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Startups: Innovationswüste deutsches Internet – Ein Erklärungsversuch

Startups: Innovationswüste deutsches Internet – Ein Erklärungsversuch

Innovationswüste deutsches Internet – diesen Eindruck kann man als Gründer gewinnen. Auf dem internationalen Parkett fehlt es den Deutschen an Erfolgen. StudiVZ, einst hochgelobtes Vorzeigekind, scheiterte zuletzt am europäischen Markt. Andere deutsche Erfolgsgeschichten wie Yigg, MyVideo oder Webnews taten das gleiche und auch die jetzige Generation an neuen Ideen, wie zuletzt die Coupon-Welle, hat schwer mit der übermächtigen Konkurrenz zu kämpfen. Liegt es in unserer Kultur oder handelt es sich gar um strukturelle Probleme? Hier ein vielleicht ungewöhnlicher Erklärungsversuch mit der Ausgangsfrage: Was haben uns deutsche Sprichwörter und Redensarten dazu zu sagen?

Startups: Innovationswüste deutsches Internet – Ein Erklärungsversuch
Und das deutsche Internet war wüst und leer... Foto: YXO. Lizenz: CC BY-ND.

„Schuster bleib‘ bei deinen Leisten“

Diese gut gemeinte Kritik, scheint ein sehr typisierender Ausspruch deutscher Tugenden zu sein. Das Sprichwort wertet den neuen, unerforschten Weg ab, zu Gunsten eines altbekannten. Sicherlich, dies kann auch positiv gemeint sein: Jeder möchte seine Freunde vor Schaden schützen. Die Grenze zwischen gut gemeinter Kritik und Schlechtmacherei verschwimmt jedoch sehr schnell. Das Gefühl, seine eigene Idee auch in privaten Kreisen rechtfertigen zu müssen, ist jedem Gründer bekannt. Es scheint häufig, als ob der Respekt vor dem mutigen Schritt in die Selbstständigkeit erst mit dem Erfolg der Unternehmung eintritt - zuvor sei man mit einem „vernünftigen“ Beruf besser bedient.

Dies scheint im internationalen Vergleich anders. Personen wie Richard Branson, Steve Jobs, Mark Zuckerberg, Larry Page und Sergey Brin sind bekanntermaßen die gefeierten Stars und zieren die Cover vieler Magazine – im deutschen Raum hingegen schweigt man weitestgehend über die einzelnen Unternehmer hinter den Webseiten.

„Der erste Eindruck zählt“

Die mangelnde Anzahl an Identifikationsfiguren im deutschen Web lässt sich jedoch auch folgendermaßen erklären: Deutsche Gründer präsentieren sich nicht genug. Sicher: Nicht jeder ist Steve Jobs, aber auch andere CEOs aus dem Ausland zeichnen ein Bild, welches sich stark von dem deutschen unterscheidet. Dem deutschen Markt fehlt es an den befremdlichen Auftritten eines Steve Ballmers genauso wie an Persönlichkeiten wie Woot!-Gründer Matt Rutledge. Es scheint, als haben deutsche Gründer Angst, Fehler zu machen, den ersten Schritt zu gehen und damit zu früh einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Es entsteht ein Rennen mit sich selbst um vermeintliche Sicherheit.

„Der erste Eindruck zählt“ ist daher ein Synonym für die Ängste, die uns davon abhalten, auch das Unfertige, das Andere und Neue zu bewerben. So werden auch die wirklichen Innovationen überschattet von denen, die weniger Risiko tragen.

„Zu viele Köche verderben den Brei“

Vielleicht fehlt es jedoch auch an Authentizität der Personen. Stellt man sich einen echten „Erfinder“, also einen Innovationstreiber gedanklich vor, so haben wohl die meisten von uns einen Daniel-Düsentrieb-Verschnitt im Kopf. Betrachtet man hingegen die Lebensläufe der Führungspersonen deutscher Internet-Startups, so zeigt sich: Man studiert BWL. Klar: Die Vermarktung eines Produkts ist von ungeheurer Wichtigkeit. Die Frage muss aber erlaubt sein: Trauen wir unseren Managern das nötige Wissen zu, um echte Innovation zu generieren?

Man darf dies natürlich nicht falsch verstehen. Auch ein innovatives Produkt benötigt ein gut geführtes Team, klare Strukturen und gutes Marketing, um Erfolg zu genießen. Betrachtet man jedoch den ausländischen Markt, so fällt auf, dass besonders die technologisch anspruchsvollen Ideen im Web von Fachkräften kamen. Im Vergleich dazu mag man bei vielen deutschen (Internet-) den Einfluss einer echten Fachkraft missen.

Typisch deutsch? Foto: dorena-wm. Lizenz: CC BY-ND.

„Ein Brand alleine brennt nicht lange“

Aber auch einem idealen Team fällt das Bekanntmachen der Unternehmung nicht leicht. Der vermeintliche Ausweg: Gründerwettbewerbe, die jungen Unternehmen die Möglichkeit geben, sich der Masse vorzustellen. Ihren Reiz macht in erster Linie auch der vermeintliche Gewinn an Medienrelevanz aus, den sich junge Startups zu Nutze machen können. So viel zur Theorie. Wenn man jedoch die Gewinner einiger großer Gründerwettbewerbe ansieht und zeitgleich die gängigen deutschen Seiten für Internetgründungen beobachtet, so wird deutlich: Der tatsächliche Medienanklang ist gering!

Es ist es spannend zu beobachten, dass die Wettbewerbsgewinner anscheinend auf dem Markt kaum wahrgenommen und auch von ihren Peers nicht hervorgehoben werden. So wurden die Gewinner des Bundeswettbewerbs für „Multimedia Gründer“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie kein einziges Mal in den Branchenmagazinen erwähnt. Der einzige Gewinner des „deutschen Gründerpreises“ aus dem Bereich Internet, Bergfreunde.de, bekam lediglich eine Nennung auf Deutsche-Startups.de und ging auf anderen Blogs, abseits der direkten Zielgruppe, weitestgehend leer aus. Lediglich den Gewinnern von Wettbewerben deutscher Wirtschaftsblätter (WiWo, FTD, Handelsblatt) erging es besser: Diese waren jedoch meistens bereits vorher in der Branche bekannt (Beispiel: chocri, kaufDA, Captcha-Ad). Ob eine Kultur echter Innovation entsteht, wenn diese angeblichen „Best of Breed“-Angebote so wenig Beachtung finden, bleibt jedoch fraglich.

„Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht“

Zu guter Letzt seien leider auch strukturelle Probleme bei der Finanzierung echter Innovationen genannt. Das Banken das Risiko neuer Ideen oft nicht tragen wollen, liegt in der Natur der Sache, schließlich manifestieren junge Unternehmen das unternehmerische Risiko ohne Sicherheiten.

Auch fehlt es im deutschen Raum weitestgehend an staatlichen Förderungen oder universitären Inkubatoren – der Weg zu einer erfolgreichen Finanzierung muss somit für junge Unternehmen aus den Taschen privater Investoren kommen (Business Angels und Venture Capital). Gerade in diesem Feld scheinen die deutschen Investoren allerdings zu risikoavers.

Sicherlich sollte man dies nicht allzu stark verallgemeinern. Vergleicht man jedoch die Investitionshistorie einzelner ausländischer Investoren mit denen der heimischen, so wird einem schnell klar: In Deutschland wird Risiko reduziert, indem ausländische Ideen nachgeahmt werden. Dies ist kein Vorwurf, ein Investor ist kein gemeinnütziger Verein und muss, wie alle am Markt, seine Rendite aus dem Geschäft ziehen. Die Logik dahinter ist jedoch klar: Das unternehmerische Risiko ist bei jedem Startup hoch, die Investition in etwas Bekanntes ist somit förderlich.

Dies zieht jedoch ein Strukturproblem nach sich: Wer echte Innovation fördern möchte, muss besonders risikoaffin agieren.

Auch wenn sich die deutsche Internet-Branche gewiss nicht auf eine handvoll Sprichwörter reduzieren lässt, so ist die folgende Frage doch wichtig: Wenn Deutschland auch international erfolgreiche und innovative Ideen im Web hervorbringen will, warum „stellen wir uns dann selbst ein Bein“?!

Über den Gastautor

Paul Piper ist Gründer und Geschäftsführer von Bazaaria, einem Basar zum Tauschen, Kaufen und Verkaufen von Gegenständen, und Ilscipio, einer eCommerce-Agentur. Er hat an der European Business School seinen Bachelor gemacht und studiert derzeit an der Universität St. Gallen.

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20 Antworten
  1. von Indianer3c am 02.09.2010 (09:05 Uhr)

    sehe das nicht so schwarz, es gibt sicherlich nützliche Internetdienste welche ihren Ursprung in Deutschland gefunden haben

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  2. von willwach am 02.09.2010 (09:25 Uhr)

    Ich denke es gibt da mehrere Probleme.

    Zum einen ist der englischsprachige Markt einfach wesentlich größer als der deutschsprachige Markt, der US-Markt viel größer als der deutsche Markt.
    Für Erfolg im Netz müsste man vermutlich zuerst den US-Markt angehen, was aber eben sehr schwer ist für ein deutsches Unternehmen. Der Heimatmarkt lässt sich leichter erobern (Mentalitätsfragen).

    Zum anderen sind da die Investoren. Davon gibt es in D weniger als in US und außerdem sind sie viel komplizierter.

    Und zu guter Letzt sind da die Kunden. Und die nehmen viel lieber einen Trend aus US auf, als selber einen Trend mit zu setzen.

    Aber das sind nur Vermutungen.

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  3. von Mick2 am 02.09.2010 (09:37 Uhr)

    Immer diese Schwarzmalerei... Es geht doch grad besser voran den je oder?

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  4. von Martin am 02.09.2010 (10:18 Uhr)

    Guter Artikel, der einige wichtige Komponenten beleutet!

    Ich sehe die wesentlichen Unterschiede, vor allem zu den USA, in den kulturellen Verschiedenheiten und im Ecosystem.

    Radikale Innovationen kommen aus Instituten oder vllt. noch aus größeren Unternehmen, an denen neue Technologien erforscht werden. Anders sind solche Innovationen kaum zu finanzieren (HackFwd will das z.B. ändern). In den Instituten herrscht allerdings weitestgehend keine Kultur innovative Technologien zu kommerzialisieren. Anders in den USA, wo Forscher ihre (Internet-)Technologie umbedingt auf dem Markt sehen wollen.

    Gleichzeitig fehlt uns das Ökosystem, vor allem das Kapital. Das fehlt uns meiner Meinung nach, weil selbst die VCs nicht ausreichend Erfahrung in der Kommerzialisierung von innovativen (Internet-)Technologien haben. Exitkanäle sind auch kaum vorhanden. So stützt sich die Gründerszene rein auf inkrementelle Innovationen, die meist nur das Geschäftsmodell betreffen.

    So kommt meiner Ansicht nach einiges zusammen, was die Innovationskultur in Deutschland bremst. Das geschieht nicht nur im Internet, sondern auch in vielen anderen Branchen.

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  5. von Michael am 02.09.2010 (10:49 Uhr)

    Ich denke, es ist eine Mischung aus Mentalität und Markt, wobei Erstes meines Erachtens den Hauptgrund darstellt:

    Die Deutschen sind zum überwiegenden Großteil keine Macher, keine Pioniere. Sie waren es vielleicht einmal, damals, als die Maschinen schnaufen lernten. Heute wird es den wenigsten in die Wiege gelegt, vorgelebt oder beigebracht, sich auszuprobieren und einfach mal zu machen. Scheitere in den USA, und Du bekommst Respekt ob Deines Pioniergeistes. Scheitere in Deutschland, und Mitleid ist Dir sicher. Mehr nur selten.

    Das mag vielleicht ein Stück weit damit zusammenhängen, dass der gemeine Deutsche sich mit den Jahrzehnten komplett aus der Verantwortung für's eigene Leben zurückgezogen hat. Schließlich ist doch für alles gesorgt: Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Sicherheit, Sauberkeit... und er hat seine Initiative und seinen Antrieb, etwas zu wagen und zu schaffen, darüber verkümmern lassen. Daraus erwächst kein Pionier. Auch keiner, der Pioniergeist wertschätzt.

    Mir ist es zum Beispiel unbegreiflich, warum die Deutschen weltweit führend in der Bereitschaft sind, für Online-Inhalte Geld zu spendieren (Flattr, Kachingle etc.), es jedoch keinen nennenswerten deutschen Online-Dienst dafür gibt.

    Und natürlich ist der Markt in Deutschland recht überschaubar. Aber sicher auch gemütlicher. Wer im tiefen Wasser schwimmen möchte, der muss es sich auch mit viel mehr und viel größeren Fischen teilen. Altes Bloggerproblem, das.

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  6. von Christian am 02.09.2010 (11:41 Uhr)

    Wenn ich mich nicht irre, sind alle hier vorgetragenen Dienste auch nur Kopien internationaler Unternehmen. (StudiVZ / Facebook, Yigg / Digg, MyVideo / Youtube) Alles nur nachgemacht, kein Wunder das der Erfolg ausbleibt. Innovativ ist zum Beispiel http://soundcloud.com/ aus Berlin.

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  7. von Roberto am 02.09.2010 (12:28 Uhr)

    Das Problem ist wohl nicht der Mangel an Innovationswillen deutscher Gründer. Es liegt eher in der Risikoscheu aller finanzierenden Parteien, ob es der Staat über KfW und HTGF oder private Investoren aus dem Angel und VC-Lager sind.

    Ich habe den Eindruck, die meisten fühlen sich wohler, wenn es das Konzept international schon gibt und es dort einen ersten Erfolg gezeigt hat. Viele wollen im Falle des Scheitern dann auf das internationale, wohlmöglich auch erfolgreiche Pendant zeigen und sich so entschuldigen.

    Ich glaube fest daran, daß ein gut aufgestelltes Team mit einem totalen Plagiat (letztens z.B. die Groupon Klone) eine vielfach höhere Chance auf Finanzierung hat, als tatsächliche Innovatoren, die sich an Märkten versuchen, die es noch nicht gibt.

    Schade eigentlich, denn ich habe ausreichend viele wirklich gute Konzepte gesehen, wo das Team dann im Zuge der Finanzierungsbemühungen lieber auf innovative, risikobehafteten Teile verzichtet hat, um weiterzukommen.

    Bestes Beispiel dazu habe ich gerade letzte Woche auf theFunded.com gelesen, über einen der größten VC in London: "Sie (der VC) haben unser Modell nicht verstanden, aber schlugen und ein völlig anderes Modell in einem anderen Bereich vor, welches sie gerne mit uns als Team umgesetzt hätten."

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  8. von Jenni am 02.09.2010 (12:38 Uhr)

    Ich stimme Roberto zu, dass Problem liegt hier oft wirklich in der Finanzierung und der Risikoaversität der möglichen Finanzgeber, was leider zum Teil ein rein deutsches Problem ist - oder hier zumindest im Vergleich zu den USA wesentlich ausgeprägter ist.
    Zusätzlich kommt noch hinzu, dass man wesentlich leichter Presse bekommt (zumindest ist das mein subjektives Empfinden), wenn man die deutsche Version des erfolgreichen Unternehmens X aus den USA ist. Das hilft auch nicht wirklich dabei innovative Ideen zu verbreiten.

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  9. von ling am 02.09.2010 (13:54 Uhr)

    Seh's eigentlich auch so wie Martin und Roberto. Hauptproblem ist die Finazierung.

    Und wenn man sich das zu zweit oder zu dritt vom Mund absparen muss und gleichzeitig immer damit rechnen muss das ein US-Unternehmen es schneller hinbekommt weil die sich einfach mehr Leute leisten können ist das nicht gerade _die_ Motivation.

    Mir kommt's aber auch so vor als würde immer sehr in die USA geschielt. Sowas wie z.B. dawanda.de wird im Artikel nicht mal erwähnt...

    @ Martin: Das Fraunhofer Institut macht eigentlich sehr viel was Spin-Offs anbelangt

    @ Michael: "Die Deutschen sind zum überwiegenden Großteil keine Macher, keine Pioniere. Sie waren es vielleicht einmal, damals, als die Maschinen schnaufen lernten. Heute wird es den wenigsten in die Wiege gelegt, vorgelebt oder beigebracht, sich auszuprobieren und einfach mal zu machen." Halte ich ehrlich gesagt für Quatsch was Nicht-Web-Technologien betrifft. Bei uns ist es halt eher die Industrie (gerade was regenerative Energien und Maschinenbau anbelangt). Die US-Amerikaner haben sich (wie die Briten) ja weitestgehend deindustrialisiert.

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  10. von Jenni am 02.09.2010 (15:14 Uhr)

    @ling: ist dawanda wirklich international oder nur multinational? Weil Webseiten gibt es meines Wissens nach nur für Deutschland, Frankreich und GB. International ist sicherlich etsy dominierend, was jedoch in Deutschland relativ unbekannt ist. Was aber nicht bedeuten soll, dass daWanda nicht ein Beispiel für ein wirklich gut umgesetztes Konzept ist.

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  11. von Martin Seibert am 02.09.2010 (21:02 Uhr)

    Wir sind gestern mit http://www.twentyfeet.de live gegangen und werden mit dieser Plattform jetzt die Welt erobern. Jawohl. :-)

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  12. von starty am 02.09.2010 (22:29 Uhr)

    Ein sehr guter Artikel, auch wenn er ziemlich pesimistisch ist.

    Ich denke die Probleme warum Deutschlands Internet eher eine Innovationswüste ist, liegt wie meine Vorredner schon angesprochen haben ganz einfach an der Tatsache das wir Deutsche es schrittweise verlernt haben "Macher" bzw. Pioniere zu sein. Ich will damit in keiner Weise sagen, das es deutschen Gründern an Fachwissen, Ideenreichtum oder Durchhaltevermögen mangelt, aber nur eine Idee zu haben, ist meines Erachtens einfach nicht genug. Ich vermute, das bei vielen "Gründern" immer noch das Daumenkino der Dot-Com Blase im Kopf abläuft:
    Idee -> Gründung -> Reichtum + stylisches Luxusleben führen

    Für die Pioniere von früher dürfte ein besseres Leben zwar auch ein Ansporn gewesen sein, aber nicht unbedingt das primäre Ziel. Sie waren einfach Praktiker und haben den Titel "Ingenieur, Konstrukteur usw." m.E. zu Recht tragen dürfen. Sie haben nicht nur mit ihrem Diplom oder reinem Theoriewissen geprahlt, sie standen noch mit Herzblut selbst in der Werkstatt, waren in der Lage alle Teile die sie für ihre Entwicklung benötigt haben selbst herzustellen und haben sich einfach gern die Hände schmutzig gemacht. Es waren eben Fachleute in auf ihrem Gebiet. Heute werden Menschen "die sich die Hände schmutzig machen(müssen)" eher als Verlierer belächelt. Jeder will nur noch Manager sein, der alle Arbeiten deligiert und sich nicht mehr die Hände schmutzig macht. Mir kommt es so vor, das mit dieser Einstellung viele (teilweise nicht mehr existente) Startups gegründet wurden und werden. Extrem vereinfacht lässt sich so eine Gründung in folgende 4 Schritte zusammenfassen:

    1. Idee haben
    2. Investor suchen
    3. Unternehmen suchen, das die Idee umsetzen kann
    4. Idee umsetzen lassen

    Genau bei Schritt 2 und 3 sehe ich die Probleme. Ist man selbst (als Einzelperson oder als Team) in der Lage seine Idee umzusetzen, kann man sich diese beiden Schritte vielleicht ganz ersparen. So ist die Suche nach einem Investor nicht selten nur deshalb notwendig, weil man ein anderes Unternehmen dafür bezahlen muss, seine Idee umzusetzen. Das Scheitern von neuen Ideen der Risikoaversität von Investoren zuzurechnen ist mir für meinen Geschmack zu einfach. Aber die Schuld bei jemand anderem zu suchen ist immer der leichteste Weg. Stattdessen sollten man die Gründe immer hinterfragen, warum einem kein Geld gegeben wird. Wären wir in der Lage des Investors, wie würden wir handeln, wenn ein völlig fachfremder vor einem steht, einem das Blaue vom Himmel verspricht aber dabei voll auf die Fähigkeiten eines anderen Unternehmens für die Umsetzung angewiesen ist und selbst nichts anders als die Idee einbringen kann?

    Betrachtet man den Werdegang von Startups aus den Staaten, sieht es meist genau anders herum aus. Absolut qualifizierte Leute, oder auch "Nerds", haben ihre Idee auf eigene Faust (und eigenem Kapital) umgesetzt und sind jetzt an einem Punkt, das sie dem Benutzeransturm mit ihren Mitteln nicht mehr Herr werden. Das ein Investor bei einer bereits (erfolgreich) laufenden Plattform lieber Geld ausgibt dürfte jedem klar sein.

    Zum Glück gibt es hier in Deutschland auch einige (Vorzeige)Startups, die klein angefangen haben und alles in Eigenregie entwickelt und mit eigenem Kapital verwirklicht haben. Mite ist hier ein sehr gutes Beispiel. Ein kleines Team das mit Herzblut bei der Sache ist, eine gute Idee und alles in Eigenregie entwickelt. So funktioniert ein Startup auch ohne hundertausende von EUR Startkapital. Denn nur wenn man in der Lage ist es selbst umzusetzen, kann man es auch positv an seine Kunden/Interessenten zu verkaufen. Ein Mauerer ist schließlich deswegen ein Mauerer, weil er mauern kann und nicht nur darüber spricht wie es theoretisch ginge.

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  13. von codeslinger am 03.09.2010 (08:01 Uhr)

    Kachingle mag in den USA beheimatet sein, ist aber gut mit deutschen Innovatoren durchsetzt, und hat deshalb auch eine deutsche Wilkommensseite. Und zusaetzlich zu den aufgelisteten Emigranten, gibts auch noch in Deutschland lebende Mitarbeiter. Heutige Startups sind ja oft wesentlich virtueller (soll heissen: Mitarbeiter global verteilt) als traditionelle Unternehmen.

    Ein anderes interessantes Gegenbeispiel ist uebrigens Xing - ohne dasz ich das jetzt handfest recherchiert haette war mein persoenlicher Eindruck dasz Xing einfach LinkedIn als erfolgreiches amerikanisches Unternehmen kopierte und in Europa als eigene Firma zum Erfolg brachten...

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  14. von Jenni am 03.09.2010 (10:19 Uhr)

    @Starty: du siehst das zu einfach. Ich kenne kaum einen Gründer, der Geld brauchte um seine Idee von jemanden anderen entwicklen zu lassen - im Gegenteil, das ist eher eine Situation, die andersrum einsetzt, Investoren suchen "Gründer" die bereit sind die Idee der Investoren umzusetzen. Kommt man hingegen mit seiner fertig umgesetzten, bereits live-geschalteten und innovativen Idee zu Investoren hört man oft: "interessantes Konzept, aber für uns nicht geeignet, wir hätten da aber etwas, wo wir jemanden suchen..." oder die Frage "in welchem Land wurde das schon erfolgreich umgesetzt?"
    Es sind Anekdoten, aber wenn man sie nicht nur selbst zu hören bekommt, sondern von anderen Gründern ähnliche Stories erzählt bekommt, die mit tollen Ideen nach Geld suchen, lässt sich ein Zusammenhang nicht wirklich von der Hand weißen.

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  15. von Roberto am 03.09.2010 (10:45 Uhr)

    @Starty

    "So ist die Suche nach einem Investor nicht selten nur deshalb notwendig, weil man ein anderes Unternehmen dafür bezahlen muss, seine Idee umzusetzen."

    Das sehe ich anders. Ich selber habe jahrelange Programmiererfahrung und trotzdem keine Zeile Code für mein aktuelles Projekt geschrieben. Wir haben für die erste Version der Plattform 5 Programmierer eingesetzt, aber für den laufenden Betrieb wären 2 schon zuviel. Soll ich also vier auf die Straße setzten? Oder nicht doch externe Ressourcen nach Aufwand und Bedarf mit hineinziehen. Das wird aus meiner Sicht bald eher die Norm als die Ausnahme sein: Verteilte, flexible, teilweise temporäre Teams.

    Für die meisten Projekte sind die Gründerteams auch zu klein, um alle notwendigen Bereiche abzudecken. Ich sehe bei größeren Web-Projekten mindestens 10 Rollen, die besetzt werden müssen - wer das alles mit 2 Leuten von zuhause ohne Zurhilfenahme von Dritten schafft, respekt!
    Gerade "mite" ist übrigens ein schönes und erfolgreiches Beispiel.

    Nur mal anders herum gefragt, ist "mite" ein VC-Case? Ich denke nicht. Sie haben ein einfaches Produkt mit überschaubarer Zielgruppe und eher regionalem Bezug. Davon kann man bestens leben, nur sieht der VC da keinen Exit, keinen Börsengang, keinen "tenbagger" halt. Und den benötigt er nunmal.

    Und solange man keine hohen Beträge von VC eingesammelt hat sondern mit eigenen Ersparnissen und Business Angel unterwegs ist finde ich es persönlich komplett fahrlässig, zehn Leute auf die eigene Lohnliste zu nehmen.

    Ich glaube, daß man heutzutage tatsächlich mit wenig Mitteln bis zum Proof-Of-Concept kommen kann. Aber genau an dem Punkt wäre mir dann schnelles Risikokapital, was den Namen verdient, wichtig. Und davon gibt es m.E. deutlich zuwenig!

    Gebe @Jenni also recht :)

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  16. von Marc am 03.09.2010 (13:01 Uhr)

    Die Gründe hierfür sind zahlreich und vielfältig. Nicht immer liegt es an fehlenden Ideen, fehlenden Charakteren oder Innovationen. Natürlich sind dies alles Aspekte, die eine gewisse Rolle spielen, aber hinzu kommen viele andere Punkte, darunter einfach und kurz gesagt, dass der englischsprachige Markt wesentlich größer ist, als der deutschsprachige. Aber selbst wenn Unternehmen nach erfolgreichem nationalen Start ihre Produkte öffnen und auch andere Sprachen von Webplattformen angeboten werden, gibt es entweder schon etliche Angebote in englisch, was zwar den Wettbewerb erhöht, es aber auch sehr schwer macht.

    Aber ein weiterer Unterschied ist ganz klar in der Investoren Mentalität zu sehen, und zwar vieler deutscher Investoren gegenüber US Investoren. US Investoren in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Gründern tun anfangs eine Menge für die Nutzergewinnung und den Zuwachs an Mitgliedern.Unternehmen müssen wirtschaftlich denken, Umsätze und Gewinne erzielen. Das ist keine Frage.

    Richtige Geschäftsmodelle werden oft erst später etwickelt oder aktiv angewendet. Twitter hatte zum Bsp. bis vor kurzem nicht mal ein wirklich identifizierbares Geschäftsmodell geschweige denn Umsätze erzielt und trotzdem Investoren. Das ist ein weiterer Unterschied zu vielen deutschen Investoren, bei denen ich mich als Gründer ohne vernünftiges Geschäftsmodell udn am besten noch mit ersten Umsätzen gar nicht vorstellen brauch.

    Auch vor Konkurrenz oder Wettbewerb scheinen sich nicht alle, aber doch einige hier zu scheuen, denn nicht selten höre ich von befreundetet Gründern, die mit Investoren über Projekte sprechen, dass z.B. die Konkurrenz zu groß ist. Hätten US Investoren bei Facbook so gedacht, wäre es heute nicht das größte social network der Welt, denn Konkurrenz gab es mit myspace und einigen anderen Netzwerken genug. Auch google hätte es so nie gegeben. Denn neben dem damaligen Giganten gab es einige Konkurrenz bevor google so erfolgreich wurde.

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  17. von starty am 03.09.2010 (13:17 Uhr)

    @Jenni

    Im Punkt das "Investoren Gründer suchen, die ihre Ideen umsetzen sollen" gebe ich dir voll und ganz Recht. Aber dennoch, ich glaube nicht das ein Investor eine wirklich gute Idee eines "Externen" einfach so ablehnen würde, nur weil er wie ein kleines bockiges Kind darauf beharren möchte, das seine Idee doch die viel bessere sei. Die Personen die zu entscheiden haben, ob "Geld locker gemacht wird" sehen in der Idee vielleicht einfach kein Potential. Die Gründe, warum sie so entscheiden, stehen auf einem anderen Blatt. Ob einfach Risikoaversität, mangelndes Verständnis für die Idee oder sonstige Gründe dahinter stecken, das lässt sich nicht so einfach festmachen.

    Nimmt man sich aber mal die Zeit und sieht sich einige (weniger bekannte) Startups an, kann ich durchaus verstehen, warum viele Investoren so handeln/denken und dafür kein Geld ausgeben. Denn oftmals ist aus reiner Anwendersicht nicht erkennbar wo der eigentliche Nutzen liegt. Das andere Extrem ist, das zwar ein Nutzen für den Anwender vorliegen würde, aber der Preis dafür in keinem Verhältnis zum Produkt steht. Um mal ein (hoffentlich nicht existentes, völlig überzogenes und her spaßig gemeintes) Beispiel zu nennen, welcher Kunde wäre bereit für 6 Rollen "individualisiertes Toilettenpapier" 40 EUR zu bezahlen? Vermutlich niemand. Meine Erfahrung zeigt aber, das es durchaus solche Startups gibt, die denken hierfür einen Abnehmer zu finden. Das hier ein Investor die Förderung ablehnt, ist wohl niemandem zu verdenken.



    @Robert

    Meine These war etwas provozierend formuliert, aber was ich letztendlich damit sagen wollte war "...nur zu machen, wozu man selbst in der Lage wäre/ist und was man selbst beherrscht...". Und genau in diesem Punkt gibst du mir indirekt Recht, weil du wie du sagst selbst über langjährige Programmiererfahrung verfügst. Das heißt, das du (sofern es die Zeit zugelassen hätte) selbst in der Lage gewesen wärst die Idee mit Gleichgesinnten (Freunden, Studienkollegen etc.) oder auch allein umzusetzen. Das in der heutigen (Geschäfts)Welt natürlich nichts mehr ohne projektbezogen eingesetzte, externe Ressourcen geht, das versteht sich. Das ich für so etwas niemanden extra einstellen würde ist natürlich klar.

    Ich wollte mit meinem Beispiel einfach zum nachdenken anregen, ob man überhaupt in der Lage ist eine Geschäftsidee richtig durchzuführen. Ich habe im Startupsektor schon sehr viel Selbstüberschätzung miterleben müssen. Klar, man kann sich vieles selbst beibringen, aber dennoch sollte die Ausbildung/Interessen zu dem passen, was man geschäftlich machen möchte. Um ein (überspitztes) Beispiel zu nennen: Ein BWL-Student (ohne Interesse an Metallverarbeitung) möchte ein Unternehmen gründen, wo er individualisierte Fahrräder produziert. Die Idee ist an sich nicht schlecht, aber er hat keine Ahnung von Metall, kann die Räder nicht selbst zusammenbauen oder konstruieren usw. Natürlich könnte man sich hier jemanden externen holen, aber kann man diesen überhaupt kontrollieren, ob die Arbeit entsprechend abläuft und die Qualität stimmt? Klar, dieses Beispiel ist sicher nicht wasserdicht und bestimmt findet irgendjemand eine Firma, die genau in so einer Konstellation funktioniert hat, aber in der Mehrheit kommt so ein Unternehmen nicht ans laufen.

    "mite" dürfte kein VC-Case sein. Sie haben auch ein Produkt mit überschaubarer Zielgruppe und eher regionalem Bezug, aber ist das denn schlecht? Lieber klein anfangen mit einer guten Idee und stabil wachsen, anstatt groß (nur finanziert durch Risikokapital und mit 20 Angestellten) mit einer mäßigen Ideen starten und kläglich scheitern. Nimmt man sich die großen der Branche zum Vorbild, sieht man das es erst eine gute Idee braucht und Leute die selbst in der Lage sind/wären diese umzusetzen. Erst dann wird ein Unternehmen erfolgreich. Sergei Brin und Larry Page haben sich ihren Algorithmus schließlich auch selbst ausgedacht, Steve Wozniak und Steve Jobs haben den Apple I auch selbst entwickelt, Mark Zuckerberg hat mit befreundeten Studenten Facebook auch selbst entwickelt usw. Die Liste könnte man beliebig weiterführen. In meinen Augen macht es genau dieser Unterschied aus. Selbständig ist man dann, wie der Name schon sagt, wenn man "selbst" etwas kann. Insbesondere für einen erfolgreichen Start (und auch wenn man auf der Suche nach Kapital wäre) ist das wichtig. Einfach "nur" Vorsitzender eines Unternehmens zu sein reicht für meinen Geschmack und vermutlich auch für den der Investoren nicht aus, denn solche Vorsitzende sind "Pappfiguren" die man sehr schnell ersetzen kann.

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  18. von aleksmaksimow am 03.09.2010 (15:01 Uhr)

    "Ich habe den Eindruck, die meisten fühlen sich wohler, wenn es das Konzept international schon gibt und es dort einen ersten Erfolg gezeigt hat. Viele wollen im Falle des Scheitern dann auf das internationale, wohlmöglich auch erfolgreiche Pendant zeigen und sich so entschuldigen."

    Ich finde, dass genau hier das Problem liegt!

    Investoren gehen ein Risiko nur dann ein, wenn sich das Geschäftsmodell bzw. die "Innovation" bereits international bewährt hat. Das Problem in diesem Moment ist aber, dass sich das Projekt automatisch damit degradiert und nicht "für voll" genommen wird. Viele Start-Ups funktionieren dann nach dem Prinzip "mal gucken ob es klappt, wir investieren nicht zu viel Geld, denn noch weiß ja keiner ob wir da überhaupt eine Chance haben". Damit sind die Investoren automatisch nicht bereit genug Geld zu investieren, welches für die sinnvolle Produktion aber auch das Marketing benötigt wird.

    Innovationen, die es international noch nicht gibt, werden nicht wie in z.B. den US-Regionen als tolle Innovation betitelt, sondern nur zögerlich behandelt und nicht richtig angegangen. Hinzu kommt noch ein wichtiger Faktor und Deutschland: Die sogenannte "Start-Up Scene", aber dazu komme ich sofort.

    Wird in Deutschland doch mal in ein Projekt investiert, so werden die Gründer bis aufs letzte von den Investoren ausgebeutet (ich nenne jetzt bewusst keine Unternehmen, aber ich denke einige wissen wovon ich spreche) so dass die eigentlich Gründer (und das sind hellen Köpfe hinter den Ideen) durch hinzugekaufte Marketing Mitarbeiter und Umsatz orientierte Geschäftsführer (die von der Materie in den meisten Fällen keinen Schimmer haben) in ihren Möglichkeiten beschränkt werden. Features werden nicht ausgebaut und der Markt wird nicht vergrößert (z.B. ins Ausland) da das investierte Geld ja nun erst einmal wieder angeschafft werden muss.
    Weiterhin bin ich der Meinung, dass auch Start-Ups aus Deutschland, ihre Plattformen direkt international ausrichten sollten und sei es nur, dass die Plattform in englischer Sprache übersetzt wird.

    Nun zu der Start-Up Scene: Ich finde ein Problem in diesem Bereich ist die Kommunikation. Sieht man sich einmal andere Länder an, so stellt man fest das es dort regelmäßig Veranstaltungen und Camps gibt, in denen sich Gründer und Entwickler treffen. Jetzt werden natürlich einige sagen "Jaha, in Deutschland gibt es aber doch BarCamps?" - natürlich gibt es die und die funktionieren auch super und werden gut besucht, doch leider besteht das Publikum in den meisten Fällen aus Bloggern und nicht aus Gründern oder Entwicklern mit Ideen aber fehlenden Finanzmitteln. Es gibt zwar 1-2 Veranstaltungen im Jahr, aber das ist in meinen Augen noch viel zu wenig, um in Deutschland innovative (Internet-) Produkte zu entwickeln.

    Hinzu kommt noch, dass man häufig im Ausland mitbekommt das viel mehr Erfolgreiche Start-Up Gründer nach ihrem Erfolg, kleinere Start-Ups unterstützen. Sei es durch Know-How oder Finanzielle Mittel (Angel-Investments etc.). Ich habe oft das Gefühl das sich bei uns alle im Kreis drehen und alle in ihrem kleinen Kämmerchen vor sich hin arbeiten. Der Austausch fehlt und die Zusammenarbeit. Warum nicht vor anderen Gründern Ideen besprechen? Verbesserungen? Sinn der Innovation und ob es den Bedarf gibt?

    Wie schon in dem eigentlich Artikel oben genannt, sind die Gründer hinter den Projekten in Deutschland einfach zu isoliert und unbekannt. Es wird meiner Meinung nach Zeit, dass auch aus unseren Start-Up Gründern Rockstars gemacht werden, denn das hilft auch anderen, die Innovationen zu erkennen und umzusetzen, mit oder ohne Investoren.

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  19. von Sandra am 04.09.2010 (10:31 Uhr)

    Es gibt eine politökonomische Theorie, die sich "Varieties of Capitalism" nennt. Diese beschreibt die verschiedenen Unterarten des Kapitalismus in einzelnen Ländern (z.B. USA, Deutschland, Japan). Sie versucht zu erklären wie Innovation, Unternehmensfinanzierung, Wissenstransfer, Preisbildung, soziale Absicherung jeweils in den verschiedenen Kapitalismus-Spielarten genau funktionieren.

    Laut der These führt die amerikanische Kapitalismusausprägung zur radikalen Innovationen und unser Kapitalismus hier in Deutschland bringt eher inkrementelle Innovationen hervor - z.B. im Maschinenbau, in dem es nicht jedes Jahr das eine tolle neue Startup gibt, dass in den Medien gehypt wird, sondern viele Firmen ihre schon existierenden Produkte und Arbeitsprozess jedes Jahr etwas verbessern und damit insgesamt im Weltmarkt bestehen können.

    Will man die Art der Innvation ändern, müßte man im Prinzip das ganze Wirtschaftssystem ändern, denn dies führt zu der einen oder anderen Art der Innovation. Es reicht nicht einfach einen oder zwei Faktoren zu ändern oder 100.000 Euro Preisgeld für einen Startup-Wettbewerb auszuloben.
    Besser wäre es fast, zu akzeptieren, dass es in Deutschland nunmal überwiegend inkrementelle Innovation gibt und zu überlegen wie man damit Geld verdienen kann.

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  20. von hamachi am 05.09.2010 (19:51 Uhr)

    @Sandra

    Die von dir genannte Theorie ist wirklich sehr interessant. Sieht man sich die in Deutschland ansässigen (großen) Firmen an, so scheint der genannte Ansatz wirklich zu stimmen. Insbesondere in der Automobilindustrie werden bestehende Modelle "durchoptimiert" und das in jeder Modellgeneration. Neues gibt es stattdessen nicht wirklich (siehe Elektroantrieb etc.).

    Leider scheint die Theorie nicht für die deutsche "Web-Industrie" zu gelten. Vergleicht man StudiVZ mit Facebook, so hat StudiVZ gefühlt den Anschluss an Facebook verloren (sofern sie jemals gleichauf waren). Auch die anderen "Copy & Paste" Web-Startups/Unternehmen scheinen die These der "inkrementellen Innovation" nicht zu kennen. Mir kommt es so vor, das diese auf dem vor Jahren "kopierten" Stand stehen bleiben und nichts tun, um an dieser Situation etwas zu ändern. Langfristig entziehen sich so deutsche Web-Unternehmen selbst die Existenzgrundlage, denn die Interationalisierung von US-Plattformen wird sicher nicht schlechter werden (siehe Facebook und Twitter). Auch die Leitungen nach Nordamerika sind alles andere als langsam.
    Sieht man sich die Verbreitung von Facebook in Deutschland an, so könnte man sagen, dass diese mit anbieten ein deutschen Sprachversion nahezu explodiert ist. Vorher musste man nahezu "zwangsweise" Studi/mein/SchülerVZ verwenden, wenn man des englischen nicht mächtig war.

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