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Interview mit Parallels-CEO Serguei Beloussov: „Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße“

Interview mit Parallels-CEO Serguei Beloussov: „Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße“

Serguei Beloussov, Jahrgang 1964, ist erfolgreicher Selfmade-Unternehmer und seit 2003 CEO von Parallels, einem führenden Unternehmen für Virtualisierungs- und Automatisierungssoftware. Auf dem WebhostingDay 2010, der vergangene Woche im Phantasialand bei Köln mit mehr als 3.000 Besuchern stattfand, hatte t3n die Gelegenheit, mit Serguei Beloussov über , Virtualisierung und dem auf dem Kongress nach wie vor omnipräsenten Thema Computing zu sprechen.

Interview mit Parallels-CEO Serguei Beloussov: „Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße“

t3n Magazin: Herr Beloussov, große Player wie Google und Microsoft setzen immer stärker auf das Thema "App-Hosting in der Cloud". Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Microsofts Hosting-Pläne und seine Azure-Plattform werden nicht funktionieren, denn Microsoft fehlt die Expertise, um das Thema glaubwürdig an den Mann zu bringen. Vor allem aber ist Microsoft kein Unternehmen, das auf Hosting- und Cloud-Services spezialisiert ist. Auch Googles App-Engine und Apps wie Google-Mail und Google-Docs sehe ich kritisch, weil sie nicht die Services und Betriebssicherheit bieten, die eine echte Firma heute braucht. Die große Chance der Hostingindustrie besteht darin, dass sie alles, was ein kleines Unternehmen an IT braucht, komplett aus einer Hand anbieten kann: Webspace, Rechenleistung in Form von VPS, E-Mail, VoIP und eben auch Business-Applikationen als SaaS.

t3n Magazin: Linux und Open Source spielen bei vielen wichtigen Web-Playern wie Google, Amazon oder ihrem eigenen Unternehmen eine wichtige Rolle. Wie stehen Sie zu Open Source?

Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße! (lacht) Ich hasse Open Source. Das mag daran liegen, dass ich im Kommunismus aufgewachsen bin und dieses ganze Gerede von der Community nicht mehr hören kann. Das habe ich mein halbes Leben lang ertragen müssen. Hier wird oft nicht danach entschieden, was die Anwender wollen oder was aus technischer Sicht den meisten Sinn macht, sondern nach den persönlichen Vorlieben und Aversionen der jeweiligen Projektleiter. Denken Sie nur an die Diskussion um XEN und KVM. Mir kommt das in den Open Source-Communities manchmal vor wie bei Gewerkschaftern, die das vor allem machen, um ihr eigenes Ego zu bedienen.

Serguei Beloussov sieht Open Source kritisch

t3n Magazin: Warum unterhalten Sie dann ein Projekt wie OpenVZ?

OpenVZ bildet die technische Basis für Parallels Virtuozzo Containers. Wir machen Änderungen am Linux Kernel und die GPL gibt nunmal vor, dass man diese auch wieder veröffentlichen muss. Parallels respektiert nicht nur uneingeschränkt die GPL, sondern gehört weltweit zu den Top 10 Contributors zum Linux Kernel.

t3n Magazin: Apropos Virtualisierung: Was halten Sie speziell von KVM und Xen?

KVM kommt nicht aus dem Quark. Kaum einer nutzt es und nur sehr wenige kennen es. Xen befindet sich aus meiner Sicht in einer Sackgasse. Die Linux-Community mag Xen nicht und sogar Linus Torvalds mag Xen nicht. Das ist doch bezeichnend.

t3n Magazin: Noch mal zurück zu Ihrer Kritik an Open Source: Wäre die Evolutionsgeschwindigkeit von Unternehmen wie Ihrem ohne Open Source nicht wesentlich langsamer gewesen?

Ich würde das bildlich ausdrücken: Wenn man das Leben liebt, und das Leben nunmal aus Sommer und Winter besteht, heißt das ja noch lange nicht, dass man auch den Winter lieben muss... Eine hoch qualitative, schnelle und perfekt koordinierte Projektsteuerung ist in reinen Open-Source-Projekten einfach nicht möglich. Genau deshalb steht Linux hier vor einer großen Herausforderung.

Hintergrund zu Parallels

Parallels unterstützt mit seinen Virtualisierungs- und Automatisierungslösungen Hosting und Service Provider bei Bereitstellung und Betrieb von Shared-Webhosting-Services, Virtual-Infrastructure-Services, Messaging- und Collaboration- Lösungen, SaaS- und anderen Anwendungen. Außerdem hat Parallels gemeinsam mit Hosting-Weltmarktführer 1&1 maßgeblich zur Verabschiedung des APS-Standards beigetragen, der es Hosting-Providern ermöglicht, ihren Kunden Web-Applikationen mit minimalem Installationsaufwand als Service zur Verfügung zu stellen.

[Update]

Nachdem die Aussagen von Serguei Beloussov doch für einigen Unmut in der Community gesorgt haben, hier eine Klarstellung seiner Position zu Open Source:

„A note to the Open Source community – As you may have seen, in a recent I jokingly tried to buck the trend of common perception and play Devil’s Advocate regarding Open Source and the community. I want to be clear that my comments were not meant to be taken in any way seriously and I apologize to any of the community offended by my remarks. The reality is that we have long been one of the largest contributors and supporters of Open Source projects. In fact, we are the 9th largest contributor to the development of the Linux kernel, and through our Cloud services provider and hosting partners we support one of the largest Open Source ecosystems in the industry. And, our own business strategy significantly relies on Open Source platforms. I would ask you to judge me and the company by our actions which really speak for themselves. Regards – Serguei Beloussov“

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20 Antworten
  1. von Sabine Regner am 24.03.2010 (11:14 Uhr)

    Was für ne Marke... Ohne Open Source würden wir den Mann nicht kennen oder? Er versteht nun aber perfekt alles für sich zu nutzen und den Markt aufzurollen. Und was macht er als nächstes? Mit Parallels an die Börse gehen.

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  2. von Norman am 24.03.2010 (13:07 Uhr)

    "Open Source ist scheiße" - "wir sind einer der 10 größten Linux Kerner Contributers"

    damit macht er sich extrem unglaubwürdig :)

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  3. von Thomas am 24.03.2010 (15:13 Uhr)

    So ein beknackter Raubtierkapitalist muss das ja sagen. Wer im Kommunismus großgeworden ist hat nun also das Recht Gemeinschaftsarbeit zu verteufeln oder was? Ist doch klar das er Open Source scheisse findet. Da kann man sich nicht so schön die Taschen vollmachen wie mit Windows.

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  4. von KR am 24.03.2010 (15:25 Uhr)

    Aha. Jetzt wissen wir's ja. Daß Open Source sowohl als "Sammelsurium von Technologien"(?) als auch als Entwicklungsmodell Vor- und Nachteile hat und gerade das Thema "Planung", "Entscheidungskompetenzen", ... durchaus nicht uninteressant ist, mag sein. Daß bisweilen Technik-Verliebtheit der Entwickler / Projektleiter eine Rolle spielt, mag durchaus auch sein. Nur: Mich würde interessieren, ob die Orientierung an "Nutzer- und Anwenderwünschen" beim Gros der "proprietären" Software-Hersteller am Markt nennenswert mehr gegeben ist - zumindest bin ich bislang mit Bug- oder Enhancement-Requests bei Ubuntu, NetBeans et al deutlich weitergekommen als bei Microsoft oder Adobe. Zum anderen: Von sachlich-plausibler Kritik sind Äußerungen der Art "open source ist ein Haufen Sch...." bzw. "Open Source == Community == Kommunismus" mindestens genauso weit entfernt wie MS Windows von "software libre"... Schade eigentlich.

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  5. von Phantomas am 24.03.2010 (15:54 Uhr)

    Beloussov im Phantasialand: genau da hin passen seine Spitzen zum Thema Open Source.

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  6. von jj am 24.03.2010 (16:59 Uhr)

    Ein Visionaer! Ich mag den Mann - er spricht mir aus der Seele!

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  7. von Puuuuuh am 24.03.2010 (21:43 Uhr)

    "Hier wird oft nicht danach entschieden, was die Anwender wollen oder was aus technischer Sicht den meisten Sinn macht, sondern nach den persönlichen Vorlieben und Aversionen der jeweiligen Projektleiter"

    Hahaha, und das ist bei Closed Source anders? Ein Gewinn orientiertes Unternehmen wird immer versuchen dem Kunden wenig für viel Geld zu verkaufen. Man nehme sich mal DRM als Beispiel, keine wollte, will es haben. Ne aber ich hab ja schon bei einigen großen IT Playern entwickelt, da sieht es genauso aus, zuerst wird nach den persönlichen Vorlieben entwickelt und dann lässt man sich herab und erlaubt dem Kunden seine Meinung Kund zu tun.

    Das beste ist natürlich "Top 10" , 1,3% vom Kernel. Der Kernel ist ja nur ein Bruchteil dessen was OSS bedeutet.

    Man denke da mal an Mozilla und viele der anderen OSS Projekte. Wenn wir jetzt jemand erzählt, dass irgendein anderer Browser die Wünsche der Anwender so berücksichtig wie es Mozilla tut, dann erzählt er einen "Haufen Scheiße"

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  8. von Florian Effenberger am 25.03.2010 (12:02 Uhr)

    Als langjähriger Aktiver im Open-Source-Bereich habe ich mir erlaubt, auch einen Kommentar zu dem Thema abzugeben: http://www.linux-magazin.de/Blogs/floeff/Alles-sch

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  9. von olivier am 25.03.2010 (12:40 Uhr)

    Interessant ist doch jetzt hier nach dem Dementi: Warum habt Ihr T3N da nicht nachgefasst?

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  10. von Andreas Lenz am 25.03.2010 (12:55 Uhr)

    @olivier: update ist doch seit nen paar stunden live (siehe weiter oben):

    [Update]

    Nachdem die Aussagen von Serguei Beloussov doch für einigen Unmut in der Community gesorgt haben, hier eine Klarstellung seiner Position zu Open Source:

    „A note to the Open Source community – As you may have seen, in a recent interview I jokingly tried to buck the trend of common perception and play Devil’s Advocate regarding Open Source and the community. I want to be clear that my comments were not meant to be taken in any way seriously and I apologize to any of the community offended by my remarks. The reality is that we have long been one of the largest contributors and supporters of Open Source projects. In fact, we are the 9th largest contributor to the development of the Linux kernel, and through our Cloud services provider and hosting partners we support one of the largest Open Source ecosystems in the industry. And, our own business strategy significantly relies on Open Source platforms. I would ask you to judge me and the company by our actions which really speak for themselves. Regards – Serguei Beloussov“

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  11. von olivier am 25.03.2010 (12:58 Uhr)

    Ich glaube Du verstehst mich nicht.
    Warum habt ihr diese Aussage nicht noch mal explizit hinterfragt?
    Mir fehlt die Frage: Meinen Sie das jetzt im Ernst? Dürfen wir Sie so zitieren. Habt ihr Euch das Interview freigeben lassen?

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  12. von Martin am 25.03.2010 (13:23 Uhr)

    Ganz traurige Aussage... und von jemandem in dem Business erwarte ich das er PR Fehler erkennt und schnell gegenrudert, insofern ist sein Dementi nicht glaubhaft.
    Da Parallels aber auch durch viele andere Wege die OpenSource Community unterstützt nehme ich an, das er das in der Tat nicht ernst gemeint haben kann.

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  13. von Andreas Lenz am 25.03.2010 (14:48 Uhr)

    @olivier: was meinst du, was wir gemacht haben im interview - nachgebohrt, genau an der stelle natürlich, mehrfach... wenn darauf hin dann diese aussagen kommen (mehrfach) - dann geht es so aus wie oben zusehen. du solltest das ganze in gepodcasteter variante sehen... natürlich hab ich mir das auch freigeben lassen und natürlich haben wir sein neustes statement zum thema oben als update eingebaut. funk doch mal durch einfach...

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  14. von Christian Voß am 25.03.2010 (14:59 Uhr)

    Was für ein Typ der Beloussov. Ich finde die Aussage mutig und könnte Sie sogar unterschreiben.

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  15. von Xaver Braun am 25.03.2010 (15:55 Uhr)

    "Open Source ist ein riesiger Haufen Scheiße!" wer eine solche negative Äußerung macht, egal ob positiv oder negativ gemeint. Dann auch noch selbst Open Source Software in seinen Produkten einsetzt und damit Geld verdient, sollte meiner Meinung nach seinen Posten als CEO verlieren! Serguei Beloussov ist meiner Meinung nach für Parallels nicht länger tragbar!

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  16. von Simon am 25.03.2010 (17:47 Uhr)

    Seien wir doch mal ehrlich, da rollt jemand planvoll und 100% konrolliert das gesamte Feld auf, sieht während dessen natürlich die bekannten Open Source schwächen, redet techelles und macht die stabilste und beste Infrastruktur-Software für die gesamte Hosting-Branche draus. Meinen Respekt hat der Mann.

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  17. von olivier am 26.03.2010 (13:16 Uhr)

    @andres. Danke für die Klarstellung.

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  18. von Jacob am 27.03.2010 (00:43 Uhr)

    Of course your "business strategy significantly relies on Open Source platforms", you idiot, you eat from open source platforms, you eat from Linux, you eat from "comunist", you dress your childrens and send them to school thanks to open source. A little bit of thankful would be fine.

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  19. von Maik am 31.03.2010 (22:41 Uhr)

    Der Kerl ist ja klasse. :-)
    Da sagt er OpenSource ist ein haufen Scheiße und selber bringt er ungetestete Plesk Updates in Umlauf die einen dazu zwingen den Server neu zu Installieren, weil danach nix mehr geht. Wenn man sich mal im Serversupportforum im Plesk-Bereich umsieht, dann ist fast jedes Update ein Bug mehr. Wird nach der Aussage wirklich Zeit sich die OpenSource-Lösungen anzusehen.

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  20. von Anonymous am 05.05.2010 (10:31 Uhr)

    Ja, da hat er euch ganz schon getrollt, nicht wahr?

    Ich finde er hat mehr oder weniger Recht. Open Source ist doch insgesamt viel zu stark von einer antikapitalistischen, selbsbeweihrauchenden Ideologie durchdrungen.

    Ich habe schon viel Open Source ausprobiert, die am Ende überhaupt nicht funktioniert hat. Es sind nur die wichtigsten Projekte, die eine gewisse Daseinsberchtigung besitzen. In dem Moment in dem man etwas obskurere Programme benutzt, trifft man auf die Arbeit der wahrscheinlich schlechtesten Entwickler die man sich vorstellen kann.
    Wahrscheinlich arbeiten die meisten von ihnen nicht ohne Grund (nur) in ihrer Freizeit.

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