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Unabhängig, werbefrei, modern – Wie Krautreporter mit einem Magazin den Online-Journalismus aufmischen will

    Unabhängig, werbefrei, modern – Wie Krautreporter mit einem Magazin den Online-Journalismus aufmischen will

Krautreporter wird zu einem werbefreien und modernen Online-Magazin. (Screenshot: t3n)

Journalismus im Netz ist Lesern nix wert. Stimmt nicht, sagt die Crowdfunding-Plattform Krautreporter und startet ein ehrgeiziges wie unabhängiges, werbefreies und fair bezahltes Magazin-Projekt. 900.000 Euro werden dafür benötigt.

Ein Magazin, wie gemacht fürs Netz: Krautreporter mischt den Online-Journalismus auf

Es war einmal eine Crowdfunding-Plattform und am Ende wurde daraus der Traum aller Berufsschreiber und Leser. So in etwa könnte die Geschichte des Portals Krautreporter fortgeschrieben werden, zumindest wenn es nach den Wünschen von Sebastian Esser geht, der Krautreporter im letzten Jahr gegründet hat. Mit einem schwarmfinanzierten Großprojekt soll aus der einst für journalistische Arbeiten ausgelegten Crowdfunding-Plattform künftig ein unabhängiges Magazin werden – ohne Werbung und ohne Verlag. Dafür mit fairen Löhnen.

So soll es aussehen, das Online-Magazin der Macher um Krautreporter. 900.000 Euro sind für die Umsetzung notwendig. (Screenshot: t3n)
So soll es aussehen, das Online-Magazin der Macher um Krautreporter. 900.000 Euro sind für die Umsetzung notwendig. (Screenshot: t3n)

Zum anvisierten Starttermin im Juni sind insgesamt 30 Autoren dabei, die mindestens einen Text pro Woche veröffentlichen sollen. Klassische und aus den Netzzeitungen bekannte Ressort-Zuschnitte soll es dabei ebenso wenig geben wie versteckte und nervige Werbeeinblendungen. Die teilnehmenden Journalisten sollen mit einem Honorar zwischen 2.000 und 2.500 Euro monatlich verglichen mit dem Branchenquerschnitt gut bezahlt werden.

„5 Euro pro Monat für ein unabhängiges und werbefreies Online-Magazin.“

Damit aus diesem Traum Wirklichkeit wird, hat sich Krautreporter selbst einer Crowdfunding-Kur unterzogen und wirbt bei Fans um nicht weniger als 900.000 Euro. Wie sich der Betrag zusammensetzt? Krautreporter geht davon aus, dass Leser im Online-Journalismus bis zu fünf Euro für ein werbefreies und unabhängiges Medium zu zahlen bereit sind. Spenden also insgesamt 15.000 Menschen bis zum 13. Juni jeweils 60 Euro, ist Krautreporter für vorerst ein Jahr finanziert. Das Crowdfunding-Modell wird dabei als Teil des Magazins erhalten bleiben, das die Menschen und Projekte hinter Krautreporter finanziell tragen soll.

Der Online-Journalismus ist kaputt

Hinter dem Projekt stehen 25 Reporter im Alter zwischen 27 und 61 Jahren, darunter die Journalisten Richard Gutjahr, Stefan Niggemeier, Jens Weinreich und Tilo Jung. Auf die Frage, mit welcher Intention die Initiatoren von Krautreporter hinter dem Projekt stehen, geben diese klare Antworten: „Vielen Medien sind Klicks wichtiger als Geschichten“, heißt es auf der Webseite. Zudem werde die Welt nur noch in Eilmeldungen erklärt und von Werbung überlagert, die zunächst umständlich weggeklickt werden müsse. Und: „Weil sich auch in seriösen Online-Medien der Boulevard ausbreitet.“

Krautreporter: Reportagen und Porträts statt Schlagzeilen

Mit „gutem Journalismus“, also Reportagen, Recherchen und Porträts sowie Erklärstücken, soll dieser Entwicklung nun mit einem deutlichen Signal entgegengewirkt werden. Vorbild für das neue Krautreporter-Projekt ist das Online-Magazin De Correspondent aus den Niederlanden. Mit ganz ähnlichen Ambitionen war das Projekt im September vergangenen Jahres auf die immer wieder als wenig zahlungswillige Leserschaft verpönte Zielgruppe zugegangen – und erfuhr beachtlichen Zuspruch: In nur acht Tagen kamen rund eine Million Euro für das journalistische Experiment zusammen.

Krautreporter hat zur Stunde bereits annähernd 1.000 von 15.000 Unterstützern überzeugt. Für den Rest bleiben noch 31 Tage Zeit.

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7 Reaktionen
Es ginge noch viel
Es ginge noch viel

Nachteile:
- Anscheinend Kreditkarte benötigt.
- Evtl. Javascript benötigt. Weil ich das nicht einschalte konnte ich mich nicht weiter auf der Seite umschauen und wohl auch nicht bezahlen.

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Es ginge noch viel
Es ginge noch viel

Bei Journalismus kann man sehr viel besser machen als bei Copy-Paste-Agenturmeldungen oder der oben schon benannten Boulevardisierung von Themen und Leuten die uns alle Geld kosten während die Armut sich ausbreitet.

Man müsste die Artikel nach 100 Tagen (oder so) freischalten und werbefinanzieren (Online-IVW und flattr gibts ja auch noch).
Oder auch man zahlt ein und abonniert nur bestimmte Autoren oder Themen und kann Artikel Freunden schenken. Also so eine Art Gutschein den man Artikel für Artikel abarbeiten kann wie ein Prepaid-Guthaben am Handy.
Na ja. Viel Erfolg.
Da ginge noch viel.
Was ist aus HuffPo-Germany geworden ?

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Markus

@HamusSumo Richtig. Den was noch schlimmer ist als Werbefinanzierter Journalismus, ist ein Journalismus des voneinander abschreiben und auf eine einseitige Berichterstattung setzt, wie es derzeit zur Krim-Kriese der Fall ist.

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HamuSumo

Erstmal ein Projekt, dass meine Sympathien hat, aber ohne Beispielartikel, die den Anspruch untermauern und ohne zu wissen in welche politische Richtung es geht bin ich nicht gewillt dafür Geld in die Hand zu nehmen.

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Granaton
Granaton

Das Konzept trifft ein ganz starkes Bedürfnis vieler InternetnutzerInnen, das sich schon vor einigen Jahren abgezeichnet hat und immer stärker wird. UserInnen wollen keine Werbung mehr. Sie wollen keine Zeit mehr verlieren, nicht länger durch Pop-Ups oder Aboaufforderungen gestoppt werden. Sie wollen sich nicht länger verraten und verkauft fühlen. Das war auch einer der Gründe, weshalb ich von Anfang an das Konzept hatte, meine eigene Seite 100% werbefrei zu halten. Ich schreibe weder gesponserte Beiträge noch wird man bei mir jemals gekaufte Links finden. Damit erwerbe ich mir nicht nur Respekt, sondern auch das Image, wertvollere Informationen zu bieten, die nicht monetarisiert sind. Und das funktioniert wunderbar.
Ich finde das Konzept von Krautreporter interessant. Nur der Name ist ein wenig schwierig, wenngleich natürlich auch sehr lustig.

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Oink
Oink

Ich zweifle an dem ganzen Vorhaben. Finde die 60 € auch viel zu hoch, aber naja... das der Online-Journalismus im Arsch ist, liegt an den diversen Newsportalen selbst. Oft bekomme ich interessante Informationen weitaus schneller über Twitter und Reddit. Bei den Portalen dauert es zu lange und am Ende ist es nur Copy&Paste und etwas leicht umgeschrieben.

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Markus

Mir gefällt der Gedanke, dass Journalisten den Versuch unternehmen, sich vom Werbefinanzierten-Journalismus zu distanzieren. Ob es Ihnen auch gelingt, sich vom Mainstream-Journalismus zu lösen, was in der Regel von Nachrichtenagenturen diktiert werden, sei zu wünschen.

Unabhängiger Journalismus bedeutet auch, das System in dem man Lebt zu hinterfrage, auch wenn es bedeutet das man auf Widerstand stößt.

Ich gehe davon aus, dass das angestrebte Ziel erreicht wird und wünsche der Redaktion viel Erfolg.

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