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Startups

„Are you fucking kidding me?“ – Miese Stimmung beim Hamburger Banking-Startup Kreditech [Update]

    „Are you fucking kidding me?“ – Miese Stimmung beim Hamburger Banking-Startup Kreditech [Update]

(Quelle: Kreditech)

Das Hamburger Startup Kreditech will „als digitale Bank der Zukunft zum nächsten Milliardenunternehmen“ werden. Wie Insider berichten, herrschen in dem Unternehmen jedoch Managementschwund, schlechte Stimmung und moralische Bedenken am eigenen Geschäftsmodell. Was sagt Kreditech?

Update vom 17. Oktober 2014: Kreditech hat sich inzwischen per Pressemitteilung erneut zu den ursprünglich von Gründerszene veröffentlichten Informationen geäußert. Wie das Startup darin erklärt, seien die genannten Personen bereits vor mehr als sechs bis zwölf Monaten bei Kreditech ausgeschieden. Die Positionen der insgesamt zehn erwähnten Personen seien alle direkt nach deren Ausstieg mit „qualifizierten Nachfolgern“ besetzt worden.

Die von Gründerszene zitierten Emails stammen laut Kreditech aus dem Februar 2014, die Textstellen seien „völlig aus dem Kontext gerissen“ worden, heißt es. Der kolportierten Missstimmung im Unternehmen erteilt Kreditech ebenfalls ein Dementi. So hätten mit Ausnahme von zwei Mitgliedern alle genannten Mitarbeiter das Startup freundschaftlich verlassen.

Roher Umgangston, strapazierte Nerven, flüchtende Führungskräfte. Glaubt man den Informationen von Gründerszene, die dem deutschen Startup-Portal angeblich von einem Insider zugespielt worden sind, ist die Stimmung beim Hamburger Banking-Startup Kreditech derzeit alles andere als harmonisch.

Im August widmeten wir dem mit 40 Millionen US-Dollar finanzierten Startup, das unter anderem verzinste Kleinkredite auf Basis von Social-Media-Daten vergibt, ein ausführliches Porträt. „Als digitale Bank der Zukunft wollen wir zum nächsten Milliardenunternehmen werden“, erklärte Gründer und CEO Sebastian Diemer da.

Kreditech: Führungskräfte sollen Startup verlassen haben

Bei Kreditech sollen zahlreiche Führungskräfte das Startup verlassen haben. (Quelle: Kreditech)
Bei Kreditech sollen zahlreiche Führungskräfte das Startup verlassen haben. (Quelle: Kreditech)

Wie Gründerszene unter Berufung auf verschiedene, nicht näher genannte Quellen berichtet, sollen jedoch in den letzten Wochen und Monaten gleich zehn Führungskräfte – und damit ein Großteil des Managements – Kreditech verlassen haben. Die Rede ist unter anderem von COO Tobias Reisberger, CIO Oliver Schimek und CMO Daniel Schlotter. Auch die Verantwortlichen für Marketing und HR seien nicht mehr Teil des Startups, heißt es. Wie Gründerszene den Insider weiter zitiert, seien die genannten Personen jedoch „maßgeblich für den Unternehmenserfolg verantwortlich“ gewesen. Entsprechend groß sei der Schaden für das mit 140 Mitarbeitern in mehr als 10 Ländern operierende Startup.

Kreditech selbst kommentierte die von einem Insider überspielten Informationen als „normale Fluktuation“. Es gehe um übliche Kündigungen und nicht bestandene Probezeiten. Zudem seien einige Manager „nur kurzzeitig aus der Firma ausgeschieden“.

Rauer Umgangston und aggressiver Führungsstil

Der 27-jährige Sebastian Diemer ist Gründer und CEO von Kreditech. (Quelle: Kreditech)
Der 27-jährige Sebastian Diemer ist Gründer und CEO von Kreditech. (Quelle: Kreditech)

Schuld an der angeblichen Misere sollen ein rauer Umgangston sowie ein aggressiver Führungsstil sein. Internen E-Mails und Chatprotokollen zufolge soll vor allem CEO Sebastian Diemer immer wieder durch verbale Ausfälle auffallen. Eine Mitarbeiterin etwa habe „seine Zeit verschwendet“, weil sie ein Projekt nicht am Wochenende – und damit außerhalb der Wochenarbeitszeit – zu Ende gebracht habe. „Are you fucking kidding me? [...] Please tell me this is a fucking joke! [...] You waste 4 fucking days“, zitiert Gründerszene. Kreditech fasste diese Äußerungen auf Nachfrage von Gründerszene als „nicht beleidigend“ auf.

Ohnehin scheint die PR-Abteilung derzeit sichtlich um Schadensbegrenzung bemüht. So dementierte das Startup etwa auch Vorwürfe, nach denen einzelne Mitarbeiter absichtlich in bestimmte Positionen gedrängt worden seien. Und: Einige der ausgeschiedenen Manager hätten dem Bericht zufolge auch Zweifel an dem auf vergleichsweise hohen Kreditzinsen fußenden Geschäftsmodell von Kreditech gehabt. Öffentlich ist diese Kritik bekannt, dass aber auch intern nicht alle damit einverstanden sind, überrascht trotzdem. Wie es den Insidern zufolge heißt, hätten ehemalige Mitarbeiter moralische Bedenken gehabt, da man ein Produkt verkaufe, „welches den eigenen Kunden schade“.

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8 Reaktionen
Hans Jutta
Hans Jutta

Es ist absolut erbärmlich was Kreditech (vor allem Sebastian Diemer) macht. Kein Wunder dass Mitarbeiter das Unternehmen verlassen.

Manche Menschen verbessern die Welt. Andere beuten aus mit Wucherzinsen.

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Susanne
Susanne

Würdet Ihr einen Verletztem oder einen Bettler der am Boden liegt so richtig ins Gesicht treten? Genau das macht Kreditecht!

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Björn Dorra

@Susanne Magst Du mal schreiben, was die "genau" machen? Würde mich interessieren...

Pawel
Pawel

Also das mit den "welches den eigenen Kunden schade", "moralische Bedenken" und "Zweifel an dem [...] hohen Kreditzinsen" finde ich irgedwie lächerlich.
Wem das alles nicht passt, kann doch einfach Kündigen.
Gibt es nicht in fast jeder Firma Angestellte, die etwas gegen das Geschäftsmodell haben?
Bei der Telekom gibt es bestimmt auch Angestellte die moralische Bedenken haben, dass das Internet gedrosselt wird. Bei der 1822direkt Bank haben bestimmt paar Angestellte Zweifel an dem hohen Kreditzins. Und mit geschlossenen Fonds schaden fast alle Banken ihren Kunden mehr, als Kreditech das jemals schaffen würde.

Ich kann auch nachvollziehen, dass Gründer oft ausrasten wenn die Angestellten sich nicht so engagieren wie die Gründer selbst. Was aber nicht heißen soll, dass ich es gut finde. Nur, dass ich es nachvollziehen kann.

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Anonym
Anonym

ich wurde gerade von der pr abteilung kontaktiert das ich positiv schreiben soll warum ich gekündigt habe

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Katharina Neumann-Wolff

Ein paar einzelne Zitate sind ja noch nicht wirklich aussagekräftig... sollten aber wirklich so viele Manager (wobei Manager in einem Startup ja sehr relativ ist) bzw. Führungskräfte gehen ist das schon ein eindeutigeres Zeichen. Man wird sehen wo die Reise hin geht ...

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Björn Dorra

@Ralle - Steve Jobs war teilweise "Rauh" im Ton. Nur vergleichen lässt sich das nicht. Wenn die Zitate wahr sind, ist das Verhalten von Herrn Diemer mehr als fragwürdig.

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Ralle
Ralle

Vielleicht er am Ich-hab-Steve-Jobs-Biographie-gelesen-und-kopiere-sein-Verhalten Syndrom? Darauf lässt auch die englische Ausdrucksweise schließen...

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