Jeff Jarvis, Journalist, Macher von Buzzmachine und u.a. Autor von „What Would Google Do?“, und Umair Haque, Direktor des Havas Media Lab, brauchen eigentlich keinen Moderator. Es muss nur jemand „Start“ und irgendwann „Stopp“ rufen und in der Zwischenzeit werfen sie in hoher Geschwindigkeit alles über den Haufen, was viele über Wirtschaft und Marketing zu wissen glauben.
„Die Lizenz zum Fehlschlag ist die Basis von allem“
Eigentlich ging es beim Talk auf der next09 ums Geld. Jedenfalls stand das so im Programm. Aber den beiden Visionären ist die Frage nach Geschäftsmodellen zwar vielleicht nicht zu altmodisch, aber anderes ist ihnen auf jeden Fall wichtiger. Dinge geschehen zu lassen, sei heute ein Geschäftsmodell. Experimentieren. Die Nutzer einbeziehen. Fehler machen. Das sind Dinge, die man von Erfolgsgeschichten wie Google lernen könne.
„Die Lizenz zum Fehlschlag ist die Basis von allem“, sagt Jeff Jarvis. Wenn es zu radikalen Umbrüchen wie in der jetzigen Krise komme, habe man drei Möglichkeiten: Die Veränderungen ablehnen, sich über sie beschweren oder die Chancen darin erkennen. Und deshalb ist sein Credo: „Dinge ausprobieren. Die meisten werden danebengehen und das ist okay.“
„Sharing“ sei eine weitere wichtige Eigenschaft, also Dinge zu teilen. Google beispielsweise habe keine Probleme damit, auch auf konkurrierende Angebote hinzuweisen. Bei einem Supermarkt hingegen sei es unvorstellbar, dass er zugleich auf die Preise seiner Wettbewerber hinweist, erklärte Umair Haque. Das sei eine Essenz, um „googly“ zu sein.
Was man von Google AdWords lernen kann
Wie man seine Nutzer einbeziehen kann, zeige auch Googles Werbesystem AdWords. Nach dem alten Modell zahlt der Werbekunde und die Nutzer bekommen die Reklame entsprechend angezeigt. Nach Googles Modell bestimmen die Nutzer mit, was angezeigt wird und was nicht - in dem sie auf Anzeigen klicken oder sie ignorieren. Das bezieht die Suchmaschine bei der Positionierung der Werbung mit ein.
Ja, und am Ende hätten davon alle nur Vorteile, ergänzt Jeff Jarvis wie vorher geprobt: „Wir bekommen relevantere Anzeigen zu sehen, der Werbende bekommt seine Kunden und Google verdient Geld.“
Und so sitzen die beiden auf der Bühne und demontieren in hohem Sprechtempo eine einst sicher geglaubte Erkenntnis nach der anderen. Umair Haque im Anzug und mit locker zugeschnürten Springerstiefeln, Jeff Jarvis in Jeans und Sportschuhen - vollkommen entspannt, dabei engagiert und echt wirkend.
Unabhängig davon, ob man ihre Thesen alle teilen mag - als Duo sind sie ein Erlebnis. Und wie man hört, waren ihre beiden Einzelvorträge gestern ebenfalls sehenswert.








