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Katzen-Content ist relevant – Twitter nicht wirklich: Chefredakteure diskutieren auf dem Deutschen Medienkongress

Katzen-Content ist relevant – Twitter nicht wirklich: Chefredakteure diskutieren auf dem Deutschen Medienkongress

Das Journalistendasein ist auch nicht mehr das, was es mal war. Zumindest dann nicht, wenn man für Onlinemedien arbeitet: Man muss früh aufstehen, sich für Zahlen interessieren – und auch mal mit den Kollegen Kaufleuten reden. Dies war eine Erkenntnis der Online-Chefredakteursrunde auf dem Deutschen Medienkongress. Die andere: Katzen-Content gehört rehabilitiert!

Katzen-Content ist relevant – Twitter nicht wirklich: Chefredakteure diskutieren auf dem Deutschen Medienkongress
(Foto: dfv Conference Group)

„Relevant ist das, was die Leser für relevant halten und deshalb lesen“, sagt Christin Martens, Chefredakteurin von Business Insider Deutschland. Am selben Tag hatte ihr Portal den Milliardenverlust der Deutschen Bank direkt neben einer Geschichte über Hunde im Büro platziert. Und natürlich hat die Hundenummer besser geklickt, bekennt Martens.

Die Online-Chefredakteursrunde auf dem Deutschen Medienkongress 2016. (Foto: dfv Conference Group
Die Online-Chefredakteursrunde auf dem Deutschen Medienkongress 2016. (Foto: dfv Conference Group)

Das ist der Knochen, auf den Gründerszene-Chefredakteur Frank Schmiechen anspringt. Hunde seien okay, aber: „Ich bin ein Fan von Katzen-Content. Wir alle sind doch auch im Arbeitsalltag Menschen mit Emotionen, und Katzen sind süß – also ist das sehr relevanter Content!“

Für interessante Inhalte wird es ein Geschäftsmodell geben

Und dieser erhöhe die Chancen aufs Geldverdienen. „Wenn genügend Leute bestimmte Inhalte oder Dienste interessant finden, dann wird es dazu auch ein Geschäftsmodell geben“, sagt Finanztip-Chef Hermann-Josef Tenhagen. So gesehen sei es jetzt doch eine „Traumwelt“ für Medienmacher und -unternehmer: „Man sieht immer direkt, was funktioniert.“

„Katzen sind süß – also ist das sehr relevanter Content“, sagt Gründerszene Chefredakteur Frank Schmiechen. (Foto: dfv Conference Group
„Katzen sind süß – also ist das sehr relevanter Content“, sagt Gründerszene Chefredakteur Frank Schmiechen. (Foto: dfv Conference Group)

„Wir alle sind doch auch im Arbeitsalltag Menschen mit Emotionen, und Katzen sind süß – also ist das sehr relevanter Content!“

Dafür müssten sich nun aber auch die Inhaltsproduzenten interessieren, fordert t3n-Chefredakteur Jan Christe. „Es ist essentiell, dass auch die Journalisten die neuen Geschäftsmodelle ihrer Branche verstehen.“ Sie müssten sich „auf Augenhöhe“ mit ihren Vertriebskollegen unterhalten, die Kaufleute nicht als Feinde sehen und gemeinsam neue Produkte entwickeln.

Ja, die Zeiten, in denen Journalisten lange ausschlafen konnten und sich nicht für Zahlen interessieren mussten, seien vorbei, stellt auch Schmiechen fest. Und für Verlage mit langer, erfolgreicher Print-Historie sei es schwieriger, Digital-Geschäftsmodelle zu finden als für Startups; Gründerszene jedenfalls mache Gewinn, auch dank Jobbörsen und Sponsored Posts. Bei Business Insider Deutschland sorgten Banner und Native Advertising für Umsätze, berichtet Martens. Und muss man auf jedem neuen Medienkanal mit dabei sein, ob nun Facebook oder Snapchat? Nein, sagt sie, doch es könne nützen, dies und das einmal auszuprobieren. Zum Beispiel Twitter? „Twitter ist in Deutschland als Distributionskanal nicht wichtig – ein Mikrokosmos, eher ein Medienthema.“

„Es ist essentiell, dass auch die Journalisten die neuen Geschäftsmodelle ihrer Branche verstehen“, sagt t3n-Chefredakteur Jan Christe. (Foto: dfv Conference Group
„Es ist essentiell, dass auch die Journalisten die neuen Geschäftsmodelle ihrer Branche verstehen“, sagt t3n-Chefredakteur Jan Christe. (Foto: dfv Conference Group)

Nur Obacht vor Facebook! Die Plattform wolle zum umfassenden Medienkanal für alle werden, warnt Schmiechen; hier dürften sich die Medien nicht in zu große Abhängigkeit begeben und müssten Alternativen aufbauen. „Anbieter, die die Nutzer in ihre geschlossene Welt holen wollen, sind keine guten Geschäftspartner für Verlage“, ergänzt Tenhagen.

Zum Schluss noch eine scheinbare Beruhigung für all jene, die wie t3n-Mann Christe darüber klagen, dass im Zukunftsmarkt Mobile die Vermarktung eklatant hinter der Nutzung hinterherhinke. „In ein paar Jahren wird unsere gesamte Umgebung voller Screens sein“, prophezeit Schmiechen. Da sollte man sich jetzt nicht allzu sehr grämen über die Frage, „wie man Werbung aufs Mäusekino Handy bringt“ – sondern schon weiter denken.

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Eine Antwort
  1. von Screens überall am 25.01.2016 (10:02 Uhr)

    „In ein paar Jahren wird unsere gesamte Umgebung voller Screens sein“

    Zur IFA gabs oft Statistiken von Branchenverbänden beispielsweise zur Durchdringung mit HD-Fernsehern usw. Da es 7.5% pro Jahr etwa zunahm kann man davon ausgehen das nur alle 15-20 Jahre ein neuer TV gekauft wird.
    Die Leute schwimmen nicht in Geld.
    http://www.golem.de/news/kabelnetzbetreiber-aus-fuer-analoges-kabelfernsehens-soll-bis-ende-2018-kommen-1506-114554.html

    Man sollte seinen Verwandten zeigen wie ein 5Meter-HDMI-Kabel den Wohnzimmer-Fernseher am Laptop nutzbar macht.

    LGs biegbare Displays hingegen werden bald vielleicht auf vielen LKW und gesponsoreten Sportverein-Kleinbussen kleben und Werbung ausstrahlen. Das meint er vielleicht mit überall Screens.
    Für "Screens überall" müssten die Preise aber wohl sinken und man bekäme dann vermutlich einen 3mx2m-TV krass billig. Denn auch Werbemittel müssen sich finanzieren. Und Zeitschriften oder Zeitungen gibts auf Papier durch Deutschland gefahren oft nicht viel teurer oder billiger als die digitale Version. Statische Werbeposter usw. sind (leider) eine ganze Weile wohl noch günstiger als digitale Werbung... Mal sehen ob und wann man an Flughäfen an digitalen Säulen vorbeiläuft wo Werbung und Infos drauf laufen. Für Innenstädte und Einkaufs-Zentren hätte ich das schon lange gerne.

    Ausserdem könnten dank 80-Euro-Tabletts eh schon überall Screens mit Werbe-Videos laufen. Das findet aber nur punktuell statt, ist für manche Geschäfte aber vielleicht eine gute Idee wenn die Werbe-Videos nicht so teuer zu produzieren wären. Oft ja ohne Ton weil das stören würde. Tabletts im Supermarkt wurden bisher meist zu wenig benutzt. Vielleicht gibts bald eins wo man Produkte dran hält und den Preis gesagt bekommt weil man das Preisschild nicht gefunden hat (oder es vergessen wurde anzubringen).

    Ich vermute eher, das VR-Brillen wie GoogleGlass3.0 oder so die Monitore überflüssig machen werden. $199-Handies haben oft schon FullHD und Motorola hat ein 2.5k-Handy vorgestellt. Hoffentlich arbeitet Apple auch an sowas als Apple-TV at-the-head (reimt sich sogar) und die Stromfresser-Monitore werden viel viel weniger.

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