Was früher Microsoft für Apple war, ist heute Apple für Open Source. Diese These vertritt Jason Calacanis, ein Gründer aus der Dot.com-Ära, der unter anderem durch den Konferenz-Hoster Rising Tide Studios und dem Blognetzwerk Weblogs, Inc. bekannt geworden ist. Er meint damit vor allem eine ungleiche Rollenverteilung, bei der der Starke seine Macht gegenüber dem vermeintlich Schwächeren durch Restriktionen zu behaupten versucht. Er beschreibt anhand von fünf Fakten, warum er sich in den letzen 12 bis 18 Monaten von Apple distanziert hat.
Jason Calacanis schreibt in einem ausführlichen und zum Teil auch emotionalen Blogbeitrag über sein im Laufe der Jahre wechselndes Verhältnis zu Microsoft und Apple. Hatte er zunächst eine 20 Jahre dauernde „Liebesbeziehung“ zu Microsoft, so wechselte er vor rund sechs Jahren zu Apple. Als Grund dafür nennt er vor allem das Betriebssystem von Apple, das sehr stabil und virusfrei war. Auch sei es ihm schlicht egal, dass Apple-Produkte teurer seien als die der Konkurrenz. Innerhalb der letzten sechs Jahre hat er rund 20.000 US-Dollar für Apple-Produkte ausgegeben, was etwa 20 US-Dollar pro Tag entspricht.
Doch in den letzten 12 bis 18 Monaten hat sich seine positive Einstellung zu Steve Jobs und Apple verändert. Apple habe sich seiner Meinung nach immer mehr einen wettbewerbswidrigen Charakter angenommen, der ihn sehr an die Situation zwischen Microsoft und Apple in früheren Jahren erinnere. Nur heißt der Gegner für Apple heute Open Source. Konkret sei hier nur Google genannt, beispielsweise mit dem „Android“-Betriebssystem für Smartphones.
Um diese These zu belegen führt er fünf Beispiele an, in denen Apple den Wettbewerb auf dem Markt durch eine eingeschränkte Wahlfreiheit und durch Preisgestaltung behindert. Zugleich zeigt er mögliche Lösungen auf, die für einen Markt mit gerechterem Wettbewerb sorgen könnten und Apple trotzdem noch profitieren lassen.
1. Der iPod behindert Innovationen durch wettbewerbswidrige Praktiken, denn rein technisch gesehen gibt es keinen Grund, warum iTunes nicht auch andere MP3-Player unterstützen sollte.
Lösung: Eine API für iTunes sorgt für den Kontakt zu allen Massenspeichern. Apple könnte durch geringe Lizenzgebühren profitieren.
2. Das iPhone wird für monopolistische Praktiken in der Telekommunikation benutzt, indem jeweils nur ein Anbieter das iPhone vertreibt.
Lösung: Eine zweite SIM-Karte könnte dazu genutzt werden, einen weiteren Provider für Zusatzdienste zu wählen. Apple könnte das iPhone so weiter exklusiv vermarkten und die teuren Datentarife könnten wegfallen. Das iPhone würde dadurch billiger und könnte sich noch weiter verbreiten.
3. Die Nutzungsbestimmungen des App Stores sind ein Kontrollinstrument und eine ungerechtfertigte Bevormundung der Nutzer.
Lösung: Ein Basis-System mit nicht geprüften Apps könnte mit kostenpflichtig geprüften Apps angereichert werden.
4. Die Verbannung anderer Browser auf dem iPhone ist noch schlimmer, als der Versuch von Microsoft, den IE mit Windows zu verknüpfen.
Lösung: Apple sollte sich dem Wettbewerb stellen. Daraus könnten bessere Browser entstehen, die wiederum die Verbreitung von Smartphones und eben auch des iPhones erhöhen.
5. Die Blockierung der „Google Voice“-Applikation dient einzig der Erhaltung der Marktposition von Apple.
Lösung: Apple sollte es dem Nutzer überlassen, wie er sein gebuchtes Datenvolumen verwendet. Drei oder vier Phone-Apps sollten jedem Nutzer erlaubt sein. Dafür könnte Apple dann von dessen Herstellern geringe Lizenzgebühren verlangen.
Zusammenfassung
So manche Apple-Befürworter wenden sich ab. So verwendet TechCrunch-Gründer Michael Arrington neuerdings kein iPhone mehr, weil es inkompatibel zu seinem Leben geworden sei. Die Ablehnung der „Google Voice“-App brachte bei ihm das Fass öffentlich zum Überlaufen.
Calacanis ist der festen Überzeugung, dass sich das Wettbwerbsverhalten von Apple grundlegend ändern müsse, wenn man nicht von Wettbewerbern verdrängt werden wolle. Hier sieht er Microsoft und vor allem Google bereits in Lauerstellung. Gerade aus der Open-Source-Bewegung kämen viele gute, günstige und eben auch offene Angebote, die Apple das Leben schwer machen könnten.
Bildnachweis: Foto von David Sifry auf Flickr. Lizenz: CC BY

















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