iPhone-5-Produktion: Journalist auf Undercover-Mission bei Foxconn

iPhone-5-Produktion: Journalist auf Undercover-Mission bei Foxconn
Während die Tech-Gemeinde noch darüber streitet, ob das am gestrigen Mittwochabend vorgestellte iPhone 5 revolutionär ist oder nicht, stehen wieder einmal die schlechten Arbeitsbedingungen bei Apple-Zulieferer Foxconn in der Kritik. Ein chinesischer Journalist hat sich in eine Foxconn-Fabrik eingeschlichen und undercover bei der iPhone-5-Produktion mitgearbeitet. In seinem Tagebuch berichtet er von verdreckten Schlafräumen, vergitterten Fenstern, Drill und schlecht bezahlten Überstunden.
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Undercover-Bericht über die iPhone-5-Produktion bei Foxconn (Quelle: M.I.C. Gadget)

In Günter-Wallraff-Manier ließ sich der Reporter der chinesischen Zeitung Shanghai Evening News undercover in der Foxconn-Fabrik in Taiyuan als Arbeiter anheuern und berichtet im Rahmen wenig schmeichelhafter Tagebucheinträge über die harten Bedingungen der chinesischen Arbeiter. Während seines insgesamt zehn Tage dauernden Arbeitseinsatzes war er ab Tag 8 auch in der iPhone-5-Produktion beschäftigt. Die Authentizität des Berichtes ist nicht nachzuprüfen, wie die englischsprachige News-Seite M.I.C. Gadget betont. Nach zehn Tagen jedenfalls gab der Reporter seine Undercover-Mission auf.

iPhone-5-Produktion: Markieren, markieren, markieren

Zu Beginn stand das Ausfüllen von Formularen und das Unterschreiben des Arbeitsvertrags - jeweils unter den strengen Augen und der „Mithilfe“ der Vorgesetzten. Nach einem siebentägigen intensiven Training, das vor allem darauf hinauszulaufen scheint, dass die Arbeiter lernen, den Anweisungen exakt zu folgen, wurde der Reporter schließlich ans Fließband gesetzt. Seine eintönige Arbeit bestand darin, die Rückwand des mit vier Punkten zu markieren – das Minimum während der zehnstündigen Arbeitszeit waren 3.000 Stück. Darüber, wie viel ein Arbeiter für eine solche Schicht verdient, gibt es keine Auskunft. Zwei Überstunden nach dem Zehn-Stundentag wurden jedenfalls mit umgerechnet 4 Dollar vergütet. Die zynische Anfeuerung: „Das ist das noch unveröffentlichte iPhone 5, ihr solltet euch geehrt fühlen, die Chance zu haben, es zu produzieren.“

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Foxconn-Fabrik in Taiyuan (Quelle: M.I.C. Gadget)

Viel trister als die Arbeitsbedingungen scheinen allerdings die Lebensbedingungen der Arbeiter zu sein, die auf einem Campus-artigen Gelände in der Nähe der Fabrik untergebracht sind. Die Schlafräume seien kakerlakenverseucht, es stinke erbärmlich und überall liege Müll herum, klagt der Undercover-Arbeiter in seinem Tagebuch. Vor den Fenstern seien Gitter angebracht – offenbar als Reaktion auf die Selbstmorde von Foxconn-Mitarbeitern der Vergangenheit. Zwar gebe es neben den Schlafräumen auch Kantinen, Waschräume, einen Spielplatz, eine Turnhalle, ein Krankenhaus, eine Postfiliale, eine Bibliothek und sogar eine Art Einkaufsstraße – allerdings alles in keinem guten Zustand. Den Stress lassen die Arbeiter offenbar am Wochenende auf dem Spielplatz heraus, wo allwöchentlich Partys stattfinden.

Ob die Arbeitsbedingungen in dieser speziellen Foxconn-Fabrik, in der ein Teil der iPhone-5-Produktion stattfindet, besser oder schlechter sind als in anderen Herstellungsorten der Auftragsfertiger in China, lässt sich von hier aus natürlich nicht beurteilen. ist allerdings in Sachen Arbeitsbedingungen schon mehrfach in die Kritik geraten. Zuletzt reagierte das Unternehmen mit einer Erhöhung der Löhne und einer Senkung der Überstunden. Ob echt oder nicht: Zumindest sollten die Tagebuch-Einträge uns westeuropäische Konsumenten für ein paar Minuten zum Nachdenken darüber anregen, unter welchen Bedingungen unsere liebsten Tech-Gadgets hergestellt werden.

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15 Antworten
  1. von Daniel Ahrend via facebook 13.09.2012 (12:28Uhr) 1.

    Innovative Neuerungen bleiben aus. Bin enttäuscht.

  2. von Michael 13.09.2012 (12:30Uhr) 2.

    Das ist dann wohl die schäbige Seite des iPhone.

  3. von Robert Hartung 13.09.2012 (12:36Uhr) 3.

    Glaubst du wirklich, dass andere Handys oder generell Elektronik-Proukte, besser gefertigt werden, Michael?

  4. von Mirko Brunner via facebook 13.09.2012 (12:37Uhr) 4.

    Zumal alle nur nach den Arbeitsbedingungen von Apple-Produkte schauen. Samsung, Huawei & Co interessiert auch der t3n herzlich wenig. Aber vielleicht will man auch Werbepartner nicht vergraulen.

  5. von Kevin Gysler via facebook 13.09.2012 (12:38Uhr) 5.

    Und bei anderen Anbietern soll's anders aussehen?? Das ist nunmal die traurige Wahrheit. Die meistens Produkte, die wir alltäglich nutzen werden unter grausamen Bedingungen gemacht. Das ist leider keine Ausnahme mehr.... Ich denke auch Samsung wird seine S serie unter keinen groß anderen Umständen herstellen lassen. Für die Firmen zählt nunmal nur das Geld. Da geht man auch über Leichen.

  6. von Carlo 13.09.2012 (12:42Uhr) 6.

    „Ob echt oder nicht: Zumindest sollten die Tagebuch-Einträge uns westeuropäische Konsumenten für ein paar Minuten zum Nachdenken darüber anregen, unter welchen Bedingungen unsere liebsten Tech-Gadgets hergestellt werden.“

    Ich würde mich über einen Artikel über faire Alternativen freuen.
    Vielleicht mit einer Abwägung zwischen Innovation und Fairness der Produkte.
    Gibt es so etwas?

  7. von Karsten Vieth via facebook 13.09.2012 (12:46Uhr) 7.

    Ob Jeans, ob Samsung oder Apple, gute Arbeitsbedingungen gibt fast nirgends, und das alles nur damit wir billige Produkte bekommen.
    Gut finde ich das zu all dem Apple Hype der auf/in T3n statt findet auch mal was kritisches Berichtet wird

  8. von Timo Hermann via facebook 13.09.2012 (12:47Uhr) 8.

    Und wenn wir schon Wikipedia zitieren, gleich noch ein aufschlussreicher Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Samsung_Group#Arbeitsrechtliche_Verst.C3.B6.C3.9Fe_bei_chinesischen_Zulieferfirmen - Es ist absolut richtig, dass sich etwas ändern muss. Es kann sich aber nur etwas ändern, wenn Medien anfangen, objektiv zu berichten und aufhören, sich für Konzerne für ihre Propaganda vor den Karren spannen zu lassen. Anders ist es nämlich nicht erklärlich, dass der mediale Fokus so auf einem Unternehmen liegt.

  9. von René 13.09.2012 (12:57Uhr) 9.

    Natürlich ist es bei den anderen Herstellern auch so. Doch bei diesem Hersteller weiß man es und das ist doch das erschreckende. Die Auftraggeber (ob nun Apple oder sonst etwas) interessiert es nicht. Wenn wir ehrlich sind, uns auch nicht. Wir werden es morgen wieder vergessen haben...

    Im Endeffekt hätten wir es in der Hand, zwar nicht unbedingt die Fabrikbetreiber zum umdenken zu bewegen, aber eben die Auftraggeber und dann würden auch die Fabrikbetreiber zuhören. Ob es jemals dazu kommen wird, weiß ich nicht...

  10. von Marc Brochhaus via facebook 13.09.2012 (13:38Uhr) 10.

    Alle anderen Dinge aus China werden unter den selben Bedingungen hergestellt. Da ist 3tn wohl nur auf den Zug der Geschichte mit dem Undercover-Mitarbeiter aufgesprungen. Geht doch schon seit Tagen durch die Presse.

  11. von Ley 13.09.2012 (14:55Uhr) 11.

    Sieht bei anderen Herstellern auch nicht anders aus. Apple ist halt der dickste Fisch im Becken.

    Hab vor kurzem ne Reportage über KIK und die Produktion der Kleidung in Indien gesehen. Denen geht es noch dreckiger als den Mitarbeitern bei Foxconn. Verdienen 20 Euro im Monat für 6 x 12 Stunden die Woche.

    Tja von Reden wird nichts besser und kaufen tuts dann doch wieder jeder.

  12. von Michael 13.09.2012 (15:13Uhr) 12.

    @Robert Hartung
    Dieses Argument, "aber die anderen machen doch auch..." kommt mittlerweile unter jeder Apple kritischen Meldung. Nat+rlich weiß ich, dass Samsung, Sony und Co dort auch fertigen. Das macht das Verhalten von Apple aber nicht besser. Die Marge des iPhone4s und jetzt 5 ist unglaublich. Es kostet bei schlechteren technsichen Daten knapp 200€ mehr. In der Produktion ca. 170€. Man sollte also überlegen, und zwar gerade bei Apple, davon mehr bei den Arbeitern ankommen zu lassen! Das gilt für Samsung &Co. genauso.

  13. von Jan 13.09.2012 (15:24Uhr) 13.

    Tja, so ist es in der Welt: Der Reichtum der einen, gründet auf Armut der anderen.

    Wo der ein verdient, veliert der andere.

    Einen Ausweg gibt es für einen normalen Mitteleuropäer nicht:
    Schon mal versucht, fair gehandelte Kleidung zu kaufen?
    Schon einmal Technik gekauft, die nicht aus China kommt?

  14. von Nico 14.09.2012 (10:46Uhr) 14.

    Ändern wird sich doch eh nichts bei Foxconn.

  15. von FairPhone: Das fair produzierte 300-Euro… 13.04.2013 (15:31Uhr) 15.

    [...] iPhone-5-Produktion: Journalist auf Undercover-Mission bei Foxconn – t3n News [...]

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