Du hast deinen AdBlocker an?

Es wäre ein Traum, wenn du ihn für t3n.de deaktivierst. Wir zeigen dir gerne, wie das geht. Und natürlich erklären wir dir auch, warum uns das so wichtig ist. Digitales High-five, deine t3n-Redaktion

Marketing

Wie man NICHT auf Kritik reagieren sollte: Tinder verliert auf Twitter die Nerven

    Wie man NICHT auf Kritik reagieren sollte: Tinder verliert auf Twitter die Nerven

Tinder und der Tweetstorm. (Logo: Tinder)

„Schade dass du nicht an Fakten interessiert bist!“ Als Reaktion auf einen kritischen Artikel hat das Social-Media-Team von Tinder gestern Abend ein wahres Twitter-Feuerwerk gezündet. Wir zeigen worum es ging – und natürlich die besten Tweets.

(Foto: cyclonebill / flickr.com, Lizenz: CC-BY-SA)

Popcorn raus – es gibt einen neuen Tweetstorm

Naja, eigentlich mehr einen Monolog. Geführt von dem oder der Twitter-Verantwortlichen der Dating-App Tinder, welche kürzlich in einem Online-Artikel der Vanity-Fair nicht besonders gut weg gekommen ist.

Hier die Hintergründe: In ihrem Artikel „Tinder und der Beginn der Dating-Apokalypse“ beschreibt Nancy Jo Sales, wie Tinder, OkCupid und andere Dating-Apps das moderne Flirtverhalten auf das bloße Verabreden unverbindlicher Sex-Treffen reduzieren. Die Autorin zitiert Anmach-Sprüche wie „Willste ficken?“ oder „Ich will dich auf allen Vieren“, die die App-Nutzer von Personen, die sie noch nie persönlich getroffen hatten, erhalten haben. Dabei stellt sie explizit die Frage, ob Dating-Apps möglicherweise eine neue Flirt-Kultur erschaffen – oder zumindest befeuert – haben, die Frauen diskriminiert.

Tinder wehrt sich gegen kritischen Artikel – auf Twitter

In Sales’ Artikel geht es nicht speziell um Tinder, eher um ein gesellschaftliches Phänomen, das sie als besorgniserregend beschreibt. Trotzdem spielt Tinder, das durch seine Wischgesten-Steuerung das moderne Date-Anbahnungs-Verfahren maßgeblich beeinflusst hat, sowohl im Titel als auch in vielen der verwendeten Beispiele und Formulierungen eine tragende Rolle. Und diese Tatsache ist den Social-Media-Verantwortlichen von Tinder offensichtlich sauer aufgestoßen.

In einer insgesamt 31 Tweets umfassenden Antwort stellen sie ihre Sicht der Dinge klar. Den Artikel verstehen sie offenbar als persönlichen Angriff auf Tinder. Sie werfen Nancy Jo Sales vor, das Unternehmen vorher nicht kontaktiert zu haben, stellen den Schilderungen der Journalistin eigene, anders lautende Statistiken gegenüber und erklären: Tinder vernichte auf keinen Fall die moderne Romantik, sondern bringe vielmehr eine größere Anzahl an Menschen zusammen als je zuvor.

tinder_tweetstorm_1

Die gesamte Abfolge an Tweets haben wir bei Storify für euch zusammengestellt.

So reagiert das Netzwerk auf den Rant

In der Sache selbst mögen einige der von Tinder vorgebrachten Kritikpunkte berechtigt sein – immerhin schreibt der Artikel dem Unternehmen implizit eine Mitverantwortung für den modernen Sittenverfall zu und rückt seine Nutzer in ein schlechtes Licht. Die Verantwortlichen bei Tinder scheinen also die Notwendigkeit verspürt zu haben, sich vor ihre Community zu stellen. Der „Rant“ hat trotzdem eine Vielzahl an Spöttern auf den Plan gerufen, die Tinder jetzt für seine Tweet-Abfolge aufs Korn nehmen:

Tinder_Twitter_Vanity_Fair_Reaktionen

Doch es gibt auch andere Stimmen. Investor Marc Andreessen beispielsweise amüsiert sich über die zahlreichen vermeintlichen PR-Profis, die Tinder jetzt an den Pranger stellen:

Ein anderer Nutzer pflichtet ihm bei: Ließen Unternehmen bestimmte Ereignisse unkommentiert, werfe ihnen man Geheimniskrämerei vor, äußerten sie sich dazu, wäre es aber auch nicht richtig:

Tinder_Twitter_Vanity_Fair_Reaktionen_2

Was hat Tinder falsch gemacht?

Das eigentliche Problem an Tinders Reaktion ist aber nicht die Tatsache, dass das Unternehmen Stellung bezogen hat. Vielmehr hat es sowohl in der Tonalität als auch in der Wahl der Plattform kein glückliches Händchen bewiesen. Ein Statement, das sich über mehr als 30 Tweets zieht, sollte allein schon aus Gründen der Lesbarkeit vielleicht nicht unbedingt via Twitter verbreitet werden.

Und auch der Tonfall der Verfasser lässt nicht unbedingt auf Souveränität schließen – obwohl mittlerweile eigentlich den meisten Social-Media-Verantwortlichen klar sein dürfte, dass negative Emotionen und Ironie im Social Web mit äußerster Vorsicht genossen werden sollten.

„Wie ein unreifer Ex-Freund“

Die Anschuldigungen in Richtung Nancy Jo Sales werden nicht direkt an sie adressiert, sondern einfach öffentlich in den Raum gestellt. Wirklich sachlich bleiben die Verfasser in ihren Aussagen auch nicht: eine „scheiß-große Anzahl an Hochzeiten“ („a shit ton of marriages“) sei durch Tinder schon zustande gekommen – nicht unbedingt eine verlässliche Datengrundlage. Tinder gibt sich persönlich angegriffen, irrational und besserwisserisch – fast so wie jemand, der gerade von seiner Freundin abserviert worden ist: „LOL, Tinder reagiert wie mein unreifer Ex-Freund“, twittert Nutzerin Christina Seo.

Mit seiner überstürzten Reaktion hat das Social-Media-Team von Tinder sich keinen Gefallen getan. Während es durchaus in Ordnung gewesen wäre, Stellung zu dem Artikel von Nancy Jo Sales zu beziehen, haben die Wahl des Mediums und der Tonfall letztlich dazu geführt, dass Tinder unseriöser wirkt und noch viel mehr Menschen den Artikel lesen werden. Wenn Tinder also nicht nach der Maxime „Any PR is good PR“ gehandelt hat, haben wir es mit einem handfesten Social-Media-Fail zu tun.

Und jetzt?

Gegenüber der US-amerikanischen WIRED hat Tinder immerhin zugegeben, „überreagiert“ zu haben. Das Unternehmen steht zu seinem Twitter-Rant und hat die entsprechenden Tweets auch nicht gelöscht. Einige Twitter-Nutzer wünschen sich von Tinder jetzt eine neue, angemessenere Reaktion:

Andere sehen das Ganze einfach mit Humor.

Was haltet ihr von Tinders Twitter-Tirade? Schreibt uns einen Kommentar!

Finde einen Job, den du liebst

3 Reaktionen
updates für alle
updates für alle

Tinder hat wohl seit heute einen Ex-Gründer als neuen CEO.

Antworten

Melde dich mit deinem t3n-Account an oder fülle die unteren Felder aus.

Abbrechen