Das könnte dich auch interessieren

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Startups

Zerstören, was verbindet! So genial ist die neue Startup-Strategie der Telekom

    Zerstören, was verbindet! So genial ist die neue Startup-Strategie der Telekom

Telekom-Chef Tim Höttges. (Foto: Presse)

Gerne hätte Telekom-Chef Tim Höttges selbst gegründet. Weil ihm aber eine fürstlich bezahlte Manager-Karriere dazwischengekommen ist, tingelt er heute im Dienst der guten Sache durch die deutsche Gründerszene und gibt etwas zurück. Sein jüngster Coup: eine Internet-Maut für Startups. Doch das ist nur der Anfang eines genialen Geschäftsmodells.

Telekom-Chef hilft deutschen Startups aus der Krise

Tim Höttges hat ein Herz für deutsche Gründer. Der amtierende Telekom-Chef setzt sich gerne für Startups ein, vor allem dann, wenn es ihnen schlecht geht. So geschehen vor einigen Wochen bei Crispy Wallet: Das Papierhüllen für Smartphones und Laptops produzierende Startup aus Berlin geriet nach einem Auftritt in der Höhle der Löwen trotz eines Investments von Frank Thelen in finanzielle Bedrängnis. Zwar wurden Mitarbeiter eingestellt, das innovative Produkt auch verbessert, aber der Umsatz, nun ja, der war halt nicht da.

Aber Tim Höttges war da. Selbstlos nahm er die Produkte von Crispy Wallet in das Sortiment seiner über 1.000 deutschen Telekom-Fillialen auf. Eine Geste, so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche, befand Höttges authentisch und werbeunwirksam in einem auf Vox ausgestrahlten TV-Einspieler vor Millionenpublikum: „Ein Unternehmen ohne Innovationen hat keine Zukunft“, sagte er in die Kamera. Und weiter: „Sehr viel Innovation kommt von frischen, kleinen Unternehmen, die natürlich die Vertriebsoberfläche von großen Unternehmen wie der Deutschen Telekom brauchen“, erklärte er sichtlich stolz. Höttges hat halt verstanden, wie man deutschen Startups auf die Beine hilft.

„Hätte selbst gerne gegründet“

Wie gut er das verstanden hat, zeigt die neue Strategie von T-Venture, dem hauseigenen, seit 1997 bestehenden und durchaus erfolgreichen Beteiligungsarm der Deutschen Telekom. Den nämlich hat Höttges jetzt und nur zwei Jahre nach seinem Amtsantritt schweren Herzens beerdigt.

Gut, das kann man verstehen. Zwar trug man mit frühen Beteiligungen an deutschen Vorzeige-Startups wie MyTaxi, KaufDa oder Wunderlist zum Aufschwung der hiesigen Gründerszene bei, doch geschenkt: Das Silicon Valley, wo Höttges künftig stärker investieren will, werfe halt mehr Innovationen ab. Das ist wichtig! Denn Höttges geht es immer um Innovationen, nie um Kohle. Eben deshalb sind auch die laufenden Gerüchte, die Schließung von T-Venture sei nur aufgrund fehlender Erträge zustande gekommen, eben nichts als Gerüchte.

Telekom-Chef Tim Höttges. Hier im Dienst der guten Sache auf  der Langen Nacht der Startups in Berlin. (Foto: CC BY-ND / Gründerszene)
Telekom-Chef Tim Höttges. Hier im Dienst der guten Sache auf der Langen Nacht der Startups in Berlin. (Foto: CC BY-ND / Gründerszene)

Höttges aber würde sich nicht im hippen Licht von Events wie jüngst der „Langen Nacht der Startups“ sonnen, könnte er die im Vergleich zu den USA ohnehin schon klamme Gründerszene in Deutschland nicht mit einem üppigen Trostpreis beglücken. Dieser Trostpreis heißt „Spezialdienste“ und konnte von Höttges aus dem Hut gezaubert werden, weil die Europäische Union ganz ohne seinen Einfluss das Zwei-Klassen-Internet beschlossen hat. Bedeutet: Bestimmte Online-Dienste genießen künftig Vorfahrt in den Glasfaserkabeln, wenn sie denn bereit sind, Netzanbieter wie die Telekom dafür zu bezahlen. Das - bei Höttges macht es klick – verschafft klammen Startups einen gewaltigen Wettbewerbsnachteil.

Darum hat Höttges – selbst agil wie ein Startup – auch keine 24 Stunden nach dem Urteil reagiert und eine Lösung präsentiert: „Nach unseren Vorstellungen bezahlen sie [die Startups] dafür im Rahmen einer Umsatzbeteiligung von ein paar Prozent“, teilte er getrieben von Altruismus mit. In Zukunft also sollen Gründer, die in den ersten Jahren selbstredend hohe Umsätze machen, sich üppige Gehälter auszahlen und ohne jeden regulatorischen Druck von Behörden und Investoren in Windeseile ein profitables Geschäftsmodell aufbauen, sogar für eine gesicherte Übertragung ihrer Datenpakete zahlen dürfen. Eine geniale Idee. Hätte Höttges doch „selbst gerne mal gegründet“ statt in die fürstlich bezahlte Manager-Laufbahn eines Großkonzerns einzusteigen.

Das wird Höttges’ nächstes große Ding

Die Umsatzbeteiligung ist aber erst der Anfang der neuen Förderstrategie von Höttges. Zwar hat er sich dazu bislang noch nicht geäußert, denkt man seine Pläne für die deutschen Startups logisch weiter, lässt sich sein nächster Coup aber schon erahnen: Schnelleres Internet im Tausch gegen Anteile. Damit ist jedem Gründer geholfen. Einen ähnlich wohlklingenden Namen wie „Spezialdienste“ hätten wir für dieses Rettungspaket auch schon:

Wie wär’s mit „Internet for Equity“, Herr Höttges?

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Telekom, Startups

Alle Jobs zum Thema Telekom, Startups
8 Reaktionen
BastianBalthasarBux
BastianBalthasarBux

Haha, danke für die nette Glosse,
hab schon lange nicht mehr so laut lachen können, über den Blödsinn den unsere Politiker verbocken.
Danke noch mal, und Pfiat'enk! ;)

Antworten

Thomas Finger
Thomas Finger

Die Telekom ist nun offiziell ein Fall für das Kollektiv! Willkommen schöne, neue Welt!

Antworten

Bestandskunde
Bestandskunde

In einem Land, zu dessen existentieller Grundlage die freie Geschwindigkeit auf den Autobahnen gehört, ist die Beschränkung auf den Datenautobahnen schon erstaunlich.
Aber das Modell der "Beteiligung am Gewinn" wird ja in größerem Rahmen durch den "Verkauf" von T-Online an den Werbevermarkter Ströer anvisiert. Hier durch Aktienanteile. Nun, die findet man bei Startups natürlich eher selten. Aber das Geschäftsmodell für Telekom ist klar.
Das spezifische Biotop aus ehemaligem staatlichen Monopolisten und hippen Finzanzjongleuren wird sicher noch andere Geschäftsmodelle hervorbringen.
Waren es früher die verbeamteten Regularien, deren Opfer oft genug der Kunde war und die sich wie Mehltau über die technischen Entwicklungen gelegt hatten, so ist es heute die Verpflichtung des Konzerns gegenüber den Fonds und institutionalisierten Anlegern, die gut dreiviertel der "Volksaktien" in ihren Depot halten. Die wollen Geschäftsmodelle sehen, die das Geld in ihre Richtung fließen lassen.
Die Telekom macht nur den Vorreiter, die anderen werden folgen. Insofern liegt die Basis dieser "Reform" bei den Entscheidern in Brüssel. Man kann also den Anbietern nicht nur zu dem bunten Strauß neuer Geschäftsmodelle gratulieren, das nun zusammengesteckt werden wird, sondern auch zur erfolgreichen Lobbyarbeit in Brüssel.
Na und kommt Leute, die Szene wird dran arbeiten, Tricks und Hacks zu entwickeln, das System auszutricksen... Immerhin für Sport, Spiel und Spannung ist gesorgt.

Antworten

Rene
Rene

Als moderne Schutzgelderpressung oder Wegezoll würde ich das bezeichnen.

Antworten

gute Startups
gute Startups

Schlanke Seiten laden schneller. Die coolen (aber ultra-gefährlichen) Autobahn-Racer-Überhol-Videos sind nicht mit extrabreiten Hummer-Autos sondern mit schlanken Motorrädern.

Davon abgesehen sollte man darauf bestehen das man seine bezahlten 20Mbit/sek als non-Extra-Spur-Kunde auch bekommt. Darum gehts in der Presse leider nie.

Das Internet4Equity-Prinzip klingt aber nicht schlecht. Dann könnte man seine Hosting-Center auch mit Kunden bestücken wenn nicht Amazon die Übermacht der Clouds4Startups wäre und die ganzen anderen Clouds (M$, Google,...) irgendwie andere Zielgruppen ansprechen müssen.

So lange die Investment-Runden im Hinterzimmer zugeteilt werden und nicht (wie es gute Finanzminister machen würden) als VERSTEUERTE Auktion, stellt sich die Frage ob sowas wie Traffic4Equity überhaupt kritikwürdig ist. Glasfaser liegt seit 10 Jahren oder so viel viel viel viel viel mehr als nötig in der Erde herum und ist oft sogar abgeschaltet.
Der Gründer von Steganos und Aki-Aka meinte mal in einem Online-TV-Interview das die Investoren immer eigene Ziele hätten. Die Startup-presse berichtet aber fast nie darüber und tut so als ob es Schulbuch-investments wären. Dem ist aber nicht so. Der Steuerberater weiss vermutlich sehr gut worum es wirklich geht. Leider sehe ich keine Kommentare von Steuerberatern in der Startup-Presse :-( Berichte über Formel-1 sind informativer und haben mehr Hintergründe als die fast schon aus dem Automaten (wie bei '1984' wo Romane fürs Volk so wie Daily-Soaps in "Pressen"(?) oder so also vermutlich Template-basiert relativ automatisiert produziert werden, Robo-"Groschen-Romane") stammenden und immer wieder gleich klingenden Startup-Cashburner-Jubel-Meldungen.

Keiner wird gezwungen, bei T-Investment mitzumachen. Bei guten und seriösen Wachstums-Cashburnern stehen die Investoren Schlange. Ihr habt sicher eine Liste...

Davon wird so getan als ob es keine Clouds gäbe. Amazon und Google werden schon schauen das ihre Cloud-Datenpakete schnell beim Kunden sind.
Netflix outet die Geschwindigkeiten der Provider und Kunden aller Länder regelmäßig obwohl die Qualitäts-Presse das schon zu Zeiten des Neuen Marktes selber hätte machen können. TV-Zuschaueranteile werden täglich gemessen und IVW-Zahlen monatlich oder so.
Wenn AirBnB auf ihren Maps aufzeigen welches die Lamer-Länder des Internets sind, kann man auf der anderen (besseren, Wifi-Freundlichen) Seite der Grenze Urlaub machen.

Antworten

Benjamin
Benjamin

"Keiner wird gezwungen, bei T-Investment mitzumachen"
- Das stimmt, aber geht am Kern der Sache vorbei. Wer ein Produkt auf den Markt bringen möchte, das eine schnelle Internetanbindung benötigt, wird gezwungen, da mitzumachen. Man kann natürlich trotzdem drauf verzichten, aber, hey, kann sein, dass es das Produkt dann schwer hat. Und wir wollen doch nicht, dass Deinem wunderbaren Produkt irgendetwas zustößt, oder?

"Amazon und Google werden schon schauen das ihre Cloud-Datenpakete schnell beim Kunden sind."
- Was haben die denn jetzt damit zu tun? Als würden Amazon oder Google dann für die Startups in die Bresche springen und deren Zusatzkosten für "Spezialdienste" übernehmen.

Antworten

Ribert
Ribert

Umsatzbeteiligung für das Internet also. Warum verstaatlichen wir die Telkos dann nicht gleich einfach und erhöhen die Steuern für alle möglichst niedrig?

Hab auch ganz viele schlaue Ideen.

Antworten

Bob
Bob

Die Bundesrepublik hält doch ohnehin schon ca. 30% der Telekomaktien

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen