Vorheriger Artikel Nächster Artikel

Jailbreak: Warum man sein iDevice befreien sollte – oder auch nicht

Seit wenigen Tagen steht der untethered „Evasi0n“ für nahezu alle iOS-Geräte zum bereit. Der Ansturm auf das Tool, das Apples Sicherheitsmechanismen aushebelt, um auch aus anderen Quellen als dem offiziellen App-Store Anwendungen zu laden, war enorm. Warum sollte man sein iPhone oder iPad überhaupt jailbreaken? Und was spricht dagegen? Wir haben für euch ein paar Aspekte beider Perspektiven zusammengestellt.

Jailbreak: Warum man sein iDevice befreien sollte – oder auch nicht

Warum lohnt sich ein Jailbreak?

 Zugriff auf alternativen App-Store Cydia

Cydia ist der alternative Marktplatz für Jailbreak-Apps, -Tweaks und -Updates

Wie eingangs erwähnt, hat der Nutzer eines „gejailbreakten“ iDevices die Möglichkeit Apps auch aus anderen Quellen zu installieren. Hier ist der Hauptanlaufpunkt der alternative App-Store Cydia. Dort bieten verschiedene Entwickler ihre Apps und Erweiterungen an. Cydia kann im Grunde mehr als eine Art Browser verstanden werden, so definiert Saurik, Cydia-Entwickler, seinen Store. Mithilfe von Cydia können Entwickler ihre Anwendungen indirekt anbieten. Sie hosten ihre Apps und Tweaks selbst, mittels einer Repository (Repo) wird das Angebot in Cydia eingebunden. Cydia ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt zum Kaufen und Abrechnen der gekauften Apps.  Einige Repos sind standardmäßig verknüpft, weitere lassen sich allerdings hinzufügen, sofern man die URLs kennt. Dem Nutzer stehen so beispielsweise Anwendungen zur Verfügung, die aus diversen Gründen nicht zulassen würde. Eine der bekanntesten Apps dürfte wohl der VLC-Player sein – die Repo lautet: http://cydia.zodttd.com/repo/cydia.

Tweaks erweitern und verbessern bestehende iOS-Funktionen

Mit einem Jailbreak lassen sich nicht nur diverse offiziell nicht zugelassene Apps auf dem iPhone oder iPad installieren, sondern der Nutzer hat die Freiheit die Funktionen seines iDevices zu erweitern. So besteht beispielsweise die Option mittels des Tweaks Auxo die Multitasking-Funktion gehörig aufzuschrauben oder auch die Benachrichtigungsleiste um Features zu erweitern. So bietet zum Beispiel Emblem die Möglichkeit Benachrichtigungen á la OS X aufs iPad zu bringen. Die Notification-Bar, die auch auf dem iPhone zum Einsatz kommt, wirkt doch irgendwie etwas fehl am Platz.

Schnellzugriff auf Systemfunktionen direkt vom Homescreen

SBSettings – der Klassiker unter Jailbreak-Apps (Bild: ModMyI)

Eine Funktion, die seit Jahren hätte integrieren sollen, ist die Möglichkeit diverse Systemfunktionen wie WLAN, Bluetooth, Tethering oder den Flugmodus direkt vom Homescreen aus zu aktivieren. Dies ist dank des Jailbreak-Klassikers SBSettings ganz einfach. Eine interessante Alternative ist auch NCSettings.

Endlich Widgets für den Lock - und Homescreen

Was bei Android-Geräten Standard ist, wünschen sich auch manche iOS-Nutzer, denn der rasche Blick auf ein Widget spart viel Zeit und ist bequem. Wer sein iDevice mit einem Jailbreak versehen hat, kann sich mit IntelliScreenX bzw. DashboardX Widgets auf den Lock- und den Homescreen legen.

Individualisierung von iPhones und iPads

Apples iOS hat seit 2007 kein großes Update seiner Nutzeroberfläche erhalten. Manche mögen dies vielleicht gutheißen, andere finden es mittlerweile langweilig, wenngleich sie nicht unbedingt Apple den Rücken kehren möchten, nachdem mehrere hundert Euros in den App-Store geflossen sind. Dank der Tweaks Dreamboard und Winterboard ist es recht leicht das Design der Nutzeroberfläche nach seinen eigenen Wünschen zu gestalten.

Hier nur ein Beispiel von unzähligen:

Außer diesen Gründen, die für einen Jaikbreak sprechen, stehen dem Nutzer eine Unmenge an Möglichkeiten offen, sein iDevice um Funktionen zu erweitern, zu individualisieren und zu experimentieren. Hier eine Auswahl weiterer Artikel, in denen Jailbreak-Tweaks und Apps vorgestellt werden.

Warum man vielleicht die Finger vom Jailbreak lassen sollte

Das iDevice kann beim Jailbreak-Prozess Schaden nehmen

Ein Grund, der immer wieder genannt wird aber nur teilweise korrekt ist, ist der, dass das iDevice während des Jailbreak-Prozesses beschädigt werden könnte und sich anschließend nicht mehr nutzen lässt. Das sogenannte „Bricken“ kommt durchaus mal vor, ist aber mittlerweile eher eine Seltenheit geworden. Die Entwickler der Jailbreak-Tools haben mittlerweile einen dermaßen hohen Grad an Professionalität, dass sie Anwendungen entwickeln, die das iDevice mit einem Klick knacken und so kaum Fehler im Laufe des Jailbreaks auftreten können. Falls es doch zu einem „Brick“ kommen sollte, lässt sich eine originale iOS-Version wieder per iTunes einspielen.

Instabilität nach Jailbreak

Apple hat jüngst ein Dokument zum Thema Jailbreak veröffentlicht, in dem auf diverse Gefahren eingegangen wird. So warnt Apple davor, dass ein Jailbreak das iDevice instabil werden lässt, nachdem unautorisierte Anwendungen installiert wurden. Damit hat Apple nicht ganz unrecht. Denn einige Apps, die im alternativen App-Store Cydia angeboten werden, sind zum Teil (noch) nicht für die aktuelle iOS-Version optimiert. Auch sollte nicht vernachlässigt werden, dass es keine Qualitätskontrolle wie in Apples App-Store vorliegt. Bezüglich der Cydia-Apps sollte man sich vorher idealerweise etwas schlau machen, welche Anwendungen kompatibel und zudem empfehlenswert sind. Tipp: Eine gute Übersicht iOS6-kompatibler Cydia-Apps findet man in diesem Google-Drive-Dokument.

Jailbreaks verkürzen die Akkulaufzeit

Dem Jailbreak wird nachgesagt, die Akkulaufzeit von iDevices zu verkürzen

Apples zuvor erwähntes Dokument warnt davor, dass ein iDevice mit Jailbreak die Akkulaufzeit verkürzen kann. Dies ist jedoch nur zum Teil richtig. Denn der Jailbreak selbst ist es nicht, der das System, auf diese Weise beeinträchtigt, sondern Apps oder Tweaks, die man sich via Cydia installiert hat und im Hintergrund weiterhin laufen. Um dies zu beheben, löscht man eine App nach der anderen, um den Übeltäter zu identifizieren. Anschließend kann nach einer passenden Alternative gesucht werden.

Es wundert zudem schon ein wenig, dass gerade Apple vor Batteriekillern warnt. Denn einige iOS-Versionen waren selbst so „buggy“, dass sich die Akkulaufzeit bei manchen Nutzern stark reduzierte.

iOS-Updates lassen sich nicht mehr installieren

Apple gibt im besagten Support-Dokument, dass manche unautorisierten Modifikationen dazu führen, dass eine neue iOS-Version sich nicht mehr einspielen lasse. Dies ist so nicht korrekt, denn ein Update lässt sich grundsätzlich problemlos – zumindest via iTunes einspielen. Der Knackpunkt an der Geschichte ist dann nur die Frage, ob der Jailbreak weiterhin mit der neuen Software-Version kompatibel ist. Denn Apple gefällt es ganz und gar nicht, dass User am iPhone herumbasteln und es mit neuen Funktionen ausstatten. Andererseits hebeln Jailbreaker bestehende Sicherheitslücken aus, die Apple bei der Entwicklung übersehen hat. Dank der Jailbreak-Tools wie Evasi0n wird Apple auf bestehende Sicherheitslücken aufmerksam und schließt diese nach Analyse der Software.

Nutzer, die ihren Jailbeak behalten wollen, sollten mit dem Einspielen aktueller iOS-Updates stets warten und hoffen, dass Apple entweder gnädig war oder die Sicherheitslücken nicht auf die Schnelle hat flicken können.

Installation geklauter Apps

Mit einem Jailbreak ist es bekanntlich möglich Apps aus anderen Quellen als Apples App-Store zu installieren. Viele User haben diese Option genutzt, sich eigentlich kostenpflichtige Apps in Version beispielsweise über Installous zu installieren. Auf diesem Wege gehen Einnahmen in unbekannter Höhe an Entwickler verloren, die viel Arbeit und Geld in ihre Apps investiert haben.

Jailbreaks wurden/werden leider oftmals dazu genutzt gecrackte/gestohlene Apps zu installieren (Bild: Hackulous)

Diese illegalen Machenschaften werfen ein trübes Licht auf die gesamte Jailbreak-Community, bei der im Grunde der Spaß an Modifikation und Individualisierung von iDevices im Vordergrund stehen. Die Nachfrage nach kostenlosen Apps und Tweaks ist zwar groß, doch sollte man den Jailbreak nicht mit einer Kostenlos-Kultur gleichsetzen. Auch iOS-Entwickler, die via Cydia ihre Programme anbieten, erstellen ihre Apps nicht unbedingt kostenlos. Dass einer der größten Markplätze piratisierter Apps geschlossen wurde, ist aus meiner Sicht ein positives Signal. Leider scheinen sich schon wieder Alternativen zu formen. Hier muss man sich schon fragen, warum Nutzer, die schon hunderte an Euros für ihr iPhone ausgegeben haben, es nicht schaffen, den Entwicklern die paar Cent oder Euro abzuknapsen, die für eine App anfällt...

Jailbreak – ja oder nein?

Ob man sein iDevice einem Jailbreak unterziehen möchte oder nicht, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Sicherlich ist der Jailbreak-Prozess mittlerweile kinderleicht geworden. iOS 6 hat abgesehen von einer optischen Frischzellenkur einige Features an Bord, die viele Nutzer sich gewünscht haben und dafür ihr iPhone geknackt haben.  Als es das iPhone in Deutschland nur für teuer Geld bei der Telekom mit Netlock zu kaufen gab, wurde der Jailbreak auch genutzt, um es anschließend mit einem Unlock zu versehen, damit es auch in anderen Netzen genutzt werden konnte. Seitdem das iPhone mittlerweile auch direkt im Apple Store und anderen Netzbetreibern, teilweise immer noch mit Netlock, erstanden werden kann, ist der Jailbreak obsolet geworden, zumal meines Wissens nach der Unlock ohnehin nicht mehr für aktuelle Basebands weiterentwickelt wird. Dass der Jailbreak aber noch lange nicht Geschichte ist, zeigt sich an den beeindruckenden Downloadzahlen des aktuellen Jailbreak-Tools Evasi0n. Laut Cydia-Betreiber Saurik verspürten innerhalb der ersten vier Tage der Verfügbarkeit nahezu  7 Millionen User den Drang ihr iDevice zu knacken.

Wie steht ihr zu Jaibreaks? Welche Argumente habt ihr für und wider Jailbreaks?

Weiterführende Links:

NEU: Lass dir diesen Artikel vorlesen
Ein Service von t3n, in Kooperation mit Narando.
Vorheriger Artikel Zurück zur Startseite Nächster Artikel
5 Antworten
  1. von Florian am 08.02.2013 (16:54 Uhr)

    Bzgl. App mit hohem Akkuverbrauch finden: "Um dies zu beheben, löscht man eine App nach der anderen, um den Übeltäter zu identifizieren."

    Lol? Ernsthaft? Selbst bei Android 2.x kann man standardmäßig einsehen, welche App wie viel Leistung geschluckt hat...

    Antworten Teilen
  2. von Elv am 08.02.2013 (21:28 Uhr)

    Um Multitasking auf ein 3G zu bekommen, war der JB damals noch gerechtfertigt. Inzwischen, nichts, was ich wirklich brauche ...

    Antworten Teilen
  3. von marionaise am 09.02.2013 (11:50 Uhr)

    Diese tweaks sind doch nur alberne spielerei die man nicht wirklich braucht.

    Antworten Teilen
  4. von auf Nachfolger warten am 10.02.2013 (20:47 Uhr)

    Das Apple3TV ist nicht geknackt. Das Apple2TV ist wohl daher recht teuer geworden, hat aber m.W. nur 720er-Auflösung und kein 1080-FullHD. Dort kann man durch Jailbreak dann evtl Apps wie XBMC o.ä. laufen lassen.

    Apple sorgt dafür, das gekaufte Filme usw. nur auf 5 Geräten laufen. Die könnten also problemlos dafür sorgen, das z.b. Apps-Käufer pro App unique IDs bekommen und alle Raubkopierer sich denselben Apple-Game-Center-Account teilen müssten. Oder das man als Käufer nur 5 Geräte verwalten darf wo das Spiel drauf läuft und Updates nur an diese Geräte ausgeliefert werden. Wenn man neue Geräte kauft, registriert man die in Itunes und erzeugt unique oder Personen- oder Familienweite IDs oder Schlüssel.

    Dann könnte man bestenfalls noch mit Offlinegeräten Raubkopien nutzen weil die Onlinegeräte sich verraten oder zahlenmäßig kontrolliert werden.

    Es ist also eher so, das Apple vielleicht nur wenig Lust an Bekämpfung von Raubkopien hat.

    Wer 99-Cent-Apps nicht bezahlt, den braucht man als Kunden wohl eher nicht.
    Und wem teure Apps zu teuer sind, kann ja ein Crowdfunding für eine günstigere (99 Cent)-Alternative organisieren oder sein 400-600-Euro-Phone (also 10-20 Euro pro Monat bei 2-4 Jahren Nutzdauer) ein paar Monate länger nutzen bevor man den Nachfolger kauft.

    Antworten Teilen
  5. von Horst am 11.02.2013 (09:04 Uhr)

    Mit ihrer Update Politik bzgl. der ersten ipad Generation hat Apple es geschafft, mich zum jailbreak zu bringen, da ich meine Hardware definitiv noch als Leistungstark genug ansehe. Auch bei einem 3G kann man einen Jailbreak gut nutzen um noch ein wenig Performance zu erzwingen, das ist jedoch mit Shell arbeit und dem Verzicht auf das ein oder andere Feature verbunden

    Antworten Teilen
Deine Meinung

Bitte melde dich an!

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.

Jetzt anmelden

Mehr zum Thema Jailbreak
iOS 7 geknackt: Erster Jailbreak „evasi0n7“ funktioniert mit allen iOS-7-Geräten
iOS 7 geknackt: Erster Jailbreak „evasi0n7“ funktioniert mit allen iOS-7-Geräten

Rund zwei Monate nach dem Erscheinen von iOS 7 hat die bekannte Security-Gruppe „evad3rs“ ihren beliebten Jailbreak für die neuste iOS-Version veröffentlicht. Der Jailbreak funktioniert mit … » weiterlesen

iPhone 6 wieder nutzbar: Apple veröffentlicht Update für iOS 8 [Update]
iPhone 6 wieder nutzbar: Apple veröffentlicht Update für iOS 8 [Update]

Nach dem fehlerhaften Update von gestern hat Apple jetzt iOS 8.0.2 veröffentlicht. Es soll die Probleme beheben, die Nutzer nach dem Update auf Version 8.0.1 erlebt hatten. » weiterlesen

iOS 8: Das solltest du vor dem Update beachten
iOS 8: Das solltest du vor dem Update beachten

Heute kommt das Update auf iOS 8. Wir zeigen euch, wir ihr euer iPhone oder iPad darauf vorbereitet. » weiterlesen

Kennst Du schon unser t3n Magazin?

t3n 37 jetzt kostenfrei probelesen! Alle Inhalte des t3n Magazins Diesen Hinweis verbergen