Wie Teenager und junge Erwachsene mit dem Internet und anderen Kommunikationskanälen umgehen war das Thema von Jan Schmidt, Referent für digitale interaktive Medien und politische Kommunikation am Hans-Bredow-Institut für Medienforschung, bei seinem Vortrag auf der Internetkonferenz next09. Eine Erkenntnis daraus: Zwar werden neue Möglichkeiten wie Instant Messaging gern und intensiv genutzt. Das persönliche Gespräch oder das Telefon bleiben aber zugleich wichtige Kommunikationsmittel. Gerade auch Unternehmen werden sich in der Summe auf neue Gewohnheiten einstellen müssen, wenn sie diese „Internet-Generation“ als Kunden oder Mitarbeiter gewinnen wollen.
Jan Schmidt stellte in seinem Vortrag Ergebnisse der Untersuchung „Heranwachsen mit dem Social Web“ des Hans-Bredow-Instituts vor, die in Zusammenarbeit mit der Uni Salzburg entstanden ist. Im Blickpunkt der insgesamt über 15 Monate vorgenommen Untersuchung standen 12- bis 24-Jährige. Zentrale Frage war: Inwiefern unterstützt oder behindert das Internet Jugendliche beim Erwachsenwerden?
Schaut man sich die genutzten Dienste an, so stehen Instant Messaging und Online-Communitys ganz oben auf der Liste. 69 Prozent nutzen solche Angebote jeweils mindestens einmal pro Woche. Betrachtet man den Unterschied zwischen aktiver und passiver Nutzung, ergibt sich ein ähnliches Bild wie in der restlichen Bevölkerung: So lesen zwar 38 Prozent Wikis mindestens einmal pro Woche, aber nur 2 Prozent bringen sich auch aktiv ein.
Google vorn, Facebook weit abgeschlagen
Bei der Popularität von Webangeboten ist derweil Google wenig überraschend führend. 94,8 Prozent haben die Suchmaschine schon mindestens einmal besucht. 90,6 Prozent nutzen sie mindestens einmal pro Woche.
Erstaunlich: Facebook wird offenbar noch weitgehend ignoriert. Nur 1,8 Prozent haben das Social Network überhaupt schon einmal besucht. Damit liegt der Weltmarktführer hier nur knapp vor dem in Vergessenheit geratenen Second Life (1,7 Prozent).
Interessant ist zu sehen, inwiefern das Web Verhaltensweisen ändert. In vielen Fällen sind Jugendliche viel konservativer als man denken könnte. So haben sie in Social Networks meistens mit Menschen zu tun, die sie auch persönlich kennen: 85 Prozent der Befragten kennen die meisten ihrer „Friends“ in den Communitys von Angesicht zu Angesicht. Zugleich sagen aber nur 15 Prozent, dass diese Online-Freunde enge Freunde seien. Die durchschnittliche Zahl an Kontakten liegt bei 130.
„So gesehen bringen die Jugendlichen ihre vorhandenen Freundschaften und Verbindungen in die Social Networks ein“, bilanzierte Jan Schmidt in seinem Vortrag. Die Online-Communitys seien ein Übungsfeld für Fähigkeiten rund ums Networking und damit in vielerlei Hinsicht wichtig für ihr Erwachsenwerden.
Klassische und neue Kanäle nebeneinander
Wenn nach den bevorzugten Kommunikationskanälen gefragt wurde, spielte das Telefon allerdings nach wie vor eine wichtige Rolle. Wenn es um die Organisation von Treffen geht, wird es beispielsweise von 49,2 Prozent als passendes Mittel angesehen. Wenn es um Unterhaltungen geht oder darum, neue Menschen kennen zu lernen, ist ein klassisches Mittel vorn: das persönliche Treffen.
Zusammenfassend sagt Jan Schmidt allerdings: „Für junge Menschen ist das Internet schlicht selbstverständlich geworden.“ Wenn sie aus der Schule kommen, gehöre es dazu, am Computer nach neuen Nachrichten zu schauen. Ein Begriff wie „Web 2.0“ werde nicht verstanden - dafür sei das Netz viel zu normal. Wenn diese Generation nun als Mitarbeiter in die Firmen zieht, müssten die sich auf einen neuen Umgang mit Kommunikation einstellen. Diese Generation sei jederzeitige Verfügbarkeit und einen schnellen Austausch gewöhnt. Wer sie wiederum als Kunden gewinnen wolle, müsse dort sein, wo diese jungen Menschen eben die meiste Zeit sind: in den Social Networks.























[...] „Für junge Menschen ist das Internet schlicht selbstverständlich“ [...]