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Jeff Jarvis: Diese digitalen Chancen hat Deutschland in der Trump-Ära

    Jeff Jarvis: Diese digitalen Chancen hat Deutschland in der Trump-Ära

Jeff Jarvis auf der Hub Conference in Berlin am Dienstagabend. Foto: Bitkom

US-Medienprofessor Jeff Jarvis ist durch die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten seines Heimatlandes alarmiert. Für Deutschland sieht er jetzt die Chance zu führen – auch im digitalen Business.

Jeff Jarvis: Deutschland kann auch digital führen

US-Medienprofessor Jeff Jarvis („What would Google do?“) ist sichtlich erregt, als er am Dienstagabend in Berlin die Bühne der Hub Conference des Branchenverbands Bitkom betritt. „Als ich das letzte Mal in Deutschland auf der Bühne stand, habe ich über Trump noch gewitzelt“, sagt er in einer emotionalen Ansprache. „Es ist nicht mehr lustig“, fügt Jarvis hinzu, der sich im Wahlkampf stark für die unterlegene Hillary Clinton eingesetzt hatte.

Die Wahl in den USA hat den bekennenden Demokraten sichtlich aufgewühlt. Er spricht laut und aufgeregt – nicht nur an das Publikum vor Ort gerichtet, sondern an ganz Deutschland. „Ihr, Deutschland, müsst jetzt führen“, ruft er dem Publikum zu. Mit dem Appell ist er im liberalen Teil Amerikas nicht allein. Die New York Times hatte Angela Merkel bereits kürzlich zur letzten liberalen Hoffnungsträgerin unter den politischen Führern der Welt ausgerufen – in einer Welt, die zunehmend von Anhängern anti-liberaler Ideen von Donald Trump über Recep Tayyip Erdoğan bis Wladimir Putin geprägt sei.

Jeff Jarvis auf der Hub Conference in Berlin am Dienstagabend.
Jeff Jarvis auf der Hub Conference in Berlin am Dienstagabend. Foto: Bitkom

Doch für Jarvis hat Deutschland nicht nur das Zeug, politisch die Führung zu übernehmen – er setzt auch Hoffnungen in neue digitale Geschäftsmodelle aus Deutschland. Immerhin sei ja Deutschland auch das Land der Erfindung der Druckerpresse, die eine ähnliche Revolution ausgelöst habe wie das Internet.

Jarvis sieht große Chancen für Deutschland, eine Reihe von Industriezweigen im digitalen Zeitalter neu zu erfinden – beispielsweise die Energieversorgung: „Ihr seid viel weiter in Sachen Energie als die USA – Trump will die Kohle zurückbringen. Ihr habt die Möglichkeit, die Energieversorgung zu revolutionieren. Angesichts eines Präsidenten Trump rufe ich euch zu: Rettet uns!“, sagt Jarvis.

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Erfindet Journalismus, Banking, Transport und Logistik neu

Die Chance zur Neuerfindung sieht Jarvis auch im Journalismus. „Es gibt neue Möglichkeiten für den öffentlichen Diskurs. Wir Medien haben in den USA versagt, die Qualität des öffentlichen Diskurses ist furchtbar“, sagt der Medienprofessor. „Ich als Liberaler und ich als Teil der Medien sage: Große Teile des Landes haben aufgehört, den liberalen Medien zu vertrauen und waren schlecht informiert. Clickbait ist mit daran schuld – Trump ist Clickbait.“

„Ihr seid das Bollwerk gegen den Wahnsinn von Brexit, Le Pen und was da vielleicht noch alles kommt.“

Weitere Möglichkeiten zu Neuerfindungen sieht Jarvis im Bereich Banking, insbesondere in Kombination mit Blockchain-Technologien, Transport, Logistik, Einzelhandel sowie Datenschutz und Sicherheit – alles Felder, in denen Deutschland Stärken habe. „Wann immer ich nach Deutschland komme, höre ich ‚Datenschutz, Datenschutz, Datenschutz’ – macht da was draus!“ Für Deutschland gebe es eine „einzigartige Chance“ rund um Privatsphäre und Sicherheit, denn beides sei in der Trump-Ära gefragt wie nie. „Ich habe gehört, dass die Grünen Snowden befragen wollen – da kann ich nur sagen: Gute Idee!“

Jeff Jarvis: Das muss Deutschland noch lernen

Allerdings müsse Deutschland in zwei Punkten noch an sich arbeiten, sagt Jarvis: „Erstens sollte Deutschland aufhören, sich immer in Abgrenzung zu den USA zu definieren“, so der US-Professor. Als Beispiel nennt er das von Jarvis seit Jahren stark kritisierte Leistungsschutzrecht. „Das ist Protektionismus.“ Und die zweite Hausaufgabe an Deutschland: „Freundet euch mit dem Risiko an und mit dem Scheitern – auch öffentlich“, appelliert Jarvis an das Publikum. Berliner Startups hätten ihm berichtet, dass sie ins Ausland schauen würden, wenn es um die Finanzierung risikoreicher Vorhaben gehe.

„Ihr seid das Bollwerk gegen den Wahnsinn von Brexit, Le Pen und was da vielleicht noch alles kommt“, ruft Jarvis. „Ihr seid zivil – und wir brauchen Zivilität mehr als je zuvor.“ Es brauche zudem Fortschrittlichkeit, Inklusion und Diversität.

Letztlich könne Deutschland dadurch am Ende sogar eines der größten Themen des digitalen Umbruchs neu erfinden: die Arbeit. „Ihr habt Gewerkschaften, die Unternehmen hier zwar das Leben schwer machen – aber dadurch gibt es hierzulande eine Kultur, Arbeit wertzuschätzen und mit Arbeitern zu kooperieren.“

Mehr zu Jeff Jarvis: „Willkommen zum Ende der Massenmedien“ – Jeff Jarvis über die Zukunft der großen Konzerne.

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5 Reaktionen
Markus
Markus

Es ist wie bei kleinen Kindern .. man hört es, man versteht es und dennoch macht man was anderes, bis es kracht. Während es bei den Kinder all morgentlich nur um die Schuhe geht, die nicht angezogen werden, wird hier das Aufwachen sehr viel schmerzhafter. Wenn man die globale Veränderung so in einem Artikel zusammenfässt, muss man zugeben, dass es deutlich schlimmer werden wird/kann.

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Walid Chaar

Jarvis hat recht, doch dafür müsste auch die deutsche / europäische Politik die Weichen stellen. Ein erster wichtiger Schritt wäre endlich die Störerhaftung für Betreiber offener WLAN's EINDEUTIG abzuschaffen. Wer Internetwirtschaft fördern will, muss den Zugang zum Internet so einfach wie möglich machen!

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Karl Marks
Karl Marks

"Allerdings muss Deutschland in zwei Punkten noch an sich arbeiten, sagt Jarvis: „Erstens sollte Deutschland aufhören, sich immer in Abgrenzung zu den USA zu definieren“, so der US-Professor. Als Beispiel nennt er das von Jarvis seit Jahren stark kritisierte Leistungsschutzrecht. „Das ist Protektionismus.“ Und die zweite Hausaufgabe an Deutschland: „Freundet euch mit dem Risiko an und mit dem Scheitern – auch öffentlich“, appelliert Jarvis an die Deutschen. Berliner Startups berichteten ihm, dass sie ins Ausland schauten, wenn es um die Finanzierung risikoreicher Vorhaben gehe."

Nein Danke.

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theVisionist
theVisionist

MMn hat er damit absolut recht! Schaue man sich doch mal die wirklich großen Meilensteine, vor allem in der IT, an. Davon kam nicht sonderlich viel aus Deutschland. Produkte bzw. Unternehmen, die die Welt verändern, wie Microsoft, Apple, Tesla, SpaceX usw. wären in Deutschland niemals möglich gewesen.
Die Angst zu versagen und sich öffentlich mit einer anderen Meinung zu präsentieren, als die Mehrheit sie vertritt, sind bei uns leider vorherrschend und auch die Risikobereitschaft Geld in etwas Neues, in anders denkende Menschen zu investieren ist leider nicht vorhanden.
Wenn man immer nur auf das Altbewehrte setzt wird es keinen Fortschritt geben...

"Here's to the crazy ones, the misfits, the rebels, the troublemakers, the round pegs in the square holes... the ones who see things differently -- they're not fond of rules... You can quote them, disagree with them, glorify or vilify them, but the only thing you can't do is ignore them because they change things... they push the human race forward, and while some may see them as the crazy ones, we see genius, because the ones who are crazy enough to think that they can change the world, are the ones who do." (Steve Jobs)

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Lars
Lars

Die mp3 hat die Welt verändert... und ist deutsch.

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