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Karriere

Kolumne: IT vs BWL – „Zurück in deinen Keller du verstrahlter Nerd“

Vielleicht nicht so krass wie in der Überschrift, aber doch mit einem ähnlichen Unterton werden ITler oft weggeschickt, wenn sie auf die Frage eines BWLers eine technisch geprägte Antwort geben. Ich muss dazu sagen, folgender Beitrag stammt von einem halb binär denkenden Menschen. Zwar habe ich bewusst Wirtschaftsinformatik studiert, um beide Seiten in einem IT-Unternehmen zu verstehen. Verzeiht mir bitte dennoch, sollte eine leicht subjektiv angehauchte Denkweise herauszulesen sein.

Beispiel: Der ITler muss eine Kostenschätzung für ein Projekt abgeben. „So ein Schwachfug!“ denkt sich dieser, da die Kosten sowieso komplett anders ausfallen werden als geplant. Also fäng er an, Excel-Bingo zu spielen und klickt sich so eine total willkürliche Tabelle zusammen, nur damit der BWLer zufrieden ist. Gegenbeispiel: Der BWLer braucht dringend ein Online-Affiliate-Click-Tracking-AdWords-Analytics-Banner-Rotation-System für seine Community. Er kann nicht verstehen, wieso das nicht am nächsten Morgen eingebaut ist. Das kann doch nicht so schwer sein da „kurz etwas zusammenzuklicken“. Gibt es doch sicher schon irgendwo.

it-vs-bwlNein, ich möchte hier keine „nehmt euch gegenseitig an die Hand und habt euch lieb“-Therapie anbieten. Ich frage mich nur, wieso es so schwer ist, gegenseitiges Verständnis aufzubringen. Schließlich besteht ja zwischen beiden Fronten eine extreme Abhängigkeit.

Wieso denken also einige BWLer immer noch, ein typischer ITler sei dick, habe fettige Haare, sitze im Keller vor seinem schwarz-grünen Röhrenmonitor und habe eine braune Hornbrille auf? Gleichzeitig gibt es aber auch ITler die meinen, ein BWLer werde bereits als rosa Stehkragen-Polohemdträger mit gegelter Mafiosihaarmatte und goldenen Manschettenknöpfen geboren. Das ist wie mit Ost und West. Ich warte nur schon seit Jahren auf den Mauerfall. Wer nun bei meiner Analogie der Osten und wer der Westen ist, dürft ihr euch selbst aussuchen. :)

Warum IT und BWL zusammenarbeiten sollten

2008 hat Mark Zuckerberg in einem Interview bei der Future of Webapps Expo in London gesagt, dass alle leitenden Angestellten bei Facebook, die nicht in der IT arbeiten, trotzdem einen technischen Background besitzen müssen. Nur so könne er sicherstellen, dass die Führungskräfte beide Seiten kennen, wenn sie eine Entscheidung treffen. Damit meinte er sicher nicht, dass jeder BWLer seine Excel Sheets in C++ entwickeln muss und der ITler vor jeder Zeile Code eine Balanced Scorecard abgeben muss. Es ging viel mehr um die grundsätzliche Einstellung.

Wir können nur empfehlen, grundsätzliche Themen immer gemeinsam durchzusprechen - egal, ob IT- oder BWL-Background. Zwar muss nicht jeder in jedem Gebiet zu 100 prozent durchsteigen. Aber ein grundsätzliches Verständnis der Abläufe und Gedankengänge des anderen ist extrem wichtig, um auf der gleichen Welle zu denken.

Ähnlich sollte es auch in größeren IT-BWL-Wohngemeinschaften ablaufen. Jeder sollte einen groben Überblick haben, ob der andere gerade blenden will oder ob der Aufwand, der angegeben wurde, wirklich wie behauptet 16 Mannjahre ist. Ganz nach dem Motto: „Wenn ich Transparenz vermisse, muss ich mir Transparenz selber schaffen.“

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Schluss mit der räumlichen Trennung

Dabei kommt mir schon die nächste Frage in den Sinn: Wieso trennt man fast immer räumlich zwischen IT und Vertrieb/Marketing?

Klar kann einem das Telefonieren des Vertrieblers auf den Senkel gehen. Aber dann setzt man eben Kopfhörer auf und lauscht den zarten Tönen des Online-Radiosenders (wenn man denn mal einen guten findet). Grundsätzlich überwiegt aber die positive Wirkung des „Wir-Gefühls“. Denn sitzt man sich gegenüber, kann man sich auch mal zusammen über unmögliche Kunden oder unfähige Dienstleister aufregen. Und lästern verbindet ja bekanntlich.

Fazit (plus IT-Witz)

Fachbereichsübergreifende Zusammenarbeit ist eine Herausforderung, die sich bei erfolgreicher und kreativer Umsetzung mehr als auszahlt.

Zum Abschluss noch ein kleiner Witz: In einem Bus sind ein Haufen ITler unterwegs, die sich die ganze Fahrt über schon bepöbeln. Auf einmal hält der Bus an und der Busfahrer befiehlt: „Steigt alle aus.“ Er predigt ihnen, dass sie doch alle ITler seien und endlich aufhören sollten, sich gegenseitig zu beleidigen. Als er fertig ist mit seiner Predigt sagt er: „Ihr seid verdammt nochmal alle gleich. Also, jetzt steigt wieder in den Bus ein. Die Ruby-Coder vorne, die Java-Entwickler hinten!“

In diesem Sinne, frohe und vor allem ruhige Weihnachtsfeiertage an alle IT-BWL-Wohngemeinschaften und die, die es noch werden wollen!

Über den Gastautor

marc_boeker Marc Boeker ist einer der Köpfe hinter ONchestra.com. Getreu dem Motto „Small tools, big difference“ entwickelt, hostet und vertreibt er gemeinsam mit Michael Krause Software as a Service im B2B-Bereich. Kunden sind kleine Unternehmen und Freiberufler, die mit den auf spezielle Branchenanforderungen hin optimierten Lösungen Ihre Effizienz steigern wollen, ohne Anfangsinvestitionen tätigen oder Handbücher wälzen zu müssen.

Kritik, Fragen und Anregungen schenken sie unter wir@onchestra.com jederzeit gerne Aufmerksamkeit.

Bildnachweis für die Collage: © Scott Hancock -Fotolia.com und © Light Impression - Fotolia.com

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Eine Reaktion
Lars
Lars

Ich studiere BWL mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsinformatik.
Das größte Problem ist die Kommunikation zwischen ITler und BWLer. Beide haben ihr Fachvokabular von dem der Gesprächspartner meist keine Ahnung hat und anstatt es für den anderen verständlich zu erklären - also wie einem nicht fachlich ausgebildeteten, reiten beide Parteien auf ihren Fachvokabeln rum. Entweder weil sie nicht verstanden haben was dieser Begriff wirklich beherbergt oder weil sie einfach zeigen wollen, was sie für ein toller Hecht sind und dem anderen was voraus haben.
Gleichzeitig ist der Gesprächspartner, der das Fachchinesisch vom Gegenüber nicht versteht zu eitel nachzufragen was das denn gerade bedeutet.
In den meisten Unternehmen herrscht eine Art Krieg zwischen IT und BWL. Geschuldet wird dies persönlicher Eitelkeiten, der Angst man könnte ersetzbar sein, wenn man nicht genug Fachwissen hat und dem nicht vorhandenen und auch nicht gewollten Verständnis für den anderen Fachbereich. Natürlich wünscht sich das die Unternehmensleitung, aber die bekommt von dem Krieg meistens gar nicht so viel mit - bis einer petzen geht, aber das traut sich dann doch niemand.

Es hängt also auch in großen Maße von der Unternehmenskultur ab wie offen Mitarbeiter unterschiedlicher Fachrichtungen miteinander kommunizieren und ob die Anforderungen und Wünsche der Kollegen (die BWLer und ITler nun mal sind) zu respektieren, auch wenn man sie nicht versteht. Im Normalfall will man sich ja nichts Schlechtes, wenn man eine Kostenschätzung haben will oder die Implementierung nicht am nächsten Morgen fertig ist.

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