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Innovationen Fehlanzeige? Ein deutscher Gründer zwischen US-Startups

Philipp Glöckler war als deutscher Gründer (Avocado Store, WHY own it) auf der Startup-Konferenz Techcrunch Disrupt. Vom Ergebnis war er enttäuscht - im erklärt er warum und spricht über seine Erfahrungen mit den Themen Nachhaltigkeit und Collaborative Consumption.

Innovationen Fehlanzeige? Ein deutscher Gründer zwischen US-Startups

"Ich hatte mehr erwartet"

Vor einigen Jahren gründete Philipp Glöckler den Avocado Store, einen Marktplatz für Ökoprodukte. Bei der Techcrunch Disrupt stellte er nun sein neues Projekt WHY own it vor: eine mobile App, mit der Nutzer direkt im Laden checken können, ob sie den gewünschten Gegenstand nicht auch bei einem ihrer Freunde ausleihen können - um sich "weniger Mist zu kaufen und sich mehr mit seinen Freunden zu treffen".

Philipp Glöckler: vom gehypten Startup-Event Techcrunch Disrupt eher enttäuscht.

Im Interview erklärt Glöckler, warum sich seine Erwartungen von der Techcrunch Disrupt nicht erfüllt haben, welche Erfahrungen er mit den Themen "Nachhaltigkeit" und "Collaborative Consumption" gemacht hat und was er mit seinem neuen Startup erreichen will.

Warum bist du zur Techcrunch Disrupt gekommen?

Ich wollte mein Startup „WHY own it“ weiter nach vorne bringen, den Markt kennenlernen und ein Netzwerk aufbauen. Ursprünglich wollte ich deshalb für eine Weile nach Berlin. Aber ein Freund überzeugte mich, dass San Francisco dafür der bessere Ort ist. Ich habe mich dann noch relativ spontan für die Techcrunch Disrupt angemeldet.

Was hat dir die Veranstaltung gebracht?

Ich habe einiges an Inspiration mitgenommen. Insgesamt hatte ich aber mehr erwartet. Ich dachte, ich würde zehn mal so viele Leute kennenlernen, wie ich faktisch kennengelernt habe. Mein Stand war relativ in der Ecke, da kamen nicht so wahnsinnig viele Leute vorbei. Die Download-Zahlen sind jedenfalls nicht so in die Höhe geschnellt, wie ich es von jemandem gehört hatte, der vorletztes Jahr hier war – aber der hatte auch den Battlefield gewonnen. Insgesamt habe ich vielleicht drei bis vier Leute kennengelernt, von denen ich begeistert war und die mir einen wirklichen Mehrwert gebracht haben. Richtig genervt hat mich, dass viele nur ihr eigenes Ding vorstellen wollten, anstatt auch mal zuzuhören. Wenn Leute an meinen Stand kommen, um dann doch nur ihr eigenes Produkt vorzustellen, ärgert mich das.

Wie fandest du die vorgestellten Startups?

Im Wesentlichen nicht wirklich „disruptive“ und innovativ. Aber zwei fand ich wirklich toll: Das eine ist Saya aus Ghana. Die Jungs machen eine Art Whatsapp für normale Handys. Ich war kürzlich in Kapstadt und habe gesehen, wie dort Menschen ihren halben Lohn in ihr Telefon und ins SMS-Schreiben pumpen, echt schlimm. Das andere, was ich richtig gut fand, ist Pathmapp. Damit können Entwickler die Usability ihrer Apps testen.

Warst du hinterher bei den Netzwerk-Parties?

Bei manchen. Richtig cool war es bei Zynga. Es ist toll, Einblick in die zu bekommen, ich habe auch mal bei Airbnb und Google vorbei geschaut. Wahnsinn, was die zum Teil für ihre Mitarbeiter machen. Mein Learning ist auf jeden Fall: Ich hätte mir noch mehr Termine um die Konferenz herumlegen und gezielter vorgehen sollen.

Hat die Reise ein Loch in deinen Geldbeutel gefressen?

Nein. Der Flug war relativ billig und mit dem Startup-Alley-Ticket habe ich für die Veranstaltung nur 1.000 statt 3.000 US-Dollar bezahlt. Gewohnt habe ich in einem Startup-Haus, da hat die Nacht nur 20 US-Dollar pro Nacht gekostet.

Du stehst mit dem Avocado Store für das Thema Nachhaltigkeit. Findet das Thema hier Berücksichtigung?

Auf der Techcrunch Disrupt wurde ja zumindest die „Honest Company“ vorgestellt. Da geht es um Ökoprodukte – ähnlich wie beim Avocado Store. Ansonsten finde ich es witzig, dass sich bei uns im Startup-Haus viele als Ökos bezeichnen, aber sogar nachts die Lichter anlassen. Und wir haben hier doch tatsächlich einen Mülleimer gesehen, der eine Öffnung für Restmüll und eine für Recycling-Müll hatte – nur damit alles dann doch in dieselbe Tonne geht.

Also nimmst du in Bezug auf das Thema Nachhaltigkeit keine Inspiration mit?

Dieses mal nicht. Aber vor einigen Jahren habe ich hier den carrotmob kennengelernt. Das Projekt ist in San Francisco entstanden und ich habe es nach Deutschland gebracht, wo es mittlerweile zig mal kopiert wurde – genauso hatten wir uns das vorgestellt.

Was ist der „carrotmob“?

Beim carrotmob werden Unterstützer aufgerufen, bei einem Laden innerhalb eines bestimmten Zeitraums einzukaufen. Einen festen Teil des Mehrumsatzes steckt der Ladenbesitzer dann in den klimagerechten Umbau seines Ladens.

Und wie sieht es mit dem Thema deines neuen Startups "WHY own it" aus: der gemeinsamen Nutzung von Dingen?

Das Thema Collaborative Consumption ist hier wesentlich weiter als in Deutschland. Die Menschen in den USA begreifen das Thema einfach mehr als bei uns – auch wenn ich einen Texaner am Stand hatte, der fragte „Why not buy it?“ In Deutschland sind wir schnell dabei, Müll zu trennen und Licht aus zu machen. Aber andere Leute an unseren Sachen teilhaben zu lassen, da sind die Deutschen eher noch reserviert. Deshalb habe ich auch großes Interesse daran, mit WHY own it in den USA Fuß zu fassen. Vermutlich allerdings eher in New York als in San Francisco.

In diesem Bereich Geld zu verdienen ist nicht ganz einfach. Wie ist euer Geschäftsmodell?

Es gibt gerade verschiedene Sachen, die wir testen. An der Transaktion selbst werden wir aber nichts verdienen, Nutzer müssen nicht bezahlen. Mark Zuckerberg sprach auf der Konferenz über mobile Advertising, das wird für uns auch wichtig sein. Wir werden demnächst regelmäßig neue Versionen herausbringen und bei jeder Version etwas Bestimmtes testen. Insgesamt finde ich es übrigens super, dass die Leute hier im Gegensatz zu Deutschland sofort nach dem Geschäftsmodell fragen. Die Leute hier wollen genau zwei Dinge wissen: „How many users?“ und „How do you monetize?“. Alleine für diese Erfahrung hat sich der Flug gelohnt.

Was ist euer inhaltliches Ziel mit WHY own it?

Ich möchte, dass Leute mit ihrem Smartphone in einen Laden gehen und – bevor sie sich etwas kaufen – sehen können, welcher ihrer Freunde das Produkt schon hat. Dann können sie fragen, ob sie es sich ausleihen können oder ob das Produkt wirklich so toll ist, dass sie es sich kaufen sollen. Ich möchte einfach, dass sich die Leute weniger Mist kaufen und sich mehr mit ihren Freunden treffen.

Foto (klein): Môsieur J. [version 7.0.1] / flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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3 Antworten
  1. von Auch Amazon nicht am 19.09.2012 (08:46 Uhr)

    Das Leute sich selber promoten ist normal. Wenn das Ungleichgewicht zwischen Ausstellern und Kunden zu groß ist, wird bei Messen halt gejammert. D.h. die Veranstalter hätten auch mehr Wert auf "Kunden" statt nur Ausstellern legen müssen.

    Amazon schafft es ja auch nicht, Substitutive und Alternative Produkte in einer Mash-(Daten)Bank vorzulegen. "Kunden kauften auch" "Kunden haben sich auch folgendes angesehen" erfüllen das oft genug leider nur sehr eingeschränkt. Auch die Tags sind sehr optimierungswürdig.

    Warum sollen Leute ihr Inventar eingeben ? Antwort: Wegen der Versicherung wäre ein Grund.
    Man müsste also auch sehen was die Kumpels so kaufen oder brauchen oder über einen Kauf nachdenken und dann sein Produkt reintun (Fotografieren ist hilfreich) . Z.b. einen Gartenhäcksler braucht man praktisch nie und ist ein ideales Verleihprodukt. Im Prinzip also nicht nur für Freunde sondern vielleicht sogar eher für "in der Siedlung" (auf dem Lande) für Gartenhäcksler oder Laubsauger die um die Ecke pusten können oder was auch immer stressfrei verleihbar ist. Das man Fahrrad-Mietstationen einbaut ist die nächste triviale Stufe...
    Na ja . Viel Spaß.

    Die Fragen nach Monetize und User-Zahl zeigen halt auf was in Wirtschaftpresse, Bloomberg und CNBC als relevant eingestuft wird (und großartige Erfolge wie Facebook, Groupon, Zynga,... beweisen vielleicht die Überlegenheit amerikanischer Investoren) . Hier in Deutschland wollen die wohl immer einen Prototyp sehen. Bei vielen denke ich mir aber, das ein Hauptinteresse weniger im Produkt und mehr im Steuern-Sparen liegt. Das verstehen viele Gründer halt erst, wenn es zu spät ist.
    In USA durfte Zuckerberg 54% seiner Firma behalten. Wie viel wären es in Deutschland ? Man muss also genau die Märkte und Spielverhalten kennen. Und das endet oft genug wie am neuen Markt.

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  2. von Jim am 19.09.2012 (13:30 Uhr)

    Super Idee, die hinter WOI steckt. BITTE auch für Android rausbringen!!!

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  3. von maryisdead am 19.09.2012 (14:48 Uhr)

    "Mein _Learning_ ist […]"? "Learning"? Meine Fresse …

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