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Digitales Leben

Klappe zu, Affe tot – Der digitale Nachlass im Netz

    Klappe zu, Affe tot – Der digitale Nachlass im Netz
© BortN66 - Fotolia.com

Was passiert eigentlich mit unseren Accounts und Daten, wenn wir das Zeitliche segnen, mit unserem digitalen Nachlass? Maik Klotz hat sich da seine – ganz eigenen – Gedanken gemacht.

Tja, da lieg ich nun in der Kiste. Klappe zu, Affe tot. Ging ja dann doch schneller als erwartet. Und ich dachte noch: „Halt dich vom Tunnel und dem Licht fern.“ Hat irgendwie nicht geklappt. Zum Glück hab ich alles soweit geregelt. Sogar die Blumen hab ich gestern noch mal gegossen. Das bisschen Hab und Gut wird dann wohl an die Verwandtschaft verteilt. Hoffentlich gibt es keinen Stress. Naja, ist ja nicht so viel. Außerdem hab ich ja ein Testament gemacht, kann also nix schiefgehen.

Wer wohl mein MacBook bekommt? Egal, soll nicht mehr mein Problem sein. Lustig, gestern hatte ich noch bei Facebook gepostet, dass ich den blöden Maulwürfen mit etwas Strom an den Kragen gehen werde ... konnte ja keiner ahnen, dass ich mich selbst grille. Eine gute Platzierung beim Darwin-Award scheint sicher. Oh mann, wie peinlich. À propos Facebook, was passiert eigentlich mit meinem ganzen virtuellen Krams?

Der digitale Nachlass im Netz.
(Bild: © BortN66 – Fotolia.com)

Der digitale Nachlass im Netz.

Nichts. Erst mal zumindest. So fern man sich nicht als Poltergeist selbst der Sache annehmen kann (oder will), muss sich ein Angehöriger kümmern. Ansonsten geistert man noch viele Jahre durchs Netz. Zum Glück können Angehörige oder Freunde bei den meisten Anbietern eine Löschung beantragen oder den Account ruhen lassen.

Facebook

Facebook bietet nach dem Ableben zwei Möglichkeiten an. Angehörige können den Account löschen lassen oder in einen Gedenkzustand versetzen. Der Gedenkzustand bietet Freunden und Bekannten die Möglichkeit, auf die Pinnwand des Verstorbenen zu posten. Ein Einloggen in den Account ist aber nicht mehr möglich. Das Formular für den Gedenkzustand findet man hier. Eine Löschung kann man hier beantragen. Für beides ist ein Nachweis notwendig.

Google

Google bietet für diesen Fall einen Kontoinaktivitäts-Manager. Der erlaubt es, das Google-Konto nach einer festgelegten Zeit automatisch zu löschen. Im Kontoinaktivitäts-Manager kann man auch festlegen, welche Dienste bei der Löschung berücksichtigt werden sollen. Den Kontoinaktivitäts-Manager findet man in den Einstellungen seines Kontos.

Twitter

Twitter selbst bietet kein spezielles Kontaktformular für Angehörige an. Stattdessen schreibt man Twitter über das reguläre Kontaktformular an und bittet um Löschung. Dazu ist auch ein Nachweis wie zum Beispiel die Sterbeurkunde notwendig.

XING

Auch bei XING gibt es keinen speziellen Link zur Löschung des Profils bei Todesfall. Teilt man XING den Tod eines anderen mit, wird das Profil deaktiviert. Danach versucht XING drei Monate lang, Kontakt mit dem Besitzer des Profils aufzunehmen. War das erfolglos, wird das Profil gelöscht. Ob die Mitarbeiter von XING dazu eine Séance abhalten und Tische rücken, ist nicht abschließend geklärt.

LinkedIn

Im Business-Netzwerk LinkedIn kann man die Löschung eines Account beantragen. Das Formular findet sich hier.

Der digitale Nachlassverwalter

Neben den großen Netzwerken gibt es noch eine Vielzahl kleinerer Dienste, bei denen der Verstorbene angemeldet sein kann. Diese zu finden und alle zu deaktivieren, kann sich zu einer anstrengenden Sisyphusarbeit entwickeln, die man seinen Angehörigen und Freunden vielleicht ersparen möchte. Im Netz gibt es mittlerweile kostenpflichtige Dienste, wie zum Beispiel Legacy Locker, die sich um den digitalen Nachlass kümmern möchten. Das Problem an den Diensten: Wer weiß, ob es sie nach dem eigenen Ableben noch gibt? Mit etwas Aufwand aber geht es auch kostenlos und flexibler.

Eine einfache Möglichkeit bietet hier der Kontoinaktivitäts-Manager von Google, den wir für unsere Zwecke etwas missbrauchen. Voraussetzung ist allerdings ein Google-Mail-Account, der idealerweise auch regelmäßig (mindestens alle drei Monate) genutzt wird. Bei Google kann man sich einigermaßen sicher sein, dass es den Dienst noch etwas länger geben wird.

Im Kontoinaktivitäts-Manager können wir bis zu zehn vertrauenswürdige Personen festlegen und diesen Personen verschiedene Rechte zu weisen. Das bietet die wunderbare Möglichkeit, einen (oder mehrere) digitalen Nachlassverwalter zu bestimmen. Ihnen gibt man nach seinem Ableben Zugriff auf eine (verschlüsselte) Liste aller Zugänge und Dienste (nebst Benutzernamen und Passwort) im Google-Drive. Logt man sich jetzt für den zuvor definierten Zeitraum nicht in einen der Google-Dienste ein (was mit dem Tod schwierig werden dürfte), bekommt der digitale Nachlassverwalter eine festgelegte Nachricht – zum Beispiel:

“Tja, was soll ich sagen. Wenn Du diese Mail liest, ist es wohl passiert.

Im Google-Drive liegt eine Datei mit dem Namen „Datei“ (ohne Endung). Bei dieser Datei handelt es sich um einen Truecrypt-Container.

Dieser Container kann mit dem Passwort „62371836dasdat?99dsda“ (ohne „“) geöffnet werden. In dem Container befindet sich mein digitaler Nachlass. Geh vernünftig damit um. Auch hast du Zugriff auf mein Google-Mail-Profil.“

Der Empfänger hat jetzt alle Daten und kann die Dienste manuell löschen. Der Vorteil dieser Methode: Man kann nicht nur Profile deaktivieren, sondern gibt der Person vollen Zugriff auf alle Dienste um beispielsweise Bilder und Informationen zu sichern. Auch kann man das Google-Drive natürlich noch für andere Informationen nutzen, die dann anderen zugänglich gemacht werden. Der Nachteil: Eine hinterlegte Liste muss regelmäßig gepflegt werden.

Nutzt man das Google-Mail-Konto auch als Login bei anderen Diensten, hat das einen weiteren Vorteil: Der digitale Nachlassverwalter kann sich dann über die meist verfügbare „Passwort-Vergessen“-Funktion des jeweiligen Dienstes ein neues Passwort anfordern.

So oder so, es gibt sicherlich Schöneres, als sich um seinen (digitalen) Nachlass zu kümmern. Die Angehörigen aber sind vielleicht froh wenn es eine Regelung gibt.

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4 Reaktionen
grac
grac

Dass ich nicht lache:

"Eine einfache Möglichkeit bietet hier der Kontoinaktivitäts-Manager von Google, den wir für unsere Zwecke etwas missbrauchen."

Wie naiv kann man denn noch sein in Zeiten von PRISM?
Wo die NSA unter anderem Google finanziert, damit alles, was in der Cloud gespeichert wird, zum Schnüffeln freigelegt wird?

Maik Klotz, das kann doch nicht dein Ernst sein - ausgerechnet Google!
Wenn du wenigstens eine Alternative zu amerikanischen Servern gesucht hättest, dann würde ich diesen Artikel ernst nehmen.

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Thompsen
Thompsen

@Jens: Das würde mich auch interessieren. Wer bekommt meine E-Book Sammlung vom Kindle? Amazon? ;)

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daniel.rohnert
daniel.rohnert

Niemand, denn die eBook-Lizenzen, genauso wie online gekaufte Film und Musiklizenzen sind Nutzergebunden und aus diesem Grund garnicht vererbbar. Einzige Abhilfe schafft evt. das brennen auf Audio-CD (so pervers es klingt) die dann als Physik wie andere auch vererbt wird.

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Jens
Jens

Ein interessanter Artikel. Ich musste dabei feststellen, dass ich mir über so etwas noch gar keine Gedanken gemacht habe. Da ich meine Musik mittlerweile grösstenteils online kaufe, müsste ich mir eigentlich mal die Frage stellen, was mit der "Musiksammlung" passiert im Fall der Fälle. Irgendwie komisch, sich über nicht reelle Gegenstände im Sinne des Nachlasses Gedanken zu machen ...

Gruss,
Jens

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