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Julian Assange: Internet ist Bedrohung für die Zivilisation [ConventionCamp 2012]

Julian Assange malte in seiner Keynote zur Eröffnung des ein düsteres Bild unserer Informationsgesellschaft. Die Welt galoppiere in Richtung eines globalen, postmodernen Dystopia, wir geben unsere Daten heute quasi freiwillig an die Geheimdienste weiter und überwachten uns gegenseitig – Facebook sei die Stasi unserer Zeit.

Julian Assange: Internet ist Bedrohung für die Zivilisation [ConventionCamp 2012]

 

Julian Assage im Gespräch mit Richard Gutjahr

Der Vortrag von Julian Assange auf dem ConventionCamp war die erste Rede des Wikileaks-Initiators vor deutschem Publikum. Er war per Skype zugeschaltet – Assange kann seit Monaten die ecuadoriansche Botschaft in London nicht verlassen, ohne verhaftet und an Schweden ausgeliefert zu werden, wo ihm wegen Vergewaltigungsvorwürfen ein Prozess gemacht werden soll.

Assange: Pauschale Überwachung auch für Unternehmen vorteilhaft

Assange las in seinem Vortrag die Einleitung aus seinem Ende November erscheinenden Buch Cyberpunks vor, anschließend stellte er sich Fragen vom Journalisten Richard Gutjahr. Assange beschrieb Kommunikationsgesellschaften als immer mehr überwacht und durchleuchtet – von Regierungen und privatwirtschaftlichen Unternehmen, die vielfach eine unheilige Allianz miteinander eingingen. Für Unternehmen sei es ökonomischer, pauschal alle zu überwachen, als dies nur auf Anfrage zu tun.

Zwischenmenschliche Beziehungen gebe es heute nicht mehr ohne das Internet, das Internet verändere auch Beziehungen. Facebook käme dabei die gleiche Rolle zu wie einst der Stasi in Ostdeutschland: Das Netzwerk diene der (gegenseitigen) Überwachung von Bürgern, die ihre Daten hier sogar freiwillig bereitstellten – und damit in die Hände der Geheimdienste legten.

Dabei wählte Assange drastische Worte: Das Internet sei zu einer Bedrohung für die menschliche Zivilisation geworden – wer sich in diesem Umfeld, ist entweder Teil des Problems oder Teil der Lösung. Er postulierte Kryptographie (Verschlüsselung) als ultimative Form von gewaltlosem Widerstand. Weiterhin sei Bildung der Schlüssel zu einer aufgeklärteren, freieren Gesellschaft.

ConventionCamp 2012: t3n mit Stand vor Ort

Opening Session des ConventionCamp

Das passte zu einer Aktion des ConventionCamp: Online und an einem Stand im Foyer kann für die Initative "Kids for Africa" gespendet werden. Rund 1.500 Mitarbeiter kamen am heutigen Dienstag in Hannover zusammen – auf die Keynote Assanges folgten Vorträge in 9 Tracks, wie immer von einer Mischung aus vorab bekanntgegebenen Rednern und vor Ort vorgestellten Sessions. t3n ist auch in diesem Jahr Mitveranstalter des ConventionCamps und mit einem eigenen Stand vor Ort (Höhe Saal 3a/b).

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4 Antworten
  1. von kaaarl am 27.11.2012 (15:00 Uhr)

    So ein Quark - will da jemand nochmal schnell ein bisschen PR für sein neues Buch machen? Die eitle Selbstinszenierung in sozialen Netzwerken hat doch rein gar nichts mit dem zu tun, was Geheimdienste interessiert. Sicherlich sind das interessante Infos für Unternehmen und ein Geschenk für Marketers, aber daraus eine (staatliche) Überwachung abzuleiten ist völlig überzogen. Leider verstellt das auch noch den Blick darauf, wie z.B. Facebook die Wahrnehmung meines sozialen Netzwerks manipuliert, in dem es mir nur bestimmte Feeds anzeigt und andere nicht. Das finde ich ehrlich gesagt viel schlimmer.

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  2. von Statistiker am 28.11.2012 (09:21 Uhr)

    Der Stasi-Vergleich hinkt. Ehemalige Stasi-Mitarbeiter würden vermutlich feuchte Augen bekommen von den heute freiwillig von den Menschen gelieferten Informationen. Kurz: Dee Mann hat vollkommen Recht!

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  3. von Manne Pokrandt am 30.11.2012 (11:53 Uhr)

    Der Mann ist doch ein Vollidiot. Facebook wurde doch nicht mit dem Hintergrund erfunden, Mitmenschen zu überwachen. Die Nutzer geben ihre Daten freiwillig preis, was vielleicht nicht sonderlich weise ist. Bei meinen Bekannten weiß ich, wer bei Facebook ist, über deren Stasi-Beteiligung weiß ich es u.U, bis heute nicht.
    Und die Aktion "Kids for Africa" passt am aller wenigstens zu diesem Redner, der durch seine Veröffentlichungen gerade in Afrika jede Menge Journalisten gefährdet hat.

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  4. von Stefan Wehmeier am 01.12.2012 (19:22 Uhr)

    "Wenn wir einmal die Natürliche Wirtschaftsordnung erleben, dann braucht man sie nicht mehr in Büchern zu studieren, dann wird alles so klar, so selbstverständlich. Wie bald wird dann auch die Zeit kommen, wo man den Verfasser bemitleiden wird, nicht aber, wie es heute noch geschieht, weil er solch utopischen Wahngebilden nachstrebt, sondern weil er seine Zeit der Verbreitung einer Lehre widmete, die ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht."

    Silvio Gesell (Vorwort zur 5. Auflage der NWO, 1921)

    Die Frage ist nicht, ob dem bedeutendsten Ökonomen der Neuzeit ein Fehler unterlaufen sein könnte, sondern welcher kollektive Wahnsinn die halbwegs zivilisierte Menschheit bis heute davon abhielt, den eigentlichen Beginn der menschlichen Zivilisation zu verwirklichen.

    http://www.juengstes-gericht.net

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