Drücke die Tasten ◄ ► für weitere Artikel  

Internet-Meme: Von 4chan, LOL-Cats und Harlem Shake [#rp13]

Internet-Meme und Witze haben eines gemeinsam: Sie zu erklären verdirbt ein bisschen den Spaß daran. Die Beschäftigung mit Memen aber und die Frage, warum beispielsweise Katzenbilder im Netz so unglaublich erfolgreich sind, ist hoch spannend. In einem kurzen Abriss auf der re:publica haben Christian Heller und Snibeti Snab sich dem Thema genähert.

Internet-Meme: Von 4chan, LOL-Cats und Harlem Shake [#rp13]

Internet-Meme: Ignoranz des Urheberrechts und Anonymität der Masse

Zwei Experten auf dem Gebiet der Internet-Meme: Christian Heller und Snibeti Snab. (Foto: t3n.de)
Zwei Experten auf dem Gebiet der Internet-Meme: Christian Heller und Snibeti Snab. (Foto: t3n.de)

Meme sind ein faszinierendes Phänomen. Warum etwa Katzenbilder, das Harlem-Shake-Video oder andere meist skurril-witzige Inhalte im Netz sich rasant verbreiten, andere aber nach kurzer Zeit wieder verschwinden, ist oft ein Rätsel. Für viele zumindest. Nicht so für Christian Heller alias „Plomlompom“ und Nils Dagsson Moskopp alias „erlehmann“ alias „Snibeti Snab“ – quasi das lebende Mem. Sie beschäftigen sich intensiv mit Memem und haben in einem kurzen Abriss auf der re:publica erlärt, woher dieser Kultur kommt und welchen Mechanismen sie gehorcht.

Dabei sind keine Erfindung des Internet-Zeitalters. Zwar haben wir bei diesem Begriff heute extrem populäre YouTube-Videos, sprachliche Formeln wie LOL oder ROFL, die inzwischen im Mainstream angekommen sind, oder künstlerische Ausdrucksformen wie Lolcats – Katzenbilder mit witzigen Texten – im Kopf, Meme oder virale Geschichten aber sind beispielsweise auch Witze oder Märchen, die früher mündlich verbreitet wurden.

Und auch im 20. Jahrhundert finden sich etliche Vorläufer der heutigen Meme. Die RTTY-Art etwa, mit der sich Amateurfunker von Katzenbildern bis hin zu pornografischen Motiven alles Mögliche hin- und hergeschickt haben und die untereinander weiterverbreitet wurden – eine Vorform von Tumblr, wenn man so will. Und auch das Smiley gehört dazu, ebenso wie die ASCII-Kunst, bei der am Anfang nicht Katzen, sondern Kühe viral gingen. Wichtig dabei und wichtig für die Entwicklung von Memen von Anfang: die Ignoranz gegenüber jeglichen Fragen des Urheberrechts und die Anonymität der Masse.

Internet-Meme: Nur, was viral ist, überlebt

Waren in den Anfangsjahren des Internets noch private Internetseiten die wichtigsten Quellen für Meme, kamen ab den 2000ern immer stärker Multimedia-Foren und Netzwerke als „Mem-Ökosysteme“ auf – mit jeweils eigener Mem-Kultur: Videos bei YouTube, Text-Meme bei Twitter, Fotos bei Tumblr. Zu den bekanntesten Plattformen gehören nach wie vor die Image-Boards wie 4chan, bei denen es zum Prinzip gehört, dass Beiträge verschwinden, wenn sie auf kein Interesse mehr stoßen. Es überleben also nur Inhalte mit viralem Potenzial. Es überleben nur die Meme.

Dass die dabei gar nicht immer einer breiten Öffentlichkeit bekannt werden, sondern teilweise nur in einem bestimmten Land oder einem bestimmten Netzwerk, mag erst einmal erstaunen, doch auch Meme haben ihre Zielgruppen – und was wir mit dem Gangnam-Video oder den LOL-Cats erleben, ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs.

Doch nicht nur Geeks und Nerds interessieren sich für die Mem-Kultur und ihre Wurzeln, auch immer mehr Dokumentationen und wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich mit diesem Thema und mit den Frühformen der Mem-Kultur – Mem-Kataloge wie knowyourmeme.com oder Wikis wie die Encyclopedia Dramatica sammeln riesige Bestände an Memem und über Meme.

Lassen sich Internet-Meme lancieren?

Und natürlich fragen sich auch Marketing-Agenturen und Werber, wie Meme funktionieren – ein Geheimrezept für virale Videos etwa wäre eine Goldgrube. Und immer wieder wird auch diskutiert, ob sich Meme, die eigentlich ein Produkt der Massen sind, lancieren lassen. So steht der Harlem Shake zum Beispiel nach wie vor unter Verdacht, ein bewusst lancierter Marketing-Gag zu sein.

Christian Heller ist da skeptisch. Meme ließen sich nur bedingt produzieren. Aber es gebe einige Faktoren, die eine Rolle spielen und wer die kenne, können zumindest ein wenig Einfluss nehmen. Emotionale Geschichten etwa funktionierten immer besser, und die LOL-Cats beispielsweise seien auch deshalb so unglaublich erfolgreich, weil sie den Menschen die Möglichkeiten bieten, sie zu verändern. Solche Inhalte hätten per se bessere Chancen als unveränderbarer Content.

Wer noch tiefer in das Thema der Internet-Meme einsteigen will, findet auf der Internetseite von Christian Heller und Snibeti Snab erstens ihre Folien samt Links – im Juni dann kommt ihr Buch „Internet-Meme – kurz & geek“ in den Handel, der Versuch einer Typisierung und eine Anleitung für die Entwicklung und Verbreitung von Memen.

Weiterführende Links

34 Shares bis jetzt – Dankeschön!

Bewerten
VN:F [1.9.22_1171]
4 Antworten
  1. von iKommentar am 09.05.2013 (08:17Uhr)

    Ich vermute, dass bereits einige Firmen Memes zu Werbezwecken nutzen. So gab es bereits Fotos auf 9gag die ganz sicher Werbung für die Marke Razor machen sollten.
    Es war zu offensichtlich, dass die dort abgebildeten "Gamer" nur Razor Produkte in der Hand hielten....und immer mit sichtbarem Logo.

  2. von Franziska Malin via facebook am 09.05.2013 (11:12Uhr)

    und noch mehr catcontent gab's hier: http://www.youtube.com/watch?v=wG_EbEUboxo

  3. von Die EU-Datenschutzreform als Balanceakt… am 09.05.2013 (13:48Uhr)

    [...] Internet-Meme: Von 4chan, LOL-Cats und Harlem Shake [#rp13] - t3n News [...]

  4. von Meme 2013: Darauf ging das Internet stei… am 23.12.2013 (17:14Uhr)

    […] etwaigen Wissenslücken zu schließen und präsentieren euch hier eine Liste der zehn wichtigsten Meme des […]

Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Meme
Meme 2013: Darauf ging das Internet steil
Meme 2013: Darauf ging das Internet steil

Worüber hat sich die Netzgemeinde im Jahr 2013 immer und immer wieder amüsiert, bis es wirklich niemand mehr sehen wollte? Wir werfen einen Blick auf die zehn erfolgreichsten Meme des Jahres. » weiterlesen

Doge-Meme-Easteregg: YouTube-Suche im Comic-Stil
Doge-Meme-Easteregg: YouTube-Suche im Comic-Stil

Ein neuen Easteregg geht um: „doge meme“ verändert die Schriftart- und farbe in der YouTube-Suche. Eine schöne Spielerei. » weiterlesen

#whaling oder: Warum das Netz schon wieder verrückt spielt
#whaling oder: Warum das Netz schon wieder verrückt spielt

Planking? Tebowing? Das ist alles Schnee von gestern. Wer am Ball bleiben will, der muss sich schon mit #whaling beschäftigen. Wir zeigen euch, worum es bei dem neuen Mem geht. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 35 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen