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Software & Infrastruktur

Interview mit Thorsten Suckow-Homberg: „Ich denke, conjoon wird noch für viel Aufsehen sorgen“

Thorsten Suckow-Homberg und sein Projekt Thorsten Suckow-Homberg ist der Kopf hinter dem Open-Source-Projekt „conjoon“- einem webbasierten Personal Information Manager. E-Mail und andere Kommunikationswege stehen hier im Mittelpunkt. Entwickelt wird es mit ExtJS und dem Zend Framework. Vor allem auf eine schnell reagierende Benutzeroberfläche legt Thorsten Suckow-Homberg viel Wert und erklärt: „Für mich ist es in erster Linie ein Projekt, an dem ich best practices anwenden und so sauber programmieren kann, wie ich es für richtig halte“.

Im Interview mit t3n erzählt er außerdem, wie es zu der Idee kam, was ihn motiviert, warum er vom Zend Framework so begeistert ist, was man für die nächsten Versionen von conjoon erwarten kann und worüber er am Lagerfeuer mit der Gitarre in der Hand auf gar keinen Fall spricht.

Du bist Gründer und Entwickler des Projekts conjoon, dass Du selbst als "Selbstorganisations-Tool" bezeichnest. Wie kam es dazu?

Ich habe mich in meiner Zeit als Freiberufler schon früh mit der Frage beschäftigt, wie man durch den Einsatz richtiger Software unternehmensinterne Prozesse optimieren kann. Ich hatte damals die Erfahrung gemacht, dass für unbedarfte User der Umstieg vom Desktop hin zu webbasierten Systemen mit einem langen Umgewöhnungsprozess verbunden ist. Ich hatte das Gefühl, dass ein Anwender mehr Respekt vor der Applikation im Browser hat, obwohl es eigentlich umgekehrt sein soll.  Also setzte ich mich hin und schrieb UI-Controls für den Browser, die gewohntes Verhalten und Aussehen von den Desktop-Applikationen mappen: Tab-Panels, Grids, Menüs, Dialoge.

2002 waren die technischen Voraussetzungen hierfür aber nicht gegeben oder nur unzureichend vorhanden - „cross-browser“ war damals ein genauso sensibler Begriff wie heute, nur weitaus schwieriger umzusetzen.

Aus dem Ganzen sollte dann eine Groupware entstehen, weil mich der Gedanke, eine ausgereifte, benutzerfreundliche und saubere Open-Source-Kollaborations-Software schon immer herausgefordert hat. Zeit war als Student damals die knappste Ressource, deshalb habe ich mich dann 2007 dazu entschieden, noch einmal alles von Grund auf anzugehen.

Was bedeutet der Name conjoon?

Die ersten Komponenten lagen im Namespace „Intrabuild“, und der Name hatte mich sechs Jahre lang begleitet. Irgendwann empfand ich ihn aber als zu seriös und nicht Web-2.0-ig genug, weshalb die Neuentwicklung dann unter dem Projektnamen "ongoo" stattfand. Kurz vor Release habe ich dann erfahren, daß es bereits ein ähnliches Projekt unter ähnlichem Namen gibt. Die ganze Entwicklung hindurch habe ich nicht so geschwitzt wie in den zwei Wochen, in denen ich auf der Suche nach einem neuen Namen war. Die Spuren kann man heute noch im SVN verfolgen.

„conjoon“ setzt sich aus dem lateinischen Präfix „con“ - also „gemeinsam, mit“ - und einer Abwandlung von „june“ - der englischen Übersetzung für den Monat „Juni“, zusammen. Im Juni 2007 hatte ich ja mit der kompletten Neuentwicklung von conjoon begonnen.

Welche Rolle spielen für Dich die Frameworks ExtJS und Zend Framework, die bei conjoon zum Einsatz kommen?

Screenshot der Conjoon-Website
Website zu conjoon

Zuersteinmal: Frameworks sind eine tolle Sache. Auch wenn ich es aus autodidaktischen Gründen jedem Anfänger empfehlen würde, immer erst eigene Implementierungen vorzunehmen und bei der Erstellung eigener Bibliotheken dazuzulernen, kommt irgendwann mal der Punkt, an dem man seinen eigenen Ehrgeiz über Bord wirft und auf vorgefertigte Bibliotheken zurückgreift. Eine aktive Community, die an der Entwicklung teilnimmt, ist eigentlich unverzichtbar und ein Garant für schnelle Lösungsansätze, wenn Probleme auftauchen.

Zend Framework ist für mich ein de facto Standard und sollte bei keinem Projekt, das auf PHP setzt, fehlen. Die Architektur ist sehr professionell und durch Zend hat das Projekt ein starkes Unternehmen im Rücken. Ich denke, mit dem Framework lassen sich sehr stabile und verlässliche Systeme bauen.

ExtJS hingegen bietet wunderschöne UI-Controls. Aus meiner Erfahrung heraus, die ich in den letzten Jahren mit JavaScript-Bibliotheken gesammelt habe, zolle ich Jack und seinen Entwicklern Anerkennung. Ich arbeite damit - auch beruflich - seit zwei Jahren jeden Tag, und es wird weder langweilig noch frustrierend. Besonders begeistert mich immer noch die Subject/Observer-Implementierung, die Qualität des Quellcodes und die daraus folgende Erweiterbarkeit der einzelnen Komponenten.

Beide Systeme arbeiten bei conjoon unabhängig voneinander. Das Frontend würde auch mit jedem anderen System auf dem Server zusammenarbeiten, und das Backend könnte ohne Probleme die Daten an ein eher klassischeres UI absetzen. Nichtsdestotrotz lassen sich beide wunderbar miteinander kombinieren.

Warum sollte man conjoon statt eines anderen News-/RSS-/E-Mail/Twitter-Clients nutzen? Wo liegen die Alleinstellungsmerkmale?

Da bin ich befangen, aber conjoon rockt definitiv - jeder sollte es benutzen. Nein, im Ernst: Ich habe viel Arbeit in die Kommunikation der Komponenten untereinander investiert und darauf geachtet, Inkonsistenzen in der Datenaktualisierung weitestgehend zu vermeiden. Änderungen an einer Stelle spiegeln sich je nach Bedarf an anderer Stelle direkt im Interface wieder.

Außerdem bin ich ein Programmierer alter Schule, was heißt: Vermeide Overhead soweit als möglich, und ermögliche dem Benutzer ein Interface, das umgehend auf Interaktionen reagiert. Hierzu habe ich ein paar Komponenten gebaut, die die Applikation sehr performant machen, wie zum Beispiel das Ext.ux.Livegrid, das mittlerweile auch in Software von Sun Microsystems Verwendung findet.

Ich denke, in Sachen Benutzerkomfort spielt conjoon bei den webbasierten E-Mail-Clients schon jetzt ganz oben mit. Außerdem ist es Open Source und somit für jeden frei erhältlich und kann nach Belieben den eigenen Bedürfnissen angepasst werden.

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