t3n News Startups

Zum Anbeißen: Schoko-Sensoren und andere Startup-Ideen für das Internet of Things

Zum Anbeißen: Schoko-Sensoren und andere Startup-Ideen für das Internet of Things

Das Motto des CODE_n-Wettbewerbs auf der 2015 lautet „Into the Internet of Things“. Unter dieser Leitidee haben die Veranstalter 50 vielversprechende Tech-Startups nach Hannover gelockt. Wir stellen euch fünf von ihnen vor.

Zum Anbeißen: Schoko-Sensoren und andere Startup-Ideen für das Internet of Things

Die IoT-Sensoren von relayr. (Foto: relayr)

CODE_n: Startup-Wettbewerb entführt in das Internet of Things

Das ist nicht nur auf der CeBIT in aller Munde. Und auch wenn nicht alle Beobachter von einem handfesten Siegeszug sprechen würden: Immer häufiger tauchen Lösungen auf, die unseren Alltag tatsächlich ein kleines Stückchen besser machen. Diese fünf präsentieren sich momentan im Rahmen des CODE_n-Wettbewerbs. Ihre Ideen könnten Schule machen.

Parkplatzsuche per App: parkpocket ist einer der CODE_n-Finalisten auf der CeBIT 2015. (Screenshot: parkpocket)
Parkplatzsuche per App: parkpocket ist einer der CODE_n-Finalisten auf der CeBIT 2015. (Screenshot: parkpocket)

1. parkpocket: Mobile Parkplatzsuche made easy

Gleich mehrere CODE_n-Startups auf der CeBIT 2015 beschäftigen sich mit dem Thema Smart Mobility. Eines von ihnen ist parkpocket, das die Parkplatzsuche in deutschen Städten vereinfachen will. Zu diesem Zweck zapft es die Informationen aus lokalen Parkleitsystemen an und verbindet sie mit statischen Daten der Parkhaus-Betreiber. Nutzer der parkpocket-App können in der mobilen Kartenansicht schnell überblicken, in welchem Parkhaus noch freie Plätze zu Verfügung stehen, Zusatzinformationen wie etwa Öffnungszeiten oder Verfügbarkeit von Frauenparkplätzen abrufen und mit einem integrierten Kalkulator den Preis für ihre voraussichtliche Parkdauer errechnen. Haben sie sich für ein Parkhaus entschieden, navigiert die App sie auf Wunsch auch dorthin.

cebit-banner

Die App ist für Nutzer kostenlos – Geld verdienen will das momentan achtköpfige Team von parkpocket über Kooperationen mit Anbietern von Navigations-Software und aus dem Connected-Car-Segment. Denn, so sagt COO Benedikt Bergander: „Für die sind unsere Daten unglaublich wertvoll.“ Seit Oktober 2014 ist das Startup im Wayra-Accelerator von Telefónica, seinen Sitz hat es mittlerweile von Rottweil nach München verlegt. Im Frühjahr steht außerdem die Investorensuche für eine Series-A-Finanzierung an.

2. relayr: Die Macher der „WunderBar“

Das Team von relayr.io dürfte vor allem für sein Produkt bekannt sein, das es vor einigen Monaten auf den Markt gebracht hat: die WunderBar, ein Sensoren-Starter-Kit für das Internet of Things. In Form einer Schokoladentafel liefert es Tüftlern und Entwicklern einen Infrarot-Transmitter, ein Mikrofon, Licht- und Temperatur-Sensoren sowie ein Gyroskop. Komplettiert wird das Set durch ein Brückenmodul zum Anschluss an Arduino und Raspberry Pi sowie das Hauptmodul, das die Sensoren kontrolliert und die gewonnenen Daten in die Cloud sendet.

Aufbau der WunderBar von relayr. Grafik: relayr)
Aufbau der WunderBar von relayr. (Grafik: relayr)

Die Cloud-Plattform von relayr sei das eigentlich Besondere, erklärt Will Andrews auf der CeBIT. Von hier können Entwickler die gewonnenen Daten weiterverarbeiten, teilen und in ihre Software-Projekte einbinden. Relayr stellt zudem SDKs für iOS, Android, C#, Python, HTML 5 und Node.js zur Verfügung.

2013 hat relayr-Gründer Harald Zapp seinen Job bei Cisco aufgegeben, um sich ganz auf die Potenziale der Sensortechnologie konzentrieren zu können. Starthilfe haben er und sein Team durch den Accelerator Startupbootcamp Amsterdam bekommen. Im Frühjahr 2014 folgte die erfolgreiche Crowd-Finanzierung der WunderBar. Seither hat relayr neben diversen Preisen auch 2,3 Millionen US-Dollar Risikokapital eingeheimst und den Großhändler Conrad Electronics als Partner gewonnen. Dort lässt sich die WunderBar für etwa 180 Euro erstehen. Besonders freue sich das Startup über das hohe Interesse seitens etablierter Konzerne, sagt Andrews: „Ursprünglich haben wir gedacht, dass die WunderBar vor allem ein Produkt für die Maker-Szene sein würde. Mittlerweile arbeiten wir mit Konzernen wie Bosch oder Salesforce zusammen.“

3. Hudway: Das Smartphone in ein Head-Up-Display verwandeln

Das Startup Hudway aus Lettland hat eine App entwickelt, die die Beschaffenheit der Straße sowie die aktuelle Geschwindigkeit des Autos von innen auf die Windschutzscheibe projiziert. So können Autofahrer vor allem in schlechten Sichtverhältnissen Kurven antizipieren, ohne ihre Augen von der Straße nehmen zu müssen. Es muss nur das Smartphone auf dem Armaturenbrett platziert werden.

„Head-Up-Displays sind ein riesiges Thema im Bereich Connected Cars.“

Die Hudway-App nutzt den im Smartphone integrierten GPS-Sensor und greift auf Kartenmaterial von Apple Karten, Google Maps und Open Streetmap zurück. Einmal berechnet, kann die App die Route auch im Offline-Modus wiedergeben. Seit Oktober 2013 ist sie in den App-Stores verfügbar und ist schon mehr als eine Million Mal heruntergeladen worden. Allerdings funktioniert der Spiegel-Effekt tagsüber nicht optimal – die Reflektion auf der Windschutzscheibe ist bei hellem Licht nur schlecht zu erkennen. Daher hat das Startup ein zusätzliches Display entwickelt, in das sich das Smartphone legen lässt und das den Effekt verstärkt. „Damit sind wir die erste Firma, die ein Smartphone wirklich in ein effektives Head-Up-Display verwandeln kann“, sagt CEO Ivan Klabukov selbstbewusst.

Für sein Zusatz-Display will Hudway im Sommer eine Crowdfunding-Kampagne anschieben. Das fünfköpfige Team will auf der CeBIT vor allem Autohersteller und GPS-Anbieter kennenlernen, sagt Klabukov: „Head-Up-Displays sind ein riesiges Thema in der Branche. In der Zukunft werden Autofahrer darüber entscheiden können, welche Darstellungsform sie für die jeweilige Fahrt bevorzugen.“ Mit etwas Glück kommt der integrierte Windschutzscheiben-Bildschirm dann aus dem Hause Hudway.

4. Smarter Haustür-Öffner: kiwi.ki

Mit kiwi.ki sollen die Zeiten, in denen man voll bepackt vor der Haustür steht und umständlich nach seinem Schlüssel kramen muss, schon bald der Vergangenheit angehören. Anders als viele andere Startups, die ebenfalls smarte Türschlösser entwickelt haben, nimmt kiwi.ki dabei die Haustüren von Mehrfamilienhäusern ins Visier: Über einen hinter dem Klingelschild eingebauten Sensor, der mit einem mobilen Transponder kommuniziert, löst die Haustür, sobald der Nutzer sich nähert, automatisch den Öffnungsmechanismus aus. Auch das Smartphone kann so in der Tasche bleiben.

Mit diesem Fokus hat kiwi.ki sich ein besonders hohes Kooperationspotenzial erschlossen. Die Berliner Feuerwehr, die Deutsche Post und verschiedene Recycling-Unternehmen haben in Berlin schon Straßenzüge mit Sensoren ausgestattet und testen das kiwi.ki-System. Denn ihre Angestellten müssen heute häufig Hunderte von Schlüsseln mit sich führen oder an der Tür warten, bis ein Hausbewohner öffnet – kiwi.ki könne nicht nur Zeit sparen, sondern im Notfall sogar Leben retten, erklärt Mitgründer Christian Bogatu beim CODE_n-Startup-Pitch. Die degewo, eines der größten Berliner Wohnungsunternehmen, will kiwi.ki ebenfalls verstärkt einsetzen.

Privatpersonen können kiwi.ki auch schon kaufen, nach Genehmigung seitens der Hausverwaltung übernimmt das Startup zumindest in Berlin den Einbau des Sensors. Der dazugehörige Transponder kostet 25 Euro, für die monatliche Nutzung werden pro Nutzer drei weitere Euro fällig. Derzeit arbeitet kiwi.ki mit Hochdruck daran, die Haustür-Lösung durch ein korrespondierendes System für die eigene Wohnungstür zu ergänzen.

5. Cozify: Das smarte Zuhause anbieterübergreifend steuern

Einfache Smart-Home-Steuerung mit der Cozify-App. (Screenshot: Cozify)
Einfache Smart-Home-Steuerung mit der Cozify-App. (Screenshot: Cozify)

Cozify ist ein finnisches Startup, das es seinen Nutzern ermöglichen will, verschiedenste Smart-Home-Anwendungen zentral zu verknüpfen und zu steuern. Dazu hat es einen hübschen IoT-Hub fürs Zuhause mit einer korrespondierenden App entwickelt.

Der Cozify-Hub erkennt die in der Wohnung installierten Smart-Home-Anwendungen über das WLAN und ermöglicht so die Integration in die App. Spannender als das Portfolio an möglichen Smart-Home-Devices, die sich über Cozify verknüpfen lassen, ist allerdings die App, die die Finnen entwickelt haben: Design und Usability sind mit Blick auf den Massenmarkt entwickelt worden und machen es besonders einfach, das eigene smarte Zuhause zu kontrollieren. Der Schlüssel dazu liegt, wie Tony Risikko von Cozify erklärt, in der Definition von Regeln, etwa: „Wenn ich den Raum betrete, dann geht das Licht an“. In der Cozify-App ist diese Regel mit einem einfachen Finger-Wisch erstellt, zudem können Nutzer ihre Einstellungen auch temporär teilen, wenn zum Beispiel Gäste im Haus sind.

Der Cozify-Hub kostet 150 Euro, aktuell ist das Startup auf der Suche nach Distributionspartnern.

Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
2 Antworten
  1. von Arne am 18.03.2015 (15:40 Uhr)

    Der WunderBar ist bei Conrads teurer geworden: 179,95€

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Internet of Things
CODE_N: 50 Internet-of-Things-Startups präsentieren sich auf der CeBIT
CODE_N: 50 Internet-of-Things-Startups präsentieren sich auf der CeBIT

Auf der CeBIT 2015 ist es wieder soweit: CODE_n zeigt die 50 Finalisten des Startup-Wettbewerbs und bietet ein umfangreiches Vortragsprogramm. » weiterlesen

Internet of Things statt Smartphone: Mozilla dreht Firefox OS endgültig ab
Internet of Things statt Smartphone: Mozilla dreht Firefox OS endgültig ab

Der Software-Anbieter gibt sein mobiles Betriebssystem auf. In Zukunft will sich Mozilla stärker auf Lösungen für das Internet of Things konzentrieren. » weiterlesen

„Die dunkle Seite organisiert sich“ – Bitdefender-CEO Florin Talpes über Hacker, Viren und das Internet of Things  [DLD16]
„Die dunkle Seite organisiert sich“ – Bitdefender-CEO Florin Talpes über Hacker, Viren und das Internet of Things [DLD16]

2016 wird das Jahr, in dem verstärkt kleine Unternehmen das Ziel von Cyber-Erpressung werden, sagt Florin Talpes, CEO des rumänischen Antiviren-Herstellers Bitdefender. Wir haben ihn auf der DLD in … » weiterlesen

Alle Hefte Jetzt abonnieren – für nur 35 €

Kennst Du schon unser t3n Magazin?