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Analyse

Karstadt: Das ist die geheime Digitalstrategie des Kaufhauskonzerns

    Karstadt: Das ist die geheime Digitalstrategie des Kaufhauskonzerns
Staub aufgewirbelt: Karstadt will mit einer kombinierten Marktplatz- und Cross-Channel-Strategie mehr umsetzen.(Foto: Karstadt / Hood)

Die Zeichen stehen auf Cross-Channel und Marktplätze: Karstadt hat seinen Lieferanten ein Schreiben zugeschickt, in dem der Warenhauskonzern seine kurz- und mittelfristige Digitalstrategie erläutert. 

Das E-Commerce-Portal Wortfilter.de hat ein Schreiben in Auszügen veröffentlicht, das die Warenhauskette Karstadt seinen Lieferanten geschickt hat. Dort erklärt Karstadt seine kurz- und mittelfristige Digitalstrategie, die vor allem auf Marktplätze setzt – auf die eigenen, aber auch auf fremde. „Das bedeutet, dass wir so konsequent wie nur wenige andere Einzelhändler gemeinsam mit Partnern über alle Kanäle hinweg verkaufen und Dienstleistungen anbieten wollen. Und zwar 79 Mal mitten in der Innenstadt, durch Smartphones und Apps unterwegs und durch unseren Online-Shop oder Verkaufsplattformen von zu Hause aus“, heißt es in dem Schreiben.

Karstadt bestellt Ware in die gewünschte Filiale – eigentlich Standard

2017 sollte das für ein Warenhausunternehmen auch selbstverständlich sein, dass man das Filialgeschäft mit E-Commerce-Maßnahmen kombiniert. Dabei setzt Karstadt jetzt offenbar vermehrt auf „Click & Collect“, also den Einkauf im Netz mit Abholung im Markt. Das mag man ja aus der Sicht des Kunden, der die Versandkosten sparen will und ohnehin in der Innenstadt ist, noch nachvollziehen. Die teuren Warenhausmieten in besten Innenstadtlagen rechtfertigt das aber eher nicht. Der Kunde könne sich per „Click-&-Reserve“-Funktion das gewünschte Stück in der passenden Größe in eine Filiale seiner Wahl kommen lassen. Der Austausch von Waren, insbesondere von kurzfristiger Bekleidungsware, ist seit jeher zwischen den Filialen üblich gewesen – und zumindest bei Premium-Warenhäusern und Bekleidungsketten ein beliebter Service am Kunden.

Auch Marktplätze sollen – wie wohl aktuell überall – eine entscheidende Rolle spielen. Zum einen natürlich der im Frühjahr überraschend erworbene Ebay-Klon Hood.de, auf dessen Übernahme viele in der Branche mit einem erstaunten „was, die gibt’s noch?“ reagiert hatten, teils aber auch über Marktplätze wie Ebay und Amazon. „Wir werden unser Warensortiment von karstadt.de auch auf anderen Plattformen, wie hood.de, Amazon, Ebay, anbieten und damit einen zusätzlichen Vertriebskanal eröffnen. Eine Zusammenarbeit mit weiteren Plattformen und die Nutzung von Amazon Pay und anderen Services sind in Planung“, heißt es in dem Schreiben.

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Karstadt: Kurzfristige Umsetzung erster Maßnahmen geplant

Immerhin will Karstadt einige der Maßnahmen bereits sehr bald, genauer zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft, umgesetzt haben: „So wollen wir die Click-&-Reserve-Funktion bereits bis zum Ende November 2017 und die Nutzung von hood.de durch karstadt.de bis Mitte Oktober 2017 umsetzen“, heißt es im dem Schreiben an die Geschäftspartner.

Eher forsch dagegen der Ton gegen Schluss des Schreibens: „Sollten Sie wider Erwarten darauf verzichten wollen, die Digitalisierung von Karstadt mit uns voranzutreiben, bitten wir Sie um einen entsprechenden Hinweis bis zum 13. Oktober 2017.“ Das ist ein in langjährigen Geschäftsbeziehungen eher unüblicher Ton, der aber aller Wahrscheinlichkeit nach darauf abzielt, dass einige Premium-Marken im Interesse der Brand Awareness das Digitalgeschäft in den eigenen Händen behalten wollen und wenig erpicht darauf sind, bei Ebay oder im Amazon-Marketplace gelistet zu sein.

Alles in allem hinterlässt das Schreiben eher gemischte Gefühle: Für eine Digitalstrategie eines großen Konzerns ist das schon eher dünn, von der „Marktplatz-Offensive“, die das Unternehmen im Frühjahr angekündigt hatte, sind zumindest wenige Dinge übrig, die man als besonders innovativ verbuchen könnte. Klar, dass das Unternehmen zweigleisig fahren muss: Auf der einen Seite der Versuch des Voranbringens des eigenen Marktplatzes, der in der jüngeren Vergangenheit für eher wenig Schlagzeilen gesorgt hatte und wohl nur mit sehr viele Engagement kurzfristig eine wichtigere Rolle am Markt spielen kann. Auf der anderen Seite das Setzen auf etablierte Partner, die im Gegenzug einen nicht geringen Teil der Marge für sich verlangen. Es bleibt abzuwarten, wie der Warenhauskonzern sein Potenzial, das vor allem im traditionellen Filialgeschäft liegt, auch im E-Commerce ausspielen kann.

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