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Durchstarten! 12 Karrieretipps für Frauen in der IT-Branche

Durchstarten! 12 Karrieretipps für Frauen in der IT-Branche

Die IT-Branche wird immer noch von Männern dominiert, davon können sich die Besucher der momentan live überzeugen. Wie kann das anders werden? Ein Fachkongress hat Antworten gesucht – und gefunden.

Durchstarten! 12 Karrieretipps für Frauen in der IT-Branche

(Bild: Shutterstock)

Die Zahlen zu Frauen in der IT-Branche: Ein Trauerspiel. Noch!

Der Frauenmangel in der IT-Branche ist ein bekanntes Problem. „Erst 17 Prozent aller IT-Experten sind weiblich und der Frauenanteil in IT-Führungspositionen ist mit sechs Prozent im Vergleich noch viel zu niedrig“, sagt das Women’s IT Network, das sich vor fast genau einem Jahr formiert hat, um Frauen in IT-Berufen zu stärken.

Ein Mittel, um das Zahlen-Trauerspiel zu beenden, liegt in Treffen wie dem gestern im Rahmen der CeBIT veranstalteten Event „Women in Digital Business“. Über 100 Teilnehmerinnen haben sich hier nicht nur Vorträge angehört und ihr Netzwerk erweitert, sondern an konkreten Ideen gearbeitet, wie Frauen in der IT-Branche erfolgreicher werden können.

(Bild: Shutterstock)
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Ich finde die Ergebnisse der Workshops nicht nur inspirierend, sondern auch enorm hilfreich. Vor allem kann ich jedes von ihnen unterschreiben. Deswegen möchte ich sie hier gerne teilen und zur Diskussion stellen.

12 Tipps für Frauen, die in der IT-Branche durchstarten wollen

Die Tipps sind natürlich – über die IT-Branche hinaus – für alle Frauen relevant, die überwiegend männliche Kollegen und Geschäftspartner haben und mit verschiedenen Situationen im Arbeitsalltag hadern. Im Idealfall sorgt der momentane Wandel in Unternehmen und Gesellschaft dafür, dass wir bald nicht mehr alle dieser Tipps wirklich brauchen. Doch bevor es so weit ist: Hier sind sie.

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1. Sage sofort ja, wenn du die Chance bekommst, dich zu präsentieren.

Sei es eine Präsentation im Team oder das Angebot, eine Rede auf einer Konferenz zu halten: Wenn du gefragt wirst, sag sofort zu! Denn, wie Regina Mehler von der Women Speaker Foundation erklärt hat: Allein die Frage zeigt, dass dein Gegenüber dir diese Aufgabe zutraut. Wenn du jetzt zögerst, wird diese Person ihre Einschätzung deiner Fähigkeiten vielleicht hinterfragen. Also: Sag ja! Zum Zaudern, Angst haben und sich einen Kopf machen hast du danach noch genug Zeit.

2. Vermeide, in stereotype Rollen gedrängt zu werden.

Welche Frau ist bei einem Meeting noch nie gefragt worden, ob sie das Flipchart übernehmen könnte – weil sie „die schönste Handschrift hat“? Oder ist wie selbstverständlich noch mal eben aus dem Raum geflitzt, um mehr Kaffee zu organisieren? Uns ist es nicht immer bewusst, aber diese Verhaltensweisen beeinflussen die Rolle, die wir innerhalb des Teams spielen. Wer willst du sein – die Protokollantin oder die Meinungsführerin?

3. Kenne die Fußballergebnisse.

Klar, Fußball ist nur ein Beispiel. Das Prinzip, das dahinter steckt, trifft aber meines Erachtens durchaus zu: Bereite dich vor – und zwar nicht nur auf das Meeting, sondern auch auf den Smalltalk danach. Wer scheu lächelt und sagt „das ist ja eigentlich nicht so meine Welt“, nimmt sich selbst aus dem Spiel. Wer mitreden kann, wird mit anderen Augen angeschaut.

Frauen in der IT-Branche: Know how to play the game to get what you want. (Foto: t3n)
Frauen in der IT-Branche: Know how to play the game to get what you want. (Foto: t3n)

4. Dosiere den Einsatz von Emotionen.

Ein Tipp, der erst einmal ziemlich hart klingt. Aber tatsächlich sollten emotionale Signale im Business-Umfeld sparsam eingesetzt werden – nicht zuletzt, weil sie vom Gegenüber oftmals anders aufgenommen werden, als intendiert. In jedem Fall gilt: Es schafft vielleicht vorübergehend ein gutes Gefühl, Kollegen, Partnern oder Vorgesetzten die eigene Unsicherheit deutlich zu machen. Langfristig stärkt es deine Position nicht.

5. Suche dir Vorbilder.

Und zwar nicht nur Marissa Mayer oder Sheryl Sandberg, sondern auch realistische. Kaum eine erfolgreiche Frau bringt alles so wunderbar unter einen Hut, wie es von außen ausschaut. Trotzdem – oder gerade deswegen – können wir enorm viel von Vorbildern lernen. Finde Frauen in deiner Branche oder in deinem Umfeld, denen du nacheifern willst.

Vielleicht bist du sogar selbst schon längst ein Vorbild für andere? Und schon sind wir beim nächsten Punkt…

6. Sei selbstbewusst.

Das ist für Frauen alles andere als selbstverständlich. Im englischsprachigen Raum hat in diesem Zusammenhang der Begriff Impostor-Syndrom viel Aufmerksamkeit erfahren: Das Gefühl, es eigentlich nicht verdient zu haben, dort zu stehen, wo man angelangt ist, sich den Erfolg nicht rechtmäßig erarbeitet zu haben. Eine Blenderin zu sein. Den meisten Männern ist diese Attitüde fremd, darum sollten sich auch Frauen nicht von ihr blockieren lassen sondern selbstbewusst auf ihre Erfolge blicken. Einen schönen Text dazu hat übrigens vor Kurzem Julie Zhuo, Director Product Design bei Facebook, bei Medium veröffentlicht.

Was können Frauen in der IT-Branche für sich ändern? (Foto: t3n)
Was können Frauen in der IT-Branche für sich ändern? (Foto: t3n)

7. Urteile nicht über andere Frauen.

Das bringt wirklich niemanden weiter. Jede von uns hat eine andere Art, ihre Karriere voranzutreiben, ihre Position zu definieren und Beruf- und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Lass sie ihr Ding machen und hilf ihr, wo du kannst.

Was uns zum nächsten Punkt bringt.

8. Netzwerke!

Die Macht der Netzwerke kann man wirklich nicht überbetonen. Und damit ist nicht das oft negativ konnotierte „Vitamin B“ gemeint. Denn das Pflegen von Bekanntschaften und die gegenseitige Hilfestellung muss ja nicht so angelegt sein, dass sich exklusive Clubs bilden und andere „außen vor“ bleiben. Ob Aufträge zu vergeben sind, ein Job frei ist oder sich sonstige Chancen auftun: Es ist einfach menschlich, dass man oft intuitiv an eine Person denkt, die man kennt und schätzt und die einem in positiver Erinnerung geblieben ist. Sorge dafür, dass du diese Person bist.

Neben dem Women's IT Network bieten auch die Digital Media Women oder die Geekettes tolle Netzwerke für Frauen in der IT-Branche – und es gibt noch mehr.

9. Vermarkte Dich selbst.

Und zwar ruhig aggressiv. Denn was Frauen für aggressive Eigen-PR halten, ist für viele Männer einfach der ganz normale Alltag. Sich öffentlich über die eigenen Erfolge freuen, seine sozialen Kontakte über die eigenen Projekte auf dem Laufenden halten, sich anspornen und beglückwünschen lassen: Das ist in Ordnung und trägt heute in nicht unwesentlichem Maß zu Reichweite und Reputation bei.

10. Schaffe Balance in deinem Privatleben.

Das gilt natürlich für Männer wie Frauen gleichermaßen. Allerdings versuchen gerade Frauen, in beiden Lebensbereichen perfekt zu sein. Und sind damit vermutlich fast immer zum Scheitern verurteilt. Wer einen stressigen Job hat und sich immer wieder dazu pusht, die eigenen Grenzen zu überwinden, braucht einen Ausgleich, einen Ruhepol. Also such dir einen Partner, der dich nicht zusätzlich mit überzogenen Erwartungen überhäuft. Und scheiß auch mal auf die dreckige Wohnung oder darauf, dass die Küche kalt bleibt.

11. Such dir eine Mentorin.

Beim Mentoring geht es um mehr als um Vorbilder oder um ein einzelnes Coaching. Eine Mentorin steht in enger persönlicher Beziehung zu dir und berät und begleitet dich auf deinem beruflichen Weg, was Sicherheit und Selbstvertrauen bringen kann. Wichtig ist jedoch eins, wie Workshop-Leitung Barbara Tigges-Mettenmeier von BTM Personalmanagement betont hat: Du solltest auf keinen Fall in einer hierarchischen Beziehung zu deiner Mentorin stehen und dies im optimalen Fall auch für die Zukunft ausschließen können, um ein wirklich unbeschwertes Vertrauensverhältnis aufbauen zu können. Es gibt zahlreiche Netzwerke und Mentoring-Programme für Frauen. Einen Anfang bietet zum Beispiel diese Liste.

12. Denke darüber nach, selbst zu gründen.

Wenn du dich in deinem jetzigen Arbeitsumfeld nicht entfalten kannst – kannst du dir selbst die optimalen Bedingungen schaffen? „Selbst zu gründen kommt bisher leider für wenige Frauen in Deutschland in Frage,“ hat Stephanie Renda vom Bundesverband Deutsche Startups erklärt. Dabei sei ein eigenes Unternehmen nicht nur als Risiko zu sehen, sondern vor allem als eine Option auf Selbstverwirklichung und eine selbstbestimmte Unternehmenskultur. Schau dir in diesem Zusammenhang auch unbedingt das Gründerinnen-Manifest an, das bei Edition F veröffentlicht worden ist.

Die von mir zusammengefassten und kommentierten Tipps sind von den verschiedenen Workshops auf dem gestrigen Event erarbeitet worden. Sie haben sich explizit mit pragmatischen Ansätzen und Tipps befasst, die wir alle im Alltag umsetzen können – dass darüber hinaus noch eine Menge weitere, strukturelle Veränderungen notwendig sind und bleiben, wird dadurch nicht in Abrede gestellt.

Übrigens: Für alle, die sich fragen, warum wir überhaupt mehr Frauen in der IT-Branche benötigen: Das habe ich an anderer Stelle schon einmal zusammengefasst.

Was sagt ihr zu diesen Tipps? Ich bin gespannt auf eure Kommentare!

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9 Antworten
  1. von Benny Lava am 20.03.2015 (11:51 Uhr)

    Punkt 13: Lies keine Bullshit-Tipps für Frauen.

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  2. von Kim am 20.03.2015 (13:52 Uhr)

    Ich find's gut, dass ihr euch dem Thema widmet, weil es wichtig ist. Aber in Punkt 2 bis 4 les' ich nur ne Reproduktion von Vorurteilen von Männern gegenüber Frauen, die, dadurch das Vermeidung empfohlen wird, eigentlich die Vorurteile reproduziert und als "Fehler" verfestigt..
    Anders formuliert les ich:
    2. Vermeide in Stereotype gepackt zu werden.
    3. Wende sie aber selbst an auf andere (Andere=Männder=Fussballinteressiert)
    4. Wende sie auf dich selbst an (Ich=Frau=Emotionaler)

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    • von Lea Weitekamp am 20.03.2015 (14:37 Uhr)

      Hey Kim, danke für das Feedback! Ich sehe es nicht ganz so. Es geht ja um Tipps für bestimmte Situationen. Fußball war ein konkretes Beispiel, da tatsächlich viele Frauen genau diese Situation schon erlebt haben (und es ist eben "nur" ein Beispiel: "Bereite dich vor und sei nicht ablehnend gegenüber den Gesprächsthemen, die im informellen Kreis stattfinden"). Und ob allein aus der Tatsache, dass Emotionen im Kontext der Veranstaltung ein Thema waren (und sich das als Tipp wiederfindet) schon abgeleitet werden kann, dass Frauen sich hier in ein männliches Stereotyp fügen, wage ich zu bezweifeln. Auch hier: Viele haben in diesem Zusammenhang einfach schon unangenehme Situationen erlebt. Für solche Fälle ist der Tipp gedacht – je mehr Frauen sagen können "betrifft mich nicht", desto besser in meinen Augen.

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      • von Benny Lava am 20.03.2015 (17:42 Uhr)

        Es gibt auch genug Männer, denen Fußball scheißegal ist.
        Und die genug Selbstbewußtsein habe, zu sagen, dass sie das Thema nicht interessiert.

        Sich mit etwas Beschäftigen, damit man mitreden kann, obwohl es einen nicht interessiert, mehr verbiegen kann man sich wohl nicht. Besser kann man die Vorurteile gegenüber Frauen nicht erfüllen.

        Zumal einen sowieso keiner ernst nimmt, weil jeder spüren wird, dass das Interesse nur geheuchelt ist.

        "Wer scheu lächelt und sagt „das ist ja eigentlich nicht so meine Welt“, nimmt sich selbst aus dem Spiel."
        Wer aber mutig dazu steht, dass er andere Interessen hat, zeigt den anderen, dass er Selbstbewußtsein hat und wird dafür bewundert.

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  3. von Chieppie am 21.03.2015 (08:59 Uhr)

    Auf einer Seite dachte ich mir, wie cool, es wird auch mal an uns gedacht. Ein paar Tipps sind gut, bzw man kennt sie, aber man vergisst es schnell. Viele solcher Tipps muss man erstmal verinnerlichen. Und dann kommen wir zum anderen Punkt. Egal ob Mann oder Frau, kann man diese Tipps beherzigen. Es gibt auch Männer, die kein Selbstvertrauen haben.

    Durch solche Artikel wird es nie aufhören. Als wären wir Frauen was anderes.
    Zeigen was man kann muss jeder und überall, sonst geht man unter. "Der Schwächste fliegt."

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  4. von E. am 21.03.2015 (18:41 Uhr)

    Nun, ich finde Männer sollten nun auch Tipps bekommen.
    Hole Kaffe, lächle, öffne die Tür und wisse das Lippenstift auftragen dauert.
    Und vor allen: Wir Babes schauen nicht böse. Wir sind konzentriert.

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  5. von Simone am 21.03.2015 (20:46 Uhr)

    Ich finde den ansatz, solche Tipps den Leuten zu geben, die es in einer Branche aufgrund von Vorurteilen schwer haben, kritisch. Was, wenn die Frauen völlig ok sind, wie sie sind und einfach was mit der Branche nicht stimmt? Vielleicht wäre es ja sinnvoller Tipps dazu zu geben, wie man als etablierter Mensch in der it Branche seine eigenen, sozial indoktrinierten Vorurteile erkennt und vermeidet, anstatt den Betroffenen zu erklären, wie sie sich an ein Klima anpassen können, das sie aufgrund von irrationalen Vorurteilen nicht ernst nimmt? Nur so eine Idee, die das Problem vll da anpacken würde, wo es beginnt und nicht da, wo es in Diskriminierung endet...

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