieren – die Frage ist auch, inwiefern Klone tatsächlich überflüssig sind oder aber benötigt werden. „Bringen nicht letztlich erfolgreiche Klone das Geld ins Ökosystem, mit dem dann auch wieder kleine, innovative Startups finanziert werden können?“ fragte Butcher. Ja, so könnte es laufen. Dass es in der Praxis aber anders aussieht, machte Hinrichs deutlich: „Faktisch investieren europäische Investoren ausschließlich in funktionierende Klone.“ Das Investieren in Innovationen, die nicht unbedingt ökonomisch erfolgsversprechend sind, sei eben eher eine Sache der Business Angels, ergänzte Fuhrmann.
Wie meist beim Thema „Copycat“ drehte sich auch hier manches im Kreis: Scheitern werde in Europa eben nicht gern gesehen, große Tech-Blogs schreiben halt lieber über die Großen als über unbekannte Startups, VCs fehle die nötige Risikobereitschaft (und Gründern oftmals auch). Man konnte Butchers Frust verstehen – und den Wunsch, endlich mit der Fragerei aufzuhören, ob ein Startup von irgend einem anderen Startup inspiriert wurde.
Was meinst du: Sind Copycats ein wichtiger Teil des Startup-Ökosystems oder überflüssig?









von Steve 22.09.2011 (13:53Uhr) 1.
Ist es nicht in allen Märkten so, dass jede Nummer 1 genug Platz für eine gute Nummer 2 lässt? Spricht doch nichts dagegen, etwas zu kopieren, wenn man der Meinung ist es in der Summe irgendwie besser machen zu können. In den 70'gern gab's Playmobil und Playbig - es gibt Lego und viele geklonte Bausteine ... es gibt nicht nur ein Waschmittel, ein Bier ....
Es gibt doch auch viele Cola - aber eben nur ein Coca-Cola ....
Problematisch wird es irgendwann, wenn man eine Deal-Struktur bewerten soll, wenn man den zigsten Clone vom Clone vorliegen hat - irgendwann wird es schwer für die Investoren.
Aber grundsätzlich belebt Konkurrenz das Geschäft ... Copy-Cat hin oder her, wer einige Jahre in der Kapital-Branche tätig war weiß: Jede Idee die jemand hat, hatte vorher schon ein anderer.
von Christian Reber 22.09.2011 (20:35Uhr) 2.
Die Frage "Wie wichtig sind Copycats fürs Startup-Ökosystem?" hast du gerade selbst beantwortet:
„Die Diskussion über Klone gibt es so in den USA nicht. Darüber, dass ein Startup Twitter nachgeahmt hat, redet dort keiner!“
Wenn wir aber in der Lage sind innovative Ideen zu präsentieren, dann werden unsere Startups auch Ernst genommen (siehe SoundCloud, Amen, Readmill, Wahwah.fm...). Ich kann die Ansicht von T-Venture hier überhaupt nicht nachvollziehen, insbesondere als Investor. Vergleichen wir den deutschen Kapitalmarkt mit dem US-Markt, spielt unser Markt einfach keine Rolle. Foursquare, Evernote, Dropbox, Facebook, Square, Apple, Google, Yahoo (endless) kommen aus US, obwohl wir technologisch die gleichen Möglichkeiten besitzen.
von Daniel Wagner 23.09.2011 (11:29Uhr) 3.
"Talent borrows, genius steals", sag ich immer
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von Ulrich 13.10.2011 (23:15Uhr) 5.
Ich mag Katzen-Content ;-)
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von Klon-Könige “Samwer Brothers̶… 09.10.2012 (08:00Uhr) 7.
[...] funktionierende Ideen und Geschäftsmodelle in andere Märkte zu bringen, gibt es so hier nicht. Die ewige Klon-Debatte ist wohl eine rein deutsche Spezialität - auch wenn sich zunehmend Stimmen melden, die auch in [...]