Das könnte dich auch interessieren

Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Karriere

Interview mit einer Ghostwriterin: Geschrieben von Geisterhand

    Interview mit einer Ghostwriterin: Geschrieben von Geisterhand

(Foto: © XiXinXing – iStock.com)

Ghostwriter schreiben die Arbeiten von anderen – und treten selbst nicht in Erscheinung. Auch in diesem Interview bleibt unsere Gesprächspartnerin anonym, denn das, was sie tut, ist illegal.

Was viele Ghostwriter tun, ist illegal: Seminararbeiten und Referate, Bachelor- und ganze Doktor-Arbeiten schreiben sie – für Geld. Während beispielsweise Redenschreiber in Politik und Wirtschaft etabliert und angesehen sind, arbeiten Ghostwriter in der Wissenschaft jedoch im Hintergrund und anonym. Wir haben eine Frau getroffen, die genau damit einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreitet, und mit ihr gesprochen – über ihre Arbeit, über das Geld und über Gewissensbisse.

silhouette
Was viele Ghostwriter tun, ist illegal. Deshalb bleiben sie anonym. (Foto: © XiXinXing – iStock.com)

t3n.de: Was bedeutet es als Ghostwriter zu arbeiten?

Ghostwriterin: Wenn jemand eine Woche vor Abgabe der Arbeit auf mich zukommt und Hilfe braucht, dann lebe ich nicht mehr, sondern funktioniere nur noch. Einmal habe ich es so geschafft, innerhalb von fünf Stunden 15 Seiten zu schreiben. Wie ich das geschafft habe, weiß ich bis heute nicht. Aber es musste getan werden, also habe ich es gemacht. Die Note war gut.

t3n.de: Wie viele Arbeiten schreibst Du im Jahr?

Ghostwriterin: Im Schnitt sind das 16 pro Jahr, die ich ganz oder zumindest in Teilen schreibe. Viele lehne ich ab, weil mir der Auftraggeber unsympathisch ist oder ich keine Zeit habe. Wenn ich eine Arbeit erledigt habe, lösche ich auch alle Mails, um Spuren auf meinem Computer zu vermeiden.

t3n.de: Worüber schreibst du?

Ghostwriterin: Ich kann mittlerweile behaupten, dass ich ein Allround-Talent geworden bin und über Rousseau, Hegel und Atatürk genauso viel gelesen und geschrieben habe wie zu Migration, Promis in der Werbung oder Mobilfunkgeräten und ihrer Auswirkungen auf Geopolitik. Mein Schwerpunkt liegt allerdings im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich, weil ich das auch selbst studiert habe. Zurzeit bearbeite ich zwei Themen: „Migranten, Islam und Deutschland“ sowie „Europäische Bankenunion“ – und wie schlecht das doch für einige Bankenformen wäre.

t3n.de: Wie arbeitet ein Ghostwriter?

„Ich bin sauer und wütend auf die faulen Studierenden.“

Ghostwriterin: Oft kommen die Menschen auf mich zu, die über Ecken gehört haben, dass ich als Ghostwriter arbeite. Der Grund, warum sie nicht selbst schreiben, ist fast immer die Zeit. Und das ärgert mich: Aber ich befasse mich sehr gerne mit unterschiedlichen Themen. Es ist für mich die Gelegenheit, mein Wissen unglaublich zu ergänzen oder zu erweitern. Mir geht es nicht in erster Linie ums Geld, mir ist es wichtig, dass mir die Menschen sympathisch sind, ansonsten lehne ich die Aufträge ab. Denn Zeit hat niemand.

Die Leute, die ich mag und von denen ich weiß, dass sie wirklich überfordert sind, mit denen gehe ich das Thema komplett durch und erarbeite mit ihnen gemeinsam das Inhaltsverzeichnis. Nicht selten war es so, dass ich Leute hatte, die einfach nichts aufs Blatt brachten, weil sie nervlich überfordert waren. Da traf ich mich mit ihnen, hörte mir ihre Gedanken an und wandelte es um in Wissenschaft. Deshalb sehe ich mich eher als Schreibunterstützung oder Schreibberatung. Wenn ich sehe, dass ein Mensch sogar finanziell nicht flüssig ist, dann mach ich schon mal etwas kostenlos oder gegen Kaffee oder Mensa-Essen oder gegen 'ne Schachtel Zigaretten.

t3n.de: Wie lange bräuchtest du für eine Bachelorarbeit?

Ghostwriterin: Wenn ich wirklich die Ruhe und die Muße habe, dann brauch ich ganz genau einen Monat für eine Bachelorarbeit. Ich hol mir dann auch immer wieder Feedback und mache auch schon mal tagelang nichts, um mich zu entspannen.

Ghostwriting: Oft spielt auch die Sympathie eine Rolle

t3n.de: Was kostet eine Arbeit im Durchschnitt?

Ghostwriterin: Ich nehme zehn Euro pro Seite. Andere nehmen weitaus mehr – manchmal bis zu 40 Prozent. Das klingt vergleichsweise billig, aber ich sehe auch nicht ein, teurer zu werden, nur um den Markt zu unterbieten. Denn je teurer man ist, desto mehr wird erwartet.

t3n.de: Was macht eine gute Arbeit aus?

Ghostwriterin: In erster Linie kommt es auf die Quellen an, aber auch auf die Vorlieben und die Meinung des Dozenten. Das frage ich bei meinen „Kunden“ ab. Ich habe oft erlebt, dass Menschen eine Arbeit nicht bestehen, weil die Arbeit nicht zur Philosophie des Dozenten passte. Aber wenn man das alles beachtet und dann noch auf die Formalia achtet, gibt es schnell eine gute Note. Leider spielt oft aber auch die persönliche Sympathie eine große Rolle.

t3n.de: Und kannst du die Noten deiner Auftraggeber steuern?

Ghostwriterin: Ja, in jedem Fall. Wenn mir Menschen unsympathisch sind, gehe auch ich mal knallhart vor. Bis jetzt habe ich aber auch nur für zwei Unliebsame geschrieben. Dann verzichte ich auf die üblichen Formalia und gehe sehr oberflächig und einfach deskriptiv vor. Das gibt natürlich gewaltige Minuspunkte. Aber oft erziele ich mit meiner Arbeit sehr gute Noten.

t3n.de: Hast du bei deiner Arbeit als Ghostwriter niemals Gewissensbisse?

Ghostwriterin: Nein, ich bin sauer und wütend auf die faulen Studierenden. Aber ich bin auch wütend darüber, wie uns das Leben systematisch erklärt und diktiert wird. Als sei alles eine Doktrin oder die absolute Wahrheit, ein bewiesenes Naturgesetz! Und ich hasse es, wenn sich Studierende damit abfinden. Für mich ist das Schreiben deshalb auch ein Weg, meine Meinung kundzutun, wenn auch nicht unter meinem Namen.

Finde einen Job, den du liebst zum Thema Interview

Alle Jobs zum Thema Interview
26 Reaktionen
mayaw26
mayaw26

Ein interessanter Beitrag, der aber nicht alle Facetten des Ghostwriter-Lebens beschreibt, denn viele Ghostwriter sehen sich mehr in der Verantwortung ihrem Klienten gegenüber. Und da wird niemand bestraft, weil er zu faul ist o.Ä. Dann sollte man dieses Geschäft nicht professionell ausüben. Sympathien sollten in diesem Job keine Auswirkungen haben. Es geht darum, etwas wissenschaftlich zu präsentieren, warum oder weshalb eine Person einen Ghostwriter engagiert, das ist erst einmal nachrangig. In Ghostwriting-Agenturen ist es auch üblich, dass kein direkter Kontakt zwischen Klienten und Ghostwriter herrscht, wodurch solche Situationen, wie oben genannt, nicht entstehen können. Ich habe zum Thema "Was ist ein Ghostwriter" noch einen interessanten Artikel gefunden: http://ghostwriterjames24.de/blog/akademische-ghostwriter

Antworten

BusinessAndScience
BusinessAndScience

Der Beitrag war langweilig (es wurde darüber in dieser Form schon zu oft berichtet - wir hoffen der Redakteur nimmt uns die Kritik nicht übel), aber dafür wurde eine schöne Diskussionsrunde zwischen Huberta Weigl und Martina Kröger ausgelöst (und hier das Lob für den Redakteuren).
Wir arbeiten (leider manchmal) auch mit solchen Ghostwritern zusammen, wie in dem Beitrag beschrieben worden ist, allerdings trennen sich die Wege bei so einer Arbeitsweise ganz schnell. Leider sind die Arbeitsweisen solcher "Ghostwriter" nicht immer in Vorhinein absehbar. Dieses Problem haben alle Agenturen. Wenn unter den Agenturen eine Zusammenarbeit stattfinden würde, würden solche Ghostwriter keinen Fuß mehr in dieser Branche fassen. Leider aber herrscht eine feindliche Relation zu den Konkurrenten in der Branche.

Antworten

Martina Kröger
Martina Kröger

Liebe Frau Waigl,
diese Diskussion macht mir Spaß! Sie schreiben:

"Sie interpretieren das, was die Uni Wien auf Ihrer Website schreibt, leider falsch. Eine von einem Ghostwriter verfasste Arbeit gilt in Österreich in seiner Gesamtheit ein Plagiat."

Plagiate kommen in Arbeitsvorlagen von Ghostwritern nicht vor, zumindest nicht bei professionellen und guten Leuten. Deshalb kann die Uni Wien eine GW-Arbeit auch nicht als Plagiat werten, vor allem, wenn sie so gut wie nie eine GW-Arbeit als solche erkennen kann.

Weiter sagen Sie:

"Nun weiß ich, dass sich Ghostwriter damit herauswinden, dass sie das, was sie schreiben, nur als Vorlage bezeichnen. Wir wissen aber alle, dass Studierende die Arbeit dann doch nicht neu schreiben."

Das wissen wir alle? Oder wird das nur vermutet? Ich vermisse an dieser Stelle – mal als Scherz – eine wissenschaftliche Quelle für diese Behauptung! ;-) Jedenfalls wissen Sie hier eindeutig mehr als ich. GW „winden“ sich auch nicht, sie arbeiten legal, genau wie jeder andere Texter auch, der seine Arbeiten verkauft. Man verkauft hier wie dort das Nutzungsrecht am Text, weist aber im besonderen Fall von wissenschaftlichen Arbeiten auf die vorhandenen gesetzlichen Vorgaben hin. Das macht m.E. noch nicht einmal ein Texter oder Redenschreiber, der im Auftrag Texte oder (Auto-)Biografien verfasst, die dann 1:1 als Leistung einer anderen Person oder Organisation veröffentlicht werden.

Der einzige, der sich hier „winden“ müsste, wäre ein Prüfungskandidat, der eine Vorlage 1:1 als seine eigene Arbeit deklariert oder eine schlechte GW-Arbeit abgibt oder – was durchaus zusammenhängt - einen schlechten GW beschäftigt, bei dem der Sympathiefaktor vielleicht darüber entscheidet, ob er den Kandidaten hängenlässt oder nicht.

Sie holen nun die moralische Keule raus, was mich ehrlich etwas wundert:

"Insgesamt finde ich es übrigens auch erstaunlich, dass Menschen, sowohl Ghostwriter als auch Studierende, das mit ihrem Gewissen vereinbaren können."

Erstaunlich finde ICH an dieser Stelle diese moralinsaure Herabsetzung einer beruflichen Konkurrenzsparte, indem mit Steinen geschmissen wird, wenn man selbst im Glashaus sitzt. Mal ehrlich - wenn ich mir die Preisliste einiger Schreibcoaches so ansehe, finde ich Stundensätze von 100 €, auch von Studenten zu zahlen. Warum sollte ich – Gegenfrage – 100 € die Stunde für ein Coaching zahlen, wenn ich dafür fast umsonst die gleiche Leistung bekomme, wie in jedem Volkshochschulkurs , einer Arbeitsgruppe, Tutorium oder online-Video auch? Nein, Coaching ist immer eine gute Sache, aber Tatsache ist, dass Coaches und GW beide gleichermaßen davon profitieren, dass Studenten - aus welchen Gründen auch immer - mal einen Hänger haben. So selbstkritisch muss man schon sein. Andere herabzusetzen erhöht nicht immer die eigene Leistung, das meine ich ganz allgemein in diesem ganzen Thread.

„Ich lebe von der Unfähigkeit anderer“, sagte mein Elektriker letzte Woche zu mir, als er mir seine Rechnung übergab. ;-) Und niemand wird behaupten, dass ein Elektriker ein moralisch anstößiges Gewerbe betreibt.

Und weiter gedacht - Jeder, der Geld damit verdient, einen Studenten durchs Studium zu begleiten, sei es als Schreibcoach oder als GW, macht dies nicht aus moralischen oder altruistischen Gründen, sondern profitiert genau auch von diesen schlechten universitären Bedingungen, die seinen Auftrag erst begründen. Es ärgert mich deshalb, dass Universitäten gegen GW auf die Hatz gehen, dabei aber in keinster Weise die Ursachen dafür in Angriff nehmen und nicht ihre eigene mangelnde Beteiligung sehen, die heißt, Studierenden besser selbst zu unterstützen. Anstatt das Personal insgesamt zu erweitern, damit ein Student überhaupt auch eine Chance hat auf Förderung und Hilfe, wird oft nur eine zusätzliche Koordinationsstelle eingerichtet, die zwar den universitären Verwaltungsbau weiter aufplustert; an den eigentlichen Problemen an den Unis aber wenig ändert.

Ich gehe soweit und sage: Ghostwriting ist AUCH ein Spiegel, eine Reaktion dessen, was heute an schlechten Lehr- und Lernbedingungen an Unis geboten wird. Von daher sind auch die Argumente der Unis und Bildungspolitiker scheinheilig, von anderen Wahrhaftigkeit zu fordern und selbst die Grundlagen für ein ordentliches Studium systematisch weiter abzubauen, was bei zunehmender Akademisierung (früherer Ausbildungsberufe) sicher auch nicht weniger werden wird.

Beste Grüße zurück!
Martina Kröger

Antworten

Huberta Weigl
Huberta Weigl

In der Tat könnte sich die Redaktion von t3n hier einmal zu Wort melden und einmal berichten, was sie denn dazu veranlasst hat, diesen Artikel zu veröffentlichen.

ACAD WRITE? Mögen Trainer, Coaches und wer sonst noch immer Hilfe braucht, einen Ghostwriter beschäftigen. Studierende und Wissenschaftler sind gut beraten die Finger davon lassen.

Bei dieser Gelegenheit die Spielregeln guter wissenschaftlicher Praxis der Uni Wien: http://studienpraeses.univie.ac.at/informationsmaterial/sicherung-der-guten-wissenschaftlichen-praxis

Beste Grüße
Huberta Weigl

Antworten

Florian Blaschke

Die Redaktion kann sich sehr gerne zu Wort melden. Nur muss ich zugeben, dass ich die Frage nicht verstehe, was uns dazu „veranlasst“, einen solchen Artikel zu veröffentlichen. Es gibt einen unglaublich diversizierten Ghostwriting-Markt und wir haben mit der Interviewpartnerin eine Protagonistin dieses Marktes zu Wort kommen zu lassen. Aber vielleicht lässt sich die Frage ja auch noch konkretisieren?

Antworten

Florian Blaschke

Solange die Kommentare nicht gegen die Netiquette verstoßen oder rechtlich schwierig sind oder rein werblich, löschen wir grundsätzlich nicht. Und ich halte das hier für eine äußerst spannende Debatte, insofern würden wir uns ja auch noch ins eigene Fleisch schneiden. ;-)

Martina Kröger
Martina Kröger

Ich verstehe die Frage auch nicht, denn es ist gerade die Meinungsfreiheit, die hier tolerant gehandhabt wird, auch wenn man dabei eine Autorin dieses Portals aufgrund des Inhalts ihres Beitrags kritisiert. Um ehrlich zu sein, hatte ich eher damit gerechnet, dass meine Beiträge daher gelöscht werden und bin angenehm überrascht, dass auch Gegenmeinungen akzeptiert werden.

Martina Kröger
Martina Kröger

Hallo Frau Weigl,
ich teile ihre Ansicht, dass Plagiate den Spielregeln guter wissenschaftlicher Arbeit widersprechen. Sie sind auch nicht notwendig, wenn der Autor weiß, was er tut und weiß, worüber er schreibt. Kennt man sein Fach und bleibt dabei, ist die Gefahr für Plagiate sehr gering, und sollte tatsächlich mal etwas (unbeabsichtigt) "durchrutschen", und es kann nur eine unbewusste Ausnahme sein, gibt es immer noch die Lektoren in der Agentur, die bei uns jede Arbeit auf mögliche Plagiate überprüfen. Würde ich als Ghostwriter mit Absicht Plagiate erzeugen, um mir etwa die Arbeit leichter zu machen, wäre dies genau einmal möglich, danach würde ich nämlich keine Aufträge mehr bekommen! Gerade in größeren Agenturen mit Qualitätskontrollen, die dann auch den höheren Preis rechtfertigen, sind Plagiate eigentlich nicht möglich, und auch nicht nötig, da es für jedes Fachgebiet genügend geprüfte Spezialisten gibt, und damit meine ich nicht nur ACAD WRITE, sondern auch andere seriöse Agenturen. Das kann sich wirklich niemand leisten.

Antworten

Huberta Weigl
Huberta Weigl

Liebe Frau Kröger,

Sie interpretieren das, was die Uni Wien auf Ihrer Website schreibt, leider falsch. Eine von einem Ghostwriter verfasste Arbeit gilt in Österreich in seiner Gesamtheit ein Plagiat.

Nun weiß ich, dass sich Ghostwriter damit herauswinden, dass sie das, was sie schreiben, nur als Vorlage bezeichnen. Wir wissen aber alle, dass Studierende die Arbeit dann doch nicht neu schreiben.

Insgesamt finde ich es übrigens auch erstaunlich, dass Menschen, sowohl Ghostwriter als auch Studierende, das mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

Beste Grüße
Huberta Weigl

Martina Kröger
Martina Kröger

Beim ersten Lesen dieses Beitrags fiel mir auf, was den anderen hier auch aufgefallen ist: Weder der Preis noch die Anzahl der geschriebenen Arbeiten im Jahr können stimmen, wenn jemand echte wissenschaftliche Arbeiten schreibt. Und dann noch so *hüstel* „unbedarft“ zu sein, gleich zwei Titel von Kunden als Beleg über die GW-„Leistung“ zu veröffentlichen, da freut sich doch jeder Prof, wenn er sein Thema im Netz hier wiederfindet! ;)

Naja, um professionelle GW-Arbeit kann es in diesem Fall jedenfalls nicht gehen. Mir sind ihre Motive dieser „Kollegin“ auch nicht klar: Die eigenen Gedanken veröffentlichen wollen? Die herrschende wissenschaftliche Forschung „korrigieren“? Warum dann eigentlich nicht unter dem eigenen Namen? Vielleicht liegt hier ja auch die Antwort auf die Frage, wieso jemand nur 10 € pro Seite verlangt? Sie sieht ja auch nicht ein, „… teurer zu werden, nur um den Markt zu unterbieten“. Im übrigen - was für eine bemerkenswerte Logik! Aber die Antwort gibt die Möchtegern-Ghostwriterin gleich selbst: Verlange ich mehr, wird auch mehr von mir erwartet.

Ja, das wird es sein.

Nach dem zweiten Lesen fragte ich mich aber, was zum Teufel die Motivation sein kann, solch einen Beitrag überhaupt zu veröffentlichen? Nach dem Motto: „Ich veröffentliche, bevor ich recherchiere“ wird hier behauptet, Ghostwriting sei per se „illegal“. Vielleicht ist es das, - >> wenn man wie die Interviewpartnerin arbeitet: Mit direktem Kontakt zum Kunden, und die Leistung auch noch davon abhängig machen, ob der Kunde sympathisch ist oder nicht? Spätestens hier sollten alle potentiellen Kunden gewarnt sein, sich an einzelne Ghostwriter zu wenden, die sich billig anbieten und auch noch so einfältig sind, beim ersten Interview gleich die Kunden-Themen zu veröffentlichen, die sie gerade bearbeiten. Ich fasse das gar nicht.

Juristisch ist Ghostwriting für Autoren nicht illegal, wenn sie über Agenturen arbeiten. Wenn man überhaupt spekulieren könnte, wäre es die moralische Ebene, die strittig sein könnte. Sich aber als Retter aufspielen und andererseits – bei nicht vorhandener Sympathie – den Kunden auch gern mal hinhängen, kann zumindest auch moralisch kein glänzendes Motiv sein, für andere zu schreiben.

Ich arbeite freiberuflich seit Jahren für eine große internationale Agentur und kenne solche Machenschaften, wie hier geschildert, überhaupt nicht. Ich bezweifele auch, dass die "Kollegin" hier überhaupt Aufnahme bei uns, bei meiner Agentur finden würde, sprich: Ob sie überhaupt die Qualitätsanforderungen erfüllen könnte (ein abgeschlossenes Universitätsstudium mit guten oder sehr guten Noten, Talent zum wissenschaftlichen Schreiben, keine Plagiate usw.). Denn die Wissenschaftlichkeit steht normalerweise an erster Stelle, und die heißt eben NICHT: „Für mich ist das Schreiben deshalb auch ein Weg, meine Meinung kundzutun, wenn auch nicht unter meinem Namen“. In der Wissenschaft geht es eben nicht um die "Meinung" des Autors, sondern um Wissen, - und wie ich das persönlich finde oder nicht, ist dabei nebensächlich. Was für eine Arroganz also!

Man kann potentielle Kunden vor einer solchen „Einzelkämpferin“ also nur warnen und ganz herzlich die Dienste einer Ghostwriter-Agentur wie etwa ACAD WRITE empfehlen. Vorausgesetzt, es handelt sich hierbei nicht um einen Fake-Beitrag, ist sowohl die Autorin mit ihren falschen Schlussfolgerungen („…denn das, was sie tut, ist illegal“), als auch der scheinbar naiven Schreiberin zu unterstellen, von der Arbeit eines ernsthaft arbeitenden wissenschaftlichen Autoren genau so viel Ahnung zu haben, wie ein Maurer von der Architektur des neuen Berliner Flughafens. Umgekehrt: Wer würde sich als Kunde von einem Maurer, der 10 € pro Wand verlangt, den Flughafen BER zu Ende bauen lassen? Hauptsache billig? Das kann einfach keine Qualitätsarbeit sein.

Und für die falschen Schlussfolgerungen ohne tiefere Recherche: Tut mir leid, Frau Jakob ! Setzen! Sechs! ;-)

Antworten

Onkel Emma
Onkel Emma

Oh, das hängt davon ab, was eine Seite ist. Ich habe die Werte für eine Standardseite nicht im Kopf, aber das ist nicht viel mit sechs cm Rand und 1,5 Zeilenabstand + Kopf- und Fußzeile. Da es sich vermutlich um Verschriftlichung von Referaten oder Seminararbeiten handelt, dürften die Ansprüche nicht so hoch sein, die meisten Dozenten lesen so etwas schon aus Zeitgründen gar nicht mehr durch, die gucken auf die Gliederung, lesen quer und gegen eine 1,8, wenn es okay ist und eine 2,5, wenn es nicht gut ist. Wenn die Dame eine Studentin ist, kann sie sich mit zehn Euro pro Seite ein nettes Zubrot verdienen und das liegt ja über dem üblichen Lohn für Studentenjobs, das sind so 9 Euro die Stunde.

Antworten

Tom
Tom

Der Artikel erinnert mich an meinen ehemaligen Mitbewohner. Der hat seine Interviews und Geschichten für die Uni auch immer geghostwrited... Er nahm einfach einen Bekannten oder mich, sagte man solle sich Vorstellen XY zu sein und stellte dann Fragen. Manchmal war man auch gleichzeitig mehrere Personen.

Antworten

wefewfwe
wefewfwe

" Andere nehmen weitaus mehr – manchmal bis zu 40 Prozent." 40 Prozent von was?
Im Übrigen ist mit Löschen der eigenen Mails gar nichts erreicht in Bezug auf "Spuren verwischen".

Antworten

Jo M.
Jo M.

Der Sprachlosigkeit möchte ich mich anschließen, nachdem ich seit mehreren Jahren hauptberuflich als Ghostwriter tätig bin und die "Branche" einigermaßen kennen dürfte. Die Autorin des Artikels hätte sich wohl einen Gefallen getan, eine Person zu interviewen, die etwas professioneller an die Sache geht und nicht dazu gezwungen zu sein scheint, sich ein Zubrot mit wissenschaftlichen Texten für Studenten zu verdienen (so schließe ich die Vermutung des Hobbys mal aus), die sie im Falle einer mangelnden Sympathie mit einer unterdurchschnittlichen Arbeit bestraft. Wie da auch nur das kleinste bisschen Mundpropaganda funktionieren kann, frage ich mich wirklich. Sowieso, wenn die Seitenpreise bewusst im Keller liegen, um keinerlei Qualitätsansprüche bei den durchweg sympathischen Kunden zu wecken. Vielleicht wären Prosatexte eine gute Alternative.

Antworten

Mathias Lang
Mathias Lang

*hüstel* es sind 10 Euro pro Seite und nicht pro Stunde, trotzdem denke ich nicht das man davon alleine leben kann. Bei 5 h * 15 Seiten á 10 Euro, sind das 30 Euro die Stunde (nicht so schlecht). Wenn es 16 Bachenlorarbeiten á 60 Seiten sind, kann man sich in etwas ausrechnen was sie verdient.

Antworten

Huberta Weigl
Huberta Weigl

Da war ich zu flott bei meinem emotionalen Posting. :)
Und nein, 10,- Euro pro Seite ändert nichts an meiner Einschätzung.

Beste Grüße
Huberta Weigl

Antworten

Huberta Weigl
Huberta Weigl

Ich bin als Wissenschaftlerin und Schreibcoach in vielerlei Hinsicht sprachlos, über das, was ich da lese:

Zunächst einmal ist niemand gezwungen, als Ghostwriter zu arbeiten. Die Arbeit an sich ist nicht illegal, nur deshalb funktioniert das ja. Die Studierenden bekommen die Arbeit vom Ghostwriter als "Vorlage" für ihre endgültige Arbeit.

10,- Euro die Stunde? Damit kann die Interviewte keinesfalls überleben.

Und dass sie fallweise schlechte Arbeit abliefert, wenn ihr jemand unsympathisch ist? Kaum zu glauben! So kann eben wohl nur eine Ghostwriterin auf dem Markt überleben. Über sie wird der Kunde nämlich nicht sprechen.

Beste Grüße
Huberta Weigl - sprachlos

Antworten

cephei
cephei

Ganz schön viel Text, wenn man bedenkt wie sprachlos Sie sind.

Antworten

Florian Blaschke

Allerdings. Auf dem Profil werden alle letzten Aktivitäten angezeigt und neben den Posts, auf die Kommentare geschrieben wurden, auch das Profilbild des Autors oder der Autorin. In diesem Fall eben das Profilbild der Kollegin Jakob.

cephei
cephei

@Martina Kröger
Weil der Kommentar zum Beitrag von Nora meine letzte Aktivität auf t3n war. Ist schon richtig so. Ist ja bei den anderen Usern auch der Fall, sofern sie ein t3n Profil haben und hier einen Kommentar hinterlassen haben.

Martina Kröger
Martina Kröger

Hmmm, dann muss es sich wohl um einen Softwarefehler handeln, dass, wenn ich direkt den Usernamen "cephei" anklicke, dort die letzten Aktivitäten von Nora Jakobs lese?

cephei
cephei

@Martina Kröger
Uhm, nope. Ich poste schon seit paar Jahren als cephei. Wie kommst du darauf?
Und wieso sollte die authorin etwas gegen den OP Kommentar haben, der OP kritisiert ja nicht den Beitrag von nora jakobs.

Martina Kröger
Martina Kröger

Ich finde unter dem Usernamen "cephei" hier einen Kommentar von Nora Jakob, kann das sein?

Zitat:
"Ganz schön viel Text, wenn man bedenkt wie sprachlos Sie sind.
von norajakob vor ca. 8 Stunden"

Warum das Pseudonym "cephei", Frau Jakob? Wenn man etwas veröffentlicht als Autorin, muss man mit Gegenargumenten rechnen. Das ist kein guter Stil und macht die Sache nicht glaubwürdiger, den eigenen Beitrag in dieser Weise zu "unterstützen".

Florian Blaschke

Und nur als ein Hinweis, um hier Missverständnisse zu vermeiden: 10 Euro pro Seite, nicht pro Stunde. Auch wenn das vermutlich nicht viel ändert an deiner Einschätzung.

Antworten

Thomas D.
Thomas D.

Wahrscheinlich wird es sogar noch weniger auf die Stunde gerechnet, denn eine komplette Seite zu recherchieren (fremdes Thema!) und dann auch noch entsprechend zu strukturieren und auf's Papier zu bringen - Kein Ponyhof!

purzlbaum
purzlbaum

Es steht ja auch, dass sie ihren Lebensunterhalt damit nur teilweise bestreitet. Vermutlich sieht sie es eher als "Hobby" und es ist nicht ihr Hauptberuf.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen