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„Auf lange Sicht sind alle Versuche einer zentralen Kontrolle dem Untergang geweiht!“ – Pieter Hintjens im Interview über das IoT [Sponsored Post]

„Auf lange Sicht sind alle Versuche einer zentralen Kontrolle dem Untergang geweiht!“ – Pieter Hintjens im Interview über das IoT [Sponsored Post]

Pieter Hintjens ist Keynote-Speaker der „Internet of Things Conference“ (IoTCon) und MobileTechCon. Im mit Thomas Wießeckel, Redakteur beim Online-Portal entwickler.de, spricht er über die in der IoT-Landschaft.

internet of things IoT

Die IoTCon bietet vom 14. bis 17. März 2016 in Berlin eine optimale Plattform für Developer, Designer, Unternehmer und Bastler, die mehr als 90 hands-on-Workshops und Vorträge rund um Smart Homes, Connected Cars, Wearables und die Industrie 4.0 erwartet. Ergänzt wird das Programm von der parallel stattfindenden MobileTech-Conference, die als führende Konferenz für Mobile-Technologien, -Development und Innovation Experten aus allen Bereichen der mobilen Produktentwicklung zusammen führt. Wer sich noch zum 18. Februar für die Konferenz anmeldet, bekommt ein Android-Tablet kostenlos.

Pieter Hintjens, CEO von iMatix Corporation, Autor und Software-Entwickler, hat jahrelange Erfahrung im Bau großangelegter Software-Systeme und ist unter anderem Gründer von ZeroMQ. In seiner Keynote „Growing the Internet of Things“ spricht der IoT-Experte über Lebendige Systeme in der IoT-Landschaft.

Thomas Wießeckel: Im Moment scheint es, als ob viele Unternehmen und Organisationen an Lösungen arbeiten, die auf zentralisierten und propritären Systemen basieren und nur über Protokolle von Drittanbietern verbunden werden können. Stimmt das, oder ist die aktuelle Situation doch nicht ganz so schlimm?

Pieter Hintjens: Das scheint größtenteils zuzutreffen. Jenseits des Konzernmarketings existieren jedoch auch viele kleinere und weniger sichtbare Projekte, die offene Protokolle und Stacks aufbauen. Ich denke, dass wir hier eine Wiederholung des alten Kampfes erleben, der in den 80ern und 90ern zwischen zentralisierten, in Firmenbesitz befindlichen Netzwerken, und dem Internet ausgetragen wurde. Natürlich wissen wir alle, welches Modell damals gewonnen hat.

Wießeckel: Allgemein gesprochen: Gibt es zu viele Protokolle?

Hintjens: Es kann nie zu viele Protokolle geben. Wir als Industrie lernen noch, wie wir Milliarden von Geräten miteinander verbinden können. Jedes Protokoll ist ein Experiment. Manche gelingen, die meisten scheitern. Wenn wir zu einer wissenschaftlich fundierten Lösung gelangen wollen, müssen wir viele Experimente durchführen – je mehr desto besser.

internet of things
Pieter Hintjens, Autor und Software-Entwickler, ist Keynote-Speaker der „Internet of Things Conference“ (IoTCon) und MobileTechCon

Wießeckel: Welches sind, Ihrer Meinung nach, die Schlüsselfaktoren, die über den Erfolg in der gegenwärtigen IoT-Landschaft entscheiden?

Hintjens: Es gibt mehrere konkurrierende Faktoren nebeneinander. Einerseits die Tatsache, dass „altes Geld“ sehr großen Einfluss hat, wie ich es nenne. Wer kann schon neuen Technologien von Google, Amazon, Microsoft oder IBM widerstehen?

Dann lassen sich aber auch radikal neue Innovationen aus China beobachten, ganz undramatisch. Jedes Kind träumt zum Beispiel davon, ein Hoverboard zu besitzen. Das wurde nun von unbekannten Ingenieuren in Shenzen entwickelt, die im Shanzai-Modell der offenen Hardware arbeiten. Das gleiche Modell bringt Computer mit WiFi-Verbindung hervor, die nur wenige Euro kosten. Es baut auf Produkt-Lebenszyklen von wenigen Wochen auf.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie diese radikal-innovativen chinesischen Hardware-Designer den IoT-Markt angreifen. Werden sie auf die zentralisierten, firmeneigenen Protokolle setzen? Oder nach etwas anderem suchen?

Wießeckel: In Ihrer Keynote „Growing the Internet of Things“ werden Sie über den Ansatz der „lebendigen Systeme“ sprechen. Was heißt das genau?

Hintjens: Lebendige Systeme sind wie die freie Wirtschaft: Dezentral, robust, ungeplant und im Besitz aller Beteiligten. Ich sage, dass die Zukunft des so aussehen wird – ob es uns gefällt oder nicht. So ähnlich wie das gegenwärtige Internet. Auf lange Sicht sind alle Versuche einer zentralen Kontrolle dem Untergang geweiht, selbst wenn es temporäre Machtzentren wie Google und Facebook gibt. Ich fordere die Teilnehmer der Konferenz dazu auf, die Dynamiken des Wettbewerbs und der Dezentralisierung zu verstehen. Darin liegt die Zukunft.

Über lebendige Systeme habe ich viel auf meinem Blog geschrieben: hintjens.com/blog:74

Wießeckel: Was bedeutet ein solcher Ansatz? Müssen wir alles, was wir bisher erreicht haben, noch einmal überdenken?

Hintjens: Auf keinen Fall. Jedes Design ist, wie schon gesagt, ein Experiment, sodass wir etwas daraus lernen. Wir haben zum Beispiel gelernt, dass „sicher“ im Jahr 2016 etwas ganz anderes bedeutet als noch vor nur fünf Jahren. Von der heutigen IoT-Technologie wird in fünf oder zehn Jahren auch nur noch sehr wenig existieren. Ich bin mir allerdings sicher, dass wir uns vorwärts bewegen und die Träume einer Welt der intelligenten Geräte, die bewusst handeln, verwirklichen werden.

Zum Zeitplan der Internet of Things Conference

Zum Zeitplan der MobileTech Conference

2 Antworten
  1. von grep am 10.02.2016 (11:30 Uhr)

    Hallo ...,

    'IoT' könnte ggf. zur totalen, anlasslosen, willkürlichen und unbefugten (Massen-)Überwachung durch Dritte führen - 'IoT'-Vernetzungen stellen (potentiell) eine große Gefahr dar.

    Jedes 'Ding' erfasst dann ihre (privaten) Daten ...; eine Welt voll mit Spionagewerkzeugen.
    Aber ..., die 'Massen' sind begeistert, da die 'Massen' naiv, unwissend, gleichgültig und bequem sind !

    Erinnert dies nicht irgendwie an die 'Terminator'-Reihe ?!


    Ciao, Sascha.

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  2. von Rück-Kanal am 10.02.2016 (13:35 Uhr)

    Lies 1984. Da gabs einen Rückkanal im TV und es wurden Templatebasierte TV-Serien produziert oder so.

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