Ein neuer Google-Killer? Nein.
Um gleich am Anfang mit einem vielgeschriebenen Missverständnis aufzuräumen: Wolfram Alpha ist kein Google-Killer. Hartnäckig wird immer wieder von einem ernstzunehmenden Konkurrenten für den Suchmaschinenprimus Google gesprochen und geschrieben. Das allerdings ist ein Irrtum, denn die Ansätze der vermeintlichen Konkurrenten sind einfach zu verschieden. Während Google Suchanfragen mit Links auf Webseiten mit relevanten Informationen zu den Suchbegriffen beantwortet, liefert Wolfram Alpha echte Antworten auf konkrete Fragen - so jedenfalls die Idee.
Was macht Wolfram Alpha so interessant?
Auch in wissenschaftlichen Blogs wird über Wolfram Alpha diskutiert. So hält es Werner Große vom WISSENSlogs sogar für möglich, „dass der heutige 16. Mai 2009 einst als denkwürdiger Tag in die Geistesgeschichte der Menschheit eingehen wird. Denkwürdig im wahrsten Sinne des Wortes, weil an ihm möglicherweise eine neue Ära des Denkens und des Wissens für uns alle eingeläutet wurde.“
Andere Wissenschaftler wie der Astronom Florian Freistetter von ScienceBlogs sind da deutlich skeptischer, da viele Anfragen nicht die erwünschten Ergebnisse bringen: „Eine Suche nach „Supernova“ bringt jede Menge Infos zu einem Kinofilm aber nichts Astronomisches.“
Das Interessante an Wolfram Alpha macht gerade den Unterschied zu Google aus: Daten aus verschiedenen Quellen werden miteinander verknüpft und ergeben in ihrer Zusammenstellung etwas komplett Neues. Die Ergebnisse von Google könnte man dagegen in der selben Form auch über andere Suchmaschinen finden, da sie nur aus Auflistungen von Webseiten bestehen.
Wo liegen die Probleme?
Natürlich gibt es bei einer Beta-Version zum Start immer mal wieder technische Probleme. Auch hier nimmt Wolfram Alpha keine Sonderstellung ein.
Viel schwerwiegender sind allerdings elementare Probleme. Dinge also, die mit der grundlegenden Struktur zu tun haben und sich nicht einfach so abstellen lassen. Zu diesen Punkten zählt beispielsweise auch die limitierte Datenbasis. Während Google bemüht ist, möglichst große Teile des gesamten Internets in seinen Index aufzunehmen, beziehen sich die Anfragen bei Wolfram Alpha immer nur auf definierte Datenbanken mit strukturierten Daten. Schwierig ist dabei für die Nutzer auch der Umstand, dass die Datenquellen nicht so transparent sind, wie man es von modernen Suchmaschinen gewöhnt ist.
Eric Kubitz bemerkt dazu: „Ich finde z.B. bei der Einwohnerzahl von Bad Tölz eine Zahl, die nicht stimmt. Da ich nicht sofort sehe, von welcher Quelle das falsch übernommen wurde (und von wann die Zahl ist) werde ich auch jede weitere Informationen von Wolfram Alpha in Frage stellen. Die Suchmaschine hat damit mein Vertrauen verloren - und damit mich als Besucher. Merke: Wer Informationen extrem vereinfacht, spielt mit dem Vertrauen der Benutzer.“
Viele Fragen können aufgrund fehlender Daten erst gar nicht beantwortet werden. Marcel Weiss bringt es auf Netzwertig mit einem Satz auf den Punkt: „Was Wolfram Alpha nicht kennt, existiert nicht.“
Ein grundlegendes Problem ist aber auch das Verhalten der Nutzer. Sie benutzen Wolfram Alpha wie eine herkömmliche Suchmaschine und fragen sie nach dem eigenen Namen und wundern sich über fehlende Ergebnisse. Hier würde es Wolfram Alpha gut tun, sich noch deutlicher als bisher vom „Google-Killer-Image“ zu distanzieren.
Lustiges und Kurioses
Anscheinend ist man sich bei Wolfram Alpha dessen auch durchaus bewusst, denn wie sonst wären die vielen Spaß-Antworten zu erklären. Mashable hat dazu recht schnell eine Übersicht mit lustigen Easter-Eggs veröffentlicht und später gleich nochmal nachgelegt. Doch eigentlich möchte Stephen Wolfram ja eher ernsthafte Nutzer für seinen Dienst gewinnen, denn nur die wären für ein zukünftiges Businessmodell mit lizenzierten Ergebnissen inklusive der zugrundeliegenden Datenbasis denkbar.
Fazit
Die potenziellen Fähigkeiten von Wolfram Alpha sind bemerkenswert, aber es gibt noch genügend technische Baustellen, wie Zuverlässigkeit, Geschwindigkeit und Verifizierbarkeit. Eine Baustelle allerdings ist nicht technischer Natur und wäre zudem vermeidbar gewesen. Gemeint ist die mediale Darstellung als Google-Killer. Zwar verneint Stephen Wolfram eine solche Darstellung recht offen, aber offensichtlich nicht konsequent genug.
Eine zweite Großbaustelle betrifft die Quellen der Antworten. Hier fehlt es noch an Transparenz. Während beispielsweise Wikipedia mit vielen Links für eine Überprüfbarkeit der Informationen sorgt, bleibt bei Wolfram Alpha vieles im Verborgenen. Wirklich seriös lassen sich die Antworten so nicht verwenden.
Frühere Artikel von t3n zum Thema
- 10.03.2009: „Wolfram Alpha“ soll Sprache erkennen und Antworten liefern
- 27.04.2009: Revolutioniert Wolfram Alpha den Suchmaschinenmarkt?





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