iPhone-Entwicklung Das Märchen vom reichmachenden iPhone AppStore

Timo Heuer, 11.06.2009 - 13:07 | 4 Kommentare |  |  Teilen

Im Apple-eigenen Markt für iPhone-Anwendungen (dem „AppStore“) gibt es über 50.000 Applikationen für die bisher 40 Millionen verkauften iPhones und iPod Touches. In dieser Unmenge an Apps finden sich immer wieder von Apple perfekt in Szene gesetzte Beispiele, die zeigen sollen, wie man rasch mit der eigenen App Geld einnehmen kann. Doch dieser Schein trügt: Die meisten Entwickler verdienen mit ihrer kostenpflichtigen Anwendung nur wenig.

Innerhalb eines Monats etwa hat das Unternehmen Firemint mit „Flight Control“ 485.000 Dollar (rund 345.000 Euro) eingenommen, schreibt TechCrunch. Abseits der bezahlten Anwendungen kann man zudem mit freien Apps Geld verdienen: Das auf mobile Werbung spezialisierte Unternehmen „AdWhirl“ bietet in vielen der Top-100-Apps Werbung an. Schaltende können nach eigenen Angaben bis zu 5.000 Dollar pro Tag verdienen. Es sind diese Erfolgsgeschichten, die die Mär vom über Nacht reichmachenden AppStore am Leben erhalten.

Der Goldrausch im AppStore

Der Hype um den AppStore erinnert an einen Goldrausch: Viele suchen, doch die Nuggets und damit das große Geld finden nur wenige. Beispielhaft zeigt Rick Strom, der mit vier Anwendungen in der Top-100-Liste des AppStores vertreten ist, wieviel er mit einer Platzierung auf Position 34 in der Kategorie „Social Networking“ verdient: gerade einmal 20 Euro pro Tag.

Ein anderes Problem sind illegale Kopien der iPhone-Apps. Der Spieleentwickler Miguel Sanchez-Grice hat die Zugriffsstatistiken für sein iPhone-Game "iCombot" ausgewertet und dabei von den neuen Zugriffen die Anzahl der gekauften Versionen abgezogen. Sein Ergebnis: Bis zu 82 Prozent der Nutzer spielen eine gecrackte Version, anstatt den Preis von 99 Cent zu bezahlen.

Manche Entwickler geben inzwischen auf. „Für mich macht es keinen Sinn, ein (kostenpflichtiges) Spiel anzubieten, für das niemand bezahlen will“, schreibt der Entwickler des Spiels „iCascade“. Trotz einer Vielzahl an positiven Reviews war das Spiel kein durchschlagender Erfolg: 72 Euro hat er verdient. Nun bietet er „iCascade“ gratis an.

Mit iPhone-Apps Geld verdienen: Mehr Glück als Verstand

Der österreichische iPhone-Entwickler und t3n-Leser Marcus Hofbauer meint ebenfalls, mit dem AppStore ließe sich für normale Entwickler kein Geld verdienen. Zwar habe er das Spiel "iPICROSS" bereits mehrere hundert Male zu je 99 Cent verkaufen können, „aber bei dem Preis, wovon noch ein Drittel an Apple geht, bleibt da nicht viel übrig.“ Mit iPhone-Anwendungen ließe sich nur Geld verdienen, wenn man das notwendige Glück habe, meint Hofbauer und ergänzt: „Wenn man es auf eine Top-Liste im AppStore schafft oder in einem entsprechenden Blog kommt, dann kann es funktionieren.“

Ähnlich sieht es Simon Kahlaf in diesem Posting auf Flurry.com. Sein Erfolgrezept besteht aus der Mischung eines großartigen Konzepts und eines guten Benutzererlebnisses mit straffem Marketing und einem intelligenten Plan zur Verbreitung.

Ab 2:10 gibt Michael Schade, der Geschäftsführer von Fishlabs Entertainment, in diesem Video-Interview Tipps, um die eigene App erfolgreich zu platzieren:

Link: Interview_Michael_Schade

Foto: William Hook - Attribution-Share Alike 2.0 Generic

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4 Antworten zu “iPhone-Entwicklung: Das Märchen vom reichmachenden iPhone AppStore”

  1. #1 Kein Geld mit iPhone-Apps?

    [...] Mentalität scheint auch vor dem iPhone-Land nicht haltzumachen. Zumindest wenn man Timo Heuer auf T3N [...]

  2. #2 AppStore: Goldgrube oder Friedhof? : iPhone User Blog

    [...] sich noch weiter mit dem Thema befassen möchte findet beim t3n Magazin noch ein Video von Michael Schade von Fishlabs Entertainment. Dieser gibt in einem Interview einige [...]

  3. #3 Tanja

    Nachdem ich mich vor drei Monaten im Bereich iPhone Entwicklung selbständig gemacht habe, hab ich den Artikel natürlich mit Interesse gelesen.

    Es stimmt leider, dass der App Store in vielen Bereichen schlecht gemacht, unfair und irgendwie auch ein Glücksspiel ist. Trotzdem finde ich die unterschwellige Grundeinstellung des Artikels - jeder sollte im AppStore reich werden können - einfach nur falsch.

    Wenn es irgendeinen Bereich gibt, in dem einfach Jeder ohne viel Arbeit und Einsatz reich werden würde, wäre doch tierisch was faul. Sowas kann nicht gehen! Wer etwas anderes erwartet, wenn er sich auf irgendeinen Tätigkeitsbereich einlässt, erliegt doch der selben Illusion wie die Wallstreet-Zocker, über die jeder nur den Kopf schüttelt.

    Deshalb sehe ich es anders: der App Store ist eine super Möglichkeit für Leute aus dem IT-Umfeld, mit überschaubarem Aufwand ein eigenes Geschäft anzufangen. Wo kann man das sonst schon? Die 30%, die Apple als Provision einbehält, sind unglaublich günstig im Vergleich zum Unterhalt einem eigenen Abrechnungssystem mit Retourenmanagement und Inkasso bei nichtzahlenden Kunden.

    Arbeiten muss dann halt doch jeder für sich alleine. Und schneller Reichtum für mehr als eine Handvoll Leute war noch nie mehr als eine Illusion. Vielleicht rede ich ja in einem Jahr auch anders. Bisher fühlt sich das für mich aber immernoch nach der bisher besten Chance an, mich selbst und meine Ideen zu verwirklichen.

  4. #4 iPhone Apps

    Ich denke wenn man mit einem solchen App wirklich verdienen will muss man schon eine außerordentlich gute Idee haben. Der Alleinstellungsfaktor ist dabei sehr wichtig. Viele Apps ähneln sich. Zudem sollte man versuchen die Applikationen auf einschlägigen iPhone Webseiten und Magazinen bekannt zu machen. Im Apps Store gehen die meisten Applikationen im Nirvana unter!

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