Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Internet ab Zugang werbefrei: Provider setzt auf voreingestellten Ad Blocker

Still und leise hat der zweitgrößte französische ISP Free offenbar seinen ADSL-Kunden die gestrichen und setzt auf einen voreingestellten Ad Blocker. Die rund 5,3 Millionen Internetnutzer, die über den sogenannten FreeBox-Service im Web unterwegs sind, sehen derzeit (fast) keine Werbeanzeigen auf Websites und Blogs. Was für viele Surfer wie ein Traum klingt, könnte – eine Vielzahl an Nachahmern vorausgesetzt – im schlimmsten Fall das Ende von kostenlosen News-Angeboten bedeuten.

Internet ab Zugang werbefrei: Provider setzt auf voreingestellten Ad Blocker

Ad Blocker mit Opt-out-Option

Für viele Websites würde ein automatischer Ad Blocker, wie ihn der französische Internet-Provider Free seinen Kunden quasi aufgezwungen hat, einen erheblichen Verlust ihrer Einnahmen bescheren. Allerdings haben einige Websites, wie die Online-Präsenz der Zeitung Le Monde, offenbar Mittel und Wege gefunden, die Werbesperre zu umgehen, wie The Next Web berichtet. Noch herrscht aber Uneinigkeit, ob alle Werbeanzeigen geblockt werden, oder ob es einen Ausweg gibt. Betroffene Internetnutzer haben jedenfalls die Wahl. Laut dem französischen Startup-Blog Rude Baguette, der das Werbestopp-Update entdeckt hat, besteht für Free-Kunden die Möglichkeit, den Werbeblocker wieder auszuschalten.

Voreingestellter Ad Blocker stoppt Online-Werbung für Millionen französische Internetnutzer (Foto: Steve A Johnson / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Einen Weg aus dem Ad-Blocker- und Anzeigen-Klick-Dilemma hat der bekannte und erfolgreiche US-Politik-Blogger Andrew Sullivan mit seinem Blog-Projekt The Daily Dish vorgemacht. Statt auf Werbung setzt Sullivan künftig auf ein Abo-Modell, das Lesen des Blogs kostet den Abonnenten künftig mindestens 19,99 US-Dollar pro Jahr. Der Erfolg gibt Sullivan Recht. Allein innerhalb der ersten sechs Stunden nach seiner Ankündigung konnte der Blogger auf Einnahmen von mehr als 100.000 Dollar verweisen. Zuvor hatte der populäre Blogger seine politischen Kommentare auf der Plattform The Daily Beast veröffentlicht.

Weiterführende Links:

NEU: Lass dir diesen Artikel vorlesen
Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.
Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
10 Antworten
  1. von Basti am 04.01.2013 (15:21 Uhr)

    Ähm ... Netzneutralität!?
    Klar nervt Werbung, besonders die aufdringlichen Overlays, aber wenn der Anbieter mir Werbung vorenthält, woher weiß ich, dass er mir nicht noch andere Sachen nicht anzeigt.

    Antworten Teilen
  2. von Michael am 04.01.2013 (15:24 Uhr)

    Das Netz, wie wir es kennen, beackern und meistens ziemlich gut finden ist ohne Werbung nicht denkbar. Alternative Monetarisierung ist wünschenswert, Vielfalt rulez, aber Anzeigenwerbung wird meines Erachtens ein wesentlicher Teil des WWW bleiben.
    Dass der Blocker abschaltbar ist, ist ja wohl das Mindeste. Ansonsten wäre es reine Zensur.

    Antworten Teilen
  3. von marlan am 04.01.2013 (16:22 Uhr)

    Die Inhalteanbieter, die sich über Werbung finanzieren, sollten Zugriffe über den Provider vielleicht auch einfach sperren. Ich finde die Finanzierung über Werbung eine sehr faire Finanzierungsform, gerade auch im Hinblick auf ein offenes Web.
    Ein Abo-Modell, für die User, die sich an Werbung stören, halte ich auch für eine gute Option (sofern die Inhalte auch noch weiterhin frei [werbefinanziert] zugänglich sind).

    Antworten Teilen
  4. von Julian am 04.01.2013 (16:26 Uhr)

    Wer Adblocker installiert hat klaut das Internet!

    Antworten Teilen
  5. von Stephan Jäckel am 04.01.2013 (16:44 Uhr)

    Was das Blocken von Werbung mit Zensur zu tun hat, wird wohl nur den emotional von dieser Meldung betroffenen und von Online-Werbung finanziell abhängigen Menschen verständlich sein. Werbung hat NICHTS mit Pressefreiheit zu tun, ja sie hat nicht einmal etwas mit Meinungsfreiheit zu tun, denn als Form der Propaganda will Werbung ja gerade die Meinung machen, statt sie sich frei bilden zu lassen.

    Ansonsten könnte sich hier, sollte der Blocker einmal hundertprozentig funktionieren, eine neue Art des Zugangs zu Werbeopfern (ich bin jetzt mal so dreist, uns Menschen so zu nennen) ankündigen. Denn jetzt könnte zukünftig ein ISP von Werbeagenturen Geld dafür nehmen, dass deren Werbung nicht mehr ausgeblendet wird. Der ISP positioniert sich so als Kundenzugang und datentechnisch gesehen ist er dies. Ob das nun mit einem physischen Werbeblocker in Time-Shift Vedeorekordern, Fernsehern u.ä. gleichzusetzen ist, wird wohl die Gerichte beschäftigen.

    Die nackte Angst im Angesicht möglicherweise sinkender Gewinnmargen, dürften die Worte Zensur und Pressefreiheit noch sehr häufig von der Werbebranche im Zusammenhang mit diesem Fall missbraucht werden. Den Umstand, dass heutige Werbevormen nerven, statt zur sozialen Inetraktion im Sinne von Social Business anzuregen, wird dieser Missbrauch nicht ändern. Und das wiederholte Schreien des Wortes Zensur wird auch nicht die Köpfe von Marketingabteilungen und Agenturen für neue, frische Konzepte im Sinne von Kunden und potentiellen Interessenten frei machen.

    Wer Werbung sehen will, kann ja den Provider wechseln. Und wer seinem Provider nicht vertraut, was die Darstellung von Inhalten betrifft, der sollte sich zunächst darüber im Klaren sein dass jeder im Web ausgegebene Inhalt per se nicht die Realität darstellt, denn aller Output im Web, selbst wenn maschinell zusammengestellt, ist am Ende die Folge der Filterung der Realität durch menschliche Gedanken und Gefühle, sei es nun direkt in einem Text oder in einem Programmcode.

    Antworten Teilen
  6. von Michael am 04.01.2013 (17:43 Uhr)

    @Stephan Jäckel:
    Dass Pressefreiheit ganz viel mit Werbung zu tun hat, würdest Du merken, wenn in der FAZ, SZ und ZEIT keine Anzeigen mehr gedruckt werden dürften.

    Antworten Teilen
  7. von Jensen am 04.01.2013 (20:45 Uhr)

    Ich sage es immer wieder: Jeder Webseitenbetreiber sollte alle Werbeblocker ausschließen. Wenn das viele tun, werden die meisten Menschen ihre Werbeblocker deaktivieren. Es mag ein paar Werbeverweigerer aus Überzeugung geben, aber die wenigen sind für die Industrie ohnehin nicht interessant. Leider haben die Webseitebetreiber noch immer Angst, sie könnten Werbeblocker mit solchen Aktionen verprellen. Dabei ist das völliger Unsinn. Wer ins Kino möchte, muss den Eintritt bezahlen. Und wer kostenlose Seiten besuchen möchte, sollte Werbung zulassen müssen.

    Antworten Teilen
  8. von Till am 07.01.2013 (11:50 Uhr)

    @Jensen: Dein Vergleich hat folgendes Problem: ich geh ins Kino, zahle Eintritt und werde danach mit bis zu 45 Minuten Werbung (z.B. bei Skyfall) belästigt. Dann 2 Minuten "Pause", dann kommt der Eismann — danach geht irgendwann auch mal der Film los.

    Wenn's für mich als zahlenden Kunden ganz schlimm läuft, dann hab ich ne Vorstellung mit Unterbrechung und werde noch einmal belästigt. Nicht zu vergessen, dass ich (nachdem ich die Kinokarte gekauft habe), mindestens noch 3x daran erinnert werde, wie scheiße Raubkopien sind und das die Leute die das machen ins Gefängnis gehen.

    Antworten Teilen
  9. von Stephan Jäckel am 07.01.2013 (23:17 Uhr)

    @Michael

    Bei solchen Äußerungen fällt mir nur ein müdes LOL ein, denn schon Kleinkinder erkennen den Unterschied zwischen Birnen und Tomaten!

    @Jensen

    Für jeden der sein Geschäftsmodell für Nutzer mit Werbeblocker sperrt finden sich fünf neue Anbieter, die es mit einem frei zugänglichen Geschäftsmodell versuchen. Die verhältnismäßig geringen Markteintrittsbarrieren im E-Business und fehlende oder veränderte Markenloyalität erlauben kaum Spielräume für derartige Experimente, die traditionell mit einem sehr hohem Risiko bewertet werden, als Handlungsalternativen also meist ausgeschlossen werden


    Ich bleibe bei meiner Aussage, dass sich die Werbewirtschaft mal an die eigene Stirn fassen und Werbeformen entwickeln sollte, die nicht dazu verführen einen Ad-Blocker einzuschalten, bzw. auf bestimmten Seiten den Ad-Blocker auszuschalten. Rumzuheulen, weil der böse, böse User nach 15 Jahren Werbebannern die Nase voll hat und ihn dafür bestrafen zu wollen, weil man keine Pay-per-view Anzeigen mehr los wird, ist mir zu sehr von gestern.

    Wir wachsen in das Social Business Zeitalter hinein und da sollte die Kreativität von Werbetreibenden schon über lärmende Flash-Animationen mit verstecktem Schließen-Button hinaus gehen!

    Antworten Teilen
  10. von Jensen am 07.01.2013 (23:31 Uhr)

    Noch ist es richtig, dass es stattdessen viele andere frei zugängliche Seiten gäbe. Wenn aber irgendwann 80 Prozent aller User einen Werbeblocker haben (was vermutlich nicht passieren wird, aber nur theoretisch), dürften sehr viele Webseitenbetreiber auf die Idee kommen, Werbeblocker auszuschließen. Und wenn User mit Werbeblocker von Facebook, Google, bild,de, Spielgel-Online und auch noch den Dating-Seiten ausgeschlossen werden, werden die meisten keinen Werbeblocker mehr nutzen, weil der Spaß am Internet einfach verloren geht.

    Ich gebe dir aber recht, dass man auch über neue Werbeformen nachdenken sollte und vielleicht darin die Zukunft liegt. Advertorial wäre zum Beispiel eine Option, über die man nachdenken könnte. Aber bestimmt gibt es auch noch andere Varianten.

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Werbung
Verfolgt zu Werbezwecken: So schiebt ihr Facebook einen Riegel vor
Verfolgt zu Werbezwecken: So schiebt ihr Facebook einen Riegel vor

Seit neuestem nutzt Facebook die Daten seiner Kunden auch verstärkt außerhalb der Plattform, um zielgerichtet Werbung zu schalten. Wir verraten euch, was ihr dagegen unternehmen könnt. » weiterlesen

Neues Feature: Facebook erlaubt Unternehmen, in ihrem direkten Umfeld zu werben [Update]
Neues Feature: Facebook erlaubt Unternehmen, in ihrem direkten Umfeld zu werben [Update]

Mit „Local Awareness“ können Unternehmen einen Radius um ihr Ladenlokal festlegen, in dem Facebook-Nutzer dafür Werbung erhalten sollen. Optional kann die auch direkt zu einer Wegbeschreibung führen. » weiterlesen

Report: So performen Facebook-Anzeigen
Report: So performen Facebook-Anzeigen

Der Social-Media-Benchmark-Report von ExactTarget gibt Auskunft über die Performance von Facebook-Anzeigen. Auch auf branchenspezifische und regionale Unterschiede geht der Bericht ein. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 37 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen