Last.FM und Grooveshark - Die Lösung für den Desktop
Musik kann man natürlich nicht nur mit seinem iPad entdecken. Auf dem Desktop nutze ich seit Jahren Last.FM, um neue Musik zu entdecken. Zwar hat Last.FM schwere Mängel, was zum Beispiel die richtige Zuordnung von Alben zu Interpreten, die Vollständigkeit, die zeitliche Richtigkeit und vieles mehr betrifft. Was aber richtig gut funktioniert, ist die Zusammenstellung der Radiostreams. Ich gebe ein, man möge mir einen Stream servieren, der klingt wie Disciple - und stets entdecke ich in diesem Stream aus verschiedensten Künstlern, die aber eben stilistisch ähnliche Musik erschaffen, neue und höchst interessante Bands und Interpreten.
Wer also auf der Suche nach seinem Musikgeschmack entsprechenden Künstlern ist, kommt um Last.FM nicht herum. Anders sieht es aus, wenn man schon genau weiß, was man hören will. Will ich beispielsweise das großartige Album Scars Remain von Disciple komplett durchhören, habe aber keinen Zugriff auf meine Musiksammlung, werfe ich Grooveshark an und wenige Sekunden später gibt es entsprechend auf die Ohren. Es gibt kaum etwas, das Grooveshark nicht in seiner riesigen Datenbank führt. Sehr erstaunlich, dass diese Leistung völlig kostenfrei angeboten wird.
Auch für das iPad und für mobile Geräte gibt es Last.FM. Allerdings ist die Streamingfunktion seit kurzem nur noch Abonnenten zugänglich. Diese zahlen einen monatlichen Obulus von 3 Euro. Schlanke 36 Euro im Jahr nur für das mobile Entdecken neuer Mucke ist mir dann doch etwas heftig.
Ebenso sieht es bei Grooveshark aus. Hier gibt es allerdings keine App für das iPad, lediglich eine für Android, die man auch zunächst kostenlos testen kann. Während der Tests musste ich jedoch feststellen, dass die mobile Variante bei weitem nicht über den Umfang der Webversion verfügt. Viele Interpreten und/oder Songs werden mobil gar nicht gefunden. Zudem muss man für die mobile Nutzung ebenfalls Abonnent werden. Das relevante Abo heißt Grooveshark Anywhere und schlägt mit satten 9 US-Dollar pro Monat zu Buche. 108 Dollar pro Jahr für mobiles Muckelauschen, zudem noch mit den benannten Mängeln, klingt für mich allerdings nicht nach einem guten Deal.
Discovr - Last.FM für das iPad
Hier kommt Discovr ins Spiel. Discovr 1.2 ist eine App, die ausschließlich für das iPad verfügbar ist und im App Store für 2,39 € erworben werden kann. Im Prinzip funktioniert Discovr wie Last.FM. Man tippt den Namen eines Künstlers in das Suchfeld und Discovr findet neben diesem, weitere mit einer ähnlichen Soundausrichtung. Am Beispiel Disciple sieht das dann so aus:
Tappt man auf seinem iPad in der - ich nenne es mal - Satellitenansicht einfach auf einen der angezeigten Acts, werden wiederum zu diesem Act ähnliche Künstler angezeigt, hier am Beispiel von Thousand Foot Krutch:
Möchte man zu einem der angezeigten Künstler nun weitere Informationen abrufen, doppeltappt man auf den Namen und erhält auf seinem iPad eine umfangreiche Informationsübersicht, hier am Beispiel von Skillet:
Unterhalb einer Reihe von Videos zum Act, die von YouTube bezogen werden, gibt es biografische Informationen, eine Liste der letzten Berichte über die Band, eine Liste mit den letzten Reviews zu Alben oder Konzerten, sowie eine Linkliste mit anderen Profilen der Band, darunter auch unterschiedliche Kaufmöglichkeiten, wie etwa iTunes oder Amazon.
Auch wenn die biografischen Informationen in den meisten Fällen nicht brandaktuell sind, also nicht bis in die Gegenwart reichen, erhält man über die Blog- und Reviewliste eine komfortable Möglichkeit, die fehlenden Infos schnell nachgereicht zu bekommen. So habe ich im Falle Skillet auf diese Weise erfahren, dass soeben der Gitarrist ausgestiegen ist. Grmpf..
Die Satellitenansicht übrigens kann man auf seinem iPad beliebig groß ziehen. Will man nach einem anderen Künstler suchen, schüttelt man kurz sein iPad und kommt so zurück zum Suchfeld. Den gleichen Effekt erzielt man mittels Tap auf die Lupe links oben am Bildschirm.
Am unteren Rand des iPad-Screens wird stets ein Band mit den Favorites angezeigt. Dabei handelt es sich zunächst um die Liste der von Euch gesuchten Künstler. Man kann die Liste aber auch willentlich populieren, indem man in der Bandansicht rechts oben auf das Pfeilsymbol tappt. Das dann erscheinende Popup erlaubt Euch (hier am Beispiel von Thousand Foot Krutch), den Künstler via Twitter, Facebook oder E-Mail zu sharen oder ihn zur Favoritenleiste hinzuzufügen.
Alles in allem stellt Discovr auf dem iPad eine sehr intelligente, steuerbare Möglichkeit dar, seinen musikalischen Horizont auf der Basis seines vorhandenen Musikgeschmacks zu erweitern. Die 2,39 Euro sind gut angelegt.
Aweditorium - Unbekanntes Terrain auf dem iPad
Ein vollständig anderes Konzept verfolgt Aweditorium 1.02, das ebenfalls ausschließlich für das iPad verfügbar ist und im App Store kostenlos bereit steht. Aweditoriums UI sieht aus wie eine Fotowall und bietet keinerlei Steuerungsmöglichkeiten. Hier soll frei und assoziativ Musik entdeckt werden.
Mittels Tap auf eines der Bilder gelangt man ohne Umschweife zum jeweiligen Künstler und hört den hinterlegten Song. Sprechblasen auf dem Screen informieren über Band und Entstehungsgeschichte, kleine Icons am rechten unteren Bildschirmrand dienen dazu, beispielsweise Twitter und Facebook zu bestücken, etwa auf YouTube vorhandene Videos aufzurufen, Songs via iTunes zu erwerben oder zurück zur Fotowall mit allen Acts zu wechseln. Durch einen erneuten Tap verschwinden die Icons und die Lyrics zum laufenden Song werden satzweise, wie in einer Karaokebar, eingeblendet.
Sämtliche hinterlegten Künstler gehören der Indie-Musikszene an. Das ist die eine Gemeinsamkeit, die eigentlich keine ist, weil die Absenz eines Plattenvertrags nichts aussagt über Stil, Sound und Ähnliches. Die andere Gemeinsamkeit besteht darin, dass der Hersteller der App den Katalog selbst zusammengestellt hat und es mithin für Bands und Künstler derzeit keine Möglichkeit gibt, sich aktiv in den Katalog aufnehmen zu lassen. Die Welt, die es hier zu entdecken gibt, ist also nicht frei. Immerhin ist sie groß genug, um damit maßgebliche Mengen an Freizeit zu füllen.
Der Vorteil der App ist zugleich aber auch ihr Nachteil. Da es um das freie Entdecken neuer Sounds geht, ist keinerlei Preselektion vorgesehen. Gut möglich also, dass man durch einen unvorsichtigen Swipe plötzlich Musik auf den Ohren anliegen hat, die dem Trommelfell irreversible Schäden zufügen kann. Insofern ist Aweditorium nur etwas für sehr weltoffene Abenteurer in Sachen Musik.
Im Ergebnis will ich gern einräumen, dass auch ich mit Aweditorium schon ein gutes Dutzend neuer Künstler entdecken konnte, deren Namen mir sonst wohl auf ewig unbekannt geblieben wären. Natürlich waren auch mehr als ein Dutzend Künstler dabei, deren Namen mir lieber auf ewig unbekannt geblieben wären.
Fazit: Music makes the world go round
Mit Last.Fm, Grooveshark, Discovr und Aweditorium wird die musikalische Welt runder und sogar besser. Denn hier geht es nicht um Bohlenschen Massenmist, der einem ohnehin täglich hundertfach aus den Radios entgegen quillt, sondern um echte Musiker mit echten Fähigkeiten. Natürlich könnte man bei Grooveshark auch nach Modern Talking mit Erfolg suchen, aber wer würde ein wunderbares Werkzeug schon so missbrauchen?





2 Answers
von Mit dem iPad Musik entdecken: Discovr un… 01.03.2011 (17:55Uhr) 1.
[...] Bei T3N gibt es den ganzen Text >> [...]
von Michael Fritz 02.03.2011 (09:11Uhr) 2.
Schade, dass lastFM radio kostenpflichtig geworden ist..hab das jahre lang benutzt.
:-(