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Keine Macht den Trollen dank Facebook Comments

Keine Macht den Trollen dank Facebook Comments

Spam stellt für die Kommentare auf Newsseiten und Blogs ein zunehmendes Problem dar, das aber mit geeigneten Filtern relativ leicht beherrscht werden kann. Anders sieht es da schon mit den Trollen aus, die mit ihren destruktiven Kommentaren schnell mal die Kommentarkultur vergiften können. Die Integration von Comments könnte dieses Problem lösen helfen, wie das Beispiel der Los Angeles Times zeigt.

Keine Macht den Trollen dank Facebook Comments

Trolle mit Facebook Comments abschrecken

Auch wenn die Trolle hier ganz niedlich aussehen, im Web benehmen sie sich meist nicht gut. (Foto: Cali4beach / flickr.com, Lizenz: CC-BY)

Als Trolle bezeichnet man im Internet Personen, die sich auf Newsseiten, Blogs und in Foren herumtreiben und argumentarme Schimpftiraden veröffentlichen, die mit der eigentlichen Sache kaum noch etwas zu tun haben. Was ihnen dabei hilft, ist die Möglichkeit Kommentare auch anonym abgeben zu können, wovon viele Trolle reichlich Gebrauch machen. Nicht ohne Grund werden die Troll-Kommentare auch als Argument in der durch Google+ wieder aufgeloderten Diskussion um den Klarnamenzwang angeführt.

Auch die Los Angeles Times hatte mit Kommentar-Trollen zu kämpfen. Statt aber immer wieder die Kommentarfunktion abzuschalten oder reihenweise Kommentare zu löschen, setzte die Zeitung bei ihrer Online-Präsenz auf die Integration von Facebook Comments. Seit dem Mai müssen sich Kommentarwillige nicht mehr mit ihrem Namen und einer E-Mail-Adresse anmelden, sondern über ihren Facebook-Account. Wer keinen Account bei Facebook hat, bleibt außen vor.

Das sorgte natürlich für unterschiedliche Reaktionen. Während die einen den Schritt begrüßten, weil dadurch die Kommentar-Trolle abgeschreckt werden könnten, gab es auch kritische Stimmen, die die Voraussetzung eines Facebook Accounts für die Abgabe eines Kommentars nicht gut heißen wollten. Auch das (vermeintliche?) Recht auf Anonymität war ein Thema.

Zwischenfazit: Mit Facebook Comments bleiben die Trolle weg

Nach den ersten drei Monaten mit dem neuen Kommentarsystem per Facebook Comments zieht Jimmy Orr, Online Managing Editor bei der Los Angeles Times, ein erstes positives Zwischenfazit:

Trolls don’t like their friends to know that they’re trolls. By using Facebook, it has made a difference.

Und das kann man auch direkt nachvollziehen, denn einige Themen werden sowohl im mit dem neuen Kommentarsystem, als auch auf der Hauptseite mit dem alten Diskussionsforum veröffentlicht. Das trifft beispielsweise auf ein heißes Thema zu, bei dem es um den Tod eines Obdachlosen geht, der in Konflikt mit mehren Polizisten geraten war. Das ist sicherlich ein sehr heikles Thema, das auch dazu geeignet ist, für eine allgemeine Abrechnung mit der Polizei und dem Staat missbraucht zu werden. Genau das geschah dann auch in den Kommentaren der Hauptseite, die anonyme Kommentare zulässt.

Trolle ist als Bezeichnung für Leser, die solche Kommentare abgeben, ist schon fast verharmlosend.

Im Blog mit dem Facebook Comments System gab es zwar auch kontroverse Diskussionen, aber der Ton war schon deutlich gemäßigter. Auch hier gab es Kommentare, die händisch entfernt werden mussten, aber deren Anzahl war nach Angaben von Jimmy Orr deutlich geringer.

Via Facebook Comments trauen sich viele Trolle nicht ihre destruktiven Botschaften zu verbreiten.

Mehr Besucher als schöner Nebeneffekt der Facebook Comments

Ein weiteres, für viele Webseitenbeteiber vielleicht sogar noch wertvolleres Argument für die Facebook Comments ist der Zustrom an Besucher, da über dieses System die Comments auch in den Newsstream der Freunde der Kommentatoren einfließen können. Das ist zwar nicht automatisch so und muss vom Nutzer so gewollt sein, sorgte aber bei der Los Angeles Times für ordentlich Traffic gerade bei den eher versteckten Artikeln, die es nicht auf die Startseite schafften. Der von Facebook kommende Traffic habe sich so mehr als vervierfacht - ein Besucherzuwachs der ganz ohne zusätzliche Investitionen erzielt wurde.

Fazit: Trolle trollen sich, wenn sie nicht anonym sind

Das ist sicherlich eher ein Extrembeispiel, doch für die Los Angeles Times hat sich die Vermeidung von anonymen Kommentaren bewährt. Es zeigt es auch, warum Anonymität nicht immer gut ist und in bestimmten Bereichen des Internets auch schädlich sein kann. Wenn eine Diskussion so weit aus dem Ruder läuft, dass zu gewaltsamen Aktionen aufgerufen wird, sollte ein Publisher sich überlegen, wie so etwas zukünftig verhindert werden kann. Oft werden die Kommentare dann einfach gelöscht oder die Kommentarfunktion gleich abgestellt, doch vielleicht ist die partielle Vermeidung von Anonymität der bessere Weg. Dann kann jeder seine Meinung mitteilen und steht dafür auch mit seinem Namen. Trolle dagegen agieren lieber im Schutz der Anonymität und scheuen die Öffentlichkeit.

Bevor ich jetzt falsch verstanden werde: Ich halte Anonymität nicht für etwas Schlechtes, im Gegenteil, in bestimmten Bereichen und Situationen ist sie unabdingbar. Aber, und das muss man auch klar sagen, sie wird immer wieder auch ausgenutzt, von Individuen, die das Internet nicht eben lebenswerter machen.

Weiterführende Links zum Thema Trolle und Facebook Comments:

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11 Antworten
  1. von Fritz am 19.08.2011 (13:20 Uhr)

    Naja und wieweit sind die Kommtare zurückgegangen?

    Ich kann mir vorstellen das auch viele Ernsthafte Kommentatoren keinen Bock hatten das jedes Ding auf Facebook steht.
    Ich sehe das nämlich so, bei Fb habe ich nen gewissen Freundeskreis die aber alle nichts mit Webkram zu tun haben und die dann regelmässig mit Blogkommentaren vollzumüllen mit denen sie nichts anfangen können oder die sie gar falsch verstehen weil ihnen die Zusammenhänge fehlen sind nicht grade Optimal.

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  2. von Falk Hedemann am 19.08.2011 (13:23 Uhr)

    @Fritz: Nicht jeder Kommentar landet automatisch auch bei Facebook, nur wenn es der Kommentierende auch selbst so wollte ;-)

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  3. von Fritz am 19.08.2011 (13:31 Uhr)

    @Falk

    Ahja, stimmt. den Haken hatte ich übersehen.

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  4. von Guten Foren am 19.08.2011 (13:45 Uhr)

    Foren könnten konstruktiv sein. Dann käme man aber nicht mehr ständig mit Schuldenmacherei, Miswirtschaft und Hofstaats-Expandierung auf Kosten der Kunden, Kommunen odert Kleinaktionäre davon wie es aktuell gängig ist.

    Andere Probleme werden davon nicht bekämpft: Beispielsweise Wiederhol-Themen und immer und immer und immer wieder dieselben "Argumente". Man müsste Default-Antworten "dranhängen" bzw. verlinken können und Leute als Repeater outen können, wenn sie dieselben Texte nicht verlinken sondern neu posten. Damit macht man konstruktive Diskussionen als bezahlter Foren-Verhinderer auch kaputt.

    Man müsste Leute bewerten können (anonym oder pseudonym) und die Bewertungen sieht man dann bei Facebook. "Bei NewYorkTimes gilt dein Freund als dummer Reaktionär.". "im Apple-Forum gilt Dein Freund zu 90% als dummer Windows-User". Sowas würde wirken und man würde sich anständig verhalten, auch wenn man dafür nirgendwo mit einen abgesprochenen Verdienstorden belohnt wird.

    Es gibt keinen Ort, wo man konstruktiv Probleme lösen kann... . Wenn man mal Steuern bezahlt, findet man staatliche und wirtschaftliche Miswirtschaft nicht mehr lustig.
    Kein Forum arbeitet an Verbesserungen. Das gute Forum hätte die guten Postings und die Trolle können in ihren verbliebenen Troll-Sumpf-Foren gegenseitig beleidigen wie Hooligans. Bis das Forum wegen Kritik oder irgendwelchen Vorwänden geschlossen wird. Die Sache mit Facebook hat doch nur den Grund, das Redakteure Arbeit sparen wollen. Ausnahmsweise profitiert davon mal die Qualität in Form weniger Dreckspostings. Aber hat die Qualität der Artikel durch Feedbacks zugenommen ? In Deutschland reicht es ja nicht mal für eine Tippfehler-Prüfung auf vielen News-Sites.

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  5. von moeller_gm am 19.08.2011 (15:23 Uhr)

    Wie im Artikel erwähnt. die Leute ohne FB Account blieben außen vor.Und davon kenne ich, einschließlich mich selber, gerade im technischen/it Bereich eine ganze Menge.

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  6. von robuehler am 19.08.2011 (15:44 Uhr)

    dass bei anmeldung unerwünschte kommentare ausbleiben, ist klar.

    daher integriert man ein dienst auf der seite, der all diese apis (z.b. facebook, twitter, openid o.ä.) sowie einen gast-zugang offeriert. somit ist niemand ausgeschlossen.

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  7. von Holger am 19.08.2011 (15:59 Uhr)

    Spam ist mist und gehört ausgesperrt, richtig! Trolle sind doof und deren Kommentare lesen verursacht manchmal nervöse Zuckungen und Hirnschmerzen, richtig! Meiner Meinung nach gehört das aber dazu, und mann kann damit leben. Mit den Folgen von "flächendeckendem" Klarnamen-/Facebook-Zwang hinsichtlich freier Meinungsäußerung tu ich mir da schon schwerer.

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  8. von NetzBlogR am 19.08.2011 (16:00 Uhr)

    Doof ist natürlich, wenn z.B. in 2 Jahren alle bei Google+ sind und keiner mehr Facebook nutzt (hab' mal gelesen, dass das definitiv so kommt, weil Google+ ja millionenmal besser ist *grins*).

    Dann stehste als Betreiber mit Deiner Seite und der Facebook-Anbindung plötzlich da, weil Du auf Google+ umbauen musst (sofern das überhaupt geht) und die alten Kommentare musst Du löschen oder zweigleisig fahren.

    Ich bin zwar selbst kein Freund vom Registrieren-um-zu-Kommentieren oder Jeder-Kommentar-muss-moderiert-werden, aber gegen Trolle und Spam ist und bleibt das die beste Möglichkeit. Wer das nicht einsehen will und sich darüber beschwert, der hat im Netz nichts verloren.

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  9. von Gilly am 19.08.2011 (17:07 Uhr)

    Wenn ich sehe, wie viele Trolle sich auf Fansites bei Facebook rumtreiben, dann kann ich dem ganzen nicht so wirklich Glauben schenken. Es werden vielleicht ein paar weniger, aber so ganz lässt sich das nicht eliminieren.

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  10. von Harald am 21.08.2011 (14:56 Uhr)

    Es ist die Frage, wie viel Aufwand man auf die Kommentare verwenden will und kann. Um so weniger man selbst kontrollieren will, um so mehr Hürden baut man ein. Facebook als einzige Kommentarfunktion steht da meine ich am unterem Ende der Leiter - das ist besser als ganz auf eine Kommentarfunktion zu verzichten.

    Die Authentifizierung mit unterschiedlichen Accounts halte ich für einen guten Ansatz, wobei allerdings die Kontrollfunktion über die Community-"Freunde" ausbleibt . Zusätzlich kann dann gerne auch noch Facebook eingebunden werden, das bringt sicher für den Facebook-Account.

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  11. von tanjahandl am 22.08.2011 (11:24 Uhr)

    Einzig & allein FB-Comments sind aus meiner Sicht nicht das Wahre - NetzBlogR hat da ja die Bedenken schon gut auf den Punkt gebracht... ;-)

    Sich mit einem anderen Account anmelden zu können oder bei einem großen Blog einen eigenen Account anlegen zu können, finde ich praktisch und vertrauensfördernd. Allerdings ist ein FB-Account meiner Meinung nach kein Mündigkeitsbeweis, und Anonymität disqualifiziert den Kommentator nicht automatisch. Bei unserem Blog Beyond 9 to 5 überlassen wir die Entscheidung, ob Klarname oder nicht, deshalb den Usern. Bis jetzt fahren wir damit sehr gut - haben allerdings auch noch nicht so eine große Kommentatoren-Gemeinde wie z.B. t3n.

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