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Mega-Trend: Alles, was du jetzt über Künstliche Intelligenz wissen musst

Mega-Trend: Alles, was du jetzt über Künstliche Intelligenz wissen musst

Was von der South by Southwest () in Austin bleibt, ist die Erkenntnis, dass die künstliche Intelligenz nicht mehr aufzuhalten ist. Sie wird die Menschheit verändern – und uns vielleicht sogar unseren Körper kosten.

Mega-Trend: Alles, was du jetzt über Künstliche Intelligenz wissen musst

(Foto: Shutterstock)

Computer besiegt besten GO-Spieler der Welt

Im Kontext digitaler Technologien deutet derzeit vieles auf einen nächsten großen Entwicklungsschritt hin. Nur fassen lässt er sich noch nicht so recht. Steve Case, der frühere Chef von AOL, beschreibt in seinem demnächst erscheinenden Buch eine dritte Welle, in der das Internet nun eine Reihe von Bereichen der realen Welt wie Gesundheit, Bildung, Transport, Energie und Lebensmittel transformieren und dabei unser tägliches Leben verändern wird.

Zeitgleich zur SXSW besiegte ein Computer erstmals einen der besten Go-Spieler der Welt, was als ein weiterer Meilenstein auf dem langen Weg der künstlichen Intelligenz (KI) auch in Austin breite Beachtung fand. Dabei sind sich die meisten Experten einig, dass der Weg zur AI auf menschlichem Level oder gar zur dem Menschen überlegenen Superintelligence noch weit ist. Weit auseinander gehen allerdings die Meinungen darüber, wie weit genau — und ob nicht auch eine exponentielle Entwicklung zu erwarten ist, wie sie Tim Urban in seinem einflussreichen Posting bei Wait but Why beschrieben hat.

Die „Superintelligence“ löst den Menschen ab

Der in Oxford lehrende Philosoph Nick Bostrom stellte 2014 in seinem Buch Superintelligence die vieldiskutierte These auf, dass AI den Menschen als höchste Lebensform ablösen wird, sobald sie ihm intellektuell überlegen ist. Die in Austin versammelten Experten sehen Bostroms These durchaus kritisch. Da ist sehr viel Angst im Spiel, Angst vor der möglichen oder zu erwartenden Überlegenheit der Technik. Klar scheint aber: Die großen Fragen der Menschheit sind in der Tech-Szene angekommen.

(Grafik: Waitbutwhy)
(Grafik: Waitbutwhy)

Was derzeit geschieht, verbindet viele einzelne Punkte. Wie schon das Internet durch die Vernetzung vieler einzelner Maschinen und wie das Web 2.0 durch die Vernetzung vieler einzelner Menschen jeweils eine neue Qualität schuf, so gehen nun AI und Techniken wie Machine Learning neue Verbindungen zum Beispiel mit VR und AR ein, die letztlich neue Schnittstellen, Interfaces zwischen Mensch und Maschine darstellen. Die Rollenverteilung zwischen Mensch und Maschine wird dadurch neu definiert: Human-assisted AI verhält sich zum AI-augmented human wie Augmented Reality (AR) zu Virtueller Realität (VR).

Neuer Turmbau zu Babel

Eine interessante Diskussion am vierten Tag der SXSW näherte sich dem Thema aus theologischer Perspektive. Denn die Singularity, verstanden als eine allgemeine, nicht auf einzelne Bereiche beschränkte künstliche Intelligenz mit der Fähigkeit, sich selbst zu verbessern, stellt auch die Gottesfrage neu. Die Technologie Gottes heißt in religiöser Sprache Schöpfung, und verglichen damit ist die Technologie des Menschen immer unterlegen, so eine These.

Die Sprachverwirrung, Bibelillustration von Gustave Doré (1865).
Die Sprachverwirrung, Bibelillustration von Gustave Doré (1865).

Lässt sich Superintelligence theologisch als neuer Turmbau zu Babel begreifen? Es geht um die Frage nach Gott, die Gottesebenbildlichkeit des Menschen — die in christlicher Perspektive den Menschen erst zum Menschen macht — und die uralte Furcht, dass sich der Mensch an die Stelle Gottes setzt oder gar künstliche Intelligenz an die Stelle Gottes tritt, mit möglicherweise fatalen Folgen für die Menschheit.

Dabei gibt es zwei Aspekte des Menschseins, die AI nicht leisten kann und wohl auch niemals leisten können wird: Körper und Seele. Der Mensch ist ein Wesen mit Körper, Geist und Seele. Künstliche Intelligenz emuliert nur den Geist, nicht Körper oder Seele.

Und während sich die Existenz einer unsterblichen Seele leicht leugnen lässt, ist die Existenz des menschlichen Körpers evident. AI kann zwar unser Verhalten verändern, aber unsere menschliche Natur nicht. Embodiment, also Verkörperlichung oder auch Inkarnation, ist ein wichtiger Teil des menschlichen Daseins.

Sollte es die Singularity einst erlauben, unser Bewusstsein in ein System künstlicher Intelligenz hochzuladen, dann ginge damit der Verlust unseres Körpers einher. Der Körper ist jedoch zu wichtig für unser Menschsein, als dass wir uns seinen Verlust leisten könnten.

AI wird niemals eine Seele haben können

Schon vor dem Verlust des Körpers steht indes der mögliche Verlust jeglicher Privatsphäre und unseres freien Willens. Das setzt allerdings voraus, dass beides überhaupt existiert. Würde unser Bewusstsein mit AI verbunden, so verlieren wir dadurch unseren einzigartigen, persönlichen Blick auf die Welt — den würden wir dann mit einer Maschine teilen.

Ebenso wäre vorstellbar und sogar wahrscheinlich, dass eine mit unserem Bewusstsein verbundene AI auch unsere persönlichen Wünsche manipulieren kann. Wir verlören damit die Kontrolle über den eigenen Willen, denn wir können nur wollen, was unseren Wünschen entspricht. Was ist, wenn Software unsere Wünsche ändert? Kann Software einen religiösen Glauben haben?

AI wird niemals eine Seele haben können, wie der Mensch eine hat. Die Antwort hängt daher vom Begriff der Seele an sich ab. Wenn AI überhaupt einen Glauben entwickeln kann, dann auch einen religiösen Glauben. Auch Materialismus zum Beispiel ist ein religiöser Glaube, selbst wenn hartgesottene Materialisten das häufig nicht einsehen wollen.

AI stellt die Frage nach dem, was den Menschen ausmacht, also neu und in neuer Schärfe. Dabei geht es um weit mehr als bloße Verhaltensänderungen, wie sie uns Robert Overweg in Austin berichtet hat. Er arbeitet an Chat-Apps für den Kundenservice, die im Backend mit Machine Learning arbeiten und sich so kontinuierlich selbst verbessern sollen.

Human-assisted AI als nächstes großes Ding

Bereits heute ist zu beobachten, dass die Nutzer der App ihrem virtuellen Gegenüber mit positiven Emotionen begegnen und viele sich sogar am Ende eines Dialogs bedanken — obwohl sie wissen, dass sie mit einer Maschine gesprochen haben. Doch entscheidend ist die zu lösende Aufgabe, denn ein Mensch in einem Call Center, der gar nicht erst ans Telefon zu bekommen ist, der dann selbst nur einem Skript folgt und am Ende womöglich mein Problem nicht lösen kann, nutzt auch nichts.

Schon heute kann ein sehr großer Anteil aller Kundenprobleme direkt in der App gelöst werden, und der Mensch muss nur dann eingreifen, wenn die Maschine nicht mehr weiterweiß. Human-assisted AI nennt Max Levchin diesen Trend. So bewegt sich die Debatte auf der SXSW und in der Techszene insgesamt zwischen den großen Fragen der Menschheit und den kleinen, fast schon alltäglichen Anwendungen der künstlichen Intelligenz, die der Konsument gar nicht als solche wahrnimmt, sondern mit hoher Selbstverständlichkeit einfach nutzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Medium.com.

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