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Startups

Kommt die IT-Blase? 3 einflussreiche Venture Capitalists warnen schon: „No one’s fearful, everyone’s greedy!“

    Kommt die IT-Blase? 3 einflussreiche Venture Capitalists warnen schon: „No one's fearful, everyone's greedy!“

Kommt die IT-Blase? (Bild: Flickr-Purple Slog / CC-BY-2.0)

Im kalifornischen Tech-Mekka rundum San Francisco und dem Silicon Valley sind zu viele Startups nicht aus eigener Kraft überlebensfähig – schuld sind vor allem hohe Burn-Rates. Drei Risikokapital-Manager schlagen jetzt Alarm, wie unser US-Korrespondent Andreas Weck berichtet.

Das Silicon Valley hat einige große IT-Unternehmen hervorgebracht, die mit ihren Milliarden-Einnahmen zu den wertvollsten Unternehmen der Welt gehören – allen voran Google, Apple und Facebook. Die US-amerikanische Tech-Branche ist stolz auf diese Global Player, die wahre Revolutionen losgetreten und festen Boden unter ihren Füßen haben. Doch neben diesen Protagonisten gibt es auch genügend andere Beispiele wie Twitter und Pinterest, die zwar wertvoll gehandelt werden, aber auch noch nach Jahren kaum Geld verdienen und streckenweise sogar mehr verbrennen, als sie eigentlich einnehmen.

Das große Versprechen vieler Startups gegenüber ihren Investoren an der Westküste lautete schon immer: Nutzer werden monetarisiert, sobald sie erreicht werden. Doch nachträgliche Anpassungen von Nutzungsbedingungen können trügerisch sein und nicht selten dazu führen, dass Anwender sich verprellt fühlen. Im Falle von Pinterest, das sich nachträglich ein Recht auf den Verkauf von Nutzerbildern einräumte, führte die Kritik sogar so weit, dass das Unternehmen die Pläne wieder kippte. Die Verantwortlichen mussten ernsthaft um ihre Nutzerbasis fürchten. Auch Twitter experimentiert mit Funktionen und Formaten zur Monetarisierung, die selbst die loyalsten Anwender am fortführenden Mehrwert der Plattform zweifeln lassen. Die Gebäude stehen auf einem wackligen Fundament.

Viele Unternehmen überleben nur aufgrund von Risikokapital

Gefahren einer IT-Blase? Startups in San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley stehen auf wackligen Boden. (bednbuild.com / all rights reserved)
Gefahren einer IT-Blase? Startups in San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley stehen auf wackligen Boden. (bednbuild.com / all rights reserved)

So kommt es vor, dass selbst die schillerndsten Namen hinter den Kulissen nach wie vor nur mit Risikokapital am Leben gehalten werden – und ein Ende dieser Phase ist oft nicht in Sicht. Beispiele wie die um Twitter und Pinterest gibt es tausendfach in der Bay Area. Die nächsten Protagonisten könnten Dienste wie Yo oder Snapchat sein, die derzeit gehypt sind und mit einer großen Nutzerbasis punkten. Unabhängig davon, ob ein Geschäftsmodell dahinter steckt, werden sie von Risikokapital-Unternehmen ebenfalls mit Millionen unterstützt. Die Hoffnung in gutes Geld ist groß und die Kriterien haben sich über die Jahre nur wenig verändert.

Gerade aus dem europäischen Ausland wird dahingehend oft die Frage gestellt, ob sich im Silicon Valley aktuell eine neue Technologie-Blase entwickelt. Kritik wurde von der kalifornischen Startup- und Investoren-Szene bisher weitestgehend abgewiesen. Vor allem über einen Vergleich mit der zur Jahrtausendwende stattgefundenen Dotcom-Blase wird heftig diskutiert. Kritiker glauben, dass die Ausmaße bei einem Zusammenbruch ähnlich heftig sind und die Unternehmensbewertungen vergleichsweise absurd horrend ansteigen –  eben wie vor 14 Jahren. Die Gegner meinen, dass wesentlich weniger Geld in das System gepumpt wird. Gemeint ist vor allem, dass die Hürden für weiterführende Finanzierungsrunden höher sind als damals und Geld in der Phase nicht mehr ganz so billig ist. Dennoch muss man sagen, dass vor allem das Fremdkapital in der Gründungsphase  neuer Startups bei vielen Risikokapitalgebern ziemlich locker sitzt.

Einflussreiche Risikokapitalgeber warnen öffentlich vor den Gefahren einer möglichen IT-Blase

Dass das System beunruhigende Fehler aufweist, wird allerdings dieser Tage auch mehr und mehr im Silicon Valley thematisiert. In den letzten Wochen haben sich beispielsweise gleich drei große Risikokapitalgeber öffentlich zu Wort gemeldet und Bedenken an Entwicklungen und Mechanismen geäußert – die Rede ist von Marc Andreessen, Bill Gurley und Fred Wilson.

1. Marc Andreessen: „Many high burn rate co's will vaporize.“

Marc Andreessen: „Many high burn rate co's will vaporize.“ (Foto: Andreessen Horowitz)
Marc Andreessen: „Many high burn rate co's will vaporize.“ (Foto: Andreessen Horowitz)

Marc Andreessen war über Jahre hinweg einer der lautstärksten Gegner, wenn es um die Frage ging, ob das Silicon Valley eine Blase heraufbeschwört. Der Mitgründer des Venture-Capitalist-Unternehmens „Andreessen Horowitz“ sieht momentan jedoch Grund zur Warnung: Auf Twitter hat er am vergangenen Donnerstag seine Sorge gegenüber der Startup-Welt geäußert, die im Falle einer negativen Entwicklung des Marktes wenig überlebensfähig sei.

Er kritisiert vor allem, dass die Ausgaben der Startups im Vergleich zum Entwicklungsstand viel zu hoch sind: „When the market turns, and it will turn, we will find out who has been swimming without trunks on: many high burn rate co's will vaporize.“, heißt es unter anderem in einem von insgesamt 18 Tweets. In einem anderen Tweet schreibt er: „Therefore you take on escalating risk of a catastrophic down round. High-cash-burn startups almost never survive down rounds.“ Seiner Meinung nach, müssen Startups aufhören Unsummen in hippe Büros, zu viele Mitarbeiter oder unnötige Mitarbeitervergünstigungen zu stecken.

2. Bill Curley: „No one's fearful, everyone's greedy, and it will eventually end.“

Bill Curley: „No one's fearful, everyone's greedy, and it will eventually end.“ (Bild: Flickr-TC / CC-BY-2.0)
Bill Curley: „No one's fearful, everyone's greedy, and it will eventually end.“ (Bild: Flickr-TC / CC-BY-2.0)

Dass Silicon-Valley-Investoren zu oft zu risikoreiche Investitionen eingehen, kritisierte nur wenige Wochen zuvor Bill Gurley in einem Interview mit dem Wall Street Journal. Der Partner des Risikokapitalgebers „Benchmark“, geht sogar soweit, dass er Parallelen zur Gier in der Dotcom-Blase entdeckt: „Every incremental day that goes past I have this feeling a little bit more. I think that Silicon Valley as a whole or that the venture-capital community or startup community is taking on an excessive amount of risk right now. Unprecedented since '99. In some ways less silly than '99 and in other ways more silly than in '99.“ Weiter unterstreicht er seine Meinung mit einer Befürchtung, die die Startup-Welt aufhorchen lassen dürfte: „No one's fearful, everyone's greedy, and it will eventually end.“

Gurley rät ähnlich wie Marc Andreessen vor allem dazu, ein Auge auf die Ausgaben der Jungunternehmen zu werfen. Er gibt zu verstehen, dass die viel zu hoch sind und ein akzeptierbares Limit gefunden werden muss. Das investierte Risikokapital muss auch ausreichen, wenn Durststrecken zu Überwinden sind. Sorge bereitet ihm auch und vor allem, dass der Anteil an Mitarbeitern, die in derartigen Startups arbeiten, ziemlich hoch ist. Ein Kollaps dürfte eine Menge arbeitslose Menschen zurücklassen.

3. Fred Wilson: „Burning cash. Losing money. Emphasis on the losing.“

Fred Wilson: „Burning cash. Losing money. Emphasis on the losing.“ (Bild: Union Square Ventures)
Fred Wilson: „Burning cash. Losing money. Emphasis on the losing.“ (Bild: Union Square Ventures)

Der Partner von Union Square Ventures, Fred Wilson, antwortete wenig später auf das Interview von Bill Gurley auf seinem eigenen Blog. In dem Artikel „Burn Baby Burn!“ unterstützt er die Einschätzung seines Kollegen: „As I was reading the WSJ piece, I found myself nodding my head and saying ‚yes’, ‚yes’, ‚yes’.“ Wilson schätzt vor allem, dass Gurley sich in dem Interview nicht etwa auf Unternehmensbewertungen als Indiz für eine Blase stützt, sondern auf die immensen Ausgaben der Startups an sich. „Valuations can be fixed. You can do a down round, or three or four flat ones, until you get the price right. But burn rates are exactly that. Burning cash. Losing money. Emphasis on the losing.“, schreibt der Experte. Dass diese Unternehmen in so gut wie jedem Portfolie von Risikokapitalgeber zu finden sind, ist klar. Die wenigsten Startups starten direkt mit einem Einnahmenüberschuss.

Allerdings besteht auch für Fred Wilson ein Unterschied darin, ob Geld herausgeworfen wird oder ob damit Entwicklungsphasen finanziert werden. Wilson schreibt weitergehend: „They are indeed sky high all over the US startup sector right now. And our portfolio is not immune to it. We have multiple portfolio companies burning multiple millions of dollars a month. Thankfully its not our entire portfolio. But it is more than I’d like and more than I’m personally comfortable with.“

Unangenehme Auswirkungen einer IT-Blase: Kriegt eure Finanzen in den Griff!

Die Warnungen der drei Risikokapitalgeber sind eindeutig. Eine Krise ist absehbar und der Markt wird sich irgendwann umkehren – daran besteht für viele Beobachter kein Zweifel, denn das verlangen die zyklischen Entwicklungen eines Marktes. Klare Voraussagen, ob eine mögliche Krise kurz bevorsteht oder noch lange auf sich warten lässt, wagen die drei Stimmen nicht. Klar ist ihnen allerdings, sobald der Markt eine negative Entwicklungen einlegt, sind die meisten Tech-Startups kaum gewappnet – die laufenden Kosten lassen nur wenig Luft zum Überwinden einer Durststrecke.

Die Message der Risikokapitalgeber an die Jungunternehmen ist also: Kriegt eure Finanzen in den Griff! Die Message an die Risikokapitalgeber könnte indes aber auch lauten: „Investiert in Startups, die euer Vertrauen verdienen und mit Geld umgehen können!“

t3n im Silicon Valley

Andreas WeckAndreas Weck hat 2014 für t3n aus San Francisco und dem Silicon Valley über neue Trends, spannende Tools und interessante Orte des Tech-Epizentrums berichtet. Sein Eindruck: Im Valley gibt es viele schlaue Köpfe und genauso viele bekloppte Geschäftsideen. / Twitter, Facebook.

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2 Reaktionen
Sebastian Steins
Sebastian Steins

Die Tatsache, dass Nutzer monetarisiert werden, nachdem sie erreicht werden, ist zwar riskant. Risiko ist aber genau das Thema von Risikokapital. Daraus alleine lässt sich keine Blasenbildung ableiten.

Es gibt sie dennoch, diese Blase. Aber sie hat nur insofern mit der Tech Industrie zu tun als dass sie sich dort einfach manifestieren kann.

Ich hatte mich zu diesem Thema hier schon einmal eingelassen: http://seb.st/this-time-is-different/

Antworten

Björn
Björn

Das Problem ist z.T. aber hausgemacht. Wenn ich jedem noch so kleinem Startup die Millionen reinbuttere muss ich mich dann auch nicht wundern wenn damit nicht ordentlich gehaushaltet wird. Und zum Teil besteht deren Geschäftsmodell ja nur darin möglichst viel Risikokapital einzusammeln. Geld verdienen kommt erst in Phase 2 (oder 3 oder 4 ...).

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