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Marketing

Ein Jahr im Leben eines Facebook-Community-Managers [Satire]

    Ein Jahr im Leben eines Facebook-Community-Managers [Satire]

Gutes Community Management kann man als Königsdisziplin bei Facebook ansehen. Strategische Überlegungen, die die Unternehmensziele in Social Media verlängern und unterstützen sind dabei essenziell. Dabei sollte man immer darauf bedacht sein, dass das Steigern der Engagement Rate nicht zwingend ein Unternehmens(kern)ziel ist. Der im Folgenden beschriebene junge Mann hat dies vielleicht etwas aus den Augen verloren. Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig.

1. Januar: Kopfschmerzen. Aber man quält sich ja nicht umsonst aus dem Bett. Es ist zwar erst 11 Uhr, aber es wird allerhöchste Eisenbahn noch schnell ein „Frohes Neues“ an die Fans zu geben, sonst bekommen wir keine Likes mehr. Genial, dass das „Guten Rutsch Euch allen“ gestern noch über die 2.000 Like Marke gerutscht ist. So nun aber wieder ab in die Falle.

14. Februar: Haha, mein Blumenstrauß-Foto zum Valentinstag ist ziemlich durch die Decke gegangen. Zum Glück haben wir nicht geposted was die Kollegen vorgeschlagen hatten. So ein lahmes „wem würdet ihr heute Blumen schenken?“ ist doch was für Schlaffis und hätte maximal 5 Shares gebracht. Einer meinte sogar, wir sollten gar nichts posten, weil das nichts mit dem Produkt des Kunden zu tun hat - zzz - Auf den Blumenstrauß gab es 50 Shares und mehr als 1000 Likes.

26. Februar: Da ist jetzt so ein witziger Tanz aufgekommen. Der Brooklyn Shake oder so ähnlich. Hammer! Ich habe gleich unsere ganze Agentur dazu ermuntert ein Video für unsere Agenturfanseite zu machen. Ein paar haben wieder rumgemault, dass das doch schon wieder total out ist. Wie soll das denn bitte gehen, ich habe doch heute erst davon gehört? Es gab auch schon ein paar Views und nette Kommentare von der Agentur um die Ecke. Harlem Shake ist es. Harlem.

31. März: Na endlich, mal wieder einen Post mit 1k Likes. Klaro, ein simples „Frohe Ostern“… wer würde da nicht auf den Like-Button drücken. Leider haben sich die anderen gewehrt, dass ich so einen Osterhasen aus der Google Bildersuche nehmen wollte. Copyrights und so. Das hätte bestimmt mehr Shares gebracht!

21. Juni: „Endlich wieder Sommer“. Die Community ist ausgerastet… Auch weit über 300 neue Likes auf der Seite heute. Das ist Rekord für dieses Jahr.

15. Juli: Irgendwie weiß ich zurzeit gar nicht was ich schreiben soll. Das letzte Foto von der Morgensonne gab schon ein paar negative Kommentare, ob wir denn wohl Sonnen oder wenigstens Sonnencreme verkaufen würden? Ätzende Trolle, haben die denn nichts anderes zu tun? Sonnen sind doch cool.  Ich werde das ganze mit einem immer wirkenden „Guten Morgen und einen schönen Start in die Woche“ auflockern.

18. Juli: HAMMERGEIL… „Guten Morgen“ geht immer - Kommentarrekord! Ich werde mir mal Gedanken machen, ob man das nicht jeden Morgen posten könnte.

24. Juli: So, jetzt heißt es erst mal Urlaub… 2 Wochen schön entspannen und meinen Kollegen die ganze Arbeit lassen. Sollen die mal sehen, wie schwer das alles ist.

9. August: Unfassbar, diese Deppen! Wenn ich alles aufschreiben würde was die falsch gemacht haben, dann sitze ich morgen noch hier. Und der lächerliche Vorwurf, ich hätte ja einen Redaktionsplan machen können. Was soll denn da drin stehen, bitte? Auch haben sie den Weltkatzentag gestern verpasst. Bekommen die denn gar nichts mit? Cat Content geht immer!

28. September: Heute geht es mir gar nicht gut. Gestern war Tag des Kaffees. Den mussten wir natürlich covern. Ich habe mir von anderen Seiten eine geniale Aktion abgeschaut: Ein Foto von mir mit einem Blatt Papier machen, darauf steht: „Wenn dieses Bild mehr als 20.000 Likes bekommt, trinke ich 20 Tassen Kaffee… Und wir haben das geschafft. Cool. Ich würde mich noch viel mehr freuen, aber ich habe die letzte Nacht gar nicht geschlafen.

1. Oktober: Das war ein Tag… Da ist doch heute dieser eine Promi gestorben. Wie heißt er doch gleich? Vergessen. Egal. Und nur, weil ich geposted habe „Like = Herzliches Beileid“ haben diese Deppen von sogenannten „Social Media Experten“ uns die Tür eingerannt. Man könne nicht den Tod eines Menschen für die Engagement Rate nutzen. Ist vielleicht was dran. Aber was soll’s, wir haben 500 neue Fans (Rekord) und in 2 Monaten kräht da eh kein Hahn mehr nach.

3. Oktober: Tag der deutschen Einheit. Immer ein umstrittener Tag. Ich glaube ich teste mal diese geniale Idee, die ich bei einer anderen Facebook Seite gesehen habe: „Freut ihr Euch über den Tag der deutschen Einheit? Ja = Like und Nein = Kommentare mit „ Nein, weil ______“ Das ist so super für die Engagement Rate, genial! Dass ich da selbst nicht drauf gekommen bin.

24. Dezember: Was soll man sagen, „Frohe Weihnachten“ ist eine Bank! Ohne Foto diesmal, ich habe gelesen, dass Plain-Text auch gut wirkt.

25. Dezember: Gleich nach dem Frühstück habe ich gechecked, wie viele Likes das „Frohe Weihnachten“ bekommen hat. Mal wieder ein Rekordpost. Dieses Jahr lief wirklich genial. So viele neue Fans und Likes… Vielleicht gönne ich mir mal 4 Stunden ohne Facebook. Hach.

31. Dezember: So noch schnell ein „Guten Rutsch“ geposted und dann auf die Piste. Hoffentlich bricht das Netz um 0:01 nicht zusammen wie im letzten Jahr, damit ich den Fans auch schnell von unterwegs ein „Frohes Neues“ wünschen kann!

tl;dr Community Manager werden ist nicht schwer, Community Manager sein dagegen sehr.

Über den Autor

Markus Sekulla arbeitet, nach einem BWL-Studium an der Uni Osnabrück und drei Jahren in Asien, als freiberuflicher Projektmanager im Bereich Social Media. Zu seinen Kunden zählt vor allem die Stadt Düsseldorf. Privat bloggt er auf Krawattentraeger.de.

(Titelfoto: ©iStockphoto.com/atakan)

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8 Reaktionen
Urlauber
Urlauber

Einfach nur göttlich, ich habe sowas von geschmunzelt.

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Jonathan
Jonathan

Herrlich! Und teilweise einfach so wahr, dass es wirklich weh tut.

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Sebastian
Sebastian

An manchen Stellen vielleicht ein bisschen hart zu unserer Berufsgruppe, aber toll geschrieben. Habe mich das ein oder andere Mal wiedergefunden. ;)

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Angelina Conic
Angelina Conic

Auch wenn hier Satire beisteht, es wird immer Leute geben, die glauben Community Management sei den ganzen Tag auf Facebook rumsurfen und ein paar belanglose Postings machen.

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Justi
Justi

Satire könnte man fast schon weglassen im Titel ;)

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Jürgen
Jürgen

Genialer Artikel! Kompliment, Markus

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Andreas Voetz
Andreas Voetz

Wenn ich das so lese, ist es vielleicht gut, dass das nix geworden ist mit dem "Community Manager" :-)

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