Mal ehrlich: Wie viele von uns nutzen Unternehmenssoftware nur deshalb, weil sie sie vom Chef „aufgeladen“ bekommen? Wie viele kommen morgens ins Büro, rufen erstmal ihre Mails ab und lesen sich die neuesten Nachrichten durch, bevor sie das furchtbar grässliche Icon doppelklicken, hinter welchem sich das Monster mit Namen „Software“ verbirgt? Dabei könnte doch alles so einfach sein. Oder etwa nicht?
Ich weiß noch genau, als bei einem meiner ehemaligen Arbeitgeber beschlossen wurde, ein CRM (Customer Relationship Management) einzusetzen. Die Wahl fiel auf das größte und bekannteste, webbasierte CRM-System – das ist Standard, das muss ja gut sein. Okay: browserbasiert und daher von allen und von überall aus nutzbar. Das ist eine feine Sache. Die weniger feine Sache war, dass ich auf Grund der Trägheit des User Interface und der unzähligen, für uns völlig unnötigen aber dennoch zwingend zu hinterlegenden Datensätze, ungefähr so lange für das Anlegen eines neuen Kunden bzw. Ändern seiner Daten brauchte, wie für die Akquise selbst.
Ende vom Lied: Die Daten wurden nicht mehr regelmäßig gepflegt, das System dadurch nach kurzer Zeit unbrauchbar.
Klar, flexibel war das CRM-Monster bis zum geht nicht mehr. Hätte man ein Projektteam aus ITlern und täglichen Nutzern zusammengestellt, hätte man das Teil garantiert super in alle möglichen Prozesse integrieren und die Weltherrschaft an sich reißen können. Mindestens.
Seltsamerweise hatte aber niemand Lust (inklusive mir am allerwenigsten), solche Klimmzüge zu machen, nur um ein Alltagstool anzupassen, das ein paar Daten verwalten sollte. Es sollte als Gedankenstütze und Erinnerungsmodul agieren, nicht mehr und nicht weniger.
Was lernen wir daraus? Software, egal ob on- oder offline, ist meist völlig überladen, träge und dadurch ineffizient. Selbst jetzt, wo ich diesen Text schreibe, verwende ich geschätzte 14 Prozent der verfügbaren Funktionen. Der Rest der wunderschön-farbigen Icons und Menüpunkte ist mir völlig egal. Dass ich dennoch für diese Funktionen bezahle, ist mir schon nicht mehr ganz so egal.
Was muss also das Ziel heutiger Softwareentwickler sein? Richtig: einfache Software die Spaß macht. Das hört sich simpel an, ist es aber nicht. Denn wie definiert sich „einfach“? Wie definiert sich „Spaß“ im Berufsalltag?
„Einfach“ bedeutet für mich: nicht suchen, nicht raten und nicht administrieren zu müssen. Was bringen mir Funktionen, die meine Arbeit erleichtern sollen, wenn sie so versteckt sind, dass ich danach suchen müsste? Wozu farbige Icons, bei denen ich nicht weiß, was sich hinter ihnen für Funktionen verbergen? Wozu Kollaborationsmöglichkeiten, wenn ich erst zwei Module und drei Updates installieren muss, deren Download obendrein noch nicht mal funktioniert?
Der „Spaß“ beginnt dann, wenn eine Anwendung so aufgebaut ist, dass sie mir die nötigen Funktionen bereitstellt, alles Wiederkehrende im Hintergrund selbst erledigt und mich nicht mit unzähligen Justierungsoptionen nervt. Dabei nehme ich es auch gerne in Kauf, dass eine Funktion, die eventuell geschickt wäre, nicht verfügbar ist - solange alle anderen Icons und Menüoptionen das tun, was ich von ihnen erwarte.
Also liebe Software-Elefanten, wir sind keine IT-Experten. Wir sind IT-Nutzer. Eventuell sollten Sie mal eine strategisch orientierte high performance 9 months project group mit special authority project team leader und super special designed collaboration support gründen, um diesen Unterschied näher zu erörtern?
Über den Gastautor
Michael Krause ist einer der Köpfe hinter ONchestra.com. Getreu dem Motto „Small tools, big difference“ entwickelt, hostet und vertreibt er gemeinsam mit Marc Boeker Software as a Service im B2B-Bereich. Kunden sind kleine Unternehmen und Freiberufler, die mit den auf spezielle Branchenanforderungen hin optimierten Lösungen Ihre Effizienz steigern wollen, ohne Anfangsinvestitionen tätigen oder Handbücher wälzen zu müssen.
Kritik, Fragen und Anregungen schenken sie unter wir@onchestra.com jederzeit gerne Aufmerksamkeit.


















@Knut: besten Dank. Der Abschnitt
gefällt mir besonders gut. Wäre im Prinzip ein schönes Thema für unseren nächsten Kolumnenbeitrag, oder?
Anbieter wie simploo, billomat und auch wir profitieren im Endeffekt davon. Streng genommen dürften wir uns also eigentlich gar nicht beklagen :-)
Ein Beispiel ist TYPO3, bei dem sich Redakteurszugänge sehr flexibel einrichten lassen können. Leider scheitert es hier häufig daran, dass TYPO3 an sich für die meisten Admins zu komplex sind und deshalb keine benutzerfreundlichen Redakteurszugänge erstellt werden können.
Gute Software lässt die Oberfläche für die Nutzer konfigurieren. Perfekte Software macht diese Arbeit dem Admin einfach.
An diesem Maßstab gemessen ist TYPO3 gute Software.
Hier ein Beitrag zu genau diesem neuen Trend: http://www.cms-testlabor.de/news/das-erstellen-von-webseiten-und-die-fun-theory/
Hier ein Beitrag zu genau diesem neuen Trend: http://www.cms-testlabor.de/news/das-erstellen-von-webseiten-und-die-fun-theory/
Wieso kann aber nicht auch mal eine Funktion rausgenommen bzw. vereinfacht werden, anstatt 4 neue draufzupacken?! Viele Anwender würden für eine Überarbeitung und Vereinfachung wohl eher bereit sein, zu bezahlen, als für noch mehr (unnötige?!) Buttons und Icons.
[...] Einfach einfache Software Netter Text über die Unsitte, Programme mit nicht benötigten Funktionen aufzublasen [...]