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Interview: „xt:Commerce unter einer Open-Source-Lizenz ist nicht geplant“

Interview: „xt:Commerce unter einer Open-Source-Lizenz ist nicht geplant“

Mitte Februar hat die GmbH bekanntgegeben, seine Shopsoftware xt:Commerce Veyton ab April 2011 auch als kostenlose Community Edition (CE) anzubieten. Nachdem xt:Commerce bis Version 3 noch war - wenn auch mit diskussionswürdigem Ansatz - wurde xt:Commerce 4.0 (Veyton) in verschiedenen Versionen nur noch gegen Bezahlung angeboten. Wir haben mit xt:Commerce-Geschäftsführer Mario Zanier über den Umstieg auf eine kostenlose Community-Edition und die Gründe dafür gesprochen.

Interview: „xt:Commerce unter einer Open-Source-Lizenz ist nicht geplant“

Warum haben Sie sich entschieden, eine kostenlose Version von Veyton herauszugeben?

Durch die Übernahme der xt:Commerce GmbH durch den internationalen Zahlungsdienstleister SafeCharge im Juni letzten Jahres war dies ein logischer Schritt. xt:Commerce ergänzt dieses Jahr sein Produktportfolio um eine Vielzahl weiterer Produkte wie xt:Commerce Office (Wawi/Fibu/CRM) und xt:Commerce Payment (>80 Zahlungsweisen, 1 Schnittstelle), auch im Thema Social-Commerce kann man bei uns in kürze auf einige interessante Neuerungen gespannt sein. Das Auflegen einer kostenfreien Version ist für uns auch primär ein wichtiger Schritt für die nun anstehende Internationalisierung von xt:Commerce. Durch starke Hosting-Partner werden wir in den nächsten Monaten sehr aktiv in neue Märkte eindringen und unsere derzeit zu 95 Prozent D-A-CH-Kundenschicht um eine Vielzahl neuer internationaler Kunden erweitern.

Wie viele Shopbesitzer betreiben zurzeit einen Shop auf Basis von Veyton?

Die kommerzielle xt:Commerce 4 Veyton ist ein absoluter Erfolg, aktuell werden bis zu 1.000 neue Lizenzen pro Monat ausgestellt, Version 4.0 gehört damit auch zu den meistverkauften wenn nicht sogar erfolgreichsten kommerziellen E-Commerce-Lösungen neben den Mietshop-Lösungen großer Hoster.

Und wie viele Installationen von xt:Commerce 3 sind zurzeit noch im Einsatz?

Es sind noch immer über 100.000 Installationen von xt:Commerce 3.0 weltweit in Betrieb.

Haben Sie Informationen dazu, wie viele Shopbetreiber von einer älteren xt:Commerce-Version zu Veyton gewechselt sind bzw. wechseln?

Das können wir nicht genau sagen, da dies von uns nicht erhoben wird. Wie gehen aber aber davon aus, dass im Zuge des Releases der Community Edition einer großer Teil wechseln wird. Wir planen außerdem einem aktiven Migrationssupport – nicht nur für Nutzer von Version 3, sondern von allen wichtigen Systemen auf Veyton.

Wie sieht ein typischer Veyton-Kunde aus? Mit welchen Funktionen können Sie ihn besonders überzeugen?

Es gibt keinen typischen Kunden. Die Anforderungen unserer Kunden sind über das ganze Funktionsspektrum gestreut. Dies startet bei kleinen Shops für KMUs, die mit Standardfunktionalität online gehen und geht hoch bis zu sechsstelligen Projekten für Konzernkunden mit individuellen Anbindungen an die Infrastruktur, Multishop-Plattformen etc. Unsere Plattform ist hier frei skalierbar, egal ob damit zehn Produkte oder über 500.000 verwaltet werden, beides ist mit der gleichen xt:Commerce-4.0-Plattform möglich. Der Tenor, den wir auch als Feedback von unseren Integrationspartnern bekommen, ist immer wieder die dank des Pluginsystems einfache und kosteneffiziente Anpassung des Systems an Kundenanforderungen sowie die am deutschen Markt starke Integration mit Drittsystemen wie ERP oder Payment.

Ziehen Sie in Erwägung, Veyton irgendwann einmal unter einer Open-Source-Lizenz zu veröffentlichen?

Nein, die Lizenzierung unter einer Open-Source-Lizenz ist nicht geplant. Nichts desto trotz wird ein Großteil von xt:Commerce 4.0 CE auch quelloffen zur Verfügung stehen, wie es auch heute schon die Version 4.0 ist, bei der mehr als 99 Prozent des Codes offenliegen. Das System kann von jedermann an eigene Anforderungen angepasst werden, durch unser Plugin-System sind solche Anpassungen natürlich auch updatesicher möglich.

Wie bewerten Sie die Tendenz, dass Hersteller proprietärer Shopsoftware ihr Produkt als Open Source veröffentlichen, wie dies zuletzt Oxid und Shopware getan haben?

Bei Oxid war dies durch die Einführung von eFire ein absehbarer Schritt, der vermutlich die Gründe hatte, Marktanteil zu vergrößern und zugleich die Einnahmen von Lizenzen auf Transaktionen zu verschieben. Der frühe Hype um Magento hat zum Glück etwas Bewegung in den zuvor doch recht starren E-Commerce-Markt in Deutschland gebracht. Für den Massenmarkt ist jedoch weniger die Art der Lizenzierung ausschlaggebend, sondern vielmehr die Höhe der Anschaffungskosten. Ob die Software nun unter einer Open-Source-Lizenz oder sogenannte Freeware ist, ist für den Großteil der Kunden schlichtweg egal. Unserem Schritt, erneut eine kostenfreie Shoplösung zu veröffentlichen, werden sicher noch einige Hersteller folgen, denn auf Dauer wird es besonders für kleinere kommerzielle Anbieter etwas schwerer, gegen die breite Front an kostenlosen oder kostengünstigen E-Commerce-Lösungen zu bestehen.

Wie sehen Sie Ihre Position auf dem deutschsprachigen Markt im Gegensatz zu Mitbewerbern wie Magento, Oxid oder Shopware?

Der deutschsprachige Markt ist groß genug, sodass hier im Bereich Shopsoftware noch kein Verdrängungswettbewerb stattfindet. Den Markteintritt von Magento oder den Strategiewechsel von Oxid haben wir im Lizenzabsatz nicht negativ gespürt, vielmehr hat der Hype um Magento dazu geführt, dass eine Vielzahl von kleineren Unternehmen den Schritt zu einen Shop gemacht haben und wegen der nicht unerheblichen Kosten und des Aufwands bei Magento schlussendlich bei xt:Commerce gelandet sind. Um den massiv steigenden Nachfragen gerecht zu werden, haben wir auch in Berlin ein neues Support/Sales-Team mit insgesamt sieben neuen Mitarbeitern und zusätzlich zehn neuen Entwicklerressourcen für xt:Commerce 4.0 CE geschaffen.

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8 Antworten
  1. von Kerim Alkim am 03.03.2011 (05:20 Uhr)

    Guten Morgen,
    warum wird vom Herrn Mario Zanier nicht erzählt, dass sich die Dienstleister dazu verpflichten müssen keine Dienstleistung für andere XT:Commerce basierten Onlineshops anzubieten, wenn man Dienstleistungen für das Veyton CE anbieten möchte?

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  2. von Oliver am 03.03.2011 (09:32 Uhr)

    Ich bin damals für einen Kunden von Veyton auf Oxis umgestiegen, weil Veyton voller Bugs ist, nach längerer Zeit im Admin Bereich jeden Browser in die Knie zwingt, der Support von xt:commerce unterste Schublade ist, Kritik nicht nur unerwünscht ist, sondern auch rigoros gelöscht wird und vieles mehr.

    Wer Veyton produktiv einsetzen will, ist selbt schuld.

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  3. von www.abouttheweb.de am 03.03.2011 (12:42 Uhr)

    @Kerim Alkim
    Was heißt das genau?

    @Oliver
    Vom Support kann ich auch nichts gutes berichten. Mir tut das Geld heute noch Leid, dass ich damals da rein gesteckt habe.

    Ich bin aber sehr gespannt mal den Code zu sehen. Die Codebasis der 3er Version war ja mal mehr als schlecht. Und ich bin gespannt, wie viele Sicherheitslücken das ganze zu Tage fördert.

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  4. von Kerim Alkim am 03.03.2011 (12:47 Uhr)

    @www.abouttheweb.de
    Also, ich hatte mit Mario Zanier eine ICQ Unterhaltung. Es ging darum, wie man Dienstleister für die CE Version werden kann. Es stellte sich halt heraus, dass man eben zertifiziert werden muss, um eben eine entsprechende Dienstleistung offiziell anbieten zu dürfen. Das ist ja nichts Schlimmes.
    Eine Vorausetzung dafür ist aber, das man keinerlei Dienstleistungen für andere XT:Commerce basierte Onlineshops anbieten darf. Wenn man das tut, dann gibt es keine Zertifizierung.
    Ich habe mir diese Unterhaltung natürlich abgespeichert, nur für den Fall der Fälle :)

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  5. von www.abouttheweb.de am 03.03.2011 (12:51 Uhr)

    @Kerim Alkim
    Mit anderen Worten:
    Das, was man durch die CE Version an Geld weniger einnimmt, holt man durch Zertifizierungen wieder rein. Und um auch sicherzugehen, dass nicht zu viele CEs durchs Web geistern, werden Dienstleistern Steine in den Weg gelegt, die dann lieber kein CE Support anbieten.

    So geht es natürlich auch.

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  6. von Kerim Alkim am 03.03.2011 (12:52 Uhr)

    ich finde es heftig. Und es wäre mal zu überlegen, ob man das nciht auf seine rechtmässigkeit überprüfen lassen sollte :)

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  7. von www.abouttheweb.de am 03.03.2011 (12:54 Uhr)

    Sehe ich genauso. Ich kann mir auch nicht ganz vorstellen, dass das so in Ordnung ist. Es bleibt ja allerdings abzuwarten, ob es wirklich so kommt. Wenn ich das richtig verstanden habe, ist da ja bisher nicht offiziell.

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  8. von Kerim Alkim am 03.03.2011 (12:55 Uhr)

    abwarten und Tee trinken :)

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