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Internationalisierung im E-Commerce: Ein Leitfaden für deinen Online-Shop (Teil 1)

Internationalisierung im E-Commerce: Ein Leitfaden für deinen Online-Shop (Teil 1)

Auf zu neuen Ufern und jenseits der Landesgrenzen Umsatz mit dem Webshop machen? Klingt verlockend, ist es auch! Die Internationalisierung deines Shops bietet spannende Chancen. Hier kannst du lesen, was du beim im Ausland beachten musst.

Internationalisierung im E-Commerce: Ein Leitfaden für deinen Online-Shop (Teil 1)

(Foto: kbuntu/fotolia.com)

Bei der Urlaubsreise sagen wir: andere Länder, andere Sitten. Dieses geflügelte Wort gilt auch für den Online-Handel. Wenn du am internationalen E-Commerce teilnehmen willst, heißt es, die Besonderheiten des Zielmarkts zu berücksichtigen. Das gilt für rechtliche und steuerliche Bestimmungen ebenso wie für weiche Faktoren wie Konsumentengewohnheiten und kulturelle Eigenheiten des Landes, in dem du verkaufen willst.

Am Anfang der Internationalisierung im E-Commerce steht die Zielauswahl

Wie bei einer Ferienreise steht am Beginn der Überlegungen die Frage: Wohin soll’s denn gehen? Bei der Auswahl des Zielmarkts spielen letztlich alle später noch zu nennenden Faktoren eine Rolle. Wie bei jedem Geschäft ist die übergeordnete Fragestellung, ob die zu erwartenden Erträge den Aufwand übersteigen, der sich aus der Summe aller im Zielland gegebenen Bedingungen ergibt.

Hier kommt eine Aufstellung der grundlegenden Fragen bei der Auswahl eines Ziellands:

  • Welches Potenzial bietet der Markt für dein Geschäftsmodell?
  • Wie ist dort die Wettbewerbssituation?
  • Wie steht es um die Kaufkraft und die zu erwartende Nachfrage für deine Produkte?
  • Sind die digitale und logistische Infrastruktur des Landes für dein Online-Geschäft ausreichend?
  • Wie weit ist das Land entfernt und was bedeutet das für deine Logistikkosten?
  • Welchen zusätzlichen Aufwand bringen Gesetze, Steuern, Sprache und Währung mit sich?
  • Passen deine Produkte in das kulturelle Umfeld deines Ziellandes?

Wenn nur eine der genannten Fragen mit einem Nein beantwortet werden muss, rate ich zu größter Vorsicht. Ein Beispiel: Du willst gerne Erotikartikel in Saudi Arabien verkaufen. Kaufkraft, Infrastruktur, Wettbewerbssituation, wirtschaftliche Stabilität und dergleichen sind prima. Der Aufwand für Währung, Sprache und Logistik wären bei entsprechenden Umsätzen vertretbar. Die Nachfrage ist zugegebenermaßen schwer einzuschätzen. Doch schon wegen der kulturellen und gesetzlichen Gegebenheiten in diesem Land bin ich trotz aller genannten Pluspunkte extrem skeptisch für das Geschäftsmodell.

In der Schule haben wir alle das kleine vor dem großen Einmaleins gelernt. Das war sinnvoll und wir sollten es auch bei der Internationalisierung des Onlinegeschäftes so halten. Konkret heißt das: Vor der Eroberung des amerikanischen Online-Markts sollten wir vielleicht erst mal in Österreich üben.

EU oder Nicht-EU? Das ist hier die Frage ...

Internationalisierung im E-Commerce: Allein zwischen Österreich und der Schweiz gibt es bei der Nachfrage der Güter große Unterschiede. (Quelle: ECC Köln mit Namics und prudsys, 2014, Erfolgsfaktoren im E-Commerce, Screenshot: paypalobjects.com)
Internationalisierung im E-Commerce: Allein zwischen Österreich und der Schweiz gibt es bei der Nachfrage der Güter große Unterschiede. (Quelle: ECC Köln mit Namics und prudsys, 2014, Erfolgsfaktoren im E-Commerce, Screenshot: paypalobjects.com)

Für dich als deutschen Online-Händler ist der Schritt in ein anderes EU-Land naheliegend und auch der am wenigsten aufwändige. Zwar ist die EU noch weit davon entfernt, der viel zitierte einheitliche (Online-)Wirtschaftsraum zu sein, jedoch sind viele rechtliche und steuerliche Fragen schon harmonisiert. Die EU-Kommission hat zudem jüngst ihre Strategiegrundlage für einen digitalen Binnenmarkt vorgelegt. Danach soll bis Ende 2015 der Verbraucherschutz harmonisiert werden und Anbieter sollen sich auf ihre jeweils national geltenden Gesetze berufen können.

Ob das tatsächlich im avisierten Zeitraum geschehen wird, steht natürlich in den Sternen über den Brüsseler Bürokratie-Kathedralen. Wenn du dich aktuell mit einem internationalen Roll-out befasst, lohnt es sich auf jeden Fall, diese Entwicklung genau zu beobachten und gegebenenfalls das Inkrafttreten abzuwarten. Das könnte letztlich eine Menge Zeit, Arbeit und Geld sparen.

Internationalisierung im E-Commerce: Die Sprache

„Einen holländischen Online-Shopper solltest du anders adressieren als einen Kunden im arabischen oder asiatischen Raum.“

Bei der Sprache gibt es keine Kompromisse. Es ist für den Erfolg unabdingbar, dass dein Shop in der Landessprache daherkommt. Wer glaubt, unseren französischen Nachbarn etwas in der vermeintlichen Universalsprache Englisch verkaufen zu können, wird eine Bauchlandung erleben. Garantiert!

Und es reicht auch nicht, die Texte aus dem deutschen von kompetenten Übersetzern eins zu eins in die Landessprache transferieren zu lassen. Auch hier gilt es wieder, landestypische Eigenheiten zu berücksichtigen. Einen holländischen Online-Shopper solltest du anders adressieren als einen Kunden im arabischen oder asiatischen Raum. Lass dich von lokalen Marktexperten beraten.

Tipps

  • Übersetzung durch Muttersprachler mit Branchenkenntnissen
  • Berücksichtigung kultureller Eigenheiten des Ziellandes in der Kundenansprache
  • Frontend muss Sonderzeichen der Landessprache darstellen können

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2 Antworten
  1. von Thorsten Wilhelm am 29.07.2015 (20:03 Uhr)

    Ergänzend noch ein Quellen-/Literaturtipp:
    Leitfaden Internationalisierung vom Verein United E-Commerce, kostenlos zum Download u.a. auf Usabilityblog:
    --// http://www.usabilityblog.de/2015/07/kostenfreies-e-book-international-handeln-liefert-wertvolle-tipps-fuer-die-erfolgreiche-internationalisierung/

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  2. von Jandilo am 05.08.2015 (10:45 Uhr)

    Auch bei international ausgerichteten Shops schätze ich bedürfnisorientiertes Angebot sehr und bei vielen Online Shops sehe ich, dass die Waren in einem ganz großen Haufen ohne ordentliche Zuordnung oder Kategorisierung regelrecht in einem Haufen geschmissen werden. Kunden wollen aber kein Überangebot und sich durch sehr viele Seiten durchklicken, sondern auf der ersten Seite nach der Eingabe des Suchergebnisses auf das passende Produkt geführt werden. Besonders praktisch macht es z.B. Casualman hier unter http://www.casualman.de/ . Mit einem Klick erhält man zum passenden Anlass (Business, Casual, Summerfeeling etc.). So ähnlich ist es auch mit der Lebensmittelindustrie. Wenn McDonalds merkt, dass in China überwiegend Hühnchen gegessen wird, setze ich den Fokus auf die Burger, wo die Nachfrage am stärksten ist.

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