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Klickbetrug auf YouTube: So funktioniert’s

    Klickbetrug auf YouTube: So funktioniert's
YouTube macht im Duell TV vs. Streaming Druck... #FLICKR#

Betrügereien sind schon längst auch im ach so sozialen Web angelangt. Facebook Fans, Twitter Follower oder YouTube Views kaufen? – kein Problem! Ein paar gefakte Kommentare dazu? – für eine Hand voll Dollar oder Euro schnell erledigt. Markus Hündgen hat den Praxistest gemacht, ein Video bei Youtube hochgeladen und Abrufe, Bewertungen und Kommentare gekauft. Wie sein Experiment ausgeht und inwiefern auch deutsche Unternehmen und Dienstleister involviert sind, erfahrt ihr hier.

Experiment: Klickbetrug auf YouTube im Selbsttest

Ein paar Gegenstände sind schnell arrangiert – nun eine knappe halbe Minute mit der Kamera draufhalten und das nichtssagende Video ist bei YouTube hochgeladen. Markus Hündgen startet ein Experiment. Er will „Mit einem minimalen Video maximale Abrufzahlen generieren.“. Dabei geht es darum, hinter die Kulissen des Klickbetrugs zu blicken. Bei dem inzwischen eingestellten pakistanischen Internetdienst „Increasetubeviews“ ordert Hündgen 30.000 Videoaufrufe für 20 Dollar und zahlt über PayPal. Dabei muss er nicht einmal nachweisen, dass es sein YouTube Konto ist, auf das die 30.000 Views transfereriert werden sollen. Eine Woche und 5000 Abrufe später poliert Hündgen sein Versuchsobjekt mit Bewertungen auf. Vierzig Stück sollen es doch bitte sein, davon 39 positive und eine negative. Obendrein spendiert er seinem Video das „Angebot der Woche“, 10 Kommentare für 10 Dollar. Diese sind selbst geschrieben und in Reihenfolge gebracht, der Internetdienst lässt sie unter unterschiedlichen Accountnamen unter dem Video erscheinen.

DAX-Konzern schreckt auch vor illegalen Methoden nicht zurück

In der Folgezeit wird Hündgen im Facebook-Chat angeschrieben. Ein offenbar Verantwortlicher eines DAX-Konzerns aus NRW formuliert den Wunsch nach einer Seedingagentur für die aktuelle virale Kampagne, konkret, „um 100.000 Views auf dem Youtubefilm in einer Woche zu erzeugen“. Hündgen weist darauf hin, es sei durchaus möglich, eine derartige Zahl an Views in der gegebenen Zeit zu erreichen, indem man sein Material für viel Geld bei meinungsmachenden Kanälen und Institutionen unterbringt und die Verbreitung geschehen lässt. „Word of Mouth“-Marketing lautet das Zauberwort. Offensichtlich ist Hündgens Chat-Partner aber an der kostengünstigen illegalen Variante interessiert, die sich auf den Einkauf von Abrufen stützt: „Kommt auf den Preis an, sicher hätte ich lieber User Alter 22 bis 30 in Deutschland… Aber notfalls. Nehme ich auch was nur Masse ist, 100.000 Views in einer Woche.“.

Die Dunkelziffer der mit illegalen Mitteln erworbenen Abrufen existierenden Videos auf YouTube ist nicht abzusehen. Oft lassen nur die Kommentare Schlüsse auf Unregelmäßigkeiten erkennen. Bild von ivva auf flickr.com

YouTube: Abrufzahlen kaufen – auch in Deutschland möglich?

„Word of Mouth“-Marketing kann ein effizientes Werkzeug sein, um Abrufe zu generieren, allerdings ohne Garantie. Die in Köln ansässige Videoplattform Sevenload hat auch einen „Viral Video Seeding“-Service im Programm, der Kunden feste Abrufzahlen kaufen lässt. Sevenload garantiert die eingekauften Leistungen. Garantie?, hinterfragt Hündgens die Außendarstellung des deutschen Dienstes berechtigterweise kritisch, lässt aber offen, ob er das Geschäftsmodell als „Word of Mouth“-Marketing oder illegale Abrufkäufe einstuft. „sevenload hat zahlreiche Tools und Methoden entwickelt, mit denen ein geplanter Werbeerfolg auch planbar wird. sevenload ist eher hochpreisig am Markt positioniert, da wir die Summe der Abrufe in einem bestimmten Zeitraum und geografische Region garantieren.“ lautet die Stellungnahme von Sevenload CEO Andreas Heyden. “sevenload setzt hierbei auf die Promotion in Facebook, Foren und anderen Social Networks, die Nutzer schauen sich die Videos freiwillig an. Die Videos werden entweder embedded oder ein Link zu den Videos promoted. Mechanische Methoden, die einfach nur Views erzeugen werden, soweit erkennbar, nicht eingesetzt.”, führt er weiter aus.

Manipulation verstößt gegen Wettbewerbsrecht

Natürlich ist die Manipulation von Kommentaren, Abrufzahlen, etc. von Videos gesetzeswidrig, von den lebenslang wirkenden Sanktionen seitens Google ganz abgesehen. Hündgens zitiert Rechtsanwalt Udo Vetter, der in den aufgezeigten Machenschaften einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht sieht: „Durch gefälschte Abrufzahlen wird die Größe des Unternehmens beziehungsweise das tatsächliche Interesse an Produkten verschleiert. Gefälschte Kommentare erwecken den Eindruck zufriedener Kunden, die es gar nicht gibt. Das sind beides Referenzen, die zu einem Kaufentschluss führen können, den der Kunde ohne die Fakes nicht gemacht hätte.“.

Mittlerweile steht Hündgens Experimentalvideo bei über 41.500 Views, 26 teils kuriosen Kommentaren, 67 Positiv- und 6 Negativbewertungen. Betrug funktioniert – ob auf YouTube, Facebook oder Twitter. Social Media ist so schnell so wichtig geworden, dass sich offensichtlich niemand ernsthaft Gedanken über Missbrauch gemacht hat. Angesichts der sich häufenden Skandale in der letzten Zeit stellt sich die Frage, ob sich Social Media in die richtige Richtung entwickelt und ob sie sich noch umlenken lässt.

Hier geht`s zum Originalbeitrag von Markus Hündgen.

Weiterführende Links:

Bildnachweis für die Newsübersicht: Foto: mauritsonline / flickr.com, Lizenz: CC-BY

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7 Reaktionen
s.
s.
17.05.2011, 16:58 Uhr

Ich denke mal nicht schwerer, als in einem Hochhaus dutzende Klingeln zu drücken, das die Bewohner dann als Besuch verbuchen können.

Antworten

Tanja Handl
Tanja Handl
18.05.2011, 12:38 Uhr

Absolut lächerlich - und in meinen Augen für Unternehmen, die sich auf solche Angebote einlassen, auch durchaus gefährlich. Gekaufte FB-User, Bewertungen in Amazon etc. - nichts davon führt in meinen Augen ans Ziel. War erst letztens ein guter Artikel im Neon über das Erkennen von Fake-Bewertungen - die riechen kritische User doch schon 10.000 Meilen gegen den Wind. Lieber das Geld sparen und in guten Service und ins Produkt investieren, bringt mehr. :)

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Nik
Nik
05.01.2012, 23:36 Uhr

alles unseriös, danke für Artikel.

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Honigmarder
Honigmarder
20.09.2012, 01:53 Uhr

Naja ich denke eher das es mitlerweile ganz normal ist seine youtube klicks zu kaufen. sicherlich viele youtube klicks sind gekauft. ich vermute mindestens 20 %

aber warum eigentlich auch nicht youtube views kaufen? es gibt so viele videos auf youtube und wenn man ein video hochladen will bei youtube mit dem man sich richtig mühe gegeben hat dann würde ich auch wollen das es mehr klicks bekommt und würde vielleicht auch ein paar klicks kaufen. außerdem kosteten klicks vor ein jahr noch viel geld. heute bieten youtube klicks und facebook fans schon viele firmen an. bei www.best-views.de zum beispiel kann man 10.000 youtube views für unter 10 euro kaufen. warum nicht? man betrügt ja nicht sondern pusht seine klicks bei youtube etwas oder bucht ein paar facebook fans hinzu. einen betrug wäre das für mich erst dann wenn man zum beispiel die youtube werbung nutzt um mit youtube views geld zu verdienen durch die werbung aber solange das nicht der fall ist sollte man sich auch nicht so aufregen. ich finde diesen artikel eher unpassend. hätte jetzt gedacht das was ordentliches zu lesen ist aber leider wieder so eine typische überschrift wie man sie von der bildzeitung kennt und dann kommt sowas ernüchtendes.

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mara1991
mara1991
07.03.2016, 18:15 Uhr

Hallo,

wollte fragen, ob jemand Erfahrung mit www.get-fans.de gemacht hat ?

Antworten

Raphael Einetter
Raphael Einetter
18.08.2016, 00:58 Uhr

Ich könnte mir gut vorstellen, dass diese Methode auch beim Pushen von politischen Videos genutzt wird...

Antworten

staatenlos.info
staatenlos.info
18.08.2016, 19:58 Uhr

gesteuertes nazi Netzwerk YouTube vom verfassungsschutz

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